Berliner Ortsteile / Steglitz-Zehlendorf / Nikolassee
Nikolassee
Ortsteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf · Ortsteil 58 von 97
Nikolassee liegt im Südwesten Berlins zwischen Wannsee, Schlachtensee und Grunewald. Ich bin am 28. August 2022 vom S-Bahnhof aus 18,1 Kilometer durch den Ortsteil gelaufen, vom Strandbad Wannsee über die Insel Schwanenwerder und den Waldfriedhof zur Kirche und zum früheren Grenzübergang Dreilinden.

Kurz gesagt
- Nikolassee ist eine Villenkolonie. Die Heimstätten-Aktien-Gesellschaft gründete sie 1901 rund um den Bahnhof.
- Am Großen Wannsee liegt das Strandbad, in der Havel die Insel Schwanenwerder mit der Tuileriensäule.
- Im Süden liegen der Waldfriedhof mit dem Italienischen Ehrenfriedhof, an der Avus der frühere Grenzübergang Dreilinden mit der Raststätte.
- Seit 2020 gibt es den Ortsteil Schlachtensee. Nikolassee ist dadurch kleiner geworden.
Was Nikolassee ausmacht
Nikolassee ist ein ruhiges Wohngebiet mit einem kleinen Zentrum um den S-Bahnhof. Die Häuser stammen überwiegend aus der Zeit der Villenkolonie, das Bezirksamt nennt als frühe Zuzügler*innen Künstler*innen, Schriftsteller*innen, Wissenschaftler*innen und Architekt*innen, darunter Hermann Muthesius.

Dazu kommt Wasser: Im Westen reicht der Ortsteil bis an den Großen Wannsee und die Havel, in der Mitte liegt die Rehwiese, ein Landschaftsschutzgebiet. Im Süden grenzt Nikolassee an die Autobahn nach Potsdam.
Geschichte
1901 gründete die Heimstätten-Aktien-Gesellschaft auf dem Gelände des Guts Düppel eine 104 Hektar große Villenkolonie. Im selben Jahr begann der Bau des Bahnhofs, wo sich Stadtbahn und Wannseebahn kreuzen. 1910 wurde Nikolassee eine selbstständige Landgemeinde, 1912 weihte die Gemeinde ein Rathaus am Hohenzollernplatz ein, entworfen von Bruno Möhring.
1920 kam Nikolassee nach Groß-Berlin und gehörte mit Zehlendorf und Wannsee zum Verwaltungsbezirk Zehlendorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand im Süden der Waldfriedhof, weil die Berliner Friedhöfe in Stahnsdorf nach der Teilung in der sowjetischen Zone lagen. 1969 wurde der Kontrollpunkt Dreilinden an eine neue Stelle verlegt, 1973 eröffnete dort die Raststätte. 2001 ging Zehlendorf im Bezirk Steglitz-Zehlendorf auf, und am 11. Dezember 2020 wurde aus Flächen von Nikolassee und Zehlendorf der Ortsteil Schlachtensee gebildet.
Orte, die sich lohnen
Strandbad Wannsee
Das Strandbad Wannsee liegt am Wannseebadweg 25 direkt am Großen Wannsee. Am 8. Mai 1907 fiel das Badeverbot am Großen Wannsee, 1924 übernahm die Stadt Berlin das Bad. Nach einem Brand 1927, bei dem große Teile der Holzbauten zerstört wurden, entstand die heutige Anlage. Martin Wagner und Richard Ermisch planten sie für 1929 und 1930 als Stahlskelett mit gelben Klinkern, wegen der Weltwirtschaftskrise wurde nur der erste Bauabschnitt gebaut.

Das Bad steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Nach einer Sanierung ab 2005 wurde es 2007 zum 100-jährigen Jubiläum wiedereröffnet.
Wie die Anlage entstand und was daraus wurde, steht im Beitrag zum Strandbad Wannsee.

Eigener Beitrag
Strandbad Wannsee
- Architekt*in Martin Wagner und Richard Ermisch, Eingangsbau von Franz Fedler
- Ort Wannseebadweg 25, Nikolassee
- Gebaut 1927 bis 1930
- Zustand Gesamtanlage unter Denkmalschutz, saniert, Sommerbad, Teile gesperrt
- Nächste Haltestelle Wannseebadweg (ca. 900 m), Nikolassee (S-Bahn, ca. 1,2 km)
Schwanenwerder und die Tuileriensäule
Von Wannsee führt die Tour am Ufer entlang zur Insel Schwanenwerder, die über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Der Lampenfabrikant Friedrich Wilhelm Wessel kaufte die Insel 1882, ließ sie in Bauland aufteilen und stellte 1884 am Zugang ein Fragment des Pariser Tuilerienschlosses auf. Das Schloss war 1871 abgebrannt. Das etwa sieben Meter hohe Stück besteht aus einer Marmorsäule mit korinthischem Kapitell und Gesimsteilen und wurde 2003 restauriert.

In der NS-Zeit hatte Joseph Goebbels hier zwei Anwesen.
Waldfriedhof Zehlendorf und Italienischer Ehrenfriedhof
Von Schwanenwerder führt die Tour durch den Grunewald und am Schlachtensee entlang zum Waldfriedhof. Er wurde ab 1945 geplant und 1946 bis 1954 angelegt, Herta Hammerbacher und Max Dietrich entwarfen ihn. Er ist mit 375.000 Quadratmetern der größte landeseigene Friedhof im Bezirk. Die Feierhalle an der Potsdamer Chaussee entstand 1956 und 1957 nach Plänen von Sergius Ruegenberg und Wolf von Möllendorff, Travertinwände und freistehende Betonscheiben prägen sie. Sie steht laut Denkmaldatenbank in Nikolassee.

Auf dem Friedhof liegt auch der Italienische Ehrenfriedhof. Er wurde 1953 angelegt und erinnert an 1.183 in Berlin gefallene italienische Soldaten, teils Unbekannte, wie auch visitberlin schreibt.
Das Bezirksamt führt auf dem Waldfriedhof 44 Ehrengrabstätten des Landes Berlin, zu ihnen gehört das Grab von Willy Brandt.
Zum Italienischen Ehrenfriedhof gibt es einen eigenen Beitrag.

Eigener Beitrag
Italienischer Ehrenfriedhof
- Ort Waldfriedhof Zehlendorf, Wasgensteig 30, Nikolassee
- Angelegt 1953
- Bestattete 1.183 in Berlin gefallene italienische Soldaten, teils unbekannt
- Zustand Teil des Waldfriedhofs, Wiesenfläche mit Kissensteinen
- Nächste Haltestelle Waldfriedhof Zehlendorf (ca. 280 m), Studentendorf Schlachtensee (ca. 350 m)
Rehwiese, Kirche und Kirchweg
Hinter dem Waldfriedhof geht es zur Rehwiese, einem Tal, das Gletscher in der Eiszeit geformt haben. An ihrem Ostrand steht auf einer Anhöhe die Kirche Nikolassee am Kirchweg 19/21. Erich Blunck baute sie 1909 und 1910, im Jahr, in dem die Kirchengemeinde selbstständig wurde. Die helle verputzte Kirche hat ein Schieferdach, einen Turm mit schlanker Haube und eine Vorhalle.

Neben der Kirche liegt der Kirchhof. Die Heimstätten-Aktien-Gesellschaft legte ihn ab 1906 an, bis 1953 wurden hier alle Verstorbenen des Ortes ohne Unterschied des Bekenntnisses bestattet. Am Kirchweg stehen mehrere Bauten von Hermann Muthesius, darunter Haus Wild von 1913 und 1914 und der Mittelhof von 1914 bis 1918.
Dreilinden
Am Südrand des Ortsteils liegt Dreilinden, wo bis 1969 die Autobahn nach Westdeutschland den Berliner Rand erreichte. Der Kontrollpunkt lag bei Albrechts Teerofen und wurde 1969 mit der neuen Trasse an eine andere Stelle verlegt. Die DDR-Seite, die Grenzübergangsstelle Drewitz, lag in Brandenburg.
Die Raststätte eröffnete 1973, Rainer G. Rümmler entwarf sie. Der rosafarbene Turm mit blauem Band ist das auffälligste Gebäude am Weg. Das Haus steht unter Denkmalschutz und steht seit 2002 leer. 2012 wurde es für 535.000 Euro ersteigert, mehrere Pläne scheiterten. 2023 wurde es an die Autohaus-König-Gruppe verkauft, die dort Gastronomie, einen Treffpunkt und Büroräume plante.

Kontrollpunkt und Raststätte beschreibt der Beitrag zu Dreilinden genauer.

Eigener Beitrag
Dreilinden: Checkpoint Bravo und Raststätte
- Architekt*in Hans-Joachim Schröter (Kontrollgebäude), Rainer G. Rümmler (Raststätte und Tankstellen), Bildhauerin Renée Sintenis (Bär)
- Ort Potsdamer Chaussee 61A bis 63, Nikolassee
- Gebaut 1968 bis 1973, Bär 1956
- Zustand Gesamtanlage unter Denkmalschutz, Raststätte leerstehend
- Nächste Haltestelle Isoldestraße (ca. 460 m)
Bahnhof Nikolassee
Die Tour endet dort, wo sie begonnen hat. Der S-Bahnhof am Hohenzollernplatz 6 entstand 1901 und 1902 für die Heimstätten-Aktien-Gesellschaft, die Denkmaldatenbank nennt als Architekten Paul Vogler, das Bezirksamt zusätzlich Fritz Bräuning. Der neugotische Backsteinbau mit Turm und Zinnen sollte als Eingangstor der Kolonie wohlhabende Bürger anziehen. Nach dem Mauerbau verfiel er zunehmend, nach der Übernahme der S-Bahn durch den Senat 1984 wurde er umfassend renoviert, 2003 kam ein Aufzug dazu.

Meine Tour
Die Tour ist 18,1 Kilometer lang, ich war 3:48 Stunden in Bewegung. Ich bin am 28. August 2022 am S-Bahnhof Nikolassee losgelaufen. Der Weg führt zuerst nach Norden zum Strandbad und zur Insel Schwanenwerder, dann durch den Grunewald zum Schlachtensee und weiter nach Süden zum Waldfriedhof. Über die Rehwiese und die Kirche geht es nach Dreilinden und zurück zum Bahnhof.
Am Wegesrand
Ein Name, der nicht stimmt. Das Strandbad heißt Strandbad Wannsee, weil es am Großen Wannsee liegt. Der Ortsteil ist aber Nikolassee, das Bezirksamt und die Denkmaldatenbank führen es dort.
800.000 Gäste. Nach dem Ausbau kamen laut Denkmaldatenbank bis zu 800.000 Besucher*innen im Jahr. Heute hat das Bad nach Angaben der Berliner Bäder-Betriebe Platz für mehr als 30.000 Gäste am Tag.
Aus dem Sandwerder wurde der Schwanenwerder. Die Insel hieß Anfang des 18. Jahrhunderts Sandwerder. Den Namen Schwanenwerder bekam sie 1901.
Das erste Haus für sich selbst. Hermann Muthesius ließ 1906 und 1907 an der Potsdamer Chaussee 49A ein Landhaus für sich und seine Familie bauen, nach seiner Rückkehr aus England.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die Tour beginnt und endet am S-Bahnhof Nikolassee (S1, S7). Der Bus 312 fährt in den Sommerferien als Ringlinie vom Bahnhof zum Strandbad.
Strandbad Wannsee: Das Bad ist ein Sommerbad der Berliner Bäder-Betriebe, Preise und Öffnungszeiten stehen auf deren Website.
Passt dazu: Weiter am Wasser entlang führt der Weg 12 des Havelseenwegs, die frühere Grenze an der Autobahn beschreibt die Etappe 5 des Berliner Mauerwegs.
Von Nikolassee aus weiter
6 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.