Unterwegs zu Fuß

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Block der Frauen: Hunzingers Denkmal in der Rosenstraße

Skulpturengruppe „Block der Frauen“ von Ingeborg Hunzinger aus rotem Sandstein in der Rosenstraße

Die Skulpturengruppe in der Grünanlage an der Rosenstraße.

Der „Block der Frauen“ steht in einer kleinen Grünanlage an der Rosenstraße in Berlin-Mitte. Die Bildhauerin Ingeborg Hunzinger hat die Gruppe aus rotem Stein von 1989 bis 1994 gearbeitet, aufgestellt wurde sie 1995. Sie erinnert an die Frauen, die hier Ende Februar und Anfang März 1943 tagelang für ihre verhafteten jüdischen Männer und Angehörigen protestierten.

In der Mitte stehen zwei Frauen, die sich gegenseitig stützen, ihnen gegenüber gefangene Männer. Links warten Frauen mit Kindern, rechts ist das Wiedersehen nach der Freilassung dargestellt.

Die Woche in der Rosenstraße

Am 27. Februar 1943 verhafteten SS und Gestapo in der sogenannten Fabrik-Aktion 8.000 bis 11.000 Jüdinnen und Juden, die meisten an ihren Zwangsarbeitsplätzen. Wer in einer „Mischehe“ lebte, kam in das Haus Rosenstraße 2 bis 4, das frühere Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde. Rund 2.000 Menschen wurden dort festgehalten.

Noch am selben Abend versammelten sich Ehefrauen, Töchter und andere Angehörige vor dem Haus. Sie blieben etwa eine Woche, auch als die Polizei sie vertreiben wollte. Am 6. März kamen die ersten Inhaftierten frei, in den Tagen danach fast alle anderen. Wie viel der Protest selbst dazu beitrug, ist in der Forschung umstritten. Die übrigen Verhafteten der Aktion wurden deportiert, die meisten nach Auschwitz.

Sätze im Stein

In die Blöcke sind die Jahreszahl 1943 und kurze Zeilen gehauen: „DIE KRAFT DES ZIVILEN UNGEHORSAMS / DIE KRAFT DER LIEBE / BEZWINGEN DIE GEWALT DER DIKTATUR“, dazu „GEBT UNS UNSERE MÄNNER WIEDER“ und „FRAUEN STANDEN HIER / TOD BESIEGEN / JÜDISCHE MÄNNER WAREN FREI“.

In der DDR entworfen, 1995 aufgestellt

Hunzinger, 1915 geboren und 2009 gestorben, entwarf das Denkmal in den 1980er Jahren in Ost-Berlin. Verwirklicht wurde es dort nicht mehr. Eingeweiht wurde es am 18. Oktober 1995. Die Glastafel mit dem Foto des Hauses kam 1998 dazu, eine Infostele 2016.

Im August 2024 wurde die Gruppe mit antisemitischen Parolen besprüht, im September noch einmal mit einem Schriftzug. Nach Angaben des Senats wird die Anlage an jedem Werktag kontrolliert. Seit 2021 wird der Stein in Etappen restauriert. Jedes Jahr am 27. Februar endet hier ein Schweigemarsch, und vor der Skulptur werden weiße Rosen niedergelegt.

Bildhauer*in

Ingeborg Hunzinger

Ort

Rosenstraße 1 bis 2, Mitte

Entstanden

1989 bis 1994, eingeweiht 1995

Zustand

erhalten, frei zugänglich

Nächste Haltestelle

S Hackescher Markt (S3, S5, S7, S9), ca. 250 m

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Durch Mitte, vom Bahnhof Friedrichstraße zum Alexanderplatz.

HS Hackescher Markt
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Das H markiert die nächste Haltestelle.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

In der Nähe: „Der verlassene Raum“ auf dem Koppenplatz und das Kindertransport-Denkmal am Bahnhof Friedrichstraße.