Gethsemanekirche an der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg.
Die Gethsemanekirche steht an der Stargarder Straße 77 in Prenzlauer Berg. Die neugotische Backsteinkirche wurde 1891 bis 1893 gebaut und war im Herbst 1989 einer der wichtigsten Treffpunkte der DDR-Opposition.
Die Kirche
Entworfen hat sie August Friedrich Wilhelm Orth als neugotische Backstein-Hallenkirche mit einem hellen Zentralraum, getragen von schlanken Bündelpfeilern. Stahlarmierungen ermöglichten die große Spannweite. 1927 wurde die Kirche erstmals renoviert, 1961 der Innenraum neu gestaltet und der Altar vorgezogen, 1973 kam eine neue Orgel mit 25 Registern der Dresdner Firma Jehmlich hinzu.
Die Mahnwache im Herbst 1989
Am 2. Oktober 1989 begann in der Kirche eine Mahnwache für politische Gefangene. Zunächst waren es etwa ein Dutzend Aktive aus dem Weißenseer Friedenskreis, der Umwelt-Bibliothek und der Kirche von Unten. Pfarrer Werner Widrat stellte die Kirche zur Verfügung. Das erste Banner forderte Freiheit für politische Gefangene, später stand dort „Wachet und betet. Mahnwache für die zu Unrecht Inhaftierten“. Zu den Fürbittandachten kamen bald über 3.000 Menschen.
Am 7. und 8. Oktober 1989 ging die Polizei in Ost-Berlin gewaltsam gegen Demonstrierende vor, unter anderem rund um die Gethsemanekirche. Es waren die ersten Einsätze mit Wasserwerfern in der DDR, in ganz Ost-Berlin wurden über 1.000 Menschen zugeführt. Menschen flüchteten auf das Kirchengelände, die Kirche wurde stundenlang abgeriegelt. Danach war sie Anlaufstelle für Angehörige und Journalist*innen und Sammelstelle für Gedächtnisprotokolle.
Ab dem 10. Oktober war im Gemeindebüro ein Telefon dauerhaft besetzt, über das Meldungen zu Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und Urteilen aus dem ganzen Land aufgenommen wurden. Am 23. Oktober legten Oppositionsgruppen einen 100-seitigen Bericht über die Polizeigewalt vor, der später die Grundlage der Untersuchungskommission bildete. Die Mahnwache endete am 13. November 1989.
Das Relief „Widerstand“
Im Kirchgarten, von der Stargarder Straße aus zu sehen, hängt seit dem 3. Oktober 1990 das Relief „Widerstand“ des Berliner Bildhauers Karl Biedermann. Es erinnert an die Tage im Oktober 1989. Heute gibt es in der Kirche täglich um 18 Uhr eine Andacht, sonntags um 11 Uhr einen Gottesdienst.
Steckbrief
Ort
Stargarder Straße 77, Prenzlauer Berg
Architekt
August Friedrich Wilhelm Orth
Gebaut
1891 bis 1893
Zustand
Erhalten, genutzte Gemeindekirche
Zugang
Andacht täglich um 18 Uhr, Gottesdienst sonntags um 11 Uhr; Besuch außerhalb davon bei der Gemeinde erfragen
Nächste Haltestelle
S+U Schönhauser Allee (U2, S8, S41, S42, ca. 230 m), Tram Stargarder Straße (ca. 240 m)
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Besondere Orte in Prenzlauer Berg: Konnopke’s Imbiß und die Synagoge Rykestraße.
