Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück liegt am Schwedtsee in Fürstenberg/Havel, auf dem Gelände des größten Frauen-Konzentrationslagers im Gebiet des Vorkriegsdeutschlands. Zwischen 1939 und 1945 waren hier mehr als 120.000 Frauen und Kinder inhaftiert, dazu rund 20.000 Männer. Der Beitrag erzählt die Geschichte des Lagers und führt über das Gelände.
Geschichte
Das Lager ab 1939
Im November 1938 begannen rund 500 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen, das Lager am Schwedtsee zu bauen. Im Mai 1939 kamen die ersten etwa 900 Frauen aus dem KZ Lichtenburg. Bis 1945 wurden mehr als 120.000 Frauen und Kinder nach Ravensbrück gebracht. Ab April 1941 gab es ein Männerlager mit etwa 20.000 Männern, ab Juni 1942 das Lager Uckermark für rund 1.200 Mädchen und junge Frauen.
Die Häftlinge stammten aus mehr als 30 Nationen. Die größten Gruppen kamen aus Polen (36 Prozent), der Sowjetunion (21 Prozent) und dem Deutschen Reich (18 Prozent).
Zwangsarbeit
Im Industriehof entstanden ab 1940 Häftlingskleidung und SS-Uniformen. In der Schneiderei arbeiteten ab 1942 Frauen in acht Hallen. Ab dem Spätsommer 1942 ließ Siemens & Halske neben dem Lager 20 Hallen errichten, in denen Häftlinge arbeiten mussten. Ab Dezember 1944 gab es dort ein eigenes Wohnlager. Dazu kamen mehr als 40 Außenlager.
Morde und Verbrechen
Seit dem Frühjahr 1942 wurden Häftlinge im Rahmen der Aktion 14f13 ausgewählt und ermordet. Ab dem Sommer 1942 führten SS-Ärzte medizinische Versuche an knapp 80 Frauen durch, die meisten von ihnen aus Polen. Ab 1943 gab es ein Krematorium, das 1944 erweitert wurde. Ab Dezember 1944 diente das Lager Uckermark als Selektions- und Sterbelager.
Anfang 1945 entstand in einer Baracke eine Gaskammer. Zwischen Ende Januar und April 1945 wurden 5.000 bis 6.000 Menschen vergast.
Aufseherinnen und SS-Siedlung
Das Lager wurde von der SS geführt. Die weiblichen Aufseherinnen gehörten formal nicht zur SS, sondern zum SS-Gefolge. Ravensbrück war ab 1942 auch der Ort, an dem sie ausgebildet wurden. Die frühere SS-Siedlung ist heute Jugendherberge und Begegnungsstätte (siehe Rundgang).
Räumung und Befreiung
Im April 1945 wurde das Lager geräumt. Rund 7.500 Menschen brachte das Rote Kreuz in Sicherheit, mehr als 20.000 Häftlinge mussten auf Todesmärsche. Am 30. April 1945 erreichte die Rote Armee Ravensbrück und befreite etwa 2.000 Kranke, die die SS zurückgelassen hatte.
Nach 1945
Das Gelände wurde sowjetisch genutzt, die Kommandantur bis 1977. Im Zellenbau mit seinen 78 Zellen entstand 1959 das erste Museum. Am 12. September 1959 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte eröffnet, gestaltet vom Buchenwald-Kollektiv, mit der Skulptur der Tragenden von Will Lammert im Zentrum. In den frühen 1980er Jahren kam die „Ausstellung der Nationen“ im Zellenbau dazu, seit 1984 ist die ehemalige Kommandantur ein Ausstellungsort.
Die sowjetischen Truppen blieben auf dem Gelände bis Ende Januar 1994. Ab 1991 stand dort ein Supermarkt, er wurde 2011 abgerissen. Das Besucherzentrum eröffnete 2007, die heutige Dauerausstellung in der Kommandantur 2013.
Rundgang
Die Tragende am Schwedtsee
Die Tragende von Will Lammert steht auf einem Sockel direkt am Ufer: eine Frau, die eine andere Frau auf den Armen trägt. Sie ist das Zentrum der 1959 eröffneten Gedenkstätte.
Lagerfläche und Barackenumrisse
Der größte Teil des früheren Häftlingslagers ist heute eine freie Fläche. Die Umrisse der Baracken sind seit 2000 markiert, sodass sich die Ausdehnung des Lagers abschreiten lässt.

Wo welche Gebäude standen, zeigt der Lageplan der Gedenkstätte. Auf der Fläche stehen Baumstümpfe, an einem Weg stehen Stammstücke in einer Reihe.


Gedenkwand und Feuerschale
Eine Gedenkwand trägt eine Inschrift von Anna Seghers. An einer Mauer steht eine Feuerschale auf einem schlanken Gestell.


Am Fuß der Mauer der Nationen liegt das Gräberfeld. Die Gedenksteine dort wurden 1986 für die jüdischen Häftlinge und 1995 für die Sinti und Roma gesetzt. Den Bereich des Krematoriums gestaltete die Gedenkstätte nach Funden im Jahr 2011 als Grabfläche.
Bronzefiguren
Auf dem Gelände stehen mehrere Bronzefiguren, einzeln und in Gruppen. Zwei Frauenfiguren stehen vor einer Backsteinwand, weitere Figuren auf einer Wiese vor einer weißen Mauer.


Die Bronzegruppe „Müttergruppe“ des Bildhauers Fritz Cremer zeigt eine Frau mit zwei Kindern. Sie gehört nicht zum Lager, sondern wurde später für die Gedenkstätte geschaffen. Die Gedenkstätte führt sie in ihrem Lageplan als eigene Station.

Gleis und Güterwagen
Ein Stück Gleis liegt im Gras. Der Güterwagen daneben ist rekonstruiert und steht seit 2005 dort.


Schornstein und Holzturm
Zwischen Mauerresten steht ein Backsteinschornstein, an einer Mauer ein hölzerner Turm. Was davon aus der Lagerzeit stammt und was später gebaut oder markiert wurde, zeigt der Lageplan der Gedenkstätte.


Industriehof und Lagermauer
Der Industriehof gehört zum engeren Lagergelände, das von der historischen Mauer umschlossen ist. Hier entstanden ab 1940 die Häftlingskleidung und die SS-Uniformen.
Die „Schneiderei“ bestand aus acht verbundenen Werkhallen und war ab 1942 ein zentraler Ort der Zwangsarbeit. Heute ist dort eine Ausstellung.





Die Mauer steht größtenteils noch. Teile davon gelten als durch Verfall gefährdet.


Kommandantur und Besucherzentrum
Das Besucherzentrum wurde 2007 eröffnet und ist kein Gebäude aus der Lagerzeit. Hier gibt es Informationen zur Gedenkstätte, ein Modell des Lagerkomplexes und den Ausgangspunkt für Rundgänge.

In der ehemaligen Kommandantur saß von 1940 bis 1945 die SS-Lagerleitung mit der Verwaltung des Lagers. Danach nutzten sowjetische Truppen das Haus bis 1977, seit 1984 ist es der zentrale Ausstellungsort der Gedenkstätte. Die Dauerausstellung „Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück: Geschichte und Erinnerung“ wurde 2013 eröffnet.

SS-Siedlung am Rand des Lagers
Am Rand des Geländes stehen die Häuser der SS-Siedlung. Hier wohnten SS-Angehörige verschiedener Ränge und die Aufseherinnen des Frauenlagers, unmittelbar neben dem Lager. Seit 2002 gibt es in einem Teil der Gebäude eine Jugendherberge und Begegnungsstätte. In einem der Häuser zeigt die Gedenkstätte die Ausstellung „Im Gefolge der SS: Aufseherinnen des Frauen-KZ Ravensbrück“, seit 2010 gibt es in einem früheren Führerhaus außerdem die Ausstellung „Das Führerhaus“.

Gut zu wissen
Das Gelände ist von April bis September täglich von 9 bis 20 Uhr, von Oktober bis März von 9 bis 18 Uhr zugänglich. Die Ausstellungen sind täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist um 17:30 Uhr.
Vom Bahnhof Fürstenberg (Havel) sind es zu Fuß etwa 25 Minuten. Dort hält der RE 5 im Stundentakt. Ein Rufbus (MOHVER) fährt ebenfalls zur Gedenkstätte. Parkplätze sind kostenfrei.
Steckbrief
Ort
Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg/Havel
Entstanden
Frauen-KZ ab 1939, Nationale Mahn- und Gedenkstätte seit 1959
Zustand
Freies Gelände mit markierten Barackenumrissen, einzelnen erhaltenen Gebäuden und Denkmälern
Öffnung
Gelände April bis September 9 bis 20 Uhr, Oktober bis März 9 bis 18 Uhr; Ausstellungen täglich 10 bis 18 Uhr
Bahnanschluss
Bahnhof Fürstenberg (Havel) (RE 5), etwa 25 Minuten zu Fuß
Am Weg
Liegt an der Tour Rundtour ab Fürstenberg (Havel): Gedenkstätte Ravensbrück und die Stadt am Wasser.
