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Lichtenberg
Ortsteil im Bezirk Lichtenberg · Runde 3 von 74
Lichtenberg hat dem ganzen Bezirk den Namen gegeben. Im Westen reicht der Ortsteil bis an den Bahnhof Frankfurter Allee, im Osten liegen der Zentralfriedhof Friedrichsfelde und der Landschaftspark Herzberge. Am 4. Juli 2021 bin ich hier knapp 13 Kilometer gelaufen, über den Friedhof mit der Gedenkstätte der Sozialisten, die Herzbergstraße entlang, durch den alten Dorfkern und an der früheren Stasi-Zentrale vorbei.
Kurz gesagt
- Lichtenberg wird 1288 zum ersten Mal erwähnt. Um 1905 galt es als „das größte Dorf Deutschlands“, 1907 bekam es das Stadtrecht.
- Auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde sind viele Frauen und Männer der Arbeiterbewegung begraben. Seit 1951 gibt es dort die Gedenkstätte der Sozialisten.
- Ab 1950 wuchs an der Normannenstraße die Zentrale der Staatssicherheit, bis 1989 auf mehr als 40 Gebäude. Heute sind dort das Stasimuseum und das Archiv der Stasi-Unterlagen.
- Im Landschaftspark Herzberge halten Schafe die Wiesen kurz.
Geschichte
Zum ersten Mal erwähnt wird Lichtenberg am 24. Mai 1288, in einem Grenzvertrag. Den Namen hat vielleicht eine Lichtung gegeben, die für die Siedlung geschlagen wurde. 1852 beschrieb Karl Gutzkow den Weg nach Lichtenberg mit den Worten „Flach, flach, kahl, kahl“.
1798 kaufte General Wichard von Möllendorff Land im Dorf und ließ ein Landhaus und einen Park anlegen. Von 1804 bis 1822 gehörte das Gutshaus im heutigen Gutspark Carl August von Hardenberg, dem preußischen Staatskanzler. 1810 traf er sich dort mit führenden Köpfen aus Wissenschaft und Politik, um die Neuordnung Preußens vorzubereiten.
Lichtenberg wurde zum größten Industriestandort im Berliner Osten, nicht mit ein paar großen Firmen, sondern mit sehr vielen Betrieben. In wenigen Jahrzehnten hatte sich die Einwohnerzahl verhundertfacht, um 1905 galt Lichtenberg mit etwa 60.000 Menschen als „das größte Dorf Deutschlands“. Am 15. Oktober 1907 bekam die Gemeinde mit 67.978 Einwohner*innen das Stadtrecht, Bürgermeister wurde Oskar Ziethen. 1912 kam Rummelsburg dazu, 1920 wurde Lichtenberg ein Teil von Berlin.
Im früheren Finanzamt an der Normannenstraße saß ab Sommer 1945 die Polizeiinspektion Lichtenberg, geleitet von Erich Mielke. Am 8. Februar 1950 zog in dasselbe Haus das Ministerium für Staatssicherheit. Daraus wuchs eine „Stadt in der Stadt“. Im Oktober 1989 waren es mehr als 40 Gebäude auf rund 22 Hektar. Hier saßen 23 der 60 Diensteinheiten des MfS. Am 15. Januar 1990 besetzten Demonstrierende die Zentrale, gegen 17 Uhr öffneten sich die Tore an der Ruschestraße.
Was Lichtenberg ausmacht
Der alte Dorfkern liegt zwischen dem Loeperplatz mit der Kirche und dem Gutspark, und seine Umrisse sind bis heute zu erkennen. Nicht weit davon stehen Rathaus, Amtsgericht, Glaubenskirche und das frühere Lyzeum. Sie entstanden zwischen 1896 und 1910, als aus dem Dorf eine Stadt wurde.
Aus der Industriezeit stehen im Norden an der Herzbergstraße noch Fabriken, einige davon unter Denkmalschutz. Gleich daneben wird Lichtenberg grün, mit dem Landschaftspark Herzberge und dem Park des Krankenhauses.
Der Zentralfriedhof trägt den Namen des Nachbarorts Friedrichsfelde, liegt aber im Ortsteil Lichtenberg. Bei der Gründung war er 25 Hektar groß, heute sind es 32 Hektar.
Orte, die sich lohnen
Zentralfriedhof Friedrichsfelde
Der Friedhof an der Gudrunstraße wurde am 21. Mai 1881 als „Städtischer Gemeindefriedhof für Berlin“ eingeweiht. Geplant haben ihn Hermann Mächtig und Axel Fintelmann, nach dem Vorbild des Ohlsdorfer Friedhofs und offen für „alle Bekenntnisse und sozialen Schichten“. 1900 wurde hier Wilhelm Liebknecht beigesetzt. Danach ließen sich viele aus der Arbeiterbewegung auf diesem Friedhof begraben, im vorderen Teil liegen unter anderem Ignaz Auer, Paul Singer und Carl Legien.
Die Gedenkstätte der Sozialisten wurde am 14. Januar 1951 eingeweiht. In der Mitte steht eine Stele aus Porphyr mit der Inschrift „Die Toten mahnen uns“. Um sie herum liegen zehn Gräber und Gedenkplatten, unter anderem für Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht. Dahinter steht eine vier Meter hohe, halbkreisförmige Mauer aus Klinker mit Gräbern, Gedenktafeln für Widerstands- und Spanienkämpfer*innen und Urnennischen für SED-Funktionär*innen. Am Eingang erklärt eine Ausstellung den Friedhof und die Biografien.

Anfang März 2025 wurden zehn Grabplatten der Gedenkstätte gestohlen. Seit Dezember 2025 liegen dort Ersatzplatten aus Aluminium.
Erinnerungsmal für das Revolutionsdenkmal
Weiter hinten auf dem Friedhof stand ab 1926 ein Revolutionsdenkmal für Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und die Toten der Januarkämpfe 1919. Die KPD hatte es bauen lassen, der Entwurf stammte von Ludwig Mies van der Rohe. 1935 ließ das NS-Regime das Denkmal abreißen und die Gräber einebnen. Nach 1945 entschied die SED, es nicht wieder aufzubauen. Seit 1983 markiert ein Erinnerungsmal von Günther Stahn und Gerhard Thieme den Standort.

Landschaftspark Herzberge
Der Landschaftspark Herzberge liegt zwischen Friedhof und Herzbergstraße. Sein Kern war früher eine Gärtnerei, ein Güterbahnhof und das alte Lichtenberger Stadion. Seit 2004 wird er landwirtschaftlich genutzt, und seit Sommer 2009 grasen hier Rauhwollige Pommersche Landschafe.
Etwa 61 Hektar sind seit Ende 2018 Landschaftsschutzgebiet. In den Teichen und Gräben leben Kammmolch und Wechselkröte, außerdem gibt es eine Düne mit Kiefern. Die Herzberge selbst, nach denen das Gebiet heißt, wurden weitgehend eingeebnet.

Krankenhaus Herzberge
Am 13. Juni 1893 nahm die Städtische Irrenanstalt Herzberge ihre ersten Patient*innen auf. Sie war für 1.050 Menschen geplant, die Bauten entwarf Stadtbaurat Hermann Blankenstein. Ab 1939 wurden Patient*innen im Rahmen der „T4-Aktion“ verlegt, ein Großteil von ihnen wurde ermordet. 1950 öffnete die Psychiatrie wieder, und seit 1992 ist das Haus das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge. Der Park mit zwei Weihern ist seit 1974 geschützt.

Industriedenkmale an der Herzbergstraße
Die Fabrik der AGA Automobil-Vertriebs-Gesellschaft wurde von 1916 bis 1919 gebaut. Die Margarinewerke Berolina entstanden um 1909, heute ist darin das Atelierhaus HB55. Das Gleichrichter- und Umspannwerk von Hans Heinrich Müller ist von 1928. Ein Stück weiter liegen die Siemens-Plania-Werke, gebaut ab 1900. In der DDR hieß der Betrieb VEB Elektrokohle Lichtenberg.

Loeperplatz und Gutspark
Der Loeperplatz war der Dorfanger. Auf ihm steht die Dorfkirche, sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde vor 1955 und um 1965 umgebaut. Julius Loeper vermachte der Stadt 1909 ein fünf Hektar großes Grundstück an der Ruschestraße. Im Gegenzug sollte aus der Dorfaue ein Schmuckplatz werden, mit einer Büste des Stifters. Aufgestellt wurde Anfang 1915 stattdessen ein Sämann aus Sandstein. Ein Bronzerelief mit Loepers Porträt ist heute verschwunden.

Gleich nebenan liegt der Gutspark. Seit Dezember 2022 erklären am Zugang an der Möllendorffstraße Gedenktafeln den historischen Ortskern, aufgestellt zum 200. Todestag von Hardenberg.
Stadtpark
Das Land von General Möllendorff kaufte die Gemeinde 1907, 1910 legte sie darauf einen Bürgerpark an. Um 1950 wurde er nach Norden bis zur Möllendorffstraße erweitert, mit Freilichtbühne und Planschbecken. Am Rand des Parks hatte Alfred Döblin zeitweise eine Praxis.
Auf den Mauern der Freilichtbühne sitzen zwei Bärengruppen aus Sandstein von Helmut Weiss aus Dresden, entstanden 1949 und 1950. Einem Bären fehlt der rechte Arm. Seit 1979 steht im Park die „Mutter mit Kind“ von Walter Sutkowski.

Rathaus und Rathauspark
Das neugotische Backsteinrathaus wurde am 11. November 1898 nach zwei Jahren Bauzeit fertig. Wer es entworfen hat, ist nicht bekannt, weil die Akten im Zweiten Weltkrieg verbrannten. In einem Turm im Innenhof nisten seit vielen Jahren Turmfalken. Rechts neben dem Portal zum Ratssaal hängt eine Gedenktafel für Bezirks- und Stadtverordnete, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, darunter Ernst Torgler und Frieda Rosenthal. Von 2023 bis Anfang 2025 wurde die Fassade saniert.

Zum Rathaus gehört der 1,8 Hektar große Rathauspark, angelegt auf Teilen eines Friedhofs aus dem 13. Jahrhundert. An seiner Südmauer wurden am 12. und 13. März 1919 Aufständische und Matrosen erschossen, verurteilt von einem Standgericht im Gasthof „Schwarzer Adler“. Im Volksmund heißt sie Blutmauer. Die Inschrift darauf lautete „HIER WURDEN 11 SPARTAKUSKÄMPFER IM MÄRZ 1919 ERMORDET“. Seit September 2021 stehen dort zwei Metallstelen. Sie ersetzen vorläufig die alten Tafeln und die Inschrift, die restauriert werden.
Frühere Stasi-Zentrale
Haus 1 an der Ruschestraße wurde 1960 und 1961 als Dienstsitz von Erich Mielke gebaut. Seit 1990 ist darin das Stasimuseum, Mielkes Diensträume sind im Originalzustand erhalten.

In Haus 7 zeigt das Stasi-Unterlagen-Archiv die Ausstellung „Einblick ins Geheime“, auf dem Hof steht seit 2016 die Freiluftausstellung „Revolution und Mauerfall“. Die frühere Kantine der höheren Offiziere, intern „Feldherrenhügel“ genannt, ist heute das Besucherzentrum. Für das Gelände hat der Bund inzwischen ein Archivzentrum zur SED-Diktatur prüfen lassen.

Hans-Zoschke-Stadion
Gleich neben der Stasi-Zentrale liegt das Hans-Zoschke-Stadion. Es wurde ab 1949 gebaut und am 14. September 1952 mit dem Endspiel um den FDGB-Pokal eröffnet. 18.000 Zuschauer*innen kamen, das ist bis heute Rekord. Hans Zoschke wuchs in Lichtenberg auf und spielte Fußball, als Widerstandskämpfer wurde er 1944 hingerichtet. Hier spielt der SV Lichtenberg 47, der 1950/51 in der DDR-Oberliga war.
Roedeliusplatz
Die Glaubenskirche am Roedeliusplatz wurde von 1903 bis 1905 gebaut, das Amtsgericht daneben von 1904 bis 1906. Von den 338.000 Mark für die Kirche kamen 80.000 vom Kaiserpaar und dem Kirchenbauverein Auguste Viktoria. In den 1990er Jahren kaufte die Koptisch-Orthodoxe Kirche das Haus, seit 2000 heißt es St. Antonius & St. Shenouda.

Seit Oktober 2023 steht auf dem Platz der Gedenkort „Einschlüsse“ von Roland Fuhrmann. Es sind vier ineinandergeschobene Zellentüren ohne Klinken, durch die Gucklöcher siehst du Bilder und Zitate von Häftlingen. Laut Berliner Zeitung ist es das erste Berliner Denkmal seit der Wiedervereinigung für die Opfer der kommunistischen Herrschaft von 1945 bis 1989.
Stadtbad Lichtenberg
Rudolf Gleye und Otto Weis bauten von 1925 bis 1928 das Stadtbad an der Hubertusstraße. Am 2. Februar 1928 wurde es eröffnet, seit 1991 ist es geschlossen. Bekannt ist es auch als Hubertusbad. Im April 2025 hat das Berliner Immobilienmanagement ein Erbbaurecht über 60 Jahre ausgeschrieben. Wer das Bad übernimmt, muss es denkmalgerecht sanieren.

Meine Runde
Meine Runde ist 12,8 Kilometer lang, ich war rund zweieinhalb Stunden unterwegs. Im Osten bin ich über den Zentralfriedhof und durch den Landschaftspark Herzberge gelaufen, dann die Herzbergstraße entlang nach Westen. Ein Stück führt die Runde durch Fennpfuhl, über die Landsberger Allee zum Roederplatz. Über die Möllendorffstraße geht es in den alten Dorfkern, durch den Stadtpark und am Rathaus vorbei, zuletzt über die Ruschestraße zur früheren Stasi-Zentrale und zum Roedeliusplatz. Der U-Bahnhof Magdalenenstraße liegt direkt an der Runde.
Am Wegesrand
360 Waisenkinder. Auf dem Friedhof des städtischen Waisenhauses in Rummelsburg wurden zwischen 1859 und 1896 insgesamt 360 Kinder sowie 96 Betreuer*innen und Beamte begraben. Bei Ausgrabungen vor einem Neubau wurden ihre Gebeine im Dezember 2012 geborgen und auf den Zentralfriedhof umgebettet. Aus den Akten ließen sich 181 Namen und Todesursachen ermitteln. Seit November 2014 erinnert auf dem Friedhof ein Gedenkort an sie.
Kein Platz für die Honeckers. 2018 wollte ein Enkel die Urnen von Erich und Margot Honecker in der Gedenkstätte der Sozialisten beisetzen lassen. Senat und Bezirk lehnten ab, weil dort seit 1989 niemand mehr bestattet wird.
Die Stasi gegen die Kiez-Kicker. Seit Mitte der 1970er Jahre wollte die Stasi das Zoschke-Stadion übernehmen, 1977 nannte sie es einen „nicht länger vertretbaren Faktor“. Geplant waren Turn- und Schwimmhalle und im Keller eine Schießanlage. Die Fußballer erfuhren davon nichts. 1988 klagte ein Stasi-Oberst beim Oberbürgermeister, die Stasi bemühe sich seit zehn Jahren vergeblich. Ein Bagger kam nie, der Mauerfall beendete die Pläne.
Pinguine oder Enten. Am Ostufer des Teichs im Stadtpark stehen Pinguine aus Kunststein, die Helmut Weiss zugeschrieben werden. Die Kunsthistorikerin Stefanie Endlich führte sie 1990 als „Entenpärchen“. 1993 waren beide Schnäbel abgebrochen.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Der U-Bahnhof Magdalenenstraße (U5) liegt direkt an der Runde. Ganz in der Nähe sind der S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost (S5, S7, S75) und der Bahnhof Lichtenberg (S5, S7, S75, U5), der schon zu Rummelsburg gehört. Etwas weiter ist es zum S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee (S41, S42, U5).
Mehr auf dieser Seite: Der Grüne Hauptweg 6, der Lindenberger Korridor, führt an der früheren Stasi-Zentrale vorbei und durch den Landschaftspark Herzberge. Der vierte Teil der Runde um den S-Bahn-Ring kommt am Bahnhof Frankfurter Allee vorbei, an der Grenze des Ortsteils. Auf dem Stück durch Fennpfuhl liegt an der Landsberger Allee das Wandbild „Totem“ von JBAK. Am Roederplatz endet die Tour Jüdisches Berlin von Köpenick nach Fennpfuhl, an der Stele für Hans Rosenthal.
Von Lichtenberg aus weiter
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