Unterwegs zu Fuß

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Berliner S-Bahn-Ring, Teil 2: Südkreuz bis Westkreuz

Backsteinbrücke der Bahn über einer Straße in Halensee, dahinter der Funkturm

Berliner S-Bahn-Ring, Teil 2 von 4 · Zum Gesamtbericht

Die zweite Tour um den Berliner S-Bahn-Ring führt vom Südkreuz zum Westkreuz, durch Schöneberg, Wilmersdorf und Halensee bis an die AVUS. Mit rund 14 Kilometern und gut zweieinhalb Stunden Gehzeit ist sie die kürzeste der vier Touren. Unterwegs liegen sieben Ringbahnhöfe, das alte Dorf Schöneberg, das RIAS-Funkhaus, der Volkspark Wilmersdorf und am Ende die Reste der Rennstrecke an der Nordkurve.

Ich bin am Donnerstag, dem 29. April 2021, am Südkreuz losgegangen, einen Tag nach der ersten Tour. Die Idee hinter den vier Touren: die Bahnhöfe des Rings zu Fuß verbinden, meist auf dem kürzesten Weg von einem zum nächsten. Wo links oder rechts etwas Interessantes lag, bin ich abgebogen. Einen ausgeschilderten Weg um den Ring gibt es nicht, die Route habe ich selbst gelegt. Den Überblick über alle vier Teile findest du im Gesamtbericht.

Inhalt dieser Tour

Strecke

14,1 km

Gehzeit

2:37 h

Start

Bahnhof Südkreuz

Ziel

S-Bahnhof Westkreuz

Gelaufen am

29. April 2021

Untergrund

Gehwege und Asphalt, im Volkspark Wilmersdorf Parkwege

Einkehr

Imbisse, Bäcker und Cafés an fast jedem Bahnhof

  • Mit der Bahn erreichbar
  • Abkürzbar
Karte: Berliner S-Bahn-Ring, Teil 2Teil 2 von Südkreuz nach Westkreuz, 14,1 km. Die nummerierten Punkte sind die Ringbahnhöfe am Weg.8910111213Start: Südkreuz1 kmZiel: Westkreuz
Teil 2 von Südkreuz nach Westkreuz, 14,1 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die Nummern sind die Ringbahnhöfe am Weg. Gestrichelt: Bahnstrecken.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Sieben Ringbahnhöfe auf 14 Kilometern, die kürzeste Tour der Serie
  • Abstecher ins alte Dorf Schöneberg, zum RIAS-Funkhaus und zur russischen Kathedrale am Hohenzollerndamm
  • Der Fennsee im Volkspark Wilmersdorf als grünes Stück zwischen viel Asphalt
  • Zum Schluss die Reste der AVUS: Zielrichterturm, Tribüne und Rennfahrer-Skulptur

Anreise

Hin

S Südkreuz: S41, S42, S46 (Ring), S2, S25, S26, S47, dazu Regional- und Fernverkehr

Zurück

S Westkreuz: S41, S42, S46 (Ring), S3, S5, S7, S9 (Stadtbahn). Kein Regional- oder Fernverkehr

Takt

S41 und S42 fahren in der Regel alle 10 Minuten, werktags tagsüber meist alle 5 Minuten

Abkürzen

An jedem der sieben Bahnhöfe unterwegs (S41, S42, S46). Dazu S1 in Schöneberg, U4 am Innsbrucker Platz, U9 am Bundesplatz, U3 am Heidelberger Platz

Start und Ziel liegen beide auf dem Ring. Vom Westkreuz zurück zum Südkreuz sind es mit der S42 sieben Stationen. Der Bahnhof Westkreuz hat nur einen Zugang, er liegt an der Sackgasse Am Westkreuz, die von der Halenseestraße abgeht.

Am Südkreuz hat sich seit meiner Tour etwas geändert: Im April 2021 fuhr der Flughafen-Express noch nicht über diesen Bahnhof. Seit dem 14. Dezember 2025 hält er hier, zwischen Potsdamer Platz und BER.

Die Route

Vom Südkreuz über den Sachsendamm

Die Ringbahnhalle am Südkreuz ist ein Dach aus Stahl und Glas: Rund 2.400 Tonnen Stahl wurden dafür montiert und 3.700 Quadratmeter Glas eingesetzt. Vom Bahnhof bin ich nach Westen gegangen, den Sachsendamm entlang. Die Straße war früher die Landstraße zwischen Schöneberg und Tempelhof. Heute läuft sie neben der Stadtautobahn her, an Möbelhäusern und Baumärkten vorbei.

Nach knapp einem Kilometer steht am Straßenrand ein kleiner Turm mit Zeltdach und rundem Geländer, oben auf einer Säule mit buntem Mosaik. Er stammt wohl von der Radrennbahn Schöneberg, zu der auch ein Richterturm gehörte. Die Bahn wurde 2005 trotz Denkmalschutz für ein Möbelhaus abgerissen.

Durch die Schöneberger Linse zum Bahnhof Schöneberg

Hinter dem Turm bin ich nach Norden abgebogen und durch das Viertel zwischen Autobahn und Ringbahn gelaufen. Es heißt Schöneberger Linse. Der erste Wohnblock, ein Haus der Gewobag am Sachsendamm, war im Dezember 2019 fertig.

Nördlich der Gleise steht der Schöneberger Gasometer, gebaut 1908 bis 1910 und 1995 stillgelegt. Er ist das Wahrzeichen der Roten Insel, wie das Viertel zwischen den Bahnstrecken im Osten Schönebergs heißt. Im April 2021 war das Stahlgerüst noch leer. Im August 2021 wurde der Grundstein für den Ausbau gelegt, inzwischen steckt in dem Gerüst ein rundes Bürohaus.

Am Bahnhof Schöneberg bin ich an der Brücke über die Dominicusstraße herausgekommen. Oben halten die Ringzüge, quer darunter fährt die S1. Wie alle Bahnhöfe dieser Tour lag auch dieser lange still. Nach dem Reichsbahnerstreik wurde der Verkehr auf dem Ring am 18. September 1980 eingestellt, erst am 17. Dezember 1993 ging der Südring wieder in Betrieb.

Abstecher ins alte Dorf Schöneberg

Zum Innsbrucker Platz wäre es an den Gleisen entlang nicht weit gewesen. Ich bin stattdessen nach Norden zur Hauptstraße gegangen, ins alte Dorf Schöneberg, das 1264 zum ersten Mal erwähnt wird. Dort steht die Dorfkirche, ein rosa verputzter Barockbau mit grünem Turmhelm aus den Jahren 1764 bis 1766. Der Alte Kirchhof dahinter ist wohl schon im 13. Jahrhundert entstanden und gehört zu den ältesten Begräbnisplätzen Berlins, die noch genutzt werden. Von der Straße aus fällt zuerst die Mauer vor der Kirche auf, sie ist voller Graffiti.

Ein paar Schritte weiter trägt die Stirnwand eines Hochhauses ein riesiges buntes Wandbild, aus dessen Mitte Farbstrahlen nach außen schießen. Es ist „Adanzé“ von Christian Awe aus dem Jahr 2015.

Über die Hauptstraße bin ich nach Südwesten zum Innsbrucker Platz gelaufen. Die alte Straße nach Potsdam wurde 1792 als erste gepflasterte Chaussee Preußens ausgebaut.

Der Innsbrucker Platz ist vor allem Kreuzung, die Stadtautobahn läuft hier im Tunnel darunter durch. Während sie gebaut wurde, soll der S-Bahnhof von 1972 bis 1979 geschlossen gewesen sein. Ein Jahr nach der Wiedereröffnung kam die Stilllegung des Südrings. Der Eingang zur S-Bahn ist eine graue Wand aus Betonplatten mit S-Zeichen und Wappenrelief. Was sonst noch unter dem Platz liegt, steht unten in „Am Wegesrand“.

Am RIAS-Funkhaus vorbei zum Bundesplatz

Zum Bundesplatz bin ich nicht an der Autobahn entlanggegangen, sondern in einem Bogen nach Norden. Am Hans-Rosenthal-Platz steht das frühere RIAS-Funkhaus. Gebaut wurde es 1938 bis 1941 nach einem Entwurf von Walter Borchard als Verwaltungssitz der Bayerischen Stickstoffwerke. Am 30. Juni 1948 zog der „Rundfunk im amerikanischen Sektor“ ein und meldete sich von hier aus als „freie Stimme der freien Welt“. 1993 endete das Programm, RIAS 1 ging im Deutschlandradio auf. Heute wird in dem Haus für Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova produziert. Über der Tür stand 2021 trotzdem noch „RIAS“.

Der Platz vor dem Haus heißt seit dem 2. April 1993 nach Hans Rosenthal, der 1948 beim RIAS anfing und dort von 1962 bis 1980 die Unterhaltung leitete. Es wäre sein 68. Geburtstag gewesen. Knapp zwei Monate später stand ich wieder vor dem Funkhaus, auf meiner siebten Tour durch das jüdische Berlin. Wo sich Rosenthal bis 1945 versteckt hielt, zeigt die fünfte Tour, die dritte führt zu dem Haus in der Winsstraße, in dem er bis 1941 wohnte.

Weiter ging es nach Westen, am Rand des Volksparks Wilmersdorf entlang, und dann die Bundesallee hinunter nach Süden. Rund 300 Meter nördlich meines Wegs stand an der Prinzregentenstraße die Synagoge Wilmersdorf, auch sie kommt in der siebten Tour vor.

Am Bundesplatz liegt der Eingang zu S- und U-Bahn unter der Stahlbrücke der Ringbahn. Eröffnet wurde der Bahnhof 1892 als Wilmersdorf-Friedenau.

Zum Heidelberger Platz

Zwischen Innsbrucker Platz und Halensee liegen Ringbahn und Stadtautobahn fast durchgehend nebeneinander, wie zwei Spuren derselben Trasse. Hinter dem Bundesplatz bin ich auf der Nordseite der Gleise durch Wohnstraßen nach Westen gegangen. Auf halber Strecke steht ein schlanker, freistehender Glockenturm aus rotem Backstein mit goldener Uhr. Er gehört zur Vaterunser-Kirche, die 1961 eingeweiht wurde.

Am Heidelberger Platz führt ein türkisfarbener Zugang aus Stahl und Glas zur S-Bahn. Unter der Erde liegt der U-Bahnhof, den Wilhelm Leitgebel für die Stadt Wilmersdorf entworfen hat, als die noch nicht zu Berlin gehörte. Ins alte Empfangsgebäude der S-Bahn soll in den Jahren ohne Züge die Gastronomie eingezogen sein: das „Annabelle’s“, in den 1980er Jahren eine Diskothek. Neben dem Bahnhof standen im April 2021 noch die drei Schornsteine des Kraftwerks Wilmersdorf, auch dazu unten mehr.

Fennsee, Zwiebelkuppeln und ein Hochhaus

Auch zum Hohenzollerndamm bin ich nicht direkt gegangen, sondern erst nach Norden in den Volkspark Wilmersdorf. Zusammen mit dem Rudolph-Wilde-Park füllt er eine eiszeitliche Rinne, ein rund 2,5 Kilometer langer Grünzug, der nirgends breiter als 150 Meter ist. Bebaut wurde die Senke nie, der Grund war zu sumpfig. Der Fennsee ist der letzte Rest der Gewässer, die es hier einmal gab, und dient als Regenwasserbecken. Ende April standen die Weiden am Fennsee im ersten frischen Grün.

Vom Park bin ich nach Nordwesten zum Hoffmann-von-Fallersleben-Platz gegangen. Dort steht am Hohenzollerndamm die Russisch-Orthodoxe Christi-Auferstehungs-Kathedrale mit ihren dunklen Zwiebelkuppeln. Entworfen hat sie Karl Schellberg, gebaut wurde sie Ende der 1930er Jahre als Ersatz. Die russische Gemeinde hatte in den 1920er Jahren die oberen Etagen des Hauses Hohenzollerndamm 33 zur Kirche umgebaut, mit Zwiebeltürmen auf dem Dach. 1938 übernahm die Deutsche Arbeitsfront das Haus, die Gemeinde bekam dafür das Grundstück Nummer 166. So wurde mitten im NS-Staat eine orthodoxe Kirche neu gebaut.

Den Hohenzollerndamm entlang ging es zurück zur Bahn. Kurz vor dem Bahnhof steht das weiße Hochhaus der Deutschen Rentenversicherung: 23 Geschosse, gebaut 1973 bis 1977 nach einem Entwurf von Hans Schaefers. Seit der Sanierung bis 2019 lassen sich dort zum ersten Mal die Fenster öffnen.

Der Bahnhof Hohenzollerndamm sieht von der Straße aus eher nach Wohnhaus als nach Bahnhof aus. Das Jugendstilgebäude ist mit Muschelkalk verkleidet und wurde seinem Namen entsprechend besonders aufwendig geschmückt. Ein Mosaik aus dem Eingangsbereich soll heute an der Fassade eines Seniorenheims an der Koenigsallee in Grunewald hängen. Am Weg liegt das nicht.

Weiter nach Halensee

Bis Halensee bin ich nach Nordwesten gelaufen, immer in der Nähe von Ringbahn und Stadtautobahn. Zu sehen gibt es auf diesen gut anderthalb Kilometern wenig, das Stück zieht sich.

Am Bahnhof Halensee stehst du auf der Kurfürstendammbrücke und schaust auf Bahnsteig und Gleise hinunter. Der Kurfürstendamm liegt an dieser Stelle zwölf Meter höher als an der Gedächtniskirche. Im Frühjahr 2025 war hier für die Ringbahn Schluss: Wegen der maroden Autobahnbrücke am Dreieck Funkturm fuhren ab dem 27. März 2025 gut einen Monat lang keine Züge zwischen Halensee und Westend.

Während hier keine Züge fuhren, soll in den Bahnhofspavillon ein Autohaus eingezogen sein: Opel Hesse mit einem Autosalon, eröffnet 1985. Und 1988 gab es den Plan, den Bahngraben in Halensee mit einer Art Deckel zu versehen und darauf rund 1.400 Wohnungen zu bauen, für geschätzte 1,5 Milliarden D-Mark. Mit der Wende wurden die Pläne zu den Akten gelegt.

Der große Bogen nach Westen

Mit der S-Bahn ist es von Halensee zum Westkreuz eine Station. Zu Fuß ist es komplizierter. Zwischen den beiden Bahnhöfen liegen die Stadtautobahn, breite Gleisanlagen und das Autobahndreieck Funkturm, einen Weg an den Gleisen entlang gibt es nicht. Dazu hat der Bahnhof Westkreuz nur einen einzigen Zugang, und der liegt im Nordwesten. Ich bin deshalb in einem weiten Bogen nach Westen ausgewichen und habe für die eine Station knapp vier Kilometer gebraucht.

Zuerst ging es den Kurfürstendamm hinunter zum Rathenauplatz, wo seit 1987 die beiden einbetonierten Cadillacs von Wolf Vostell stehen. Von der Bornstedter Straße führt der Trabener Steg hinüber zur Trabener Straße, eine 96 Meter lange Fußgängerbrücke aus Stahl von 1960. Unter dir liegen die Stadtautobahn und die Halenseestraße, die mitten durch das Gelände des früheren Lunaparks führt (dazu unten mehr). Im Norden steht der Funkturm über einem Gewirr aus Brücken und Oberleitungen.

Auf der anderen Seite bin ich die Trabener Straße nach Süden gegangen und dann durch einen langen Fußgängertunnel unter den Gleisen nach Westen. Seine Wände sind von vorn bis hinten besprüht. Dahinter ging es wieder nach Norden, vorbei an einem Tunnelportal, in dem ein S-Bahn-Gleis in einem grünen Einschnitt verschwindet.

Am Bahnhof Messe Süd war der westlichste Punkt der Tour erreicht. Richard Brademann hat ihn 1927 bis 1930 gebaut, bis 2002 hieß er Eichkamp. Der neue Name kam in der Nachbarschaft nicht gut an. Von dort bin ich nach Osten gegangen, durch eine Unterführung unter der AVUS hindurch.

An der Nordkurve der AVUS

Hinter der Unterführung stehst du in der früheren Nordkurve der AVUS. Die „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“ wurde ab 1913 gebaut und am 24. September 1921 eingeweiht: gut acht Kilometer fast schnurgerade zwischen Messegelände und Nikolassee, an beiden Enden eine Wendeschleife, eine Runde rund 19 Kilometer lang. Wenn kein Rennen lief, durften Privatleute auf die Strecke. Das kostete 10 Mark, für hauptsächlich geradeaus. Heute ist die AVUS ein Stück der A 115.

1937 bekam die Nordschleife eine Steilkurve aus Klinkern, zwölf Meter hoch und knapp 44 Grad steil. 1959 starb hier der französische Rennfahrer Jean Behra, beim einzigen Formel-1-Rennen, das je auf der AVUS gefahren wurde. 1967 wurde die Steilkurve abgetragen, weil sie dem Ausbau des Autobahndreiecks im Weg stand. 1998 fand das letzte Rennen statt.

Geblieben sind zwei Bauten. Der auffälligere ist der runde Turm mit vier umlaufenden Galerien. Von dort oben bestimmten die Zielrichter die Sieger. Walther Bettenstaedt hat das Haus 1935 bis 1937 als „Mercedeshaus“ gebaut, 1977 wurde es zur Raststätte umgebaut. Im April 2021 trug es den Schriftzug „MOTEL AVUS“ und auf dem Dach einen Mercedes-Stern. Im Herbst 2021 stand das denkmalgeschützte Haus leer, der Betreiber kündigte die Wiedereröffnung an.

Der zweite Bau ist die Tribüne von 1936, über 200 Meter lang, für rund 4.000 Zuschauer*innen und ebenfalls ein Denkmal. Sie ist inzwischen saniert und wird seit Oktober 2021 wieder genutzt. An der Ecke Messedamm und Halenseestraße erinnert außerdem eine Bronzegruppe mit zwei Motorradrennfahrern an die Rennzeit, sie hat unten einen eigenen Abschnitt. Über dem Funkturm hingen inzwischen dunkle Wolken.

Zum Bahnhof Westkreuz

Von der Skulptur bin ich über die Halenseestraße nach Südosten und dann in die Sackgasse Am Westkreuz gegangen. An ihrem Ende liegt der Zugang zum Bahnhof, ein flacher grauer Bau. Von dort führen ein geschlossener Steg und ein Aufzug auf den Ringbahnsteig. Einen anderen Eingang hat das Westkreuz nicht.

Mehr zum Bahnhof steht am Anfang von Teil 3, der vom Westkreuz nach Gesundbrunnen führt.

Am Wegesrand

Drei Schornsteine, die es nicht mehr gibt

Direkt an Ringbahn und Stadtautobahn, gleich beim Heidelberger Platz, standen drei silberne Schornsteine, jeder 102 Meter hoch. Sie gehörten zum Kraftwerk Wilmersdorf, das die Bewag 1977 in Betrieb genommen hatte. Strom wird an dieser Stelle schon viel länger erzeugt: Das erste Elektrizitätswerk Südwest entstand 1910 bis 1912 nach Plänen von Hans Liepe. Im April 2021, im Monat meiner Tour, nahm Vattenfall das Kraftwerk vom Netz. Da standen alle drei Türme noch. Im Juni begann der Rückbau, Ende September fehlte der erste Turm. Rund 13.000 Tonnen Schrott kamen zusammen, fast alles Stahl. Stehen bleiben einige denkmalgeschützte Bauten des ersten Kraftwerks.

Der Bahnhof, in dem nie ein Zug hielt

Unter dem Innsbrucker Platz liegt, noch unter dem Autobahntunnel, ein fertiger Bahnhofsrohbau mit Bahnsteig. Gebaut wurde er für die geplante U10, die nie kam. Rund 3.000 Quadratmeter ist die Anlage groß. Die BVG hat sie hergerichtet, um sie als Filmkulisse zu vermieten. Dazu kommt ein zweites totes Stück: ein etwa 190 Meter langer Tunnelstutzen der heutigen U4 unter der Eisackstraße. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Luftschutzraum. Als Anfang der 1970er Jahre der Autobahntunnel gebaut wurde, wurde er vom übrigen U-Bahn-Netz abgeschnitten. Oben auf dem Platz ist von beidem nichts zu sehen.

Die U-Bahn, die sich Schöneberg selbst gebaut hat

Am Innsbrucker Platz endet die U4. Mit 2,9 Kilometern und fünf Bahnhöfen ist sie die kürzeste U-Bahn-Linie Berlins. Die damals selbstständige Stadt Schöneberg hat sie auf eigene Rechnung gebaut, weil die Hochbahngesellschaft die Strecke für unrentabel hielt. Im Dezember 1908 begann der Bau, Ende 1910 wurde eröffnet. Verlängert wurde die Linie nie. Von 1983 bis 1988 diente sie als Teststrecke für den vollautomatischen Betrieb. Bis zur Endstation Nollendorfplatz sind es vom Innsbrucker Platz vier Stationen.

Der Lunapark am Halensee

Zwischen Kurfürstendamm und Halensee lag von 1910 bis 1934 der Lunapark, ein riesiger Vergnügungspark. Angefangen hatte es 1904 mit den „Terrassen am Halensee“. Der Eingang lag nicht weit vom heutigen Rathenauplatz. Jedes Jahr kamen neue Attraktionen dazu, eine Wasserrutschbahn, eine Gebirgsbahn und eine Wirbelschaukel etwa. Am 16. Mai 1927 eröffnete das Wellenbad als größte Schwimmhalle Europas. Der Lärm war in ganz Halensee zu hören, zeitweise endete jeder Abend mit einem Feuerwerk. 1934 schlossen die Nationalsozialisten den Park als „Schandfleck des Westens“ und ließen ihn abreißen. Ein Teil des Geländes wurde für eine Straße zum Reichssportfeld gebraucht. Heute führt die Halenseestraße als Autobahnzubringer mitten hindurch. Über genau diese Straße führt jetzt der Trabener Steg.

„Deutscher Motorsport“: gegossen und fünfzig Jahre nicht aufgestellt

An der Ecke Messedamm und Halenseestraße, an der Einfahrt zur AVUS, legen sich zwei bronzene Motorradrennfahrer nebeneinander in die Kurve. Die Gruppe heißt „Deutscher Motorsport“ und stammt von Max Esser, der von 1935 bis 1938 daran arbeitete. Vorn fährt Ernst Henne auf BMW, dahinter Ewald Kluge auf DKW. Die Figuren wurden noch vor dem Krieg gegossen, aber nie aufgestellt. Ursprünglich gehörte ein dritter Fahrer dazu, er ist verschollen. 1987 war die Gruppe in der Ausstellung „Berlin, Berlin“ im Gropiusbau zu sehen, 1989 kam sie an ihren heutigen Platz. Der schräge Sockel aus rotem Klinker lässt an die Steilkurve denken, die hier bis 1967 stand. Eine Metalltafel erzählt die Geschichte der AVUS. Die Skulptur hat einen eigenen Beitrag.

Gut zu wissen

  • Abkürzen geht an jedem Bahnhof. Zwischen zwei Ringbahnhöfen liegen auf meiner Route höchstens knapp vier Kilometer, meistens deutlich weniger.
  • Das längste Stück ohne Bahnhof ist der Bogen von Halensee zum Westkreuz. Wer ihn sparen will, steigt in Halensee ein und fährt eine Station. Dann fehlt allerdings die AVUS.
  • Die Tour führt fast nur über Gehwege und Asphalt, lange Stücke davon in der Nähe der Stadtautobahn. Grün ist es nur im Volkspark Wilmersdorf.
  • Im April 2021 galt in Berlin der Corona-Lockdown, Gaststätten durften nur außer Haus verkaufen. Deshalb kommt in diesem Bericht keine Einkehr vor. Heute findest du an fast jedem Bahnhof Imbisse, Bäcker und Cafés.
  • Alle Beschreibungen geben den Stand vom Frühjahr 2021 wieder. Die Schornsteine am Heidelberger Platz sind weg, der Gasometer ist ausgebaut. Am Dreieck Funkturm wurde die Ringbahnbrücke der A 100 im April 2025 abgerissen, das ganze Autobahndreieck soll in den nächsten Jahren umgebaut werden.
  • Weiter geht es mit Teil 3 vom Westkreuz nach Gesundbrunnen, mit 20 Kilometern der längste der vier.

Fazit

Die zweite Tour ist die kürzeste, aber keine Nebensache. Gut waren die Abstecher: das alte Dorf Schöneberg, das RIAS-Funkhaus, der Fennsee, die Kathedrale am Hohenzollerndamm. Dazwischen liegt viel Stadtautobahn, und zwischen Hohenzollerndamm und Halensee zieht es sich. Das stärkste Stück kommt am Schluss: der Umweg um das Dreieck Funkturm bis zur Nordkurve der AVUS, wo eine Station S-Bahn zu Fuß fast vier Kilometer lang wird. Die Tour passt für alle, die Stadtgeschichte und Verkehrsbauten mögen und dafür Asphalt in Kauf nehmen. Wer vor allem ins Grüne will, ist hier falsch.