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Stadion der Hüttenwerker: Wo Galatasaray in Eisenhüttenstadt spielte

Blick über das Rasenspielfeld im Stadion der Hüttenwerker mit Laufbahn, Zaun und Kiefern unter blauem Himmel

Stadion der Hüttenwerker in Eisenhüttenstadt.

Auf den Stehtraversen wächst Gras, die schwarzen Sitzschalen bleichen in der Sonne aus, und an der Tribüne führt eine eiserne Treppe unter ein Dach, unter dem schon lange niemand mehr sitzt. Das Stadion der Hüttenwerker an der Waldstraße hat bessere Tage gesehen. Am 18. September 1991 spielte hier Galatasaray Istanbul.

Der Eisenhüttenstädter FC Stahl hatte im Juni 1991 das letzte Pokalfinale des DDR-Fußballs erreicht und in Berlin 0:1 gegen Hansa Rostock verloren. Weil Rostock auch Meister wurde, durfte Stahl in den Europapokal der Pokalsieger. Das Hinspiel im eigenen Stadion ging laut DFB-Datencenter vor 3.420 Zuschauer*innen 1:2 verloren, das Rückspiel in Istanbul 0:3. Für einen Abend lag Eisenhüttenstadt auf der Fußballkarte Europas.

Verein

FC Eisenhüttenstadt

Ort

Waldstraße 1a, Eisenhüttenstadt

Sportplatz seit

1928, zum Stadion ausgebaut 1969

Plätze

einst rund 10.000

Nächste Haltestelle

Eisenhüttenstadt ZOB, ca. 600 m

Stahl und Fußball

Der Name sagt, für wen das Stadion gedacht war. Der Verein wurde 1950 zusammen mit dem Stahlwerk gegründet, hieß erst BSG Stahl Fürstenberg Ost, dann Stahl Stalinstadt und ab 1961 BSG Stahl Eisenhüttenstadt. Träger war das Eisenhüttenkombinat, gespielt wurde auf dem Sportplatz an der Waldstraße, den es nach Angaben von Stadionkennern schon seit 1928 gab.

1969 stieg Stahl zum ersten Mal in die DDR-Oberliga auf, und das Stadion wurde auf rund 10.000 Plätze ausgebaut. Die Freude hielt ein Jahr. 1970 stieg die Mannschaft als Letzter ab und wurde gleich noch eine Liga tiefer versetzt, in die Bezirksliga. Der Verein hatte Spielern unerlaubt Geld gezahlt. Erst 1989 kam Stahl zurück in die Oberliga, gerade rechtzeitig für deren letzte zwei Spielzeiten.

Nach dem Pokalfinale und dem Europapokal ging es noch einige Jahre gut. Von 1994 bis 2000 spielte der EFC Stahl in der Regionalliga Nordost, damals die dritte Liga. 2004 kam die Insolvenz. Heute spielt hier der FC Eisenhüttenstadt, der aus einer Fusion hervorgegangen ist, in den unteren Brandenburger Ligen.

Was du heute siehst

Das Spielfeld ist gepflegt, der Rasen grün, drumherum liegt eine Laufbahn aus roter Asche. Alles andere altert vor sich hin. In den Kurven sind die Stufen der Stehtraversen noch zu erkennen, aber längst zugewachsen. Auf der Gegengerade stehen Reihen schwarzer Sitzschalen auf bemoostem Beton, dahinter rostet das Geländer.

Die Haupttribüne steht auf Stützen, ihr Dach ragt weit vor. Von der Seite führt eine Eisentreppe hinauf. An einem der weißen Nebengebäude ist ein Fenster mit einem geschmiedeten Gitter gesichert, das Fußballer zeigt. Es ist eines der Details, an denen man hängen bleibt.

Neben dem Stadion liegen ein Hartplatz mit Flutlichtmasten und, ein paar Schritte weiter, die Kegelbahn der Hüttenwerker. Ihr Schild mit den roten Buchstaben habe ich schon 2021 fotografiert. Als ich im April 2026 wieder hier war, lehnte am Vereinsgebäude eine türkisfarbene Schwalbe. Besser hätte man das Bild nicht stellen können.

HZOB
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Das H markiert die nächste Haltestelle.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

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Am Stadion kommst du auf meiner Rundtour durch Eisenhüttenstadt vorbei, nach zweieinhalb Kilometern. Weitere Plätze und Stadien sammle ich in der Rubrik Fußball.