Unterwegs zu Fuß

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Züge in das Leben, Züge in den Tod: Kindertransport-Denkmal

Bronzegruppe von Kindern mit Koffern auf einem Steinsockel: vorn hell patiniert ein Junge mit Rucksack und Koffer und ein Mädchen mit Teddy, dahinter dunkel patiniert Kinder mit dem Rücken zur Kamera, im Hintergrund ein Bahnviadukt

Beide Gruppen vor dem Bahnviadukt, vorn der Junge mit Koffer und das Mädchen mit Teddy.

Das Denkmal „Züge in das Leben, Züge in den Tod“ steht an der Georgenstraße, Ecke Friedrichstraße, am südwestlichen Eingang des Bahnhofs Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Sieben fast lebensgroße Kinder aus Bronze stehen in zwei Gruppen, die in entgegengesetzte Richtungen gehen. Der Bildhauer Frank Meisler hat sie geschaffen. Enthüllt wurde die Gruppe am 30. November 2008.

Zwei Kinder fahren, fünf bleiben

Die zwei helleren Figuren, ein Junge mit Koffer und ein Mädchen mit Teddy, stehen für die rund 10.000 meist jüdischen Kinder, die zwischen Ende November 1938 und dem Kriegsbeginn ohne ihre Eltern nach Großbritannien ausreisen konnten. Die fünf dunklen Figuren stehen für die Kinder, die deportiert und ermordet wurden. Die Tafel am Denkmal nennt über 1,5 Millionen. Zwischen den Gruppen liegt ein Stapel Koffer, am Sockel sind Gleisstücke angebracht. Dort steht auch die Inschrift: „Züge in das Leben – Züge in den Tod 1938-1945“.

Nach den Novemberpogromen 1938 hatte das britische Parlament die Einreise der Kinder erlaubt. Der erste Transport mit knapp 200 Kindern verließ Berlin Ende November 1938. Die meisten Züge fuhren in die Niederlande, von Hoek van Holland ging es mit dem Schiff nach Harwich. Viele Kinder sahen ihre Eltern nie wieder.

Der Bildhauer war eines der Kinder

Frank Meisler wurde 1925 in Danzig geboren. Im August 1939 kam er mit einem der letzten Transporte über Berlin nach London. Seine Eltern wurden kurz danach verhaftet und später ermordet. Meisler studierte Architektur in Manchester und arbeitete später in Jaffa. 2018 ist er gestorben.

Die Idee für das Berliner Denkmal hatte Lisa Schäfer vom Verein „Kindertransporte“. Den ersten Entwurf lehnte die Senatskulturverwaltung ab, weil ihr die Gruppe zu unbeschwert wirkte. Aufgestellt wurde die überarbeitete Fassung mit den zwei und den fünf Kindern. Meisler schenkte die Skulptur der Stadt Berlin. Die Glastafeln mit den Erläuterungen kamen im August 2009 dazu. Weitere Gruppen von ihm stehen in London, Danzig, Hoek van Holland und Hamburg.

Zustand heute

Im September 2021 wurde das Denkmal mit einer öligen Flüssigkeit übergossen, die sich fast vollständig abwischen ließ. Es steht weiter an seinem Platz auf dem Gehweg vor dem Bahnhof.

Bildhauer*in

Frank Meisler

Ort

Georgenstraße, Ecke Friedrichstraße, Mitte

Eingeweiht

30. November 2008

Zustand

erhalten, frei zugänglich

Nächste Haltestelle

S+U Friedrichstraße (S1, S2, S5, S7, U6), ca. 50 m

Am Weg

Ich bin hier auf mehreren Touren durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Durch Mitte, vom Bahnhof Friedrichstraße zum Alexanderplatz, Von Pankow nach Mitte und Von Charlottenburg nach Mitte.

HS+U Friedrichstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Das H markiert die nächste Haltestelle.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Ebenfalls in Mitte: der Block der Frauen in der Rosenstraße und „Der verlassene Raum“ auf dem Koppenplatz.