Unterwegs zu Fuß

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Berliner S-Bahn-Ring, Teil 4: Gesundbrunnen bis Ostkreuz

Gleisfeld mit auseinanderlaufenden Kurven östlich des Bahnhofs Gesundbrunnen, Blick von der Swinemünder Brücke

Berliner S-Bahn-Ring, Teil 4 von 4 · Zum Gesamtbericht

Die vierte und letzte Tour um den Berliner S-Bahn-Ring führt vom Bahnhof Gesundbrunnen durch Prenzlauer Berg und Friedrichshain zum Ostkreuz. Auf 16 Kilometern liegen sieben Ringbahnhöfe, ein Stück früherer Grenzstreifen, eine Welterbe-Siedlung und auffallend viele bemalte Hauswände. Die reine Gehzeit lag bei 3:05 Stunden.

Ich bin am Montag, dem 3. Mai 2021, am Gesundbrunnen losgegangen. Die Idee hinter der Runde: alle S-Bahnhöfe des Rings zu Fuß verbinden, meist auf dem kürzesten Weg von Bahnhof zu Bahnhof, mit Abstechern, wo links oder rechts etwas Interessantes lag. Einen ausgeschilderten Weg gibt es dafür nicht, die Route habe ich selbst gelegt. Mit dieser Tour schließt sich der Ring: Am Ostkreuz hatte ich fünf Tage vorher angefangen. Alle vier Teile stehen im Gesamtbericht.

Inhalt dieser Tour

Strecke

16,0 km

Gehzeit

3:05 h

Start

Bahnhof Gesundbrunnen

Ziel

S-Bahnhof Ostkreuz

Gelaufen am

3. Mai 2021

Untergrund

Gehwege, Asphalt und Pflaster, kurze Stücke Parkweg

Einkehr

An fast jedem Bahnhof gibt es Imbisse und Bäcker.

  • Mit der Bahn erreichbar
  • Abkürzbar
Karte: Berliner S-Bahn-Ring, Teil 4Teil 4 von Gesundbrunnen nach Ostkreuz, 16,0 km. Die nummerierten Punkte sind die Ringbahnhöfe am Weg.222324252627Start: Gesundbrunnen1 kmZiel: Ostkreuz
Teil 4 von Gesundbrunnen nach Ostkreuz, 16,0 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die Nummern sind die Ringbahnhöfe am Weg. Gestrichelt: Bahnstrecken.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Am Ostkreuz schließt sich der Ring, die Runde endet dort, wo sie begonnen hat.
  • Im Gleimtunnel wechselst du vom früheren West-Berlin in den früheren Osten.
  • Die Wohnstadt Carl Legien gehört zum UNESCO-Welterbe und liegt direkt am Weg.
  • Bemalte Hauswände begleiten dich fast die ganze Strecke, vom Pferd im Salon bis zum Gustavo-Haus.

Anreise

Hin

S+U Gesundbrunnen: Ringbahn S41 und S42, dazu S1, S2, S25, S26, S15 und die U8. Auch Regional- und Fernzüge halten hier.

Zurück

S Ostkreuz: S41 und S42, außerdem S3, S5, S7, S75, S8, S85 und Regionalverkehr.

Takt

Die S41 fährt im Uhrzeigersinn um den Ring, die S42 in der Gegenrichtung. Die aktuellen Fahrzeiten stehen bei der S-Bahn Berlin.

Abkürzen

An jedem der sechs Bahnhöfe unterwegs. Überall halten S41, S42, S8 und S85.

Die S15 vom Gesundbrunnen zum Hauptbahnhof gab es an meinem Wandertag noch nicht. Sie fährt seit Juni 2026.

Die Route

Vom Gesundbrunnen über die Millionenbrücke

Der Name Gesundbrunnen ist wörtlich gemeint. Im 18. Jahrhundert gab es hier eine Mineralquelle, 1760 wurde daraus das Heilbad „Friedrichs Gesundbrunnen“, später das Luisenbad. 1882 wurde die Quelle bei Bauarbeiten verschüttet, der Name ist geblieben. Vom Kurbad ist am Bahnhof nichts mehr zu ahnen: roter Backstein beiderseits der Gleise, ein verglaster Übergang, Graffiti, und unten fährt eine gelb-rote S-Bahn ein.

Im alten Stellwerk des Bahnhofs sollen sich bis in die 1970er Jahre zwei Fahrdienstleiter die Arbeit geteilt haben, einer für die S-Bahn, einer für die Fernbahn. Wenn sich die beiden nicht leiden konnten, soll ein Kreidestrich auf dem Fußboden markiert haben, welchen Bereich der andere nicht zu betreten hatte.

Nach wenigen Minuten stand ich auf der Swinemünder Brücke, die das gesamte Gleisfeld überspannt. Sie ist 228 Meter lang, wurde von 1902 bis 1905 gebaut und kostete 1,25 Millionen Mark, mehr als jede Berliner Brücke vor ihr. Seitdem heißt sie Millionenbrücke. Der im Krieg zerstörte Mittelteil wurde 1954 ohne den Jugendstilschmuck wieder aufgebaut. Von oben siehst du, wie die Gleise auseinanderlaufen: Die Ringbahn zieht in einer weiten Kurve nach Osten, die anderen Strecken nach Norden. Darüber stand an diesem Tag ein hoher, grauer Wolkenhimmel.

Durch den Gleimtunnel in den Osten

Bis hierher bin ich durch das frühere West-Berlin gelaufen. Südlich der Gleise ging es durch Wohnstraßen nach Osten und dann in den Gleimtunnel, eine breite Unterführung unter dem alten Bahndamm, gebaut ab 1903. Im August 1961 wurde der Tunnel gesperrt und auf der Ostseite zugemauert, fast 30 Jahre lang war hier Schluss. Das alte Pflaster liegt noch. Wer heute hindurchgeht, wechselt von Gesundbrunnen nach Prenzlauer Berg und damit vom früheren Westen in den früheren Osten. Der Rest der Tour liegt komplett im früheren Ost-Berlin.

Hinter dem Tunnel bin ich nach Norden abgebogen, durch den nördlichen Teil des Mauerparks. Das ist nicht der bekannte Südteil, sondern das Stück am Moritzhof. Es ist inzwischen saniert und im August 2024 wieder eröffnet worden, sieht heute also etwas anders aus als an meinem Wandertag. Der Weg folgt hier dem früheren Grenzstreifen. Über den Schwedter Steg, eine lange Fußgängerbrücke, bin ich auf die Nordseite der Gleise gewechselt.

Hier zweigt eine Strecke nach Norden ab, die es ohne die Mauer nicht gäbe. Weil der Ring nach Westen abgeschnitten war, baute die DDR eine neue Verbindung von der Schönhauser Allee nach Pankow, vollständig auf Ost-Berliner Gebiet. Schon am 10. Dezember 1961 ging sie in Betrieb. Bekannt ist sie als Ulbricht-Kurve. Zwischen Behmstraße und Malmöer Straße begleitet bis heute eine Mauer aus Betonplatten die Gleise im Bogen, seit 2005 steht sie unter Denkmalschutz.

Schönhauser Allee: Bahnsteig unter dem Einkaufszentrum

Auf der Nordseite der Bahn bin ich über die Dänenstraße weiter nach Osten gegangen. Die Ringbahn fährt hier in einem tiefen Einschnitt.

An der Schönhauser Allee liegt der Verkehr in Schichten: unten im Einschnitt die Ringbahn, darüber die Straße, noch eine Etage höher die Hochbahn. Deren Station hieß bei der Eröffnung übrigens „Nordring“. Ich bin an der Nordseite des Einkaufszentrums entlanggelaufen. Der S-Bahnsteig steckt unter dem Gebäude. Erst von der Greifenhagener Brücke am östlichen Zugang, einem Baudenkmal aus den Jahren 1906 bis 1911, schaust du auf Bahnsteig und Züge.

Gleich daneben ein schräges graues Dach voller Tags, eine alte Laterne und Tauben, dicht an dicht. Leerstand gibt es auf diesem Dach nicht.

Prenzlauer Allee und der Abstecher zum Planetarium

Hinter der Schönhauser Allee bleibt der Weg dicht an der Bahn und läuft durch Wohnstraßen schräg nach Südosten. Nach gut einem Kilometer stand ich vor dem Bahnhof Prenzlauer Allee.

Gelber Backstein, ein Giebel, eine Uhr, der Name in großen Buchstaben: Von allen Bahnhöfen dieser Tour sieht dieser am meisten nach Bahnhof aus. Im Gebäude sollen Ein- und Ausgang ursprünglich getrennte Wege gehabt haben. Hier habe ich die Gleise zum ersten Mal deutlich verlassen und bin die Prenzlauer Allee ein paar hundert Meter nach Süden gegangen, bis unter dunklen Wolken die silberne Kuppel des Zeiss-Großplanetariums auftauchte. Warum sie genau dort steht, hat mit drei gesprengten Gasometern zu tun. Mehr dazu unten bei „Am Wegesrand“. Am Planetarium habe ich kehrtgemacht.

Zurück ging es nach Norden, über die Bahn hinweg und weiter die Prenzlauer Allee hinauf. An einer Hauswand schleppt dort ein grüner Bär einen Pappkarton voller Spraydosen, obenauf sitzt eine Krähe. Auf dem Karton klebt ein Aufkleber mit den Buchstaben PB, was ich als Prenzlauer Berg lese. Ein paar Ecken weiter, an der Ostseestraße, folgt ein Bild in Schwarz-Weiß über die ganze Wand eines Hochhauses: eine Frau mit Krone und langen Haaren, die Hände auf der Brust. Es heißt „Everything connected“ und stammt von Snik und Nuno Viegas, entstanden 2018 für die Reihe „One Wall“ des Museums Urban Nation. Die Frau wurde Schablone für Schablone auf die schwarze Fassade gesprüht. Mehr dazu im Beitrag zum Wandbild.

Kreuz und quer durch die Wohnstadt Carl Legien

Von der Ostseestraße bin ich in einem Bogen nach Südosten gelaufen und stand kurz darauf in der Wohnstadt Carl Legien. Hier bin ich nicht mehr von Bahnhof zu Bahnhof gegangen, sondern kreuz und quer, einmal auch in einen der Höfe hinein und wieder heraus.

Bruno Taut und Franz Hillinger haben die Siedlung um 1930 für die Wohnungsgesellschaft GEHAG geplant: 1.149 Wohnungen, die meisten mit ein oder zwei Zimmern, verteilt auf sechs U-förmige Höfe. Jeder Hof hat seinen eigenen Farbton, statt Gärten gibt es Loggien. Benannt ist sie nach dem Gewerkschaftsführer Carl Legien. Seit 2008 gehört sie mit fünf weiteren Siedlungen der Berliner Moderne zum UNESCO-Welterbe. Die Straßen ringsum tragen heute die Namen kommunistischer Widerstandskämpfer. 1933 waren sie nach Schlachtorten des Ersten Weltkriegs in Belgien benannt worden. Am Kopfbau an der Erich-Weinert-Straße steht der Name der Siedlung in großen Buchstaben über runden Balkonen, dazu die Jahreszahl 1929.

Durch die Wohnstraßen der denkmalgeschützten Siedlung ging es zurück zur Bahn und zum Bahnhof Greifswalder Straße.

Der Bahnhof hat einmal die Straßenseite gewechselt: Zuerst lag er westlich der Greifswalder Straße, 1889 wurde er an die heutige Stelle östlich davon verlegt. Von 1986 bis 1993 hieß er Ernst-Thälmann-Park, wie das Neubauviertel auf dem alten Gaswerksgelände. Dessen Geschichte steht unten beim Planetarium.

Der Bahnsteig liegt hier oben, von der Straße aus sah ich nur Geländer, Laternen und das S-Zeichen vor viel grauem Himmel. Wenige Meter nördlich des Bahnhofs ist die Stirnwand eines Plattenbau-Hochhauses von oben bis unten bemalt: Figuren mit wehendem Haar, ein Kind, dazu Text. Es ist „Der Apfelbaum“ von Herakut, gemalt 2015 an die Südwand der Heinrich-Böll-Bibliothek.

Am Volkspark vorbei zur Landsberger Allee

Östlich der Greifswalder Straße bin ich auf der Nordseite der Bahn geblieben und durch ein Wohngebiet nach Osten gelaufen. Auf diesem Stück bist du dem Jüdischen Friedhof Weißensee am nächsten, bis zum Eingang an der Herbert-Baum-Straße sind es rund 750 Meter Luftlinie nach Nordosten. Ich stelle ihn in einem eigenen Beitrag vor, und auch meine erste Tour durch das jüdische Berlin führt vom Bahnhof Greifswalder Straße dorthin. Nach gut einem Kilometer knickt der Weg nach Südosten ab, zur Straße Am Weingarten am Rand des Volksparks Prenzlauer Berg. In den Park bin ich nicht hineingegangen. Dafür stand an der Straße unter Bäumen ein weiß gestrichener Sockel voller Wirbelornamente, mit einer Schrift im Relief, und obenauf eine weiße Frauenbüste auf einem blauen Tuch.

Kurz dahinter habe ich die Bahn überquert und bin auf der Westseite der Gleise nach Süden gegangen, am Europasportpark vorbei. Den Bahnhof Landsberger Allee habe ich von Norden erreicht, an dem Zugang mit der Bahnhofsuhr.

Zum Velodrom musst du von hier nicht einmal über die Straße: Von der Bahnsteigmitte führt ein Fußgängertunnel direkt in den Europasportpark. Er wurde in den 1990er Jahren zusammen mit den Hallen gebaut.

Storkower Straße: ein Pferd, ein buntes Hochhaus, ein Rest Brücke

Vom Bahnhof bin ich auf die Ostseite der Gleise gewechselt, zur Ecke Landsberger Allee und Storkower Straße. Dort steht ein Pferd bauchtief im Wasser, in Grautönen über eine ganze Hauswand gemalt. Danach folgt der Weg der Storkower Straße nach Südosten. In ihrem Bogen taucht das nächste Großformat auf: das Gustavo-Haus, ein Wohnhochhaus mit großen Farbflächen, bunten Figuren und einem Gesicht. Beide Bilder stehen unten bei „Am Wegesrand“.

Zum Bahnsteig geht es über einen Zugang aus Backstein und ein Stück Fußgängerbrücke, dahinter ragt das bunte Hochhaus auf. Dieses Stück Brücke ist der Rest des Langen Jammers. Die Berliner*innen nannten ihn auch „Rue de Galopp“ und „Angströhre“. Er war überdacht, vier Meter breit und lief quer über den Schlachthof, damit niemand über das Gelände gehen musste. Die Scheiben sollen undurchsichtig gewesen sein, weil das Brückenbauamt 1936 fürchtete, der Blick auf den Viehhofbetrieb könne die Großstadtjugend sittlich gefährden. Im alten Vorspann des „Polizeiruf 110“ ist die Brücke zu sehen.

Ich bin über die Gleise auf die Westseite gegangen und dann nach Süden, durch das Neubaugebiet, das heute auf dem Gelände des Zentralvieh- und Schlachthofs steht. Eröffnet wurde er 1881. Wo die Brücke verlief, liegt jetzt ein Fußweg, eine Straße heißt Zum Langen Jammer. Auch andere Namen erzählen, was hier einmal war: die Straße Zur Rinderauktionshalle zum Beispiel oder der Blankensteinpark. Hermann Blankenstein war der Stadtbaurat, unter dem der Schlachthof gebaut wurde.

Durch den Friedrichshainer Nordkiez zur Frankfurter Allee

An der Eldenaer Straße endet das alte Schlachthofgelände, dahinter beginnt der Friedrichshainer Nordkiez. Ich bin im Zickzack nach Süden und Osten gelaufen. An einem Altbau-Eckhaus zieht sich dort ein grafisches Wandbild in Türkis, Gelb, Rot und Schwarz über vier Etagen.

Über die Rigaer Straße habe ich den Bahnhof Frankfurter Allee von Norden erreicht. Am Bahnsteig stand gerade eine gelb-rote S-Bahn.

Die Sanierung des alten Empfangsgebäudes begann Ende 2015 und sollte im Frühjahr darauf abgeschlossen sein. Im Sommer 2017 wurde noch gebaut.

Zum Ostkreuz: Der Ring schließt sich

An der Frankfurter Allee bin ich unter der Ringbahn hindurch auf die Ostseite gegangen, am Ring-Center vorbei, und kurz darauf wieder zurück auf die Westseite. Die letzten gut zwei Kilometer führen noch einmal weg von den Gleisen, durch die Wohnstraßen südlich der Frankfurter Allee. An einer Altbau-Ecke leuchtet dort ein abstrakter Vogel in Rot, Orange, Gelb und Schwarz. Es war das letzte Wandbild dieser Tour.

Über ein Stück Boxhagener Straße und die Neue Bahnhofstraße hinunter bin ich zum Ostkreuz gekommen. Der Himmel hatte inzwischen ein paar blaue Stellen. Von oben fiel der Blick auf die Ringbahnhalle mit den großen Buchstaben, darunter Bahnsteige und eine S-Bahn. Hier war ich fünf Tage zuvor losgegangen, damals nach Süden, Richtung Treptower Park.

Damit ist der Ring zu. Die Ringbahn ist 37 Kilometer lang und hat 27 Bahnhöfe, zu Fuß sind daraus in vier Teilen 69,9 Kilometer geworden. Der Bahnhof Ostkreuz hat seinen Steckbrief in Teil 1, die ganze Runde steht im Gesamtbericht.

Am Wegesrand

Das Planetarium und die gesprengten Gasometer

Die silberne Kuppel an der Prenzlauer Allee gehört zum Zeiss-Großplanetarium. Es wurde im Oktober 1987 eröffnet, nach zwei Jahren Bauzeit und rechtzeitig zur 750-Jahr-Feier Berlins, als einer der letzten Repräsentationsbauten der DDR. Die Kuppel misst außen 30 Meter. Seit 2025 steht das Haus unter Denkmalschutz.

Vorher stand an dieser Stelle ein Gaswerk, in Betrieb von 1873 bis 1981, mit drei Gasometern aus Backstein. Sie sollten zunächst in den neuen Ernst-Thälmann-Park einbezogen werden, dann wurden sie aus der Planung gestrichen. Dagegen regte sich Widerspruch: Die Staatssicherheit zählte rund 160 Eingaben und etwa 200 Fälle von Plakaten, Aufklebern und Fotomontagen. Die Losung hieß „Gasometer sprengt man nicht!“. Am 28. Juli 1984 wurden sie trotzdem gesprengt.

Ein Pferd im überfluteten Salon

An der Landsberger Allee 121, Ecke Storkower Straße, steht ein weißes Pferd bauchtief im Wasser eines überfluteten Palastes und blickt über die Schulter zurück. Durch das Fenster fliegen Tauben herein. Gemalt hat das der Südafrikaner Ricky Lee Gordon, 2017 für die Reihe „One Wall“ des Museums Urban Nation, in einer Woche. Zum Bild gehört ein Gedicht, das ihm auch den Titel gibt: „Die Sonne wird im Ozean versinken. Der Mond und das Wasser werden steigen. Die Könige in ihren Schlössern werden weggewaschen.“ Gemeint ist die Natur, die sich gegen ihre Zerstörung wehrt. An einem grauen Tag wie meinem passt das Bild fast zu gut zum Himmel darüber. Mehr dazu steht im Beitrag zum Wandbild.

Das Gustavo-Haus

An der Franz-Jacob-Straße 1, schon in Lichtenberg, steht ein Wohnhochhaus, das aussieht wie ein aufgeklapptes Bilderbuch. Gestaltet hat es Ende der 1990er Jahre der spanische Künstler Gustavo, daher der Name Gustavo-Haus. Er entwarf für jede Hausseite ein eigenes Bild aus bunten Figuren und baute dazu ein Modell. Die rund 11.000 Einzelteile der Komposition wurden auf Aluminiumtafeln übertragen und an der Fassade montiert. Vom Bahnhof Storkower Straße aus ist das Haus nicht zu übersehen, es steht direkt hinter dem Zugang.

Gut zu wissen

  • Im Mai 2021 galt in Berlin der Corona-Lockdown, Gaststätten durften nur außer Haus verkaufen. Deshalb kommt in diesem Bericht keine Einkehr vor. Heute gibt es an fast jedem Bahnhof Imbisse und Bäcker.
  • Die Route ist nicht ausgeschildert. Sie bleibt meist in Sichtweite der Bahn, verlässt sie aber mehrmals deutlich: am Planetarium, in der Wohnstadt Carl Legien und in Friedrichshain.
  • Abkürzen geht an jedem der sechs Bahnhöfe unterwegs. Wer nur ein Stück gehen will, steigt dort ein oder aus.
  • Der Weg führt fast durchgehend über Gehwege und Asphalt.
  • Das Zeiss-Großplanetarium liegt rund 250 Meter südlich der Bahn. Programm und Eintritt stehen auf der Seite des Planetariums.
  • Seit meinem Wandertag hat sich am Weg einiges getan. Die Straßenbrücke der Schönhauser Allee über die Ringbahn soll neu gebaut werden, der Baubeginn wurde verschoben. Auf der Landsberger Allee östlich des S-Bahnhofs wird seit April 2024 gebaut, voraussichtlich bis 2029.
  • Wandbilder halten nicht ewig. Ob alle Bilder aus diesem Bericht noch zu sehen sind, zeigt sich erst vor Ort.
  • Am Bahnhof Gesundbrunnen beginnt auch meine erste Tour durch das jüdische Berlin. Ihr erster Halt ist das Beamtentor der AEG an der Brunnenstraße, ein paar hundert Meter vom Bahnhof.

Fazit

Die letzte Tour ist die der Wände: Mauerreste, Welterbe-Fassaden und Wandbilder im Hochhausformat. Am dichtesten ist sie zwischen Gleimtunnel und Wohnstadt Carl Legien, dort liegt alle paar Minuten etwas Neues am Weg. Der Haken: Es sind 16 Kilometer Stadt auf Asphalt und Gehweg, und zwischen Greifswalder Straße und Landsberger Allee zieht es sich.

Die Tour passt für alle, die Stadtgeschichte lieber ablaufen als nachlesen. Und am Ostkreuz anzukommen, wo fünf Tage vorher alles angefangen hat, ist ein besserer Schluss als jede Endhaltestelle.