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Lichterfelde
Ortsteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf · Ortsteil 71 von 97
Lichterfelde ist ein Villenvorort mit viel Militärgeschichte, und die Tour durch den Ortsteil führt bis nach Brandenburg. Ich bin am 8. Mai 2025 vom S-Bahnhof Lichterfelde West aus 21,4 Kilometer gelaufen, durch die Villenkolonie, am Teltowkanal entlang bis nach Teltow und über den Lilienthalpark und den Mäusebunker zurück.

Kurz gesagt
- Das Dorf Lichterfelde wird 1289 erstmals erwähnt, die Villenkolonie gründete ab 1865 der Hamburger Kaufmann Johann Anton Wilhelm von Carstenn.
- Der Ortsteil gliedert sich in Lichterfelde West, Ost und Süd.
- Die Hauptkadettenanstalt, die SS-Kaserne, die Telefunken-Werke und die US-Kasernen prägen bis heute große Flächen.
- Otto Lilienthal ließ hier 1894 seinen Fliegeberg aufschütten.
Was Lichterfelde ausmacht
Lichterfelde besteht aus drei Teilen: Lichterfelde West, Ost und Süd. Im Westen prägen Gründerzeitvillen, große Gärten, kleine Alleen und Pflasterstraßen das Bild, Lichterfelde Ost ist nach ähnlichem Muster angelegt und wurde im Zweiten Weltkrieg stärker beschädigt. Im Süden liegen der Lilienthalpark und die Lilienthal-Siedlung.
Dazu kommt eine ungewöhnlich große Fläche, die lange militärisch genutzt wurde. Die preußische Hauptkadettenanstalt, die SS-Kaserne, die US-Kasernen Andrews Barracks und McNair Barracks sind heute Bundesarchiv, Wohnquartier und Denkmal. Und im Süden verlief die Grenze zwischen West-Berlin und der DDR mitten durch den Teltowkanal.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1289. Das Dorf lag an der Handelsstraße zwischen Berlin und Leipzig, dem heutigen Ostpreußendamm.
Der Ort veränderte sich ab 1865: Carstenn erwarb die verschuldeten Güter Lichterfelde und Giesensdorf und legte eine Villenkolonie an. Er war auch Initiator und Geldgeber des Bahnhofs Lichterfelde West, der am 15. Dezember 1872 eröffnet wurde. 1877 und 1878 schlossen sich die Güter und das Dorf zur Großgemeinde Groß-Lichterfelde zusammen. Am 1. Oktober 1920 wurde Lichterfelde mit Lankwitz, Steglitz und Südende der Bezirk Steglitz von Groß-Berlin, seit dem 1. Januar 2001 gehört der Ortsteil zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Im April 1933 übernahm die Leibstandarte SS Adolf Hitler die Kasernen der früheren Hauptkadettenanstalt. Von Juni 1942 bis April 1945 bestand an der Wismarer Straße ein KZ-Außenlager, das heute ein Mahnmal in Erinnerung hält. Von 1945 bis 1994 nutzten die US-Streitkräfte die Kasernen. Am 29. August 1961 wurde am Teltowkanal Roland Hoff beim Fluchtversuch erschossen, und das Klinikum Steglitz wurde 1968 an die Freie Universität übergeben.
Orte, die sich lohnen
Villenkolonie und Bahnhof
Die Tour beginnt an der Hans-Sachs-Straße am S-Bahnhof Lichterfelde West. Die Villen in den Straßen dahinter gehören zu Carstenns Kolonie. Der Bahnhof war ein Teil dieses Plans, Carstenn finanzierte ihn, um sein Viertel an die Stadt anzubinden.

An der Kommandantenstraße liegen die Gartenanlagen des Altersheims Rotherstift von 1896 bis 1898, ein Gartendenkmal. Von hier geht es zum Paulinenplatz und zur Finckensteinallee.
Hauptkadettenanstalt und Bundesarchiv
Am Paulinenplatz erinnert ein Gedenkstein an das Königlich Preußische Kadettenkorps. Wenige Straßen weiter, an der Finckensteinallee, steht die ehemalige Hauptkadettenanstalt. Sie wurde 1871 bis 1878 nach einem Entwurf von Fleischinger, Voigtel und Bernhard für das Preußische Kriegsministerium gebaut. Die Waffen-SS ließ die Anlage 1937 und 1938 um eine Schwimmhalle und eine Toranlage erweitern, später bauten die US-Streitkräfte hier die Andrews Chapel. Heute gehört das Gelände zum Bundesarchiv, das seit 1995 in Lichterfelde sitzt.
1881 fuhr in Lichterfelde eine elektrische Straßenbahn vom Bahnhof zur Hauptkadettenanstalt. Auf dem Weg weiter nach Süden liegt der Parkfriedhof.
Parkfriedhof Lichterfelde
Am Thuner Platz liegt der Parkfriedhof Lichterfelde. Hier sind unter anderem Gustav Lilienthal, Walter de Gruyter und Drafi Deutscher beigesetzt.

Von hier ist es etwa ein Kilometer bis zum Platz des 4. Juli.
Platz des 4. Juli, Telefunken und McNair Barracks
Am Platz des 4. Juli stehen die früheren Telefunken-Werke. Hans Hertlein entwarf sie, gebaut wurden sie 1937 bis 1940. Der Stahlskelettbau hat einen neungeschossigen Uhrturm.

Ab 1945 nutzte die US-Armee die Anlage bis 1994 als Kaserne. Sie hieß McNair Barracks, nach dem in der Normandie gefallenen Generalleutnant Lesley J. McNair. Das Gelände war wie eine kleine Stadt mit Schule, Kino, Clubs und Läden organisiert. Die Denkmaldatenbank führt außerdem ein Teilstück des Vierten Rings, einer um 1940 nach Plänen von Albert Speer geplanten Autobahn, auf dem Platz.
Stichkanal und Teltow
Hinter dem Platz verlässt die Tour die Wohnviertel. Der Weg heißt Am Stichkanal und folgt dem Wasser nach Südwesten, dann liegt ein Stück der Strecke in Teltow in Brandenburg, am Teltowkanal entlang.

Hier verlief nach 1961 die Grenze durch den Kanal. Am 29. August 1961 versuchte Roland Hoff durch den Kanal nach West-Berlin zu kommen und wurde von Grenzposten erschossen. Mehr zum Mauerweg an dieser Stelle steht in der Etappe 5. Danach geht es zurück nach Lichterfelde, zum Lilienthalpark.
Lilienthalpark und Fliegeberg
Im Süden von Lichterfelde liegt der Lilienthalpark mit dem Fliegeberg, ein Gartendenkmal. Otto Lilienthal ließ den 15 Meter hohen Hügel 1894 aufschütten, um von dort zu fliegen. Er stürzte im August 1896 bei einem Flug in den Rhinower Bergen ab und starb am Tag danach.
1928 bis 1933 wurde der Hügel zur Gedenkstätte umgebaut, Fritz Freymueller entwarf sie, Paul Eschenbach war der Gartenarchitekt. Zu den Lilienthal-Orten in Lichterfelde gehört noch das Denkmal an der Bäkestraße.
Lilienthal-Denkmal an der Bäkestraße
Auf dem Weg nach Norden kommt die Tour am Postamt Lichterfelde am Hindenburgdamm 1 vorbei, einem Baudenkmal von 1925 bis 1929. Wenig später steht an der Bäkestraße das Lilienthal-Denkmal von 1914. Magdalena Müller-Martin entwarf es, der Bildhauer Peter Breuer führte es aus, 1956 wurde es umgebaut.

Stadion Lichterfelde
Am Ostpreußendamm liegt das Stadion Lichterfelde. Fritz Freymueller, der auch die Lilienthal-Gedenkstätte entwarf, baute es 1926 bis 1929, es ist heute eine denkmalgeschützte Gesamtanlage. Hinter dem Stadion liegt der Teltowkanal.
Teltowkanal und Mäusebunker
Von einer Brücke aus ist der Teltowkanal zu sehen, schnurgerade und von Bäumen gesäumt. Ein Stück weiter, an der Krahmerstraße, steht der Mäusebunker, das frühere Tierlabor der Freien Universität. Er hat einen eigenen Beitrag.


Dorfaue und Pauluskirche
Von der Krahmerstraße geht es zum Hindenburgdamm und zur Dorfaue, dem alten Dorfkern. Die Dorfkirche ist ein Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert, der im Dreißigjährigen Krieg zerstört und danach mehrfach umgestaltet wurde. Das Carstenn-Schlösschen am Hindenburgdamm 28 datiert die Denkmaldatenbank auf um 1700.

Die Pauluskirche ist ein neugotischer Backsteinbau von etwa 1900, den Fritz Gottlob entwarf. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Friedhof.
Friedhof Lichterfelde
Die Tour endet in der Moltkestraße am Friedhof Lichterfelde. Er wurde 1876 für die Hauptkadettenanstalt angelegt, zu den Ehrengräbern gehören die von Eduard Dietrich, Heinrich Seidel und Joachim Tiburtius. Die Denkmaldatenbank führt den Friedhof als Baudenkmal.
Meine Tour
Die Tour ist 21,4 Kilometer lang, ich war 4:27 Stunden in Bewegung. Ich bin am 8. Mai 2025 am S-Bahnhof Lichterfelde West losgelaufen. Der Weg führt zuerst durch die Villenkolonie zum Bundesarchiv und über den Parkfriedhof zum Platz des 4. Juli. Dann geht es am Stichkanal entlang bis nach Teltow, zurück über den Lilienthalpark und die Bäkestraße zum Ostpreußendamm, zum Mäusebunker und zur Dorfaue. Am Friedhof an der Moltkestraße endet die Tour.
Am Wegesrand
Fahrschulen behalten ihren Asphalt. Auf dem Platz des 4. Juli wurden rund 12.000 Quadratmeter Asphalt entsiegelt, eine Restfläche bleibt versiegelt. Dort üben Fahrschulen weiter Motorradfahren.
Die eingeschmolzene Weltkugel. Die Bronzekugel der Lilienthal-Gedenkstätte wurde im Krieg eingeschmolzen, heute steht dort eine Nachbildung.
Die Kapelle wird Lesesaal. Die Andrews Chapel der US-Armee von 1951 und 1952 diente bis 2018 als Lesesaal der Bibliothek des Bundesarchivs.
Teltow bekam einen Hafen. Mit dem Teltowkanal bekam Teltow 1906 seinen ersten öffentlichen Hafen. Nach 1961 verlief die Grenze durch den Kanal, und die Stadt war vom Wasser abgeschnitten.
Ein Klinikum aus New Orleans. Das Klinikum Steglitz am Hindenburgdamm entwarfen die US-Architekten Curtis and Davis aus New Orleans. Willy Brandt warb 1958 bei einem Besuch in Washington für den Bau, übergeben wurde es am 9. Oktober 1968.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die Tour beginnt am S-Bahnhof Lichterfelde West (S1) und endet am S-Bahnhof Botanischer Garten. Ein Teil der Strecke liegt in Teltow in Brandenburg.
Passt dazu: Weiter am Teltowkanal liegt der Hafen Tempelhof, eine längere Wanderung am Kanal ist die von Wannsee nach Stahnsdorf.
Von Lichterfelde aus weiter
5 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.