Das Stahlhaus am Columbiadamm, dahinter der Radarturm des Flughafens Tempelhof.
Das Mahnmal für das KZ Columbia-Haus steht am Columbiadamm, Ecke Golßener Straße, in Berlin-Tempelhof, gegenüber vom früheren Flughafen. Der Bildhauer Georg Seibert hat aus rostbraunem Cortenstahl ein Haus aus einzelnen Teilen gebaut: Außenwand, Trennwände, Dach und eine frei stehende Giebelwand. Die parallelen Wände deuten enge Zellen an. Das Haus ist fast drei Meter hoch. Eingeweiht wurde es am 3. Dezember 1994.
Die Giebelwand
Die Giebelwand steht für sich, wie ein Grabstein. Die Schrift ist vertieft und durchbrochen in den Stahl gearbeitet. Sie beginnt mit „ERINNERN / GEDENKEN / MAHNEN“ und nennt das Columbia-Haus als Gefängnis ab 1933 und als Konzentrationslager vom 8. Januar 1935 bis zum 5. November 1936. Dann folgt der Satz: „Hier wurden Menschen gefangengehalten, entwürdigt, gefoltert, gemordet.“

156 Zellen am Tempelhofer Feld
Das Columbia-Haus wurde 1896 als Militär-Arrestanstalt mit 156 Zellen gebaut. Seinen Namen bekam es nach dem Flugzeug „Columbia“, das 1927 nach einem Atlantikflug auf dem Tempelhofer Feld landete. Ab Frühjahr 1933 wurden hier wieder Gefangene festgehalten, bald 400 bis 450 Männer zugleich. Ende 1934 kam das Haus zur Inspektion der Konzentrationslager. Es war das einzige Konzentrationslager der SS in Berlin.
Rund 8.000 Männer waren insgesamt inhaftiert: politische Gegner, Geistliche, Juden, Homosexuelle. Jüdische Häftlinge wurden von Anfang an besonders schlecht behandelt. Unter den Gefangenen waren Leo Baeck, Hans Litten, Werner Seelenbinder und Erich Honecker. Wie viele Menschen starben, ist nicht geklärt. Im November 1936 kamen die Häftlinge in das neue KZ Sachsenhausen, 1938 wurde das Haus für den Flughafenneubau abgerissen.
Auf der anderen Straßenseite
Das Lager stand etwa 150 Meter weiter westlich auf der Südseite des Columbiadamms. Seiberts Entwurf gewann 1989/90 einen Kunstwettbewerb. Das Flughafengelände war damals wegen der US-Armee nicht zugänglich, also kam das Mahnmal auf die Nordseite.
Inzwischen stehen zwei Infostelen eines Geschichtspfads daneben. Seit September 2024 liegt gegenüber auf der Böschung vor dem Flughafengebäude ein 42 Meter langer Schriftzug aus Stahlrahmen und rotem Ziegelbruch: „nicht mehr zu sehen“.
Steckbrief
Bildhauer*in
Georg Seibert
Ort
Columbiadamm, Ecke Golßener Straße, Tempelhof
Entstanden
Wettbewerb 1989/90, eingeweiht 1994
Zustand
erhalten, frei zugänglich
Nächste Haltestelle
Golßener Straße (Bus M43), ca. 50 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Charlottenburg nach Neukölln.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Auf derselben Tour: die Carl-Herz-Stele vor dem Rathaus Kreuzberg und das Mossehaus an der Schützenstraße.
