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Fennpfuhl
Ortsteil im Bezirk Lichtenberg · Runde 35 von 74
Einen alten Dorfkern hat Fennpfuhl nicht. Der Ortsteil im Westen des Bezirks Lichtenberg ist vor allem ein Neubaugebiet der DDR, gebaut ab 1972 rund um einen kleinen See. Am 28. November 2021 bin ich hier 8,5 Kilometer gelaufen, durch die Wohnviertel, an Kleingärten entlang und durch den Fennpfuhlpark mit seinen Sandsteinfiguren.
Kurz gesagt
- Den Namen hat Fennpfuhl von einem kleinen See, der heute mitten im Park liegt.
- Schon 1961 und 1962 entstand in der Erich-Kuttner-Straße der Versuchsbau P2, ein Schritt vom Großblock zum Plattenbau.
- Am 1. Dezember 1972 wurde am Roederplatz der Grundstein gelegt. Bis Mitte der 1980er Jahre entstanden gut 15.000 Wohnungen.
- Im Fennpfuhlpark stehen Sandsteinfiguren von einem internationalen Bildhauersymposium im Jahr 1987.
Geschichte
Früher gehörte der größte Teil des heutigen Fennpfuhl zum Rittergut Lichtenberg. Sein letzter Besitzer, Hermann Leo Roeder, gab die Landwirtschaft schon vor 1900 weitgehend auf. Ein Straßenraster für das Gebiet hatte bereits der Hobrecht-Plan von 1862 vorgesehen. Die ersten Häuser entstanden an der Buggenhagenstraße. Das älteste Haus des Stadtteils ist das Schulz’sche Haus, die Villa eines Hoflieferanten und Gärtners, bezogen 1896.
1938 baute die GSW einige Wohnhäuser an der Roederstraße und am Plöseweg. Die Bauten an der heutigen Alfred-Jung-Straße blieben dagegen Rohbauten. Ab 1942 oder 1943 waren darin und in Baracken daneben Zwangsarbeiter*innen untergebracht. 1956 und 1957 lief der gesamtdeutsche Wettbewerb „Fennpfuhl“, den ersten Preis bekam Ernst May aus Hamburg. Gebaut wurde sein Entwurf nie.
1961 und 1962 entstand in der Erich-Kuttner-Straße der Versuchsbau P2. Die eigentliche Großsiedlung folgte ab 1972, auf Garten- und Brachland. Bis Mitte der 1980er Jahre wuchsen hier drei Wohngebiete mit gut 15.000 Wohnungen. Als Erstes war das Wohngebiet an der Vulkanstraße fertig, 1975, das Zentrum am Anton-Saefkow-Platz kam in den 1980er Jahren dazu. Neu war, dass Wohnungen und Einrichtungen gleichzeitig gebaut wurden. Geplant war das Viertel für rund 50.000 Menschen.
Seit 2002 ist Fennpfuhl ein Gebiet des Stadtumbaus Ost, mit dem Leitbild „Wohnen im Grünen, mitten in der Stadt“. Bis 2020 flossen rund 13,9 Millionen Euro Fördergeld ins Viertel, unter anderem in den Park und den Anton-Saefkow-Platz.
Was Fennpfuhl ausmacht
Eine Broschüre des Senats nennt Fennpfuhl „die erste komplex errichtete Großsiedlung Berlins“. Am Anton-Saefkow-Platz stehen Hochhäuser mit 14 bis 25 Geschossen, an den großen Straßen Elfgeschosser, dazwischen liegen grüne Innenhöfe ohne Autos. Erstmieter*innen erzählten 2022, wie sie 1974 aus Altbauten mit Außenklo und Kohleofen hierherkamen. Die Kinder konnten allein zur Kita im Innenhof gehen, weil dort keine Straße dazwischen lag.

Der Komplexarchitekt Dieter Rühle nennt für die Kunst im Viertel zwei Leitthemen: den Widerstand gegen den Faschismus und, wegen des Standesamts, das Heiraten. Viele Straßen tragen die Namen von Mitgliedern der Widerstandsorganisation um Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein. Ein drittes Element ist Wasser, in Brunnen, einer Wasserwand und einer Fontäne.

In der Mitte liegt der Fennpfuhlpark mit dem See. Er hat alte Bäume und ist für die Innenstadt ungewöhnlich hügelig, mit bis zu drei Metern Höhenunterschied.

Orte, die sich lohnen
Korallenbrunnen
An der Möllendorffstraße Ecke Storkower Straße stehen drei Stelen aus Beton in Form von Korallen, mit bunten Glaseinlagen und Wasserrohren. Den Korallenbrunnen hat Toni Mau zwischen 1975 und 1979 gebaut. Das Becken wurde später verfüllt und mit Platten belegt. Schon 1993 hieß es, der Brunnen stehe „verdeckt vom Hochhaus und abseits“. 2019 war er trocken und zum Teil zerbrochen.
Experimentalbau P2
Wilfried Stallknecht, Achim Felz und Herbert Kuschy haben den Wohnblock in der Erich-Kuttner-Straße 9 bis 15 entworfen. Gebaut wurde er 1961 und 1962 als Versuch für einen neuen Typ, den P2. Er steht für den Wechsel vom Großblock- zum Plattenbau und ist heute ein Baudenkmal. Der Name bedeutet „parallel 2“: Die tragenden Wände laufen parallel zur Fassade, und es gibt zwei Treppenhäuser.
Küche und Bad liegen nebeneinander an einem Schacht. Die Küche hat keine fünf Quadratmeter und eine Durchreiche zum Wohnzimmer. So sollte Kochen keine einsame Aufgabe mehr sein, auch die Männer sollten mithelfen. Die Serie P2 wurde bis 1990 gebaut.
Um die Ecke, vor der Buggenhagenstraße 31, liegt ein Stolperstein für Matthias Köhli. Er wurde 1908 geboren und am 5. Juni 1940 in Plötzensee hingerichtet.
Anton-Saefkow-Platz
Der Platz ist das Zentrum des Viertels. Hier gab es von Anfang an Geschäfte, eine Schwimmhalle, eine Sporthalle und ein Kaufhaus. Seinen Namen trägt er seit 1975. Anton Saefkow war Maschinenbauer und Kommunist, 1943 baute er mit Franz Jacob ein Netz illegaler Gruppen auf. Am 18. September 1944 wurden er, Jacob und Bästlein in Brandenburg-Görden ermordet.
Auf der Promenade steht der Kugelbrunnen von Jürgen Karnopp, 25 Kugeln aus Keramik in einem Becken aus Klinker. In Betrieb ging er 1984, 2007 wurde er abgebaut und 2008 genauso wieder aufgebaut.
Vor der Anton-Saefkow-Bibliothek steht seit 2011 ein Baum aus Bronze von Michael Klein, mit Eule, Amsel und Bussard und einer Schlange am Stamm. Er ersetzt einen Baum aus rund 30.000 Klinkerfliesen, der am Giebel des Hochhauses Nummer 14 zu sehen war, bis er 2004 bei der Sanierung verschwand.
Castello und Vogelbrunnen
An der Landsberger Allee Ecke Judith-Auer-Straße steht zwischen den Platten das Castello von Hinrich Baller, gebaut ab 1998. Es hat Türmchen, Erker und schräge Dächer, in den Wohnungen stehen Säulen. Der Tagesspiegel verglich es im Jahr 2000 mit einem Schloss aus Disneyland. Das Haus hat 193 geförderte Wohnungen und 28 Läden.
Nördlich davon, vor der Judith-Auer-Straße 4 bis 9, steht der Vogelbrunnen von Baldur Schönfelder, fertig 1981. Er ist eine drei Meter hohe offene Kugel aus Edelstahl mit 28 Paaren Vögeln aus Kupfer. Wenn der Brunnen läuft, fällt das Wasser aus ihren Schnäbeln auf die Ringe.
Die Straße erinnert an Judith Auer. Sie versteckte zwischen 1942 und 1944 mehrmals Franz Jacob und wurde am 27. Oktober 1944 in Plötzensee ermordet.
„Totem“ an der Landsberger Allee
Das Wandbild „Totem“ von JBAK an der Landsberger Allee hat auf dieser Seite einen eigenen Beitrag. Ich bin auf dieser Runde direkt daran vorbeigekommen.

„Große Liegende“ am Parkeingang
Am Nordeingang des Fennpfuhlparks, an der Landsberger Allee und dem Weißenseer Weg, liegt eine Figur aus Bronze, fast zweieinhalb Meter breit. Die „Große Liegende (bekleidet)“ hat Siegfried Krepp zwischen 1966 und 1971 geschaffen. Ab Ende der 1970er Jahre lag sie im Park an der Spree, wo heute das Marx-Engels-Forum ist, dann in einem Lager in Buch. 1986 wurde sie dem Fennpfuhlpark zugewiesen. Den Platz vor dem Eingang hat der Bezirk 2023 barrierefrei umgebaut, Regenwasser versickert dort in Mulden.
Fennpfuhlpark
Der See ist aus zwei Pfuhlen entstanden, dem Fennpfuhl und dem Langpfuhl. Ihr Alter wird auf etwa 20.000 Jahre geschätzt, seit den 1970er Jahren gehören sie zum Park. 2001 wurde das Wasser ein Jahr lang saniert. Seit März 2024 liegt im See eine kleine bepflanzte Brutinsel für Vögel. Die Apotheken im Viertel haben zwei Jahre lang dafür gesammelt.

Am Ufer stand ab 1985 die Gaststätte Seeterrassen von Wolf-Rüdiger Eisentraut. Ab Mitte der 1990er Jahre war sie leer, 2008 wurde sie abgerissen. Seit 2010 ist dort Parkfläche mit Blick aufs Wasser. In diesem Teil des Parks steht seit 1987 oder 1988 auch das „Junge Paar“ aus Bronze von Jürgen Raue.
Die Sandsteinfiguren entstanden im Sommer 1987 beim 2. Internationalen Berliner Bildhauersymposium im Schlosspark Buch. Das Motto war „Poesie der Großstadt“. Die Bildhauer*innen kamen aus neun Ländern, von Finnland bis Syrien. Eigentlich sollten die Figuren nur vorübergehend hier stehen, Ende 1988 beschloss der Magistrat, dass sie bleiben. Von den 14 Plastiken des Symposiums stehen 11 im Park.
Mohamed Mustafa Ali aus Syrien war der jüngste Bildhauer des Symposiums. Seine Figur „Zwei“ ist ein Paar unter einem dünnen Tuch. Juri Sinkewitsch aus Kiew schuf „Dem Leben gewidmet, die Vögel von Tschernobyl“ unter dem Eindruck des Reaktorunglücks. Südlich des Sees steht „David und Goliath“ von Rolf Biebl und Clemens Gröszer, ein David wie ein Roboter neben dem abgeschlagenen Kopf des Riesen.

Villa am Fennpfuhl
Am Südrand des Parks steht die Villa am Fennpfuhl, einer der letzten Bauten aus der Zeit um 1900 im Viertel. 1986 zog das Standesamt ein und blieb bis 2007, seit 2008 wird hier wieder geheiratet. Vor dem Haus steht ein Sägebock aus Bronze, ein Abguss von Siegfried Krepp, aufgestellt 1988. Nach der Trauung sägen Brautpaare darauf einen Stamm durch. Der Brauch kommt aus Süddeutschland, und wenn nicht beide abwechselnd ziehen, klemmt die Säge. 2019 waren am Metall frische Sägespuren.
Auf der Wiese nördlich der Villa sitzt „Felicia“ des ungarischen Bildhauers Seregi. Auf dem Schild steht sein Vorname falsch.

Gemeindezentrum Am Fennpfuhl
Das evangelische Gemeindezentrum steht seit 1984 im Park, ein roter Backsteinbau mit achteckigem Kirchenraum und hohem Holzkreuz. 90 Prozent der Kosten trug die evangelische Kirche im Westen. Seit April 2026 steht das Haus unter Denkmalschutz, als Bau der Sonderbauprogramme der 1980er Jahre, die der DDR Devisen aus dem Westen brachten.
Roederplatz
Am Roederplatz wurde am 1. Dezember 1972 der Grundstein für das Doppel-Hochhaus gelegt. Für den Bezirk ist das die „Geburtsstunde“ des Stadtteils. Den Namen hat der Platz von der Familie Roeder, die seit 1856 im Ort lebte. 1892 war Leo Roeder Gemeindevorsteher von Lichtenberg.
Meine Runde
Meine Runde ist 8,5 Kilometer lang, ich war knapp zwei Stunden unterwegs. Im Süden führt sie durch die Wohnblöcke an der Storkower Straße und der Rudolf-Seiffert-Straße, dann nach Westen zum P2 und über den Anton-Saefkow-Platz zur Landsberger Allee. Nördlich davon bin ich an Kleingärten entlang zum Weißenseer Weg und am Rand des Sportforums gelaufen. Über die Landsberger Allee und das Viertel an der Bernhard-Bästlein-Straße geht es in den Fennpfuhlpark, einmal quer hindurch und über den Roederplatz zurück in den Süden.
Am Wegesrand
Der Findling und die Panzer. Am nördlichen Zugang der Promenade am Anton-Saefkow-Platz liegt ein Findling aus Granit, etwa 27 Tonnen schwer. Er kam um 1980 bei Bauarbeiten im Viertel zum Vorschein, und der Überlieferung nach haben ihn sowjetische Panzer zu seinem neuen Platz gebracht. Ab 1984 war er die Mitte eines Brunnens, das Wasser lief aus dem durchbohrten Stein, und Kinder sollten darauf klettern. 1991 wurde der Brunnen stillgelegt, seit 2008 liegt der Stein ohne Wasser an seinem heutigen Platz.
Ein spiegelverkehrtes G. Clemens Gröszer hat seine Signatur „CG 87“ an das linke Ohr des Goliath gemeißelt, das G seitenverkehrt. Die Berliner Zeitung schrieb 1987, der David sei „wohl Sieger des Zweikampfes, verkörpert aber keineswegs das Gute“.
Strickmuster statt Baupläne. Beim Bau des Castello fand der Baustadtrat Andreas Geisel Ballers Pläne kaum lesbar und verglich sie mit Strickmustern. Sechs Fluchttreppenhäuser waren vergessen worden und mussten nachträglich eingebaut werden. Eine Mieterin meinte, zwischen den Säulen in ihrer Wohnung könne sie den Hund Gassi führen.
Drei Windspiele. Im Viertel stehen drei Windspiele. Das Lichtobjekt von Horst K. Baudisch an der Karl-Lade-Straße wird oft mit dem Windspiel von Goetz Dorl im Nordosten des Parks verwechselt, das oben ein O und ein W trägt wie eine Windrose. Das dritte ist die sechs Meter hohe „Bewegliche Säule“ von Achim Kühn vor der Judith-Auer-Straße 8.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die S-Bahnhöfe Storkower Straße und Landsberger Allee (S41, S42, S8, S85) liegen an der Westgrenze des Ortsteils, ein paar Hundert Meter von der Runde.
Mehr auf dieser Seite: Teil 4 meiner Wanderung um den S-Bahn-Ring kommt an den Bahnhöfen Storkower Straße und Landsberger Allee vorbei. Die fünfte Tour der Reihe Jüdisches Berlin führt von Köpenick bis zur Gedenkstele für Hans Rosenthal in der Bernhard-Bästlein-Straße. Er überlebte die NS-Zeit versteckt in der Kolonie Dreieinigkeit.
Von Fennpfuhl aus weiter
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