Tisch, Stuhl und umgestürzter Stuhl auf dem Bronzeparkett.
„Der verlassene Raum“ steht in der Grünanlage auf dem Koppenplatz in Berlin-Mitte. Es ist ein Zimmer ohne Wände, ganz aus Bronze: ein Parkettboden im Fischgrätmuster, darauf ein leerer Tisch, ein Stuhl daneben und ein zweiter Stuhl, der umgestürzt gegenüber liegt.
Der Bildhauer Karl Biedermann hat das Mahnmal zusammen mit der Landschaftsarchitektin Eva Butzmann entworfen. Es erinnert an die jüdischen Berliner*innen, die aus ihren Wohnungen geholt und deportiert wurden.
Parkett, Tisch, zwei Stühle
Die Bodenplatte misst 5,40 mal 4,30 Meter, mit Tisch und Stuhl ist das Werk 1,10 Meter hoch. Die Platte ist begehbar. Du stehst dann mitten im Zimmer, und außer den Möbeln ist niemand da. Das Bezirksamt Mitte deutet das Bild so: Die Opfer sind vertrieben, verschleppt, vernichtet, die Täter bleiben verborgen.
Um alle vier Seiten läuft ein Schriftband mit erhabenen Buchstaben. Es sind Verse von Nelly Sachs aus dem Band „In den Wohnungen des Todes“ von 1947. Sie beginnen so: „O die Wohnungen des Todes, / Einladend hergerichtet / Für den Wirt des Hauses, der sonst Gast war“. Sachs wurde 1891 in Berlin geboren und starb 1970 in Stockholm.
Ein DDR-Wettbewerb, 1996 aufgestellt
1988 schrieb der Ost-Berliner Magistrat zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome einen Wettbewerb für ein „Denkmal für das Wirken jüdischer Bürger“ aus. Für die DDR war das ungewöhnlich, die Verfolgung der Jüdinnen und Juden kam im öffentlichen Gedenken bis dahin kaum vor. Biedermann und Butzmann gewannen. Gebaut wurde erst nach der Wende: 1996 kam das Denkmal mit Geld aus dem Senatsprogramm „Kunst im Stadtraum“ auf den Platz. Der genaue Tag der Einweihung ist nicht belegt.
Der Platz und der Bunker
Rund um den Koppenplatz, am Rand des früheren Scheunenviertels, gab es bis 1933 viele jüdische Einrichtungen. Auf dem Platz selbst stand ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. 1995 wurde seine Deckenplatte abgerissen, das Gelände eingeebnet und begrünt. Das Denkmal steht auf dem nördlichen Teil dieser Fläche.
Ein Zustandsbericht von 2009 vermerkt ein abgelaufenes Parkett und einen Riss in einem Bein des umgestürzten Stuhls, sonst war das Werk vollständig und in gutem Zustand.
Steckbrief
Entwurf
Karl Biedermann mit Eva Butzmann
Ort
Koppenplatz, Mitte
Entstanden
Wettbewerb 1988, aufgestellt 1996
Zustand
erhalten, frei zugänglich
Nächste Haltestelle
U Rosenthaler Platz (U8), ca. 300 m
Am Weg
Ich bin hier auf mehreren Touren durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Vom Gesundbrunnen nach Alt-Hohenschönhausen und Von Pankow nach Mitte.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Ebenfalls in Mitte: der Block der Frauen in der Rosenstraße und das Kaufhaus Jandorf an der Brunnenstraße.
