Unterwegs zu Fuß

Strandbad Wannsee: Klinkerbau am Großen Wannsee

Strandbad Wannsee mit Strandkörben und Klinkerbauten am Hang

Das Strandbad Wannsee, gebaut 1927 bis 1930.

Das Strandbad Wannsee liegt am Wannseebadweg 25 in Nikolassee direkt am Großen Wannsee. Die heutige Anlage entstand nach einem Brand in den späten 1920er Jahren und steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Vom wilden Badeplatz zum Berliner Bad

Nikolassee entstand 1901 als Villenkolonie, 1902 folgte der Bahnhof, 1920 wurde der Ort nach Groß-Berlin eingemeindet. Am Ufer des Großen Wannsees fiel am 8. Mai 1907 das allgemeine Badeverbot, die bis dahin wilde Badestelle wurde offizielles Freibad. Das Gelände gehörte zum Kreis Teltow, deshalb erklärte der Teltower Landrat die Badestelle zum Freibad. Der Berliner Freibäder-Verein teilte den Strand in Bereiche für Damen, Herren und Familien.

1924 übernahm die Stadt Berlin das Bad und baute es aus, die ersten Bauten waren flache, reetgedeckte Holzbauten. Hermann Clajus leitete das Bad ab 1924 und gilt als erster Direktor. Im März 1933 erfuhr er, dass er abgesetzt werden sollte, und nahm sich am 18. März das Leben. 1927 zerstörte ein Brand einen großen Teil der Anlage, danach begann eine komplette Neuplanung.

Wagner, Ermisch und der erste Bauabschnitt

Stadtbaurat Martin Wagner hatte schon 1915 ein erstes Konzept für ein Bad mit Kultur, Gastronomie und Sportbauten entworfen. 1927 legte er ein zweites vor, ein „Weltstadtbad“ mit Kinderhorten, Übernachtungshäusern, Freilichttheater und medizinischen Bädern. Wagner übernahm die Generalplanung, Richard Ermisch gestaltete die Bauten. Bauherren waren die Freibad Wannsee GmbH und der Magistrat von Berlin. Die Anlage entstand in zwei Phasen, 1927 bis 1928 und 1929 bis 1930.

Von der geplanten Anlage wurde nur etwa die Hälfte verwirklicht. Das Gebäude ist heute 540 Meter lang statt der geplanten 1.000 Meter, die Südachse wurde nie gebaut. Die Weltwirtschaftskrise stoppte die Finanzierung, ab 1933 verhinderten die Nationalsozialisten die Fertigstellung. Das Bad zählte bis zu 800.000 Besucher*innen im Jahr.

Terrassen, Wandelgang und Klinker

Am Strand liegen zweigeschossige Umkleidehallen, die dem Gelände terrassenartig folgen. In den Hang eingebettet enthalten vier große Hallen Garderoben, Duschen und Läden, auf ihnen liegen Dachterrassen mit zusammen 430 Quadratmetern. Eine Promenade verbindet die Terrassen, im Erdgeschoss verläuft ein rund 500 Meter langer überdachter Wandelgang mit Läden und Kiosken. Der Sandstrand ist etwa 1.300 Meter lang und 80 Meter breit, der Sand stammt von der Ostsee.

Die Stahlskelettbauten sind einheitlich mit gelbbunten Klinkern im Prüß-Verband verblendet. Das Eingangsgebäude von Franz Fedler entstand 1927 und 1928, es ist expressionistisch angehaucht im Heimatstil entworfen, mit einem Treppengiebel und Keramikplatten mit Meerestieren am Klinkersockel. Das Strandrestaurant Lido am Ende des Wandelgangs ist seit Jahrzehnten geschlossen.

Sanierung und Betrieb

2003 sagte der Senat zu, Technik und Wege zu bezahlen, die Stiftung Denkmalschutz sollte die denkmalgeschützten Gebäude mit Sponsoren sanieren. Zum 100-jährigen Jubiläum im Mai 2007 war die Sanierung abgeschlossen, das Lido blieb ausgeklammert. 2012 stellte der Landesdenkmalrat bei einer Begehung schon wieder Schäden fest, etwa Risse in Bodenfliesen und Rost an Stützen.

Heute ist das Strandbad ein Sommerbad der Berliner Bäder-Betriebe, Preise und Öffnungszeiten stehen auf deren Website. Es gibt Strandkörbe zum Mieten. Laut einer Senatsantwort vom Juni 2026 sind Sonnenterrasse und Umgänge gesperrt und das Restaurant ist geschlossen.

Architekt*in

Martin Wagner und Richard Ermisch, Eingangsbau von Franz Fedler

Bauherr

Freibad Wannsee GmbH und Magistrat von Berlin

Ort

Wannseebadweg 25, Nikolassee

Gebaut

1927 bis 1930

Zustand

Gesamtanlage unter Denkmalschutz, saniert, Sommerbad, Teile gesperrt

Nächste Haltestelle

Wannseebadweg (ca. 900 m), Nikolassee (S-Bahn, ca. 1,2 km)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch Nikolassee vorbeigekommen: Nikolassee.

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Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren Haltestellen in der Nähe.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

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