Unterwegs zu Fuß

Ernst-Thälmann-Park: Gasometer, Plattenbau und Denkmal

Ernst-Thälmann-Denkmal im Ernst-Thälmann-Park, dunkle Skulptur auf einem Sockel mit Graffiti

Ernst-Thälmann-Denkmal von Lew Kerbel im Ernst-Thälmann-Park.

Der Ernst-Thälmann-Park liegt an der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg. Bis in die 1980er-Jahre stand hier ein Gaswerk, heute gibt es dort Plattenbauten, eine Parkanlage und ein Bronzedenkmal für den KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann.

Vom Gaswerk zum Wohnquartier

Die IV. Berliner Gasanstalt entstand 1872/73. Zwischen 1872 und 1900 wurden sechs Gasometer gebaut, einer davon wurde 1935 abgerissen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Werk schwere Bombenschäden, 1946 lief die Gasproduktion wieder an.

Im Mai 1981 begann der Abriss des Gaswerks. Gegen den Abriss der Gasometer wandten sich Protestierende unter dem Motto „Gasometer sprengt man nicht!“. Gesprengt wurden sie am 28. Juli 1984, trotz der Bürgerproteste.

Auf dem geräumten Gelände entstand eine Wohnanlage mit 1.332 Wohnungen für rund 4.000 Menschen: achtgeschossige Plattenbauten und Hochhäuser mit 12 bis 18 Geschossen. Sie wurde im April 1986 zu Thälmanns 100. Geburtstag eröffnet. Sie galt als sozialistische Vorzeigesiedlung; die Hochbauten hatten Fahrstühle und Müllschlucker. Der Park war ein Prestigeprojekt zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987, im selben Jahr kam das Zeiss-Großplanetarium am Rand der Anlage dazu.

Das Denkmal

Das Thälmann-Denkmal schuf der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel. Auftraggeber war Erich Honecker, das Projekt wurde nach einem Beschluss des X. SED-Parteitags 1981 wieder aufgenommen. Die Bronze ist rund 14 Meter hoch, wiegt etwa 50 Tonnen und wurde im Lauchhammerwerk gegossen.

Nach 1990 stand das Denkmal zur Debatte. Im Mai 1993 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung von Prenzlauer Berg den Abriss, setzte ihn aber mangels Geld nicht um. 1997 stimmte eine Mehrheit der Anwohner*innen dafür, den Namen des Parks zu behalten. Die Siedlung ist als Gesamtanlage in der Denkmaldatenbank geführt, das Denkmal als Teilobjekt. Teile der Anlage stellte der Senat im Februar 2014 unter Schutz.

Vom Sockel denken

Seit 2021 steht neben dem Denkmal eine Kunstarbeit, die es kommentiert. „Vom Sockel denken“ von Betina Kuntzsch besteht aus fünf farbigen Betonelementen, einem verkleinerten Sockel, poetischen Schlagwörtern und Filmessays, die über QR-Codes abrufbar sind. Das Bezirksamt hatte den Wettbewerb 2019 ausgeschrieben, zehn Kurzfilme gehören zum Werk. Die Übergabe war am 18. November 2021, die Kosten von 180.000 Euro trugen Bund und Land Berlin im Programm Stadtumbau.

Ort

Greifswalder Straße 52 (Denkmalplatz), Prenzlauer Berg

Bildhauer

Lew Kerbel (Denkmal)

Gebaut

Siedlung 1984 bis 1986, Denkmal 1983 bis 1985

Zustand

Erhalten, als Gesamtanlage denkmalgeschützt

Zugang

Öffentliche Grünanlage

Nächste Haltestelle

Tram M4, M10 Greifswalder Straße/Danziger Straße (ca. 180 m), S Greifswalder Straße (S8, S41, S42, ca. 420 m)

Am Weg

Der Park liegt an der Tour Berliner S-Bahn-Ring, Teil 4.

HGreifswalder Straße/Danziger StraßeHS Greifswalder Straße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Besondere Orte in Prenzlauer Berg: das Zeiss-Großplanetarium und die Wohnstadt Carl Legien.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich