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Zehlendorf
Ortsteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf · Ortsteil 63 von 97
Zehlendorf liegt im Südwesten Berlins am Rand des Grunewalds. Der Ortsteil besteht aus sehr verschiedenen Teilen: einem alten Dorfkern, einer Villenkolonie und gleich zwei Großsiedlungen. Ich bin am 10. März 2024 durch Zehlendorf gelaufen, 11,9 Kilometer durch die Waldsiedlung, an der Krummen Lanke entlang und zurück zur Dorfkirche.

Kurz gesagt
- Die Waldsiedlung Zehlendorf, auch Onkel-Tom-Siedlung genannt, hat Bruno Taut mitgeplant. Sie gehört seit Juli 2026 zum Welterbe.
- Wenige hundert Meter weiter liegt die SS-Kameradschaftssiedlung aus den Jahren 1937 bis 1940, ebenfalls ein Denkmal.
- Der Mexikoplatz ist ein kreisrunder Gartenplatz, den die S-Bahn in zwei Halbkreise teilt.
- Am Ende der Tour steht der alte Dorfkern mit der achteckigen Dorfkirche, der Friedenseiche und dem Heimatmuseum.
Was Zehlendorf ausmacht
Zehlendorf hat zwei Gesichter. Seit der Gründerzeit kauften Land- und Baugesellschaften Bauernhöfe auf und verkauften die Parzellen an wohlhabende Berliner*innen, Architekten wie Hermann Muthesius und Bruno Taut bauten hier. Daneben blieb ein dörflicher Kern erhalten, der als Dorfaue denkmalgeschützt ist: Dorfkirche, Friedenseiche und Heimatmuseum bilden den Historischen Winkel.
Die Siedlungen liegen im Grunewald, die Krumme Lanke gehört zur Grunewaldseenkette. Das Zentrum Zehlendorf-Mitte gilt dem Bezirksamt als größtes wohlhabendes Wohn- und Einkaufsviertel des Bezirks. Teltower Damm, Clayallee und die B 1 zerschneiden es, der Platz um das Rathaus ist ein Schwerpunkt der Verkehrsplanung.
Geschichte
Zehlendorf wird 1242 erstmals erwähnt. Eine Urkunde dieses Jahres hält fest, dass das Dorf für 300 Mark Silber an die Zisterzienser von Lehnin verkauft wurde. Es heißt dort Cedelendorp. Am 22. September 1838 wurde die Potsdamer Bahn eröffnet, die über Zehlendorf von Berlin nach Potsdam fuhr. 1872 wurde Zehlendorf eine selbstständige Landgemeinde.
Zum 1. Oktober 1920 kam es nach Groß-Berlin und wurde der zehnte Verwaltungsbezirk, mit 33.043 Einwohner*innen. In den Zwanzigerjahren baute die GEHAG die Waldsiedlung, gegen Ende der Dreißigerjahre die SS-Kameradschaftssiedlung. Von Juni 1945 bis 1994 waren amerikanische Truppen in Zehlendorf stationiert. Seit 2001 gehört der Ortsteil zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Das Land verkaufte die GEHAG 1998, seit 2007 gehört die Waldsiedlung der Deutschen Wohnen. Am 26. Juli 2026 nahm das UNESCO-Welterbekomitee sie als siebten Teil der Siedlungen der Berliner Moderne in die Welterbeliste auf, gut zwei Jahre nach meiner Tour.
Orte, die sich lohnen
Waldsiedlung Zehlendorf
Die ersten Kilometer führen durch Wohnstraßen nördlich des Ortskerns. Dann erreicht die Tour die Waldsiedlung Zehlendorf. Die GEHAG baute sie von 1926 bis 1931/32 nach Plänen von Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg, insgesamt 1.917 Wohneinheiten: 1.108 Geschosswohnungen und 809 Einfamilienhäuser. Die Siedlung entstand mitten im Wald. Die alten Grunewaldkiefern blieben auch in den Vorgärten stehen, und die Freiflächen entwarfen Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre. Die Farben richten sich nach der Himmelsrichtung: Die Ostfassaden sind gelb und grün, die Westfassaden braun und bordeauxrot. Der bunte Anstrich brachte der Siedlung den Spitznamen Papageiensiedlung. Rund 4.000 Menschen leben heute dort, in Zeilen- und Reihenhäusern mit Garten oder Außenwohnraum und durchgehend mit Flachdächern.

An der Argentinischen Allee ist die Siedlung am längsten. Ein geschwungener Block mit rund 400 Metern Länge heißt im Volksmund Peitschenknall. Im „Zehlendorfer Dächerkrieg“ galten die Flachdächer der Moderne Konservativen als Angriff auf die Tradition, und die Gagfah ließ 1928 gegenüber am Fischtal eine Versuchssiedlung mit Satteldächern bauen, entworfen von 16 Architekten unter Heinrich Tessenow. Eine rote Stele an der Wilskistraße erzählt den Streit.
Die Tour kommt an der Bronzetafel für Bruno Taut vorbei, an der Südostecke von Argentinischer Allee und Riemeisterstraße. Sie wurde am 17. November 1992 enthüllt und trägt den Satz „Architektur ist die Kunst der Proportion“. Auf der Rückseite werden auch die Hufeisensiedlung in Britz und die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg genannt.
An der Ecke Wilskistraße und Riemeisterstraße steht einer von zwei ebenerdigen Ladenpavillons. Im östlichen war ein Friseursalon, seit Dezember 2024 ist dort der Kieztreff Frisierkunst.

Gleich nebenan, an der Riemeisterstraße, liegt der U-Bahnhof Onkel Toms Hütte. Alfred Grenander baute ihn 1929, 1931 kamen Ladenpassagen an den Bahnsteigen dazu, und das Stationsgebäude steckt in einem dreigeschossigen Wohnblock.
Ausführlicher beschreibt die Siedlung der Beitrag zur Waldsiedlung Zehlendorf.

Eigener Beitrag
Waldsiedlung Zehlendorf
- Architekt*in Bruno Taut (Städtebau), Hugo Häring, Otto Rudolf Salvisberg
- Ort Argentinische Allee, Riemeisterstraße und Umgebung, Zehlendorf
- Gebaut 1926 bis 1932
- Zustand Gesamtanlage unter Denkmalschutz, bewohnt, UNESCO-Welterbe
- Nächste Haltestelle Onkel Toms Hütte (U-Bahn, ca. 130 m)
Krumme Lanke
Von der Siedlung führt die Tour nach Westen an die Krumme Lanke. Ein Stück weit läuft die Tour am Ufer entlang.

Danach geht es am Vierling vorbei, einem kleinen Teich an der Fischerhüttenstraße. Er ist knapp 4.000 Quadratmeter groß und leidet unter verschmutztem Regenwasser aus der Argentinischen Allee und der Fischerhüttenstraße.
SS-Kameradschaftssiedlung
Direkt dahinter beginnt die Waldsiedlung Krumme Lanke. Sie entstand zwischen 1937 und 1940, die Gagfah baute sie im Auftrag des Rasse- und Siedlungshauptamts der SS für Angehörige der SS-Hauptämter. Entworfen haben sie Gerlach & Engelberger. Es gibt Kleinhäuser und Wohnblöcke mit Satteldach, die Wohnungsgröße richtete sich nach dem SS-Rang, private Gärten waren nicht vorgesehen, dafür gab es eine gemeinsam genutzte Grünanlage. Nach 1945 zogen Verfolgte, Widerstandskämpfer und Flüchtlinge in die Siedlung. Seit 1992 steht sie unter Denkmalschutz. Eine Stele an der Argentinischen Allee, Ecke Teschener Weg, erklärt ihre Geschichte. Die Häuser sind bewohnt.
Haus am Waldsee
An der Argentinischen Allee 30 steht das Haus am Waldsee. Der Textilunternehmer Hermann Knobloch ließ es 1922/23 im englischen Landhausstil von Max Werner bauen. 1926 wurde es nach seiner Insolvenz verkauft. Nach dem Krieg übernahm das Bezirksamt das unzerstörte Haus, 1946 begannen dort Ausstellungen. Die erste war Käthe Kollwitz gewidmet. Heute ist das Haus ein Kunstort mit Skulpturenpark.

Mexikoplatz
Vom Waldsee geht es weiter zum Mexikoplatz. Er ist ein kreisrunder Gartenplatz, den Emil Schubert zwischen 1905 und 1907 angelegt hat. Die S-Bahntrasse teilt ihn in zwei Halbkreise, sechs Straßen laufen sternförmig auf ihn zu. Er ist der Mittelpunkt der Villenkolonie Zehlendorf-West, die Häuser an seinem Rand entstanden zwischen 1905 und 1910. Der S-Bahnhof ist ein Jugendstilbau von Hart & Lesser, entstanden 1903 bis 1905. Für Berlin ist das ungewöhnlich, weil der Jugendstil hier meist nur als Ornament vorkommt. Der Bahnhof war der Ausgangspunkt für die Besiedlung der Villenkolonie.

Historischer Winkel
Vom Mexikoplatz führt die Tour zurück zum Ortskern und endet nach dem Historischen Winkel gut einen Kilometer weiter. An der Clayallee 357 steht die Dorfkirche, ein Achteck mit Zeltdach. Friedrich II. gab 1767 die Order zum Neubau, 1768 war die Kirche fertig. Sie ersetzte eine Feldsteinkirche, die im Siebenjährigen Krieg zerstört worden war, und war bis zum Bau der Pauluskirche 1903 bis 1905 die Pfarrkirche.
Daneben steht die Friedenseiche, die der Dorfpfarrer 1871 zur Erinnerung an den Frieden nach dem Krieg 1870/71 pflanzen ließ. Das Heimatmuseum sitzt im ehemaligen Schulhaus von 1828, einem klassizistischen Bau. Das Wohnhaus Clayallee 354 von 1895 ersetzte ein eingeschossiges Bauernhaus und zeigt den Wandel vom Dorf zur Vorstadt.
Meine Tour
Die Tour ist 11,9 Kilometer lang, ich war 2:37 Stunden in Bewegung. Ich bin am 10. März 2024 im Osten des Ortsteils bei der S-Bahn-Station Sundgauer Straße losgelaufen. Der Weg führt zuerst nach Norden zur Waldsiedlung und dann nach Westen zur Krummen Lanke, weiter am Haus am Waldsee vorbei zum Mexikoplatz und über den Ortskern zurück zur Dorfkirche.
Am Wegesrand
Ein Wirtshaus und ein Roman. Der Name „Onkel Toms Hütte“ geht auf ein Ausflugslokal in der Nachbarschaft zurück, dessen Inhaber Thomas es um 1885 nach Harriet Beecher Stowes Roman von 1852 benannte. Der Name ging auf Bahnhof und Siedlung über. 2020 gab es eine Petition für eine Umbenennung.
Ein Bahnhof mit vier Namen. Der S-Bahnhof am Mexikoplatz hieß 1905 Zehlendorf-Beerenstraße, ab 1913 Zehlendorf-West und ab 1959 Lindenthaler Allee. Seit 1987 heißt er Mexikoplatz. Der Platz selbst bekam seinen Namen erst am 23. September 1959, benannt nach dem Staat Mexiko.
Keine Obstbäume. In die Gärten der Waldsiedlung, je 100 bis 200 Quadratmeter groß, durften keine Obstbäume. Es wurde Rasen eingesät.
Eine Kirche, die bröselte. Die Dorfkirche hatte Risse, weil das Dach nicht ausreichend ausgesteift war. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die Sanierung von 2017 bis 2019, der Förderverein bekam 2021 die Ferdinand-von-Quast-Medaille.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die Tour beginnt bei der S-Bahn-Station Sundgauer Straße (S1). An der Strecke liegt der S-Bahnhof Mexikoplatz (S1), der U-Bahnhof Onkel Toms Hütte (U3) ist ganz in der Nähe der Waldsiedlung.
Heimatmuseum Zehlendorf: Clayallee 355, geöffnet sonntags und mittwochs von 11 bis 15 Uhr und donnerstags von 15 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.
Haus am Waldsee: Das Haus zeigt wechselnde Ausstellungen, Öffnungszeiten und Eintritt stehen auf der Website des Hauses.
Siedlungen: Der Verein Papageiensiedlung bietet einen Rundgang durch die Waldsiedlung an. Die BVG will die U3 bis zum Mexikoplatz verlängern.
Passt dazu: Weitere Siedlungen von Bruno Taut sind die Hufeisensiedlung in Britz, die Wohnstadt Carl Legien, die Siedlung Schillerpark und die Gartenstadt Falkenberg.
Von Zehlendorf aus weiter
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