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Stadion am Quenz: Stahl Feuer in Brandenburg an der Havel

Blauer Sprecherturm im Stadion am Quenz mit Uhr, Lautsprechern und der Handanzeige Stahl 0 zu 0 Gäste

Der Sprecherturm im Stadion am Quenz in Brandenburg an der Havel.

Am Rand des Spielfelds steht ein blauer Turm auf Stelzen. Oben eine Uhr, ein paar Lautsprecher und eine Anzeige, bei der die Tore noch von Hand eingehängt werden: Stahl 0, Gäste 0. Im Stadion am Quenz ist vieles so geblieben, wie es war, als hier Europapokal gespielt wurde. Am 5. November 1986 kam der IFK Göteborg, und Stahl Brandenburg holte vor vollem Haus ein 1:1.

Für die nächste Runde reichte das nicht, das Hinspiel in Schweden war 0:2 verloren gegangen, und Göteborg gewann am Ende den UEFA-Pokal. Aber eine Runde vorher hatte die Mannschaft aus der Stahlstadt den nordirischen Coleraine FC ausgeschaltet. Mehr Europa gab es an der Havel nie.

Verein

BSG Stahl Brandenburg

Ort

Thüringer Straße 251, Brandenburg an der Havel

Gebaut

1952 bis 1955

Plätze

rund 15.500

Nächste Haltestelle

Am Stadion/Industriemuseum (Straßenbahn), ca. 200 m

Ein Stadion für das Stahlwerk

Das Stadion am Quenz liegt im Westen der Stadt, benannt nach der Siedlung, in der es steht. Gebaut wurde es von 1952 bis 1955 vom Stahl- und Walzwerk Brandenburg, das gleich nebenan lag und zeitweise gut 10.000 Menschen beschäftigte. Der Verein dazu, die BSG Stahl, war 1950 gegründet worden.

Lange war Stahl eine Mannschaft der zweiten Reihe. 1984 gelang der Aufstieg in die DDR-Oberliga, und dann ging es schnell: Platz fünf, UEFA-Pokal, zwei Jahre später Platz vier. Zum Spiel gegen Göteborg sollen 18.000 Menschen gekommen sein, mehr als je davor oder danach. Aus der eigenen Jugend kam in diesen Jahren Steffen Freund, der später mit Deutschland Europameister wurde.

Stahl blieb bis zum Ende der DDR in der Oberliga und spielte 1991/92 eine Saison in der 2. Bundesliga. Danach ging es abwärts. Im Dezember 1993 wurde im alten Stahlwerk zum letzten Mal Stahl abgestochen, der Verein wechselte mehrmals den Namen und meldete 1998 Insolvenz an. Als FC Stahl fing er unten wieder an. Seit Juli 2022 heißt er wieder BSG Stahl Brandenburg, wobei das B heute für Ballspielgemeinschaft steht.

Was du heute siehst

Ich war am 2. September 2023 hier, kurz vor einem Heimspiel gegen Schwarz-Rot Neustadt. Am Zaun hing das Plakat, am Eingang Südkurve war das Kassenhäuschen besetzt, und auf der großen Anzeigetafel standen schon beide Namen. Die Tafel stammt von 1986 und wird seit einigen Jahren von Hand bestückt. Der Sprecherturm ist noch älter, er steht seit 1971.

Die Tribüne hat ein weit vorgezogenes Dach und einen Sockel aus gelbem Backstein. Gesessen wird auf Holzbänken, die Wind und Wetter grau gemacht haben. An den Stufen kleben kleine blau-weiße Schilder. Unter dem Dach hängt eine kleine verglaste Kabine. Das Spielfeld ist von einer roten Kunststoffbahn umgeben, die 1996 die alte Aschenbahn ersetzt hat. Flutlicht gibt es keines mehr, die Masten wurden 2017 abgebaut.

Was das Stadion besonders macht, ist nicht der Zustand, sondern dass es lebt. Getränke gibt es im blauen Becher mit Vereinsnamen, an der Tribüne weht die Fahne mit dem Stahl-Zeichen, und um den Erhalt von Turm und Tafel kümmern sich Fans selbst.

Auf dem Rückweg in die Stadt bin ich an einer Garagenzeile vorbeigekommen, die ganz in Blau und Weiß gesprüht ist. „Stahl Feuer“ steht dort, das ist der Schlachtruf des Vereins.

HAm Stadion
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Das H markiert die nächste Haltestelle.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

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Gleich neben dem Stadion liegt das Industriemuseum mit dem letzten erhaltenen Siemens-Martin-Ofen des Stahlwerks. Durch die Innenstadt führt meine Rundtour durch Brandenburg an der Havel. Am Weg zum Stadion kommst du in der Walzwerksiedlung an der Georg-Klingenberg-Schule vorbei, über deren Pionier-Sgraffito du dort mehr liest. Weitere Plätze und Stadien sammle ich in der Rubrik Amateurfußball.