Vorhof des früheren Krematoriums Wedding, gebaut 1909 bis 1910.
Das frühere Krematorium steht an der Gerichtstraße im Wedding, direkt neben dem alten Urnenfriedhof. Von 1912 bis 2001 wurden hier Tote eingeäschert. Seit Herbst 2015 ist der Bau das Kulturquartier silent green.
Vom Armenfriedhof zum Urnenfriedhof
Der Friedhof an der Gerichtstraße wurde 1828 als erster städtischer Friedhof Berlins angelegt, vor allem für arme Verstorbene. 1879 wurde er geschlossen. 1902 wollte der Magistrat daraus einen Park machen. Der Verein für Feuerbestattung beantragte stattdessen einen Urnenfriedhof mit Urnenhalle und wurde auch Bauherr des Krematoriums.
Den Entwurf machte William Müller, gebaut wurde 1909 und 1910. Fertig war das Krematorium damit früher als die rechtliche Grundlage: Die Feuerbestattung war lange umstritten, Preußen erlaubte sie erst 1911. Eröffnet wurde das Krematorium 1912 als städtische Einrichtung. Es war das erste Krematorium Berlins und das dritte in Preußen.
Ein Achteck mit verstecktem Schornstein
Das Krematorium ist ein achteckiger Zentralbau mit hohem Mansarddach. Ein Aufsatz wie eine Laterne verbirgt die Mündung des Schornsteins. Innen ist die Feierhalle 17 Meter hoch. Zwei umlaufende Galerien führen zu den Urnennischen, die an römische Grabbauten erinnern. Der Bau verbindet neoklassizistische und frühchristliche Formen.
Davor liegt ein achtseitiger Vorhof mit einem offenen Pfeilergang. Durch diesen Hof führt meine Runde. Die Flügelbauten an den Seiten hat Hermann Jansen 1913 bis 1915 angebaut, sie dienten als Kolumbarien für Urnen. Am Zugang zum Innenhof wachen Greifen. Im Pfeilergang stehen Grabmale aus dem frühen 20. Jahrhundert, darunter eine Grabwand für den Architekten William Müller. 1936 und 1937 kam eine zweite Feierhalle dazu.
Kulturquartier silent green
In Betrieb war das Krematorium bis 2001, unter Denkmalschutz steht es seit 1995. Geschlossen wurde es 2002. Von 2013 bis 2015 wurde das Ensemble denkmalgerecht saniert, dafür bekam silent green 2018 die Ferdinand-von-Quast-Medaille.
In der Kuppelhalle und in einer unterirdischen Betonhalle, die 2019 fertig wurde, gibt es heute Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Filme. Auch die Berlinale nutzt silent green regelmäßig als Spielstätte.
Steckbrief
Architekt*in
William Müller (Entwurf), Rudolph Schröder (Ausführung), Hermann Jansen (Flügelbauten)
Ort
Gerichtstraße 35, am Urnenfriedhof, Wedding
Gebaut
1909 bis 1910, eröffnet 1912, Flügelbauten 1913 bis 1915
Zustand
Baudenkmal, Krematorium bis 2001, seit 2015 Kulturquartier silent green
Zugang
Vorhof von der Gerichtstraße, Hallen zu Veranstaltungen
Nächste Haltestelle
Gerichtstraße (ca. 300 m), S+U Wedding (ca. 300 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch den Wedding vorbeigekommen: Wedding.
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Weitere Orte im Bezirk Mitte: das AEG-Beamtentor und die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.
