Die Büste auf der Bronzesäule, 2021 mit grüner Patina.
Auf dem Vorplatz des Rathauses Kreuzberg an der Yorckstraße in Berlin-Kreuzberg steht eine Bronzestele mit der Büste von Carl Herz. Der Bildhauer Joachim Dunkel hat sie 1985 geschaffen.
Herz war Jurist, Sozialdemokrat und Jude. 1926 wurde er zum Bürgermeister des Bezirks gewählt, im März 1933 trieb ihn die SA aus dem Amt. Die Büste sitzt auf einer Bronzesäule, die an der Front eine lange Inschrift trägt.
Der 10. März 1933
Carl Herz kam 1877 in Köthen zur Welt. Er war Anwalt in Altona und von 1921 bis 1926 zweiter Bürgermeister in Spandau, bevor Kreuzberg ihn wählte. Am 10. März 1933 stürmte ein SA-Trupp das Rathaus und griff die Beschäftigten und den Bürgermeister an. SA-Männer trieben Herz durch die Straßen, er wurde getreten, geschlagen und beschimpft. Ein Polizist nahm ihn fest und führte ihn ab. Das bewahrte ihn davor, in das frühe Konzentrationslager in der Friedrichstraße gebracht zu werden.
Danach arbeitete Herz als Jurist, vor allem für jüdische Mandant*innen. 1939 emigrierte er mit seiner Frau Else nach England, nach dem Krieg zog er weiter nach Palästina. 1951 starb er in Haifa.
Was auf der Stele steht
Die Inschrift an der Front nennt die Wahl von 1926 und die Vertreibung von 1933 „aus politischen und rassischen Gründen“. Herz sei als einer der ersten Kommunalpolitiker aus dem Amt entfernt worden, weil er für den Ausbau einer demokratischen Verwaltung arbeitete. Darunter steht ein Satz von ihm, gezeichnet mit „Haifa 1951“: Die Kraft des deutschen Volkes müsse „nicht der Zerstörung der Welt, sondern ihrer Verschönerung dienstbar gemacht werden“.
Auf der Rückseite der Büste steht die Signatur „J. D.“ für Joachim Dunkel, der von 1925 bis 2002 lebte. Hinten am Fuß ist die Gießerei vermerkt.
Gedenken vor dem Rathaus
Enthüllt wurde die Stele im Dezember 1985. Wer sie in Auftrag gab, ist nicht belegt. 2006 war der Fuß korrodiert, sonst ist sie vollständig. 2018 zeigte der Bezirk im Rathaus eine Ausstellung über Herz. Jedes Jahr am 10. März legen Vertreter*innen des Bezirksamts vor dem Gebäude Blumen nieder.
Steckbrief
Bildhauer*in
Joachim Dunkel
Ort
Yorckstraße 4 bis 11, Kreuzberg
Entstanden
1985
Zustand
erhalten, frei zugänglich
Nächste Haltestelle
U Mehringdamm (U6, U7), ca. 200 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Charlottenburg nach Neukölln.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Auf derselben Tour: das Mahnmal für das KZ Columbia-Haus am Columbiadamm und das Jüdische Museum in der Lindenstraße.
