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Staaken
Ortsteil im Bezirk Spandau · Ortsteil 70 von 97
Staaken liegt im Westen von Spandau und grenzt an Brandenburg. Ich bin am 21. April 2025 12 Kilometer durch den Ortsteil gelaufen, vom Bahnhof Albrechtshof über das Gelände des früheren Flughafens, am Fort Hahneberg und an den Hochhäusern der Heerstraße Nord vorbei bis in die Gartenstadt.

Kurz gesagt
- Staaken war bis 1990 geteilt: West-Staaken gehörte ab 1951 zur DDR, die Grenze lief mitten durch den Ortsteil.
- Am Weg liegen ein Fort von 1882 bis 1886, ein Gebäude der früheren Luftschiffwerft von 1915 und die Gartenstadt von 1914 bis 1917.
- Im Osten und in Neu-Staaken stehen Großsiedlungen mit Hochhäusern, dazu ein Wandbild von 2023 und eine Kirche aus den 1970er Jahren.
- Die Tour ist 12 Kilometer lang, kein Rundweg und führt ein Stück über den Berliner Mauerweg.
Was Staaken ausmacht
Staaken besteht aus mehreren sehr verschiedenen Teilen. Im Norden und Süden stehen vor allem Einfamilienhäuser und die Gartenstadt Staaken. Der östliche Teil und Neu-Staaken sind von Großsiedlungen geprägt, die ab Ende der 1950er Jahre bis in die 1970er Jahre entstanden sind.
Staaken liegt am Stadtrand. Am Hahneberg grenzt der Ortsteil an Brandenburg und an die Döberitzer Heide, die Tour berührt diesen Rand beim Fort Hahneberg.
Geschichte
Staaken war ein Dorf westlich von Spandau. Am 1. Oktober 1920 kam es mit dem Groß-Berlin-Gesetz zu Berlin und zum Bezirk Spandau. 1913 wurde auf Initiative des Innenministeriums die Genossenschaft der Gartenstadt gegründet, ursprünglich für Beschäftigte der Königlichen Werkstätten in Spandau. 1915 begann der Luftschiffbau Zeppelin mit dem Bau seiner Werft.
Aus der Werft wurde ein Flughafen. 1925 gründete sich dort die Deutsche Verkehrsfliegerschule, die ab 1933 offiziell militärisch war. Von 1935 bis etwa 1938 baute die Luftwaffe den Fliegerhorst Staaken.
1945 wurde Staaken im Zuge eines Gebietstauschs geteilt. Der westliche Teil kam in die sowjetische Zone, der östliche blieb im britischen Sektor, weil die Briten den Flugplatz Gatow brauchten. Am 1. Februar 1951 besetzte die Volkspolizei West-Staaken. Erst 1990 kam der Westteil zurück nach Spandau.
Nach der Wende füllte sich das frühere Grenzgebiet mit neuem Wohnungsbau, etwa am Nennhauser Damm und am Finkenkruger Weg, am Hahneberg mit Ein- und Zweifamilienhäusern.
Orte, die sich lohnen
Bahnhof Albrechtshof
Die Tour beginnt am Bahnhof Albrechtshof, der das Havelland direkt mit Berlin verbindet. Von dort läuft sie nach Süden.
Nach rund eineinhalb Kilometern geht die Tour durch einen Fußgängertunnel. Dahinter sind es knapp einen Kilometer, bis am Brunsbütteler Damm das Gelände des früheren Flughafens beginnt.

Flughafen Staaken
Am Brunsbütteler Damm 447 und 449 steht ein Geschossbau der früheren Luftschiffwerft und des Luftschiffflughafens. Der Luftschiffbau Zeppelin begann ihn 1915, um 1917 war er fertig. Er ist ein Baudenkmal.
Ein Stück abseits liegt außerdem das Gelände des Gaswerks der Zeppelin-Wasserstoff-Sauerstoff-Gesellschaft, mit dessen Bau 1915 begonnen wurde. Zur Gesamtanlage des Fliegerhorsts gehören Gebäude am Brunsbütteler Damm, an der Schulstraße und An der Spitze. Danach geht es weiter nach Süden zum Friedhof.
Friedhof Staaken
Am Buschower Weg liegt bei Kilometer 3,9 der Friedhof Staaken. Er wurde 1874 eröffnet, die Feierhalle kam 1910 dazu. Von 1951 bis 1990 lag der Friedhof in der DDR. Die Friedhofskapelle steht unter Denkmalschutz.

Hinter dem Friedhof biegt die Tour nach Osten ab und läuft auf das Fort Hahneberg zu.
Fort Hahneberg
Ab Kilometer 4,5 führt die Tour am Fort Hahneberg entlang. Es entstand von 1882 bis 1886 als Fort II der Festung Spandau und sollte das Spandauer Waffenlager schützen, weil die Zitadelle in Haselhorst diese Aufgabe nicht mehr erfüllen konnte. Geplant waren vier Forts, gebaut wurde nur dieses. Die Bauart galt schon beim Baubeginn als veraltet.
Das Fort wurde bis zum Kriegsende militärisch genutzt. Nach dem Krieg wurden Teile zurückgebaut, weil Ziegel beim Wiederaufbau knapp waren. Zu Zeiten der Teilung lag es mitten auf der Grenze, seit 1990 ist es wieder zugänglich. Es ist ein Baudenkmal.
Hinter dem Fort folgt die Tour ein Stück dem Berliner Mauerweg, der hier am Hahneberg vorbeiführt. Danach geht es weiter nach Osten.
Großsiedlung Heerstraße Nord
Die Heerstraße Nord gehört zu den größten Nachkriegssiedlungen im Bezirk Spandau. Zu ihr zählen die Obstalleesiedlung und die Rudolf-Wissell-Siedlung, die Obstallee ist das Zentrum des Gebiets.

Die Tour läuft ein Stück an der Obstallee entlang. Dort liegen zwei Stationen, ein Wandbild und eine Kirche.
Wandbild an der Obstallee
An der Obstallee 45 steht bei Kilometer 7,2 ein Wandbild des Berliner Duos Various & Gould. Es gehört zur Serie „Face Time“, entstand 2023 und ist auf einer siebengeschossigen Giebelwand gemalt. Vorher gab es einen Workshop mit den Jugendeinrichtungen STEIG und Staakkato. Die Teilnehmenden collagierten Gesichter und fotografierten sich gegenseitig, die Porträts flossen in den Entwurf ein.

Kirche Heerstraße Nord
Im Gemeinwesenzentrum an der Obstallee 22 E liegt bei Kilometer 7,6 die evangelische Kirche Heerstraße Nord. Die Gemeinde gründete sich 1969, das Haus wurde von 1976 bis 1978 nach Plänen von Heinz E. Hoffmann gebaut. Im Eingang hängt das Glasmosaik „Jeremia“ von Siegmund Hahn.

Von der Obstallee geht es nach Norden in den Grünzug.
Bullengraben
Die Tour läuft ab Kilometer 8,3 durch den Egelpfuhlgraben-Grünzug und danach am Bullengraben entlang. Der Bullengrabenweg ist als Weg 20 Teil der Grünen Hauptwege Berlins und sieben Kilometer lang. Der Grünzug am Bullengraben zieht sich bis zum Nennhauser Damm entlang der früheren Grenze.
Von dort führt die Tour nach Westen in die Gartenstadt.
Gartenstadt Staaken
Ab Kilometer 10,9 läuft die Tour durch die Gartenstadt Staaken. Sie wurde von 1914 bis 1917 in drei Bauphasen nach einem Entwurf von Paul Schmitthenner gebaut, der damals 29 Jahre alt war. Es entstanden 793 Wohneinheiten, geplant waren 1.000. Der Gartenarchitekt Ludwig Lesser entwarf die Grünanlagen, die ein eigenes Gartendenkmal sind. Seit 1986 steht die Siedlung im Denkmalbuch.
Das Zentrum bildet der Heidebergplan mit einer Ladenzeile, deren ursprüngliche Architekturornamente teilweise erhalten sind.

Zu jeder Wohnung gehört ein Garten. Die Anlage der Straßen und Plätze und die unterschiedlichen Haustypen gelten als bedeutende städtebauliche Leistung des frühen 20. Jahrhunderts.

Die Grenze zerschnitt die Gartenstadt. Seit der Teilung 1951 verlief die Sektorengrenze in der Mitte des Finkenkruger Wegs. Am 13. August 1961 wurde dort die Mauer errichtet, am 27. Mai 1990 öffnete der Grenzübergang am Torweg.

Die evangelische Kirche in der Gartenstadt wurde am 19. November 1922 eingeweiht. Ursprünglich war eine große Kirche mit weitem Blick ins Havelland geplant, Krieg und Geldnot verhinderten das. Es entstand eine kleine Kirche mit Kapellencharakter im denkmalgeschützten Ensemble der Gartenstadt.
Meine Tour
Ich bin am 21. April 2025 rund 12 Kilometer gelaufen, die reine Gehzeit lag bei etwa 2 Stunden und 40 Minuten. Die Tour ist kein Rundweg. Sie beginnt am Bahnhof Albrechtshof, führt nach Süden zum früheren Flughafen und zum Friedhof, dann zum Fort Hahneberg und ein Stück über den Mauerweg. Danach geht es durch die Großsiedlung Heerstraße Nord und am Bullengraben entlang in die Gartenstadt, wo sie endet. Der einzige Bahnhof an der Tour ist Albrechtshof.
Am Wegesrand
Ein Zug ohne Halt. Am 5. Dezember 1961 fuhr ein Dampfzug ohne Halt durch den Bahnhof Albrechtshof über die Sektorengrenze bis nach West-Berlin. Von 25 Fahrgästen blieben 18 in West-Berlin, 7 kehrten freiwillig zurück.
Metropolis in der Luftschiffhalle. In den 1920er Jahren nutzten die Filmwerke Staaken die alten Luftschiffhallen der Zeppelin-Werke. Unter anderem wurde dort der Film „Metropolis“ von 1927 gedreht.
Ein Abbruchhaus als Baumaterial. Die Kirchengemeinde der Gartenstadt kaufte 1921 ein Gebäude des Spandauer Werks der Deutschen Industrie-Werke auf Abbruch. Fast alle Mauersteine der Kirche stammen daher. Auch die Zeppelin-Werke gehörten zu den Geldgebern: Ihre Generaldirektion spendete 40.000 Mark.
Winterquartier im Fort. Das Fort Hahneberg ist ein Winterquartier für Fledermäuse. Die Nutzung der Anlage konzentriert sich deshalb auf die Sommermonate.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Der Start liegt am Bahnhof Albrechtshof. Das Ziel liegt in der Gartenstadt, nicht an einem Bahnhof.
Passt dazu: Den Berliner Mauerweg läufst du in der Etappe 7 von Wannsee nach Staaken bis zum Bahnhof Staaken und in der Etappe 8 von Staaken nach Hennigsdorf weiter. Alle neun Etappen findest du im Überblick unter Der Berliner Mauerweg zu Fuß. Weitere Stadtteile findest du bei Berliner Ortsteile zu Fuß.
Von Staaken aus weiter
3 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.