Unterwegs zu Fuß

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Mossehaus: Mendelsohns runde Ecke im Zeitungsviertel

Gerundete Ecke des Mosse-Zentrums an der Schützenstraße mit horizontalen Fensterbändern, heller Stein und schwarz glänzende Verkleidung

Die gerundete Ecke an der Schützenstraße mit den Fensterbändern.

Das Mossehaus steht an der Schützenstraße, Ecke Jerusalemer Straße, in Berlin-Mitte, im alten Zeitungsviertel. Gebaut wurde es von 1901 bis 1903 als Druck- und Verlagshaus für Rudolf Mosse, den Verleger des „Berliner Tageblatts“.

Bekannt ist es für die gerundete Ecke mit den waagerechten Fensterbändern, die Erich Mendelsohn von 1921 bis 1923 baute. Was heute dort steht, ist allerdings ein Nachbau aus den Jahren 1993 bis 1995.

Eine neue Ecke nach den Kämpfen von 1919

Die Architekten Cremer & Wolffenstein hatten dem Haus eine Sandsteinfassade in neobarocken Formen gegeben. Im Januar 1919 wurde es während des Spartakusaufstands besetzt und an der Ecke mit dem Haupteingang schwer beschädigt. Der Verlag holte Mendelsohn. Er öffnete die Ecke und setzte ein Bauteil aus Eisen und Keramik ein: über dem Eingang ein kräftiges Gesims, darüber gestapelte Fensterbänder, die in den oberen Geschossen um den ganzen Baukörper laufen. Den übrigen Altbau ließ er, wie er war.

Mitgearbeitet haben Richard Neutra und Paul Rudolf Henning. Das Landesdenkmalamt sieht in der Ecke einen Neuanfang der Berliner Geschäftshausarchitektur.

Mosse, das Tageblatt und 1933

Rudolf Mosse, 1843 geboren, hatte 1867 in Berlin als Anzeigenvermittler begonnen und 1871 das „Berliner Tageblatt“ gegründet. Er starb 1920. Sein Schwiegersohn Hans Lachmann-Mosse leitete das Haus seit 1918 und emigrierte Anfang 1933 in die Schweiz. Im Juli 1933 kam die Firma unter Konkursverwaltung, das Tageblatt erschien bis zum 31. Januar 1939.

Auch Mendelsohn, 1887 in Allenstein geboren, verließ Deutschland 1933. Er ging über die Niederlande nach England, arbeitete in Jerusalem und starb 1953 in San Francisco.

Nachbau von 1995

Im Zweiten Weltkrieg wurden Mendelsohns Ecke und der Flügel an der Jerusalemer Straße zerstört, danach wurde vereinfacht wieder aufgebaut. Den Nachbau der Ecke aus den 1990er Jahren bewertet das Landesdenkmalamt architektonisch kritisch. Im Original erhalten ist das Druckereigebäude von Cremer & Wolffenstein an der Schützenstraße, das letzte der großen Verlagshäuser im Zeitungsviertel.

Das Mossehaus ist Baudenkmal und wird als Bürohaus genutzt.

Architekt*in

Cremer & Wolffenstein, Ecke von Erich Mendelsohn

Ort

Schützenstraße 25, Mitte

Gebaut

1901 bis 1903, Ecke 1921 bis 1923, Nachbau 1993 bis 1995

Zustand

Baudenkmal, Bürohaus

Nächste Haltestelle

U Kochstraße/Checkpoint Charlie (U6), ca. 450 m

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Charlottenburg nach Neukölln.

HU Kochstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Das H markiert die nächste Haltestelle.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Ebenfalls auf der Tour: das Jüdische Museum in der Lindenstraße und die Carl-Herz-Stele vor dem Rathaus Kreuzberg.