Unterwegs zu Fuß

Olympiagelände Berlin: Deutsches Sportforum am Jahnplatz

Säulenportikus mit Freitreppe am Haus des Deutschen Sports im Olympiagelände Berlin

Das Haus des Deutschen Sports am Jahnplatz im Olympiagelände.

Das Deutsche Sportforum liegt im Olympiagelände in Westend. Werner March hat es als hufeisenförmige Anlage um den Jahnplatz gebaut, an der Ostseite steht das Haus des Deutschen Sports mit seinem Säulenportikus. Gebaut wurde in zwei Abschnitten, 1926 bis 1929 und 1933 bis 1936, die Gesamtanlage des früheren Reichssportfelds steht unter Denkmalschutz. Der größere zweite Bauabschnitt fällt damit in die NS-Zeit und gehört zum Ausbau des Geländes für die Olympischen Spiele 1936.

Vom Hochschulcampus zum Reichssportfeld

Das Gelände war zuerst eine Pferderennbahn. Ab 1909 wurde es nach Plänen von Otto March für die Olympischen Spiele 1916 ausgebaut, die wegen des Ersten Weltkriegs ausfielen. Das Sportforum entstand als Sitz der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, die 1920 gegründet worden war. Den Ideenwettbewerb dafür gewannen Werner March und sein Bruder Walter, Werner March gestaltete die Hochbauten.

Nach 1933 baute er die Anlage zum Reichssportfeld aus. Die Hochschule hieß ab 1936 Reichsakademie für Leibesübungen, und das Haus des Deutschen Sports diente als Zentrale der Reichssportführung und der Reichsakademie. Die Anlage verband Sport, Architektur und NS-Ideologie propagandistisch.

Vor dem Portikus liegt ein großes Wasserbecken, dahinter ziehen sich die langen Backsteinflügel des Hauses um den Platz.

Das Haus des Deutschen Sports

Die Mitte des Hauses nimmt der Kuppelsaal ein, eine Halle aus Beton mit ovalem Grundriss von 37 mal 43 Metern und 17 Metern lichter Höhe. Über dem Tambour mit 14 Metern Durchmesser sitzen 3.400 Prismengläser, im Saal gibt es 1.100 Sitzplätze. 1936 fanden hier die Fechtwettkämpfe der Olympischen Spiele statt. Später war sie die Aula der Reichsakademie, und bis 1944 diente sie auch als Fernsehstudio.

Der Portikus zum Jahnplatz ist die Schauseite: hohe Pfeiler aus hellem Naturstein, zwischen ihnen große Fenster, ein Fries mit Inschrift darüber und eine breite Freitreppe davor. An beiden Enden der Pfeilerhalle steht eine Bronzefigur.

Zwei Bronzen am Portikus

Links steht der Zehnkämpfer, rechts die Siegerin, beide von Arno Breker. Sie entstanden 1935 bis 1936, sind aus Bronze gegossen und stehen auf Sockeln aus Muschelkalk. Der Zehnkämpfer ist mit Sockel 3,45 Meter hoch und hält ein Tuch in der Hand, die Siegerin misst 3,25 Meter. Modell für den Zehnkämpfer war der 21-jährige Gustav Stührk, für die Siegerin die 19-jährige Erika Matthes. Breker arbeitete von 1938 bis 1945 eng mit Albert Speer zusammen und galt als Hofbildhauer Hitlers.

Eine zweite Zehnkämpferfigur steht im Atrium der Kuppelhalle. Sie geht auf einen Entwurf von Georg Kolbe aus dem Jahr 1933 zurück und ist nicht mit der Figur von Breker am Portikus zu verwechseln. Für die Figuren am Haus nennt die Denkmaldatenbank drei Entwerfer, Kolbe, Breker und Waldemar Raemisch, gegossen wurden die Bronzen bei M. Sperlich.

Nicht weit vom Portikus steht außerdem ein Stier aus Bronze.

Nach 1945

Nach dem Krieg nutzten die britischen Streitkräfte das Gelände, von 1945 bis zum Abzug der Alliierten 1994. Ab 1952 war das Sportforum ihr Hauptquartier in Berlin, die Besatzungsbaudienststelle baute das Haus des Deutschen Sports von 1950 bis 1956 um. Heute sind die Räume überwiegend an Sportvereine und Verbände vermietet.

Zum Gelände gehört auch das Olympische Tor am Stadion, zwei Türme, zwischen denen die olympischen Ringe hängen. Es wurde 1935 bis 1936 gebaut und 1954 wiederaufgebaut. Über das Olympiagelände führt ein Geschichtspfad mit 45 zweisprachigen Tafeln, der seit 2006 öffentlich zugänglich ist.

Architekt

Werner March

Ort

Deutsches Sportforum am Jahnplatz im Olympiagelände, Berlin-Westend

Gebaut

1926 bis 1929 und 1933 bis 1936

Zustand

erhalten, Gesamtanlage denkmalgeschützt

Zugang

Der Geschichtspfad ist öffentlich zugänglich. Die Gebäude des Sportforums nutzen überwiegend Sportvereine und Verbände.

Nächste Haltestelle

U Olympia-Stadion (U2, ca. 700 m), S Olympiastadion (S3, ca. 1,1 km)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch Westend vorbeigekommen: Westend.

HU Olympia-Stadion
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte in Westend: Haus des Rundfunks und Deutscher Motorsport an der AVUS.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich