Unterwegs zu Fuß

AEG-Beamtentor: Franz Schwechten, Mosaik und Glühbirnenfries

Rotes Backsteintor der AEG mit zwei Türmen und Spitzbogen an der Brunnenstraße in Gesundbrunnen

Das Beamtentor der AEG von Franz Schwechten, 1896/97.

Das Beamtentor steht an der Brunnenstraße, am Südostrand des Humboldthains in Gesundbrunnen. Es war der Eingang zum großen Werk der AEG und galt als Wahrzeichen der Firma.

Ein Werk am Humboldthain

1894 kaufte die AEG den nördlichen Teil des früheren Schlachthofs am Humboldthain. Ab 1895 entstanden hier ihre Fabriken. Ein Tunnel unter der Hussitenstraße verband das neue Werk mit der älteren Fabrik an der Ackerstraße, er diente zugleich als Versuchsanlage für eine Berliner U-Bahn. Später baute Peter Behrens, ab 1907 künstlerischer Beirat der AEG, auf dem Gelände die Hochspannungsfabrik, die Kleinmotorenfabrik und die Montagehalle für Großmaschinen. Eine ältere Fabrik von 1906/07 hat er 1908/09 „entdekoriert“, also von ihrem Schmuck befreit. Für die neuen Stockwerksfabriken mussten zwischen 1906 und 1913 die Mietshäuser am Rand des Blocks weichen.

Neugotik mit Elektrizität

Das Tor hat Franz Schwechten 1896/97 entworfen. Zwei neugotische Türme rahmen die spitzbogige Durchfahrt, darüber sitzt ein Dreiecksgiebel mit Krabben, kleinen Zierblättern, an den Kanten. Auf den durchbrochenen Turmhelmen sitzen Kugelleuchten, alte Formen und neue Technik also an einem Bau. In den Bogenfeldern über den Eingängen sind Mosaiken mit dem verschlungenen Firmenzeichen, umgeben von einem Fries aus Glühbirnen. Mit solchen Mosaiken sollte die noch junge Elektrotechnik eine eigene Bildsprache bekommen. Kleine Bildfelder am Turmgesims stehen für die Kraft der Elektrizität. Eines zeigt einen Baum mit Bogenlampen, der laut Denkmaldatenbank an die Lebensbäume der Sassaniden erinnert.

Seinen Namen hat das Tor von den „Beamten“. So hießen bei der AEG die Angestellten und leitenden Ingenieure. Sie gingen durch die seitlichen Tore aufs Gelände.

Nach der AEG

1983 legte die AEG die Fabriken an der Brunnenstraße still. Die Großmaschinenfabrik von 1895/96 wurde 1984 abgerissen. Das Tor blieb stehen. Seit 1996/97 umgibt es eine sechsgeschossige Randbebauung von Josef Paul Kleihues, ein Hochhaus mit linsenförmigem Grundriss schließt den kleinen Platz davor ab. In den erhaltenen Fabriken sitzen heute das Berliner Innovations- und Gründerzentrum und der Technologie- und Innovationspark, mit Instituten der TU, Gewerbebetrieben und Medienfirmen.

Architekt*in

Franz Schwechten

Ort

Brunnenstraße 111, am Humboldthain, Gesundbrunnen

Gebaut

1896/97

Zustand

in der Denkmalliste als Teil der AEG-Werksanlage, erhalten

Zugang

von der Brunnenstraße aus zu sehen

Nächste Haltestelle

Rügener Straße (ca. 100 m), U Voltastraße (ca. 200 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Gesundbrunnen vorbeigekommen: Gesundbrunnen.

HRügener StraßeHU Voltastraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Ein weiterer Ort im Bezirk Mitte: das Haus des Lehrers am Alexanderplatz. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich