Gartenhof der Siedlung Schillerpark, gebaut ab 1924.
Die Siedlung Schillerpark liegt im Norden vom Wedding, an der Bristolstraße gegenüber dem Schillerpark. Sie war Bruno Tauts erstes großstädtisches Wohnprojekt im Berlin der Weimarer Republik. Zwischen 1924 und 1930 entstanden 303 Wohnungen mit anderthalb bis viereinhalb Zimmern. Seit 2008 gehört die Siedlung zu den Siedlungen der Berliner Moderne im UNESCO-Welterbe.
Backstein nach holländischem Vorbild
Bauherren waren der Berliner Spar- und Bauverein und die Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892. Den ersten Abschnitt an Bristol-, Dubliner und Oxforder Straße hat Bruno Taut 1924 und 1925 zusammen mit Max Taut entworfen. Vorbild waren Siedlungen in den Niederlanden, vor allem von J. J. P. Oud und der Amsterdamer Schule. Die Häuser sind dreigeschossig, aus Backstein, mit Putzbändern und gestaffelten Fassaden. Von jedem Treppenhaus gehen auf jeder Etage drei Wohnungen ab. Vor der mittleren liegt ein Vorbau mit Loggien und Balkonen übereinander.
Diese dritte Wohnung fiel bei den späteren Bauten weg, auch weil solche Grundrisse ab 1925 nicht mehr gefördert wurden. 1927 und 1928 schlossen Taut und Franz Hoffmann die Höfe an Corker, Windsorer und Oxforder Straße, sparsamer gebaut und nur an den Nordseiten verputzt. Die Häuser an Bristol- und Barfusstraße von 1929 und 1930 sind noch schlichter, mit flachen Backsteinfassaden und liegenden Fenstern.
Oben schließen die Häuser mit einem Flachdach ab. Taut hat es aus Kostengründen gewählt, im Berliner Siedlungsbau der 1920er Jahre war es das erste. Unter dem Dach liegt ein durchgehendes Geschoss mit Waschküchen und Trockenräumen. Farbe gibt es vor allem innen.
Wohnen im Hof
Die Blöcke sind nicht ganz geschlossen und umschließen ruhige Gartenhöfe mit Durchgängen. Taut nannte das Grün zwischen den Häusern „Außenwohnraum“. Eine Schneise mit doppelter Baumreihe verbindet die Höfe mit dem Schillerpark.
Nach dem Krieg
1951 leitete Max Taut den Wiederaufbau. Ab 1954 hat Hans Hoffmann die Siedlung ergänzt: Er schloss den Blockrand, setzte drei Hauszeilen in einen Hof und baute in den Jahren danach an Corker und Holländerstraße eine frei stehende Hausgruppe mit verglasten Längsseiten und Loggien. Die Freiflächen plante ab 1954 Walter Rossow. Seit 1991 wird die Siedlung denkmalgerecht saniert, sie gehört heute der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892.
Steckbrief
Architekt*in
Bruno Taut, Max Taut, Franz Hoffmann; Ergänzungen ab 1954 Hans Hoffmann
Ort
Bristolstraße, Barfusstraße, Corker, Dubliner, Oxforder und Windsorer Straße, Wedding
Gebaut
1924 bis 1930, Ergänzungen 1954 bis 1959
Zustand
Baudenkmal, seit 2008 UNESCO-Welterbe, bewohnt
Zugang
Wohnsiedlung, von den Straßen aus zu sehen
Nächste Haltestelle
Dubliner Straße (ca. 230 m), Bristolstraße (ca. 280 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch den Wedding vorbeigekommen: Wedding.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Ein weiterer Ort im Bezirk Mitte: das Krematorium Wedding. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.
