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Friedrichsfelde
Ortsteil im Bezirk Lichtenberg · Runde 7 von 74
Friedrichsfelde kennen die meisten vom Tierpark. Der Ortsteil im Süden von Lichtenberg hat aber auch einen alten Dorfanger und große Wohnviertel aus der DDR. Am 22. Juli 2021 bin ich hier knapp 10 Kilometer gelaufen, außen am Tierpark entlang, über den Anger und durch die Plattenbauten an der Dathepromenade.
Kurz gesagt
- Bis 1699 hieß der Ort Rosenfelde. Zum ersten Mal erwähnt wird er 1265.
- Das Schloss ließ 1695 Benjamin Raule bauen, dessen Kompagnie auch mit versklavten Menschen handelte. Seit 1955 steht es mitten im Tierpark.
- Von 1940 bis 1945 betrieb die Gestapo im Schlosspark ein Lager.
- Mit großen Platten wurde hier schon in den 1920er Jahren gebaut, in der Splanemann-Siedlung. Von 1961 bis 1984 folgten die großen Wohnviertel der DDR.
Geschichte
Der alte Name des Ortes ist Rosenfelde. 1265 wird ein Pfarrer „Ludwig zu Rosenfelde“ erwähnt, das ist die erste Nachricht über den Ort. 1695 ließ sich Benjamin Raule hier ein Landhaus im holländischen Stil bauen, die Pläne stammen vermutlich von Johann Arnold Nering. Raule hatte sein Geld zuerst als Kaperer für die brandenburgischen Herrscher verdient. Als Generalmarinedirektor gründete er die Brandenburgisch-Afrikanische Kompagnie, die mit Gold, Elfenbein und versklavten Menschen handelte. 1698 wurde er verhaftet und enteignet. Am 25. Januar 1699 bekam der Ort zu Ehren von Kurfürst Friedrich III. den Namen Friedrichsfelde.
Von Juli 1814 bis Februar 1815 saß im Schloss König Friedrich August I. von Sachsen als Gefangener, weil er zu Napoleon gehalten hatte. 1816 kaufte Carl von Treskow Schloss und Gut, 1821 machte Peter Joseph Lenné aus dem Park einen Landschaftsgarten. Neben dem Gut gab es die Landgemeinde Friedrichsfelde, zu der auch Karlshorst gehörte. 1920 kam Friedrichsfelde zu Berlin, in den Bezirk Lichtenberg. Ende 1930 fuhr die U-Bahn zum ersten Mal von Friedrichsfelde bis zum Alexanderplatz.
Mitte der 1920er Jahre wurde in der Splanemann-Siedlung zum ersten Mal in Deutschland mit Großplatten gebaut. Von 1940 bis 1945 betrieb die Gestapo im Schlosspark das „Arbeitserziehungslager Wuhlheide“. Nach dem Krieg wurde die Familie von Treskow enteignet.
Am 2. Juli 1955 öffnete im früheren Schlosspark der Tierpark mit 400 Tieren, sein Direktor war Heinrich Dathe. Von 1961 bis 1966 entstand das Hans-Loch-Viertel mit rund 5.000 Wohnungen für 15.300 Menschen, 1973 wurde die U5 bis zum Tierpark verlängert. Von 1978 bis 1984 folgte im Norden der Rosenfelder Ring. Im Stadtumbau Ost flossen von 2002 bis 2010 rund 2,9 Millionen Euro nach Friedrichsfelde, 92 Prozent davon in Frei- und Grünflächen.
Was Friedrichsfelde ausmacht
Um den alten Anger liegt der Dorfkern mit Kirche, Schule, Gutshäusern und Mietshäusern aus der Zeit um 1880. Zusammen sind sie ein Denkmalensemble. Drumherum stehen die großen Neubaugebiete der DDR, und den Osten des Ortsteils nimmt der Tierpark ein.
Auf die Splanemann-Siedlung der 1920er Jahre folgten das Hans-Loch-Viertel mit viergeschossigen Zeilen, das Wohngebiet Am Tierpark und zuletzt der Rosenfelder Ring mit elfgeschossigen Zeilen. Von 1960 bis 1985 wohnte etwa die Hälfte aller Lichtenberger*innen in industriell gefertigten Häusern.
Zu den Neubauten gehörte Kunst. Eine Gruppe von Künstler*innen gab für das Neubaugebiet ein gemeinsames Thema vor, das „Märkische“. Deshalb tauchen an Brunnen und Plastiken immer wieder Backstein, Klinker und Motive aus der Mark Brandenburg auf.
Orte, die sich lohnen
Gedenkort für das Arbeitserziehungslager Wuhlheide
1938 verpachtete die Familie von Treskow knapp drei Hektar ihres Parks an die Reichsbahn, die dort ein Barackenlager baute. Ab dem 15. April 1940 nutzte die Gestapo die Baracken als „Arbeitserziehungslager Wuhlheide“. Die meisten Häftlinge kamen aus dem besetzten Osteuropa. Laut Bezirksamt waren bis 1945 im Lager am Triftweg etwa 25.000 Menschen interniert, Gedenksteine erinnern an rund 3.000 Tote.
Der Gedenkstein aus Granit mit Bronzetafeln und rotem Winkel liegt heute im Tierpark, im Bereich mit Eintritt. Seine Inschrift nennt Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene aus 16 Ländern. Weil er schwer zu finden ist, stehen seit 2000 zusätzlich Tafeln vor dem Verwaltungsgebäude Am Tierpark 135. Meine Runde führt außen an der Südseite des Tierparks entlang.
Rosenfelder Ring
Die Wohnblöcke am Rosenfelder Ring wurden von 1978 bis 1984 gebaut. Im Stadtumbau Ost wurde hier eine Schule abgerissen, auf dem Grundstück entstand ein Quartierspark.
Inzwischen soll dort wieder eine Schule hin. Die Fitnessgeräte aus dem Park stehen seit Dezember 2025 in der Grünanlage südlich der Häuser Rosenfelder Ring 62 bis 68.

„Eine Frage der Haltung“
Auf dem Weg zum Anger, an der Straße Am Tierpark, hat ZEBU eine Hauswand bemalt. Mehr dazu steht im Beitrag ZEBU: Eine Frage der Haltung.

Am alten Dorfanger
Herbert Erbs hat die Kirche am Anger entworfen. Sie entstand 1950 bis 1952 im neuromanischen Stil, anstelle der alten Dorfkirche, die 1945 weitgehend zerstört wurde. Am Tierpark 28 steht das Pfarrhaus von etwa 1875. Auf dem Anger stehen außerdem eine Preußensäule von 1876 und ein Kriegerdenkmal mit Adler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, enthüllt 1922.
In der Alfred-Kowalke-Straße stehen die frühere Mädchenschule der Gemeinde von 1870, das Wohnhaus des Gutsinspektors der Treskows von etwa 1835 und mehrere Häuser aus der Zeit um 1880. Mitten im Ensemble steht ein Bau aus der DDR, das Laborgebäude des Instituts für vergleichende Pathologie der Deutschen Akademie der Wissenschaften, gebaut 1957 bis 1960. An einer kleinen Promenade zum Spielplatz steht ein Brunnen mit Sandsteinkugeln von 1987. Nach einem Rohrbruch 2013 wurde er erst 2016 wieder hergerichtet.
Bis 1976 hieß die Straße Wilhelmstraße, dann bekam sie den Namen von Alfred Kowalke. Er war Tischler, Mitglied der KPD und ab 1941 in der Widerstandsgruppe um Wilhelm Knöchel. 1943 wurde er verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Er starb am 6. März 1944 in Brandenburg-Görden.
Ein Stück weiter, in der Rummelsburger Straße 3, steht die Turnhalle der Gemeinde, gebaut 1892 und 1893.
Kraatz-Tränke-Graben
Angelegt wurde der Graben Anfang des 20. Jahrhunderts, um Felder zu bewässern. Seit Mitte der 1990er Jahre ist er eine Parklandschaft mit Rad- und Wanderwegen und gehört zum Grünen Hauptweg Hönower Weg. Der Weg durch die Grünanlage heißt Agnes-Kraus-Weg, nach der Volksschauspielerin Agnes Kraus (1911 bis 1995), die fast 20 Jahre im Stadtteil wohnte. Zu ihrem 100. Geburtstag 2011 bekam sie nahe der KULTschule in der Sewanstraße einen Gedenkstein.
Sewanviertel
Das Viertel um die Sewanstraße hieß zuerst Hans-Loch-Viertel, nach Hans Loch (1898 bis 1960). Heute heißt es Sewanviertel. Die Häuser sind viergeschossige Zeilen aus Großplatten, die Straßen sind nach Gewässern benannt, etwa Sewanstraße, Balatonstraße, Moldaustraße und Schwarzmeerstraße.
Aus dem Stadtumbau Ost gingen rund 60 Prozent der Mittel für Friedrichsfelde in den Bereich rund um die Sewanstraße. Neu gestaltet wurden unter anderem die Volkradpassage, die KULTschule in der Sewanstraße und die Dathepromenade.


Dathepromenade
Die Promenade ist rund 750 Meter lang und wurde von 2005 bis 2008 erneuert. An ihr stehen mehrere Brunnen und Plastiken aus der DDR.
Bei der Schwimmhalle stehen die Märkischen Wegekreuze von Christiane Wartenberg, eingeweiht 1980. Es sind drei Gruppen aus Klinkerstelen mit kleinen Reliefs von Menschen und Pferden. Die Teile wurden in Bad Liebenwerda geformt und im Klinkerwerk Großräschen gebrannt. An der Schwimmhalle selbst hängt ein Keramikwandbild.
Ein paar Schritte weiter steht der Brunnen „Spree und Havel“ von Dietrich Grünig, gebaut 1980 bis 1982. Auf einem Brunnenstock aus Bronze stehen zwei Frauenfiguren. Gedeutet werden sie als Zusammenfluss von Havel und Spree.
Heinrich-Dathe-Platz
Seit 2005 trägt der Platz vor dem Tierpark den Namen des ersten Tierparkdirektors. Zwei Granitstelen nennen die Koordinaten des Platzes.
Der Märkische Brunnen von Christiane Wartenberg ist eine 24 Meter lange Reihe aus acht Stelen mit Klinkerpfeilern, manche grün und blau glasiert. Masken aus Terrakotta waren die Wasserspeier, als Vorbild dienten mittelalterliche Wegmarken aus Backstein. Aufgebaut wurde er 1980. 1992 wurde das Wasser abgestellt und das Becken mit Sand gefüllt, 2011 wurde der Brunnen restauriert und neu aufgebaut.
Auch der Fontanebrunnen steht am Platz, mit Motiven und Zitaten von Theodor Fontane. Er ist von 1982. Statt des Betonbeckens bekam er 2005 bis 2008 ein Mosaik aus Basalt, seitdem fließt das Wasser direkt auf den Boden. Gleich daneben, in der Erich-Kurz-Straße, ist eine Hauswand mit „Tropfen und Ringe“ von 1010 bemalt.

U-Bahnhof Tierpark und Bisonstier
Im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs hängt seit 1973 das Mosaik „Tierwelt“ von Dagmar Glaser-Lauermann. Eine Sonne mit Menschengesicht trennt darauf die Tiere im Meer, etwa Krake und Delfine, von den Tieren an Land, etwa Elch, Pfau und Krokodil.
Vor der Tierparkmauer steht der Bisonstier von Dietrich Rohde, überlebensgroß und aus Bronze. Aufgestellt wurde er 1962 an einem U-Bahn-Eingang, seit 1971 steht er hier im Grünzug.
Schloss Friedrichsfelde und Tierpark
Das Schloss steht hinter der Tierparkmauer, knapp 300 Meter von meiner Runde entfernt. In den Tierpark bin ich auf dieser Runde nicht gegangen. Nach 1945 wurde das Schloss geplündert, war Flüchtlings- und Erholungsheim, zeitweise auch Stall, und verfiel. Heinrich Dathe bewahrte es vor dem Abriss und brachte dort Orang-Utans unter, bevor der Tierpark ein Affenhaus hatte. Von 1970 bis 1981 wurde es restauriert, seit dem 11. Juni 1981 ist es wieder offen. Im Juli 2021 war das Schloss wegen Corona geschlossen. Im September 2021 öffnete es wieder, mit einer neuen Ausstellung, in der Raules Büste nicht mehr steht.
Der Tierpark ist mehr als 115 Hektar groß. Den Landschaftsgarten von Lenné aus dem Jahr 1821 kannst du darin noch gut erkennen. 1963 kam das Alfred-Brehm-Haus dazu. Seit Juni 2026 leben im Tierpark Afrikanische Elefanten, die Herde kam aus dem Zoo Halle. Ihre Außenanlage ist seit Ende Juni 2026 zu sehen, ganz öffnen soll die neue Savannenlandschaft Anfang 2027.

Meine Runde
Meine Runde ist 9,6 Kilometer lang, ich war knapp zwei Stunden unterwegs. Sie führt am Südrand des Tierparks entlang, dann an früheren Bahntrassen nach Norden zur Straße Alt-Friedrichsfelde. Von dort geht es am S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost vorbei durch die Blöcke am Rosenfelder Ring und über die Straße Am Tierpark zum Dorfanger. Danach bin ich am U-Bahnhof Friedrichsfelde vorbei nach Süden gelaufen, durch die Plattenbauviertel, am Kraatz-Tränke-Graben entlang und über die Dathepromenade zum Heinrich-Dathe-Platz am U-Bahnhof Tierpark. Beide U-Bahnhöfe und der S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost liegen an der Runde, du kannst also auch dort einsteigen.
Am Wegesrand
Ein Unfall an der Ecke. Der sowjetische Stadtkommandant Nikolai Bersarin hatte seine Kommandantur nach Alt-Friedrichsfelde verlegt. Am 16. Juni 1945 verunglückte er an der Kreuzung Alfred-Kowalke-Straße und Am Tierpark tödlich. Er hatte veranlasst, dass die Pferderennbahn in Karlshorst wieder öffnete, das erste Rennen am 1. Juli 1945 erlebte er nicht mehr. Seine Ehrenbürgerwürde von 1975 fiel 1992 weg und wurde 2003 wiederhergestellt.
Ein Denkmal zieht um. Das Kriegerdenkmal mit dem Adler am Anger wurde Anfang der 1980er Jahre um etwa 25 Meter nach Westen versetzt.
Vögel an den Laternen. An den Laternen der Dathepromenade hängen 27 Schilder mit Vögeln. Sie heißen „Zugunruhe“ und erinnern an Heinrich Dathe, der auch Ornithologe war.
Markttag am Brunnen. Christiane Wartenberg hat den Märkischen Brunnen als Marktbrunnen gedacht. Aufgestellt wurde er dann als Gegenüber zum Tierpark. An Markttagen nutzen Händler*innen die Stelen des Brunnens als Ablage.
Hase und Igel. Seit 2024 gibt es am Erieseering eine neue Grünanlage auf einer Fläche, die vorher versiegelt war. Sie greift das Märchen vom Hasen und dem Igel auf, weil dort Feldhasen leben.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die U-Bahnhöfe Friedrichsfelde und Tierpark (U5) und der S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost (S5, S7, S75) liegen an der Runde. Nicht weit ist der S-Bahnhof Betriebsbahnhof Rummelsburg (S3).
Mehr auf dieser Seite: Die Inforoute Platte & Co führt durch dieselben Wohnviertel rund um den U-Bahnhof Tierpark. Rund 200 Meter neben der Runde liegt die Splanemann-Siedlung. Zu einigen Orten an der Runde gibt es eigene Beiträge: zum Keramikwandbild an der Schwimmhalle Sewanstraße, zum Fontanebrunnen am Heinrich-Dathe-Platz, zu „Tropfen und Ringe“ von 1010 und zu ZEBU: Eine Frage der Haltung.
Von Friedrichsfelde aus weiter
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