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Eisenhüttenstadt zu Fuß: Durch die Planstadt, auf die Diehloer Berge und nach Fürstenberg

Friedrich-Wolf-Theater in Eisenhüttenstadt mit gelber Fassade, sechs hohen Pfeilern und Dreiecksgiebel

Tour in Eisenhüttenstadt · Alle Touren und Wege

Eisenhüttenstadt ist eine Stadt, in der man Architekturgeschichte ablaufen kann. Sie wurde ab 1950 für ein Stahlwerk geplant, und jedes Viertel sieht aus wie das Jahrzehnt, in dem es entstand. Diese Rundtour im Osten Brandenburgs führt vom Bahnhof durch die Planstadt, hinauf auf die Diehloer Berge und am Ende durch die Altstadt von Fürstenberg. Knapp 17 Kilometer, die sich gut kürzen lassen.

Ich bin die Runde am 12. Mai 2021 gegangen. Im April 2026 war ich noch einmal in der Stadt, ein Teil der Fotos stammt von diesem zweiten Besuch.

Inhalt dieser Tour

Strecke

16,6 km

Gehzeit

3:10 h

Schwierigkeit

leicht

Art

Rundtour

Start und Ziel

Bahnhof Eisenhüttenstadt

ÖPNV

RE 10 und RB 43, aus Berlin mit dem RE 1 über Frankfurt (Oder)

Karte: Rundtour durch EisenhüttenstadtRundtour vom Bahnhof Eisenhüttenstadt durch die Planstadt, über Gartenfließ und Diehloer Berge, durch die Wohnkomplexe II und I, über die Insel am Oder-Spree-Kanal und durch die Altstadt von Fürstenberg zurück zum Bahnhof, 16,6 km, mit neun nummerierten Orten. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung.123456789Start und Ziel: Bahnhof1 km
Rundtour ab Bahnhof Eisenhüttenstadt, 16,6 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die Nummern stehen im Streckenband. Gestrichelt: die Bahnstrecke.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Streckenband

  1. Kilometer 0Bahnhof EisenhüttenstadtStart · RE 10, RB 43
  2. Kilometer 21City Center und Germania
  3. Kilometer 2,52Sportanlagen WaldstraßeStadion der Hüttenwerker
  4. Kilometer 3,53Gartenfließ
  5. Kilometer 64Aussicht Diehloer Berge
  6. Kilometer 85Wohnkomplex IIMuseum Utopie und Alltag
  7. Kilometer 96LindenalleeTheater, Lunik, Cafés
  8. Kilometer 9,77Platz des Gedenkens
  9. Kilometer 118Insel
  10. Kilometer 15,49Markt Fürstenberg
  11. Kilometer 16,6Bahnhof EisenhüttenstadtZiel
Kilometer gerundet, aus dem Track abgeleitet.

Darum lohnt sich die Tour

  • Eisenhüttenstadt wurde ab 1950 auf freiem Feld geplant. Auf wenigen Kilometern läufst du durch vier Jahrzehnte DDR-Architektur, vom Klassizismus der frühen 1950er Jahre bis zur Platte.
  • Kunst steht hier an jeder Ecke: Mosaike von Walter Womacka, Wandbilder an Giebeln, Plastiken in den Höfen und im Gartenfließ.
  • Von den Diehloer Bergen siehst du die ganze Stadt samt Stahlwerk von oben.
  • Zum Schluss kommt mit Fürstenberg eine Altstadt an der Oder, die 700 Jahre älter ist als alles davor.
  • Start und Ziel ist der Bahnhof. Du brauchst kein Auto.

Anreise

Der Bahnhof Eisenhüttenstadt liegt an der Strecke von Frankfurt (Oder) nach Cottbus. Dort fahren RE 10 und RB 43, laut VBB zusammen etwa im Stundentakt. Aus Berlin nimmst du den RE 1 bis Frankfurt (Oder) und steigst dort um. Einzelne Züge des RE 1 fahren werktags bis Eisenhüttenstadt durch. Das Deutschlandticket gilt auf der ganzen Strecke. Verbindungen suchst du am besten in der Fahrinfo des VBB oder über die Reiseauskunft der Deutschen Bahn.

Die Route

Die Runde beginnt im alten Fürstenberg, führt nach Westen in die Planstadt und macht dort erst einmal einen Bogen ins Grüne: durch das Gartenfließ zum Rosenhügel und hinauf auf die Diehloer Berge. Danach geht es durch die Wohnkomplexe und über die Lindenallee, über die Insel an den Kanal und am Ende durch die Fürstenberger Altstadt zurück zum Bahnhof.

Vom Bahnhof in die neue Stadt

Der Bahnhof ist älter als die Stadt, deren Namen er trägt. Er wurde 1846 als Bahnhof Fürstenberg (Oder) eröffnet, das Empfangsgebäude aus Klinker stammt von 1908. Seinen heutigen Namen bekam er erst um 1960.

Eisenhüttenstadt gab es da gerade zehn Jahre. Im Juli 1950 beschloss die SED, bei Fürstenberg ein Stahlwerk zu bauen, das Eisenhüttenkombinat Ost, und dazu eine Wohnstadt für die Menschen, die dort arbeiten sollten. Es war die erste Stadtgründung in Deutschland nach dem Krieg. 1953 bekam sie den Namen Stalinstadt, acht Jahre später wurde sie mit Fürstenberg und dem Dorf Schönfließ zu Eisenhüttenstadt zusammengelegt.

Vom Bahnhof laufe ich auf Fuß- und Radwegen nach Westen. Nach knapp zwei Kilometern bin ich am City Center, einem Einkaufszentrum am Kopf der Lindenallee. Davor steht auf einer hohen Säule eine Figur aus Stahlblech mit gezackter Krone. Was es mit ihr auf sich hat, steht unten bei Am Wegesrand.

An den Sportanlagen der Hüttenwerker

Statt gleich in die Lindenallee einzubiegen, gehe ich erst nach Norden. An der Waldstraße liegen die Sportanlagen der Hüttenwerker. Auf dem Dach eines Flachbaus steht noch in roten Buchstaben „Kegelbahn der Hüttenwerker“, am Eingang eine durchbrochene Betonwand mit Sportlerfiguren: ein Läufer, eine Turnerin, ein Torwart im Flug. Wer sie gemacht hat, konnte ich nicht herausfinden.

Dahinter liegt das Stadion der Hüttenwerker. Hier spielte 1991 Galatasaray Istanbul im Europapokal. Dem Stadion habe ich einen eigenen Beitrag gewidmet.

Durchs Gartenfließ zum Rosenhügel

Von den Sportanlagen geht es nach Südwesten durch den Wohnkomplex IV. Er wurde um 1960 gebaut und sieht anders aus als die älteren Viertel: glatte Fassaden, kaum Schmuck, Häuser aus großen Blöcken statt aus Ziegeln. Hier beginnt das industrielle Bauen, aus dem später die Platte wurde.

An der Diehloer Straße stoße ich auf das Gartenfließ. Der kleine Bach kommt von den Goldfischteichen am Stadtrand und läuft durch einen langen, gestalteten Grünzug, bevor er im Oder-Spree-Kanal endet. Im Mai sind die Beete links und rechts der schmalen Wasserrinne bunt bepflanzt. Rund 20 Plastiken stehen im Gartenfließ verteilt. Grünzüge wie dieser waren von Anfang an Teil des Plans, sie sind nicht übrig geblieben, sondern entworfen.

Am Rosenhügel mache ich die erste Pause. Dann wird aus der Stadt Wald. Der Weg führt an den Goldfischteichen vorbei, einer Kette aus etwa elf kleinen Teichen, von denen einige trocken liegen.

Auf den Diehloer Bergen

Hinter den Teichen geht es bergauf. Die Diehloer Berge sind bis zu 116 Meter hoch, für Brandenburg ist das ordentlich. Nach gut sechs Kilometern stehe ich am Aussichtspunkt. Unten liegt die Stadt, dahinter das Stahlwerk, für das sie gebaut wurde. Von hier oben versteht man die Anlage am besten: links das Werk, rechts die Wohnstadt, dazwischen die Lindenallee als Verbindung. Am Aussichtspunkt steht ein Fernrohr, das nichts kostet.

Gleich daneben fällt ein Hang steil ab. Im Winter wird hier Ski gefahren, es gibt sogar einen kleinen Lift. Und es gibt eine Sprungschanze: Die erste wurde im Winter 1963/64 aus Holz gebaut, 1968 kam ein Stahlturm dazu. Gesprungen wurde bis Mitte der 1980er Jahre, 2010 wurde die Schanze wieder in Betrieb genommen.

Wohnkomplex II: Höfe, Alleen und ein Museum

Über Treppen und den Neuzeller Landweg komme ich zurück in die Stadt und stehe im Wohnkomplex II. Hier sieht Eisenhüttenstadt so aus, wie es sich die frühe DDR vorgestellt hat: breite Alleen, Häuser mit Gesimsen, Säulen und Tordurchgängen, dahinter große grüne Höfe. Arbeiter*innen sollten nicht in einer Siedlung wohnen, sondern in einer Stadt, die etwas hermacht.

Dabei hätte alles anders aussehen können. Den ersten Plan für die Wohnstadt zeichnete 1950 der Bauhaus-Schüler Franz Ehrlich: locker gestellte Zeilen, modern und sachlich. Er wurde verworfen, weil die DDR gerade eine „nationale Bautradition“ verlangte. Durchgesetzt hat sich der Entwurf von Kurt W. Leucht mit Achsen, Plätzen und geschlossenen Wohnkomplexen. Die Geschichte dieser Planungen hat das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung aufgeschrieben. Die Stadt, die heute viele wegen ihrer Ostmoderne besuchen, wurde also zuerst bewusst unmodern gebaut.

Die Wohnkomplexe I bis III stehen seit 1984 unter Denkmalschutz und gelten als größtes Flächendenkmal Deutschlands. Wer mehr wissen will, ist im Museum Utopie und Alltag richtig. Es sitzt in einer früheren Kinderkrippe von 1953 an der Erich-Weinert-Allee, direkt am Weg, und sammelt Alltagsdinge aus der DDR. Ein paar Schritte weiter steht die Schule, von der aus Walter Ulbricht 1953 laut Stadtrundgang den Namen Stalinstadt verkündet hat.

Am Rand des Wohnkomplexes steht die frühere Großgaststätte „Aktivist“, ein heller Bau mit Terrasse und einer Bierstube im Seitenflügel. Zu DDR-Zeiten kam man von weit her zum Essen und Tanzen. Nach langem Leerstand wurde das Haus saniert, seit 2010 wird wieder gekocht, und eine Wohnungsgenossenschaft hat hier ihren Sitz.

Lindenallee: Theater, Lunik und ein Mosaik

An der Straße der Republik beginnt das Zentrum. Hier stehen sich zwei Bauten gegenüber, die zeigen, wie schnell sich der Geschmack geändert hat. Das Hotel Lunik von 1963 ist ein glatter Stahlbetonbau ohne jeden Schmuck. Es steht seit dem Jahr 2000 leer, mehr dazu bei Am Wegesrand.

Schräg gegenüber liegt das Lindenzentrum, gebaut um 1960 als Textilkaufhaus und später ein Kaufhaus „Magnet“. Heute sitzt die Stadtbibliothek darin. An der Giebelwand hängt ein riesiges Mosaik von Walter Womacka: eine Hand, die eine weiße Taube hält, darunter Arbeiter, Maschinen und Schlote. Es heißt „Produktion im Frieden“ und stammt aus der Mitte der 1960er Jahre. Davor hing an derselben Stelle schon ein anderes Wandbild. Die Fassade selbst war einmal mit blau-gelben Fliesen aus Meissener Porzellan verkleidet, die in den 1970er Jahren abfielen.

Dann biege ich in die Lindenallee. Sie hieß früher Leninallee und ist die Magistrale der Stadt, rund 600 Meter lang, und sie führt geradewegs auf das Werk zu. An der Ostseite stehen drei Punkthochhäuser, entworfen 1957, mit Balkonen, die heute blau verkleidet sind.

Gegenüber steht das Friedrich-Wolf-Theater, eingeweiht im März 1955. Mit seinen sechs Pfeilern und dem Dreiecksgiebel sieht es aus wie ein Tempel, und so war es auch gemeint: Kultur sollte mitten in der Stadt stehen, zwischen Werk und Wohnungen. 711 Plätze hat der Saal. In den ersten Jahren war das Haus noch nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen. Geheizt wurde laut Stadt mit einer alten Lokomotive, die hinter dem Gebäude stand.

Wohnkomplex I und der Platz des Gedenkens

Östlich der Lindenallee liegt der Wohnkomplex I, der älteste Teil der Stadt. Die ersten Häuser von 1951 sind schlicht, fast karg. Sie kamen nicht gut an, schon kurz darauf wurde aufwendiger gebaut. An einem Giebel an der Ecke zur Rosa-Luxemburg-Straße sitzt ein Mosaik aus Meissener Porzellan: eine Mutter mit Kind, ein Vater, eine Sonne, eine Wäscheleine. Es heißt „Familienfreude“ und stammt von Eduard-Gerhard Clauß.

Ein paar Schritte weiter öffnet sich der Platz des Gedenkens mit einem hohen Obelisken aus Granit. Seine Geschichte, und die des Steins, steht unten bei Am Wegesrand.

Über die Insel an den Kanal

Hinter dem Wohnkomplex I wird die Stadt lockerer. An der Straße Am Trockendock steht ein leeres Hochhaus, an dessen fensterlosem Giebel von oben nach unten noch „Gästehaus“ steht. Mehr als diesen Schriftzug habe ich über das Haus nicht herausgefunden.

Dann bin ich auf der Insel. So heißt das Stück Land zwischen dem Oder-Spree-Kanal und einem zweiten Kanalarm. 1971 wurde es zum Erholungspark umgebaut, mit Schwimmbad, Tiergehege, Sporthalle und Minigolf. Der Weg führt gut einen Kilometer am Wasser entlang.

Der Oder-Spree-Kanal ist viel älter als die Stadt. Er wurde 1891 eröffnet und mündet hier in die Oder. Er ist auch ein Grund dafür, dass das Stahlwerk gerade an dieser Stelle gebaut wurde: Erz und Kohle kamen mit Bahn und Schiff. Über die Leinpfadbrücke wechsle ich das Ufer.

Fürstenberg: die alte Stadt an der Oder

Die letzten Kilometer führen über die Gubener Straße und ein paar Wege am Bahndamm nach Fürstenberg. Und plötzlich ist alles anders: Kopfsteinpflaster, krumme Gassen, niedrige Häuser, ein Marktplatz mit Rathaus. Fürstenberg wurde um 1250 gegründet und gehörte jahrhundertelang zum Kloster Neuzelle. Über der Altstadt steht die Nikolaikirche, ein Backsteinbau, der 1945 zerstört und bis zum Jahr 2000 wieder aufgebaut wurde.

Über die Königstraße und den Markt gehe ich zurück zum Bahnhof. In gut 16 Kilometern bin ich durch drei Städte gelaufen, die heute eine sind: die mittelalterliche an der Oder, die geplante der 1950er Jahre und, am Rand, die der Plattenbauten, von denen viele schon wieder verschwunden sind.

Am Wegesrand

Vier Orte, zu denen es mehr zu erzählen gibt. Drei liegen direkt an der Runde, der vierte ist ein Abstecher.

Germania barbarica

Die Figur am City Center ist drei Meter hoch, aus Stahlblech geschweißt und steht auf einer acht Meter hohen Säule. Der Künstler Eckhard Herrmann hat sie im August 2000 aufgestellt. Entstanden ist sie bei einem Künstlertreffen zum 50. Geburtstag des Stahlwerks.

Sie heißt „Germania barbarica“ und ist keine Heldin. Herrmann wollte sie laut Tagesspiegel als Zeichen gegen Nationalismus und Radikalismus verstanden wissen. Dass sie am Eingang der Lindenallee steht, passt: In dieser Stadt sagen Figuren und Wandbilder seit jeher, was gerade gelten soll.

Hotel Lunik

Das Lunik war das erste Haus am Platz. 1963 wurde es eröffnet, mit 110 Betten, Restaurant, Café, Nachtbar und Weinstube. Seinen Namen bekam es durch ein Preisausschreiben im März 1960. Zur Wahl standen auch „Hotel international“ und „Hotel Glück Auf“. Gewonnen haben die sowjetischen Mondsonden, die gerade in aller Munde waren.

In den 1980er Jahren gab es im Haus einen Intershop. Im April 2000 checkte der letzte Gast aus, seitdem steht das Hotel leer. Seit 2002 ist es ein Denkmal, seit 2023 gehört es der städtischen Gebäudewirtschaft. Die Stadt will es sichern und wieder nutzbar machen. Bis dahin steht noch „City Hotel Lunik“ an der Fassade, und der Putz blättert.

Der Obelisk und sein Granit

Der Platz des Gedenkens hieß früher Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. Unter dem Obelisken liegen Grabkammern mit den Gebeinen von mindestens 4.109 sowjetischen Kriegsgefangenen. Sie waren im Lager Stalag III B bei Fürstenberg gestorben und dort verscharrt worden, wo später das Stahlwerk entstand. 1951 wurden sie hierher umgebettet.

Der Granit des Obelisken hat eine eigene Geschichte. Nach Angaben der Stadt war er für Hitlers Pläne bestimmt, Berlin zur „Welthauptstadt Germania“ umzubauen, und lagerte im Hafen von Fürstenberg. In den 1950er Jahren wurde er für das Ehrenmal verwendet und für Gehwege an der Magistrale.

PlattePlatte: Abschied von einem Hochhaus

Im April 2026 war ich noch einmal in Eisenhüttenstadt, und der Anlass war ein Hochhaus. An der Mittelschleuse 9, im Süden der Stadt und gut zehn Minuten abseits dieser Runde, stand ein zwölfgeschossiger Plattenbau leer und wartete auf den Abriss. Drei Tage lang wurde er zur Ausstellung.

„PlattePlatte“ hieß das Festival. Organisiert hat es der Architekt und Fotograf Martin Maleschka, der laut radioeins selbst in diesen Blöcken aufgewachsen ist. Rund 50 Künstler*innen bespielten 55 leere Wohnungen: mit Fotos, Projektionen, Klang und Installationen. Es sollte keine Abrissparty sein, sondern eine Würdigung der Platte.

Ich bin durch Zimmer gegangen, in denen noch die Tapeten hingen, und durch Bäder, in denen nur das Wasser fehlte. Dazwischen hingen Bilder von anderen Plattenbauten, die es schon nicht mehr gibt.

Der Hintergrund ist ernst. Eisenhüttenstadt hatte einmal über 50.000 Einwohner*innen, heute sind es weniger als halb so viele. Seit 2002 wurden nach Zahlen der Städtebauförderung rund 6.500 Wohnungen abgerissen, vor allem in den jüngeren Vierteln aus Platten. Die denkmalgeschützten Wohnkomplexe der 1950er Jahre wurden dagegen saniert. Die Stadt schrumpft von außen nach innen, zurück auf ihren ersten Plan.

Gut zu wissen

  • Die Strecke ist eine eigene Komoot-Route und nicht markiert. Geh am besten mit dem Track. Die Stadt hat einen eigenen Rundgang durch die Planstadt beschrieben, der kürzer ist.
  • 16,6 Kilometer mit einem kurzen Anstieg auf die Diehloer Berge. Schwierige Stellen gibt es nicht.
  • Untergrund: überwiegend Gehwege, Pflaster und Asphalt. Im Wald an den Goldfischteichen und auf den Diehloer Bergen läufst du auf Kies- und Erdwegen, dazu kommen ein paar Treppen.
  • Abkürzen: Wenn du nur die Planstadt sehen willst, lässt du die Diehloer Berge oder Fürstenberg weg. Vom Zentrum fahren Busse zum Bahnhof.
  • Einkehr: An der Lindenallee gibt es Cafés, Bäcker und Imbisse, in Fürstenberg einige Gaststätten. Auf den Diehloer Bergen und auf der Insel solltest du dich nicht darauf verlassen.
  • Das Museum Utopie und Alltag liegt am Weg und hat montags geschlossen.
  • Stadtführungen durch die Planstadt bietet der Tourismusverein Oder-Region an, die Tourist-Information sitzt an der Lindenallee 25. Mehr Ausflugsziele in der Gegend findest du beim Seenland Oder-Spree.

Fazit

Eisenhüttenstadt ist keine schöne Stadt im üblichen Sinn, aber eine, in der man viel sieht, wenn man zu Fuß geht. Im Auto fährt man an den Wohnkomplexen vorbei und hält sie für eine einzige große Siedlung. Zu Fuß merkst du, wie verschieden sie sind: die Pfeiler und Höfe der frühen Jahre, die glatten Blöcke danach, das Lunik, das Mosaik am Kaufhaus. Dazu kommen der Wald am Rosenhügel, der Blick von den Diehloer Bergen und am Ende eine Altstadt, mit der man nicht mehr rechnet. Mir gefällt an dieser Stadt, dass sie nichts versteckt. Man sieht, was geplant war, was daraus wurde und was gerade wieder verschwindet.

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