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Prenz­lauer Berg

Ortsteil im Bezirk Pankow · Runde 20 von 74

Prenzlauer Berg ist der dicht bebaute Ortsteil im Südwesten des Bezirks Pankow, zwischen der Bornholmer Straße und der Landsberger Allee. Ich bin ihn am 25. September 2021 auf einer Runde von 17,2 Kilometern gelaufen, vorbei an Mauerpark, Kulturbrauerei, Wasserturm und Thälmann-Park bis zur Wohnstadt Carl Legien.

Länge der Runde17,2 km
Gehzeit3:20 h
Gelaufen am25. September 2021
Einwohner*innen169.405
Fläche11,01 km²

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Kurz gesagt

Geschichte

Prenzlauer Berg ist jung. Die Bebauung begann erst im 18. Jahrhundert, historische Siedlungskerne waren nicht vorhanden. Anfangs lebten hier wenige hundert Menschen, dazu standen viele Windmühlen auf der Anhöhe. Der Name erinnert an die Handelsstraße, die von dort ins rund 90 Kilometer entfernte Prenzlau führte.

Ab 1840 ließen sich Brauereien nieder, darunter Schultheiss, Bötzow, Pfeffer und Groterjan. Sie nutzten das gute Grundwasser und legten im Boden Kühlräume an. Gegen Ende des Jahrhunderts entstanden nach den Plänen von James Hobrecht die dicht gedrängten Mietshäuser. Weil der Ortsteil im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb, sind viele dieser Viertel erhalten und heute größtenteils saniert. Zwischen Gründerzeit und Weltkrieg entstand ein ganz anderes Wohnviertel: Bruno Taut und Franz Hillinger bauten 1928 bis 1930 die Wohnstadt Carl Legien.

Von 1920 bis zur Bezirksfusion 2001 war Prenzlauer Berg ein eigener Bezirk. In den Jahrzehnten der Teilung lag der Ortsteil an der Grenze: Am Grenzübergang Bornholmer Straße wurde in der Nacht des 9. November 1989 die Mauer geöffnet. Wenige Wochen zuvor hatte in der Gethsemanekirche eine Mahnwache für zu Unrecht Inhaftierte begonnen.

In den 1980er Jahren baute die DDR hier ein Prestigeprojekt. Das Gaswerk an der Greifswalder Straße wurde Anfang der 1980er Jahre abgerissen, an seiner Stelle entstanden der Ernst-Thälmann-Park mit Plattenbauten und 1987 das Planetarium. Nach 1990 wurde das Gebiet um den Kollwitzplatz 1993 zum Sanierungsgebiet erklärt. Die Kulturbrauerei ist seit 1991 ein Kulturzentrum, und auf dem früheren Grenzstreifen entstand der Mauerpark.

Was Prenzlauer Berg ausmacht

Die Runde führt durch sehr unterschiedliche Teile. Im Norden und in der Mitte stehen Mietshäuser mit Höfen, dazwischen Kirchen, Schulen und ein Stadtbad. Ehemalige Industrie liegt mittendrin: Die Brauereigebäude der Schultheiss-Brauerei werden heute als Kulturbrauerei genutzt, der Wasserturm steht in einem Park und hat unter dem Behälter Wohnungen, und im Süden der Runde steht ein Planetarium auf dem Gelände eines früheren Gaswerks.

Dazu kommen Beispiele aus drei Epochen des Wohnungsbaus. Die gründerzeitlichen Blöcke, die Wohnstadt Carl Legien aus der Weimarer Republik und die Plattenbauten und Hochhäuser des Ernst-Thälmann-Parks aus den 1980er Jahren liegen wenige Kilometer auseinander. Die Wohnstadt Carl Legien ist Teil des Welterbes Siedlungen der Berliner Moderne.

Auffällig sind außerdem die großen Wandbilder an Brandmauern und Hochhäusern. Mehrere davon sind im Rahmen der Reihe ONE WALL von Urban Nation entstanden, zum Beispiel an der Schwedter Straße, der Ostseestraße und der Landsberger Allee. Die meisten sind unten bei „Mehr auf dieser Seite“ verlinkt.

Orte, die sich lohnen

Bösebrücke und Bornholmer Straße

Die Runde beginnt an der Bösebrücke. Die 138 Meter lange Brücke wurde 1912 bis 1916 gebaut und verbindet Prenzlauer Berg mit Gesundbrunnen. Ab 1961 war hier einer von zwölf Grenzübergängen nach West-Berlin, und am 9. November 1989 öffnete sich gegen 22.30 Uhr der Schlagbaum. Der Platz des 9. November 1989 vor der Brücke erinnert mit Metallreliefs im Boden an die Ereignisse dieses Abends. Ein Stück der Hinterlandmauer an der Bornholmer Straße ist auf rund 200 Metern erhalten und steht seit 2001 unter Denkmalschutz. Die Bornholmer Straße gehört auch zur Etappe 2 des Mauerwegs, die ich im Beitrag Berliner Mauerweg Etappe 2: Wollankstraße bis Warschauer Straße beschrieben habe.

Mauerpark

Vom Grenzübergang geht es nach Süden durch den Mauerpark, der zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen auf dem früheren Grenzstreifen liegt. Hier lag vorher ein Güterbahnhof der Nordbahn, der 1872 bis 1878 gebaut wurde. Rund 300 Meter der Hinterlandmauer sind erhalten und stehen seit 2001 unter Denkmalschutz. Der östliche Teil des Parks öffnete 1994, im Juni 2020 kam die westliche Erweiterung dazu, seitdem ist der Park 15 Hektar groß.

Am Rand des Parks, an der Schwedter Straße, stehen mehrere Wandbilder, zum Beispiel Believe in Dog von Fanakapan an der Hausnummer 29 und Virtual Reality versus Street Art von Innerfields an der Hausnummer 30.

Stadtbad Oderberger Straße

In der Oderberger Straße 57 bis 59 steht ein Stadtbad im Stil der Neorenaissance. Ludwig Hoffmann entwarf es, gebaut wurde es 1899 bis 1902, und es steht unter Denkmalschutz. Bis 1986 war es in Betrieb. Seit 2016 ist es ein Hotel, die restaurierte Schwimmhalle ist erhalten. An der Giebelwand an der Kastanienallee 88 hängt The Big Jump von Victor Ash, das Wandbild gehört zum Hotel.

Gethsemanekirche

Weiter nach Nordosten steht an der Stargarder Straße 77 die Gethsemanekirche. August Orth entwarf sie, gebaut wurde sie 1889 bis 1893. Im Herbst 1989 begann hier eine Mahnwache: Bürgerrechtler*innen starteten sie am 2. Oktober, in den ersten Tagen kamen zunächst etwa 30 Menschen, am 4. Oktober schon rund 3.000. Am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, wurden Demonstrant*innen verhaftet. Im Gemeindehaus sammelte ein Kontakttelefon rund um die Uhr Informationen für die Bürgerrechtsgruppen.

Schönhauser Allee und Kulturbrauerei

Die Runde führt dann auf die Schönhauser Allee, wo die U2 auf einem Viadukt über dem Gehweg fährt.

Neben dem Viadukt liegt die Schultheiss-Brauerei, heute Kulturbrauerei. Die Brauerei begann 1842 als kleiner Betrieb des Apothekers Heinrich Prell, Jobst Schultheiss übernahm sie 1853, 1967 endete der Brauereibetrieb. Die Gebäude wurden von 1871 bis 1926 gebaut, Entwürfe stammen unter anderem von Franz Schwechten. Die Anlage steht unter Denkmalschutz, die Adressen reichen von der Schönhauser Allee 36 bis zur Sredzkistraße 1. In der Knaackstraße 97 zeigt das Museum in der Kulturbrauerei die Dauerausstellung Alltag in der DDR. Der Grüne Hauptweg 19, der Tiergartenring, führt ebenfalls hier vorbei.

Kollwitzplatz

Der Kollwitzplatz liegt nicht weit von der Kulturbrauerei. Der dreieckige Platz wurde 1885 bis 1887 als Schmuckplatz angelegt, 1949 gestaltete ihn der Landschaftsarchitekt Reinhold Lingner neu, und das Aussehen geht im Wesentlichen darauf zurück. In der Mitte steht die Bronzefigur der Käthe Kollwitz von Gustav Seitz.

Synagoge Rykestraße

Von hier ist es nicht weit zur Synagoge in der Rykestraße 53. Johann Hoeniger baute sie 1902 bis 1904 als neoromanische Basilika, sie überstand die Reichspogromnacht 1938. Nach dem Mauerbau war sie eine zentrale Anlaufstelle des jüdischen Lebens in Ost-Berlin, im August 2007 wurde sie nach der Restaurierung neu eingeweiht. Sie ist eine Station der Touren Jüdisches Berlin von Pankow nach Mitte und Jüdisches Berlin vom Gesundbrunnen nach Alt-Hohenschönhausen.

Wasserturm

An der Knaackstraße liegt der Wasserturm. Er entstand nach Plänen von Henry Gill, dem langjährigen Direktor der Berliner Wasserwerke, und war bis 1952 in Betrieb. Der Park um den Turm wurde ab 1915 nach Plänen des Gartendirektors Albert Brodersen als Schmuckplatz angelegt, zwischen 2000 und 2006 wurde die Anlage saniert.

Senefelderplatz und Judengang

Am Senefelderplatz beginnt der Judengang, ein rund 400 Meter langer Weg, der hinter dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee bis zum Kollwitzplatz führt. Der Friedhof wurde 1827 angelegt, auf ihm liegen unter anderem Giacomo Meyerbeer und Max Liebermann. Mehr dazu steht im Beitrag zum Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee.

Am Friedrichshain

An der Hauswand Am Friedrichshain 33 hängt ein großes Wandbild von Tristan Eaton, Attack of the 50 Foot Socialite.

Ernst-Thälmann-Park

Im Ernst-Thälmann-Park stand bis Anfang der 1980er Jahre das IV. Berliner Gaswerk, gebaut 1872 und 1873. Der Park wurde im April 1986 zum 100. Geburtstag von Ernst Thälmann eröffnet, dazu entstanden 1.332 Wohnungen in Plattenbauzeilen und Hochhäusern. Das 14 Meter hohe Denkmal schuf der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel zwischen 1981 und 1986, Erich Honecker hatte ihn beauftragt. Das Denkmal steht seit 1995 unter Denkmalschutz, Teile des Parks mit den Wohnbauten seit 2014. 2021 wurde die künstlerische Kommentierung von Betina Kuntzsch mit dem Titel „Vom Sockel denken“ umgesetzt.

Auf dem früheren Gaswerksgelände wurden ab 1991 Schadstoffe im Boden und im Grundwasser untersucht und saniert, eine Grundwasserreinigung läuft seit 2004. An der Greifswalder Straße 87 haben Herakut im Juni 2015 die Südseite der Heinrich-Böll-Bibliothek bemalt, mit einer Frau, zwei Kindern und einem Spruch über das Pflanzen eines Apfelbaums. Mehr steht im Beitrag Herakut: Der Apfelbaum.

Zeiss-Großplanetarium

Am westlichen Rand des Parks liegt an der Prenzlauer Allee 80 das Zeiss-Großplanetarium. Es wurde am 9. Oktober 1987 eröffnet, Architekt war Erhardt Gißke. Von 2014 bis 2016 war es für eine Sanierung geschlossen und ist seit dem 25. August 2016 wieder offen. Die Himmelskuppel hat 23 Meter Durchmesser.

Wohnstadt Carl Legien

Vom S-Bahnhof Prenzlauer Allee ist es nicht weit zur Wohnstadt Carl Legien. Bruno Taut und Franz Hillinger bauten sie 1928 bis 1930 für die GEHAG, 1.149 Wohnungen auf 8,4 Hektar. Die Straßenfassaden sind gelb, jeder Hof hat eine eigene Farbgebung. Die Wohnstadt liegt auch am Weg des Beitrags S-Bahn-Ring, Teil 4. Die Anlage wurde von der Mitte der 1990er Jahre bis 2004 restauriert, seit 2008 ist sie Welterbe. In der Nähe, an der Ostseestraße 18, steht das Wandbild Everything Connected von Snik und Nuno Viegas.

Velodrom

Zum Schluss führt die Runde zum Velodrom an der Paul-Heyse-Straße 26. Dominique Perrault entwarf die kreisrunde Halle, sie wurde im August 1997 eröffnet. Gebaut wurde sie für Berlins Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 und nach der Vergabe an Sydney als Mehrzweckhalle fertiggestellt. Im Inneren liegt eine feste Radbahn von 250 Metern.

Meine Runde

Die Runde ist 17,2 Kilometer lang und hat gut drei Stunden gedauert. Ich bin am S-Bahnhof Bornholmer Straße gestartet, über die Bösebrücke und durch den Mauerpark nach Süden gelaufen, dann an Stadtbad, Prater und Gethsemanekirche vorbei zur Schönhauser Allee und zur Kulturbrauerei. Weiter ging es über Wasserturm, Kollwitzplatz und Synagoge Rykestraße zum Senefelderplatz, dann zum Ernst-Thälmann-Park, zum Planetarium, zur Wohnstadt Carl Legien und am Ende zum Velodrom. Die Runde endet am S-Bahnhof Landsberger Allee.

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Am Wegesrand

Eine Brücke mit zwei Namen. Die Bösebrücke hieß bis 1948 Hindenburgbrücke. Der neue Name erinnert an Wilhelm Böse.

Exerzierplatz, Güterbahnhof, Kletterfelsen. Auf dem Gelände des Mauerparks lag ab 1822 ein Exerzierplatz und danach der Güterbahnhof. Heute steht dort die Schwedter Nordwand, ein 15 Meter hoher Kletterfelsen mit 18 Routen.

Ein Biergarten wird Volksbühne. Am Prater an der Kastanienallee 7 werden seit 1837 Bier und Kaffee ausgeschenkt, ab 1852 wurde er zur Vergnügungsstätte mit Varieté, Volkstheater und Ballsaal. 1967 machte ihn der Bezirk zum Kreiskulturhaus, seit 1995 ist er zweite Spielstätte der Volksbühne.

Ein Platz, zwei Namen. Der Kollwitzplatz hieß von 1875 bis 1947 Wörtherplatz, nach dem Ort Wörth im Elsass, bei dem 1870 eine Schlacht im Deutsch-Französischen Krieg stattfand.

Wohnen im Wasserturm. Unter dem Wasserbehälter liegen zehn Wohnungen, die bis heute bewohnt sind. Von 1920 bis 1992 war der Turm Teil des Wappens des Bezirks Prenzlauer Berg.

Sechs Gasometer. Im heutigen Thälmann-Park entstanden zwischen 1872 und 1900 sechs Gasometer, die bis zu 65 Meter breit waren. Einer wurde schon 1935 für eine kleine Grünanlage abgerissen.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Start ist der S-Bahnhof Bornholmer Straße, das Ziel der S-Bahnhof Landsberger Allee mit der S8, S41 und S85. Nahe der Runde liegen außerdem die U-Bahnhöfe Eberswalder Straße und Senefelderplatz sowie die S-Bahnhöfe Schönhauser Allee, Greifswalder Straße und Prenzlauer Allee.

Museum: Der Eintritt zur Ausstellung Alltag in der DDR in der Knaackstraße 97 ist frei.

Mehr auf dieser Seite: Zu mehreren Wandbildern im Ortsteil gibt es eigene Beiträge: The Big Jump von Victor Ash an der Kastanienallee, Various und Gould an der Oderberger Straße, Believe in Dog von Fanakapan, Virtual Reality versus Street Art von Innerfields und Deih XLF The Insider an der Schwedter Straße, Innerfields Papageienmann in der Schivelbeiner Straße, Attack of the 50 Foot Socialite von Tristan Eaton am Friedrichshain, Herakut: Der Apfelbaum an der Greifswalder Straße, Everything Connected von Snik und Nuno Viegas an der Ostseestraße und Die Sonne wird im Ozean versinken von Ricky Lee Gordon an der Landsberger Allee. Zum Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee mit dem Judengang gibt es ebenfalls einen eigenen Beitrag. Die Tour Jüdisches Berlin von Pankow nach Mitte führt durch den Ortsteil, ebenso Gesundbrunnen bis Alt-Hohenschönhausen; beide gehören zur Serie Jüdisches Berlin zu Fuß. Der Tiergartenring, einer der Grünen Hauptwege Berlins, führt durch Prenzlauer Berg, und ein Teil der Strecke deckt sich mit dem S-Bahn-Ring, Teil 4. Wer weiterlaufen möchte, findet auf den Seiten der Nachbarortsteile Pankow, Weißensee und Gesundbrunnen die nächsten Runden.

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