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Marien­felde

Ortsteil im Bezirk Tempelhof-Schöneberg · Ortsteil 51 von 97

Marienfelde liegt ganz im Süden von Tempelhof-Schöneberg und grenzt an Brandenburg. Meine Tour am 19. März 2022 war 12,8 Kilometer lang. Sie führt am früheren Notaufnahmelager für Menschen aus der DDR vorbei, durch den alten Dorfkern mit Kirche und Gutspark und weiter in den Süden des Ortsteils.

Länge der Tour12,8 km
Gehzeit2:29 h
Gelaufen am19. März 2022
Einwohner*innen32.168
Fläche9,14 km²

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Kurz gesagt

  • Marienfelde ist um 1220 als Angerdorf entstanden. Der Dorfkern gehört zu den am besten erhaltenen Dorflagen Berlins, die Dorfkirche gilt als älteste im Stadtgebiet.
  • Im Notaufnahmelager Marienfelde meldeten sich ab 1953 Menschen aus der DDR an. Bis 1990 gingen rund 1,35 Millionen durch das Lager.
  • Zwischen Dorf und Hochhaussiedlung liegen der Gutspark von Adolf Kiepert und ein Freizeitpark auf einer früheren Mülldeponie.
  • Am Südrand des Ortsteils verläuft der Berliner Mauerweg.

Geschichte

Marienfelde und Mariendorf sind um 1220 als Bauernsiedlungen entstanden, unter dem Schutz des Komturhofs Tempelhof. Die früheste erhaltene Urkunde stammt von 1344 und hält den Verkauf des Schulzengerichts von „Mergeenvelde“ fest. Bis 1800 lebten weniger als 200 Menschen im Ort.

Im frühen 19. Jahrhundert wurden fünf Bauernhöfe und ein Kossätengrundstück zu einem Gutshof zusammengelegt. 1844 kaufte Adolf Kiepert das Gut und machte es zu einem Mustergut für moderne Landwirtschaft. Kiepert lebte von 1820 bis 1892, war Politiker und Mitbegründer der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und Patron der Kirche.

1875 bekam Marienfelde einen Bahnhof an der Dresdner Bahn. Westlich der Bahn entstand die Villenkolonie Neu-Marienfelde, die im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört wurde. Mit dem Groß-Berlin-Gesetz kam der Ort 1920 zu Berlin und gehörte zum Bezirk Tempelhof. 1929 erwarb die Stadt das Gut, und aus dem Park wurde in den 1930er Jahren ein öffentlicher Waldpark. Seit 2001 gehört Marienfelde zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Nach dem Krieg wuchsen Alt- und Neu-Marienfelde zusammen. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden vor allem Einfamilienhäuser und Mietshäuser. Zur gleichen Zeit lagerte die Berliner Stadtreinigung von 1950 bis 1981 Hausmüll im Süden des Ortsteils ab, und 1952 und 1953 wurde das Notaufnahmelager gebaut. Von 1968 bis 1974 entstand die Hochhaussiedlung an der Waldsassener Straße, in den 1970er Jahren folgte das Industriegebiet am Nahmitzer Damm und an der Motzener Straße.

Was Marienfelde ausmacht

Marienfelde besteht aus mehreren Schichten, die dicht nebeneinander liegen. Der Dorfkern gehört neben Lübars, Heiligensee und Lichtenrade zu den am besten erhaltenen Dorflagen Berlins. Der Anger ist von ein- bis zweigeschossigen Bauernhäusern umgeben, die Straßen sind mit Kopfsteinpflaster befestigt und von Bäumen gesäumt. Dazu kommen die Hochhäuser der Waldsassener Straße und die Betriebe im Industriegebiet.

Dazu kommt die Geschichte des Ankommens. Das Notaufnahmelager war von 1953 bis 1990 die zentrale Anlaufstelle für Menschen aus der DDR, nahm seit 1964 auch Aussiedler*innen auf und dient seit 2010 als Übergangswohnheim für Geflüchtete. Auch das Kloster Vom Guten Hirten war ein Ort für Menschen in Not: Dort wurden Mädchen und junge Frauen aufgenommen, die ihr Leben neu beginnen wollten.

Im Süden wird es grün. Der Gutspark ist ein Gartendenkmal, der Freizeitpark liegt auf einer früheren Mülldeponie, und dahinter reicht die Marienfelder Feldmark bis an die Stadtgrenze.

Orte, die sich lohnen

St. Alfons

Nach rund drei Kilometern bin ich an der katholischen Kirche St. Alfons vorbeigekommen. Sie ist nach dem italienischen Bischof Alfons von Liguori benannt, der den Orden der Redemptoristen gegründet hat. Eine Gemeinschaft des Ordens lebte bis 1991 in Marienfelde. Kirche und Kloster entstanden 1931 und 1932 im Stil der Neuen Sachlichkeit. 1944 beschädigte eine Luftmine die Kirche, und 1968 wurde sie nach Plänen des Bildhauers Paul Brandenburg umgestaltet. Seit 2005 gehört die Gemeinde zur selben Pfarrei wie die Klosterkirche Vom Guten Hirten.

Von hier ist es nicht mehr weit zum Notaufnahmelager.

Notaufnahmelager Marienfelde

Das Lager liegt an der Marienfelder Allee, die Gesamtanlage umfasst Marienfelder Allee 66 bis 80 und Kaiserallee 36 bis 44 und steht unter Denkmalschutz. Gebaut wurde sie 1952 und 1953. Am 14. April 1953 weihte Bundespräsident Theodor Heuss das Lager ein. Statt Baracken entstanden Wohnblöcke in fester Bauweise. Das Gelände war durch einen hohen Zaun gesichert und nur über das Pförtnerhaus oder das Eingangsgebäude zugänglich, auf dem Vorplatz an der Ecke Marienfelder Allee und Steigerwaldstraße hielten sich die noch nicht registrierten Ankommenden auf.

Das Lager sollte die Aufnahme für Menschen aus der DDR und aus Ost-Berlin an einem Ort bündeln. Wer im Westen bleiben wollte, durchlief ein Aufnahmeverfahren mit vielen Stationen. Mit einer Aufenthaltserlaubnis wurden die meisten nach Quoten auf die Bundesländer verteilt und ausgeflogen. Zwischen 1949 und 1990 verließen rund vier Millionen Menschen die DDR, rund 1,35 Millionen von ihnen kamen durch das Notaufnahmelager Marienfelde.

Am 1. Juli 1990 wurde das Aufnahmeverfahren für Menschen aus der DDR eingestellt. Das Lager blieb Aufnahmestelle für Aussiedler*innen, seit 2010 gibt es dort ein Übergangswohnheim für Geflüchtete. Im früheren Eingangsgebäude befindet sich die Erinnerungsstätte, die zur Stiftung Berliner Mauer gehört. Ich bin außen am Gelände entlanggelaufen.

Weiter ging es nach Südwesten zur Klosterkirche.

Klosterkirche Vom Guten Hirten

Das Kloster Vom Guten Hirten wurde 1903 bis 1905 als Backsteinbau im Stil des Historismus errichtet. Die Schwestern nahmen Mädchen und junge Frauen auf, die von Armut oder Obdachlosigkeit betroffen waren, und bereiteten sie mit Schule und Ausbildung auf einen Neuanfang vor. 1967 beschlossen sie, das Kloster aufzugeben, ein Jahr später kaufte das Bistum Berlin die Anlage. Heute befinden sich dort Schulen, Seniorenhäuser, eine Kirchengemeinde und die Caritas.

Von der Klosterkirche führt der Weg zurück in Richtung Dorf.

Dorfkirche Marienfelde

Die Dorfkirche ist ein Feldsteinbau mit einem vorgelagerten Westturm und einem quer gestellten Satteldach. Die Denkmalpflege datiert sie auf 1229, die Datierung beruht auf einer Untersuchung der Dachbalken. Sie gilt als älteste durchgängig erhaltene Dorfkirche im Berliner Stadtgebiet. Pfostenreste aus Ausgrabungen 1993 und 1994 deuten auf eine kleine Holzkirche im frühen 13. Jahrhundert hin. 1921 baute der Architekt Bruno Möhring den Innenraum um: Er ersetzte die Balkendecken durch hölzerne Tonnengewölbe, außerdem kam die offene Vorhalle am Westportal dazu. Der Taufstein im Innern stammt von 1629.

Um die Kirche liegt der Kirchhof. Adolf Kiepert ist auf dem Friedhof neben der Dorfkirche begraben. Östlich der Kirche liegt der Anger mit zwei Teichen. Der Schmiedeteich diente als Löschteich, wurde 1921 zugeschüttet und 1990 an der gleichen Stelle rekonstruiert. Auch der Kirchenteich ist 1990 neu angelegt worden.

Alt-Marienfelde

Am Anger steht der Hof Alt-Marienfelde 35 und 37. Er ist weitgehend erhalten: das eingeschossige Bauernhaus an der Straße, ein Stall, hinten die frühere Scheune. Das Wohnhaus stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und bekam um 1890 eine spätklassizistische Fassade. Gustav Lehmann ließ 1927 Remise und Waschküche bauen. Bekannt ist der Hof als Bauer Lehmann.

Gegenüber der Kirche wurde um 1830 der Gasthof „Zur Grünen Linde“ gebaut. Alt-Marienfelde 38 geht auf ein eingeschossiges Fachwerkhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zurück und ist heute zweigeschossig. Das Kossätenhaus Alt-Marienfelde 12 und 12A stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die meisten anderen Höfe um den Anger sind Bauernhäuser des 19. Jahrhunderts, einige wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert zu villenartigen Anwesen mit Veranden und verzierten Giebeln umgebaut.

Gut Marienfelde und Gutspark

Im Südosten des Angers liegt das frühere Gut. Heute arbeitet dort das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Der Gutspark entstand nach 1844 unter Kiepert und verband einen Ziergarten, einen Wirtschaftsgarten und einen landschaftlichen Teil. Vor der Ostseite des Gutshauses liegt der ovale Ziergarten, um 1906 kam ein Springbrunnen dazu. Von 1933 bis 1935 wurde das Wegesystem verkleinert und der alte Baumbestand freigestellt, aus dem Gut wurde der öffentliche „Waldpark Marienfelde“. Seit 1995 stehen im Park zwei Kopien antiker Skulpturen, eine Göttin der Jagd und ein Satyr. Der Park ist ein Gartendenkmal.

Hinter dem Park folgt der Nahmitzer Damm, danach beginnt der Weg Richtung Freizeitpark.

Freizeitpark Marienfelde

Am Nahmitzer Damm endet der Königsgraben am Freseteich. Er wurde 1777 unter Friedrich II. angelegt, um die Feldmark zu entwässern. Ich bin hier vom Gutspark nach Südwesten weitergelaufen, zum Freizeitpark.

Der Park liegt auf einer früheren Mülldeponie. Die Berliner Stadtreinigung hat dort von 1950 bis 1981 Hausmüll abgelagert, auf rund 40 Hektar ist daraus ein Park geworden. Auch Jahre nach der Schließung trat Methan aus. Das Gas wurde bis 1995 in der benachbarten Schokoladenfabrik zur Wärmegewinnung genutzt. 2001 kam es zu einer Verpuffung, der Park wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen und erst 2005 mit einer neuen Gaserfassungsanlage wieder geöffnet.

Weiter südlich wird die Landschaft offen.

Marienfelder Feldmark und Mauerweg

Zwischen Schichauweg und Stadtgrenze liegt die Marienfelder Feldmark, eine Kulturlandschaft mit Wäldern, Wiesen, Feldern, Hecken und Gräben. Hier ist der Süden von Marienfelde erreicht. Am Südrand des Ortsteils verläuft an der Grenze zu Brandenburg der Berliner Mauerweg. Von dort ging es für mich ostwärts und danach nach Norden zurück zum Ausgangspunkt.

Meine Tour

Meine Tour ist 12,8 Kilometer lang, ich war zweieinhalb Stunden unterwegs. Start und Ziel liegen im Osten von Marienfelde, knapp einen Kilometer vom S-Bahnhof Buckower Chaussee entfernt. Zuerst ging es nach Norden, vorbei an St. Alfons und am Notaufnahmelager, dann nach Südwesten zur Klosterkirche und zurück zum alten Dorf mit Kirche, Anger und Gutspark. Im Süden führt die Tour zum Freizeitpark und weiter zur Feldmark, danach geht es ostwärts und im Bogen zurück zum Start.

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Am Wegesrand

Eine Jahreszahl aus Metall. An der Straßenfassade des Hofs Alt-Marienfelde 35 und 37 steht „1844“. Die Ziffern sind nachträglich angebrachte Metallbuchstaben. Wann sie angebracht wurden, ist nicht überliefert, und Bauakten aus der Zeit gibt es nicht. Ob 1844 das Baujahr ist, lässt sich deshalb nicht prüfen.

Die Schmiede als Rest. Auf dem Anger standen früher mehrere Gemeinschaftsbauten des Dorfes. Die Schmiede ist das einzige Gebäude davon, das erhalten blieb. Hirtenhaus und Dorfschule gibt es nicht mehr.

Von der Feuerwache zum Sportverein. Die Feuerwache an der Straße Alt-Marienfelde wurde 1950 bis 1953 gebaut, ein schlichter, zweigeschossiger Bau mit Satteldach, der sich der Dorfbebauung unterordnet. Seit 1986 wird sie nicht mehr als Feuerwache genutzt, heute hat der TSV Marienfelde 1890 dort seine Geschäftsstelle.

Heizung für eine Schokoladenfabrik. Das Methan aus der Deponie ging nicht verloren. Bis 1995 lieferte es Wärme für die benachbarte Schokoladenfabrik Stollwerck. Heute wird das Gas nicht mehr genutzt, sondern bei Bedarf kontrolliert abgefackelt.

Ein Platz für den Gutsbesitzer. Vor dem S-Bahnhof Marienfelde liegt der ovale Kiepertplatz, benannt nach Adolf Kiepert. Er war das Zentrum der Villenkolonie Neu-Marienfelde.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Die S2 hält in Marienfelde am S-Bahnhof Marienfelde im Norden und am S-Bahnhof Buckower Chaussee. Von dort ist es etwa ein Kilometer bis zur Dorfkirche.

Notaufnahmelager: Die Erinnerungsstätte gehört zur Stiftung Berliner Mauer. Die Erinnerungsstätte schließt zum 21. Dezember 2026 wegen Sanierung und einer neuen Dauerausstellung zu Flucht und Migration, die Wiedereröffnung ist für Mitte 2028 geplant. Aktuelle Hinweise stehen auf der Seite der Stiftung.

Mehr auf dieser Seite: Die Etappe 4 des Berliner Mauerwegs, Von Schönefeld nach Lichterfelde Süd, ist 23 Kilometer lang und führt durch Lichtenrade und Marienfelde. In Marienfelde weist eine Stele am Weg auf das Notaufnahmelager hin. Allgemein zum Weg steht mehr unter Berliner Mauerweg zu Fuß.

Von Marienfelde aus weiter

4 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

Mariendorf3,4 km im NordostenLichtenrade2,9 km im Südosten
Lichterfelde4,7 km im Nordwesten · Beitrag folgt
Lankwitz2,8 km im Nordwesten · Beitrag folgt

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