Die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche, eingeweiht 1957.
Die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche steht an der Händelallee am Südrand des Hansaviertels. Sie gehört zur Internationalen Bauausstellung von 1957 und war dort Objekt Nr. 22. Der Name stammt von der Kirche, die vorher hier stand.
Die erste Kirche
Der Grundstein für die erste Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche wurde am 18. Oktober 1892 gelegt, am Geburtstag von Kaiser Friedrich. Sie war eine von drei Berliner Votivkirchen, neben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und der Gnadenkirche. Die Backsteinkirche von Johannes Vollmer wurde 1896 eröffnet und im November 1943 im Bombenkrieg zerstört. Die Reste des 72 Meter hohen Turms wurden 1953 gesprengt.
Lemmers Neubau
Den Neubau entwarf der Senatsbaudirektor Ludwig Lemmer, gebaut wurde er von 1955 bis 1957. Die neue Kirche ist ein einschiffiger Stahlbetonbau und steht auf den alten Fundamenten. Lemmer hat sie als Wegekirche gedacht. Am 10. Juli 1957 fand der erste Gottesdienst statt, Bundespräsident Theodor Heuss war dabei.
Die alte Lessingstraße führte vom Hansaplatz direkt auf die Kirche zu. Die Straße gibt es nicht mehr, als Blickachse ist sie noch zu erkennen. An der Längsseite liegt eine große Fensterwand von Georg Meistermann, die Türen aus Aluminium stammen von Gerhard Marcks.
Turm und St. Aluminium
Der Glockenturm ist eine offene Gerüstkonstruktion aus Sichtbeton und Aluminium, 68 Meter hoch. Geplant waren 85 Meter. Damit wäre er höher gewesen als die Siegessäule und auch im Ostsektor gut zu sehen.
Die Aluminiumindustrie spendete 30 Tonnen Metall, daher der Spitzname „St. Aluminium“. Aus Aluminium sind unter anderem die Rippen und das Kreuz des Turms, die Fensterrahmen, die Kanzel und das Lesepult. Die Leichtmetallindustrie wollte damit für ihr Material werben. Die Glocken stifteten Hamburg, Bremen und Lübeck, den Altar Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Der Turm machte später Sorgen. Wegen Betonschäden wurden die beiden größeren Glocken 2004 stillgelegt, ihr Läuten brachte den Turm zu stark in Bewegung. 2018 waren die Arbeiten an der Außenhülle und am Turm abgeschlossen, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sie mit 100.000 Euro unterstützt.
Steckbrief
Architekt*in
Ludwig Lemmer (Neubau), Johannes Vollmer (Vorgängerkirche)
Ort
Händelallee 20, Hansaviertel
Gebaut
1955 bis 1957, erster Gottesdienst am 10. Juli 1957
Zustand
Baudenkmal, Teil der Interbau 1957, Außenhülle und Turm 2018 instand gesetzt
Zugang
Außenbau an der Händelallee frei zu sehen
Nächste Haltestelle
U Hansaplatz (ca. 300 m), Bachstraße (ca. 350 m), S Tiergarten (ca. 400 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch das Hansaviertel vorbeigekommen: Hansaviertel.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Orte im Bezirk Mitte: die Siedlung Schillerpark und das Haus des Lehrers. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.
