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Brandenburg an der Havel zu Fuß: Neustadt, Dominsel, Marienberg und Altstadt

Blick über die Havel in Brandenburg an der Havel mit Booten, Speicherhäusern und dem Mühlentorturm unter weitem Wolkenhimmel

Tour in Brandenburg an der Havel · Alle Touren und Wege

Brandenburg an der Havel hat dem ganzen Land den Namen gegeben und ist doch drei Städte in einer: die Neustadt, die Altstadt und die Dominsel dazwischen. Diese Rundtour ab Hauptbahnhof nimmt alle drei mit, dazu den Marienberg und viel Havelufer. Gut 20 Kilometer zwischen Backsteinkirchen, Tortürmen und Loriots Möpsen.

Ich bin die Runde am 17. März 2021 gegangen, an einem grauen Tag im Vorfrühling. Im September 2023 war ich noch einmal in der Stadt, ein Teil der Fotos stammt von diesem zweiten Besuch bei besserem Licht.

Inhalt dieser Tour

Strecke

20,1 km

Gehzeit

3:57 h

Schwierigkeit

mittel

Art

Rundtour

Start und Ziel

Brandenburg Hauptbahnhof

ÖPNV

RE 1 zum Start und ab dem Ziel

Karte: Rundtour durch Brandenburg an der HavelRundtour vom Hauptbahnhof Brandenburg durch die Neustadt, an der Havel entlang zur Dominsel, durch die Altstadt und den Stadtteil Nord auf den Marienberg und über Altstädtischen Markt, Salzhofufer und Steintor zurück zum Bahnhof, 20,1 km, mit neun nummerierten Orten. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung.123456789Start und Ziel: Hbf1 km
Rundtour ab Brandenburg Hauptbahnhof, 20,1 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die Nummern stehen im Streckenband. Gestrichelt: die Bahnstrecke.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Streckenband

  1. Kilometer 0Brandenburg HauptbahnhofStart · RE 1
  2. Kilometer 1,71St. KatharinenCafés in der Neustadt
  3. Kilometer 32Packhof und Hafen
  4. Kilometer 3,73Mühlentorturm
  5. Kilometer 4,54Dom
  6. Kilometer 5,65St. Gotthardt
  7. Kilometer 12,86FriedenswarteMarienberg
  8. Kilometer 13,57Altstädtisches RathausStraßenbahn
  9. Kilometer 14,58St. Johannis
  10. Kilometer 17,59Steintorturm
  11. Kilometer 20,1Brandenburg HauptbahnhofZiel
Kilometer gerundet, aus dem Track abgeleitet.

Darum lohnt sich die Tour

  • Brandenburg an der Havel besteht aus drei mittelalterlichen Städten: Neustadt, Dominsel und Altstadt. Auf dieser Runde läufst du durch alle drei.
  • Backsteingotik an jeder Ecke: St. Katharinen mit ihrem Schaugiebel, der Dom, St. Gotthardt, das Altstädtische Rathaus und vier erhaltene Tortürme.
  • Die Havel ist fast immer in der Nähe. Du gehst an Ufern, über Wehre und Brücken und an einem Hafen mit alten Arbeitsschiffen vorbei.
  • Vom Marienberg siehst du die Stadt von oben, und am Altstädtischen Markt sitzt ein Knollennasenmännchen von Loriot auf der Bank.
  • Start und Ziel ist der Hauptbahnhof. Du brauchst kein Auto.

Anreise

Brandenburg an der Havel liegt am RE 1, der von Magdeburg über Potsdam und Berlin nach Frankfurt (Oder) fährt. Laut VBB fahren tagsüber mindestens zwei Züge pro Stunde. Das Deutschlandticket gilt. Verbindungen suchst du am besten in der Fahrinfo des VBB oder über die Reiseauskunft der Deutschen Bahn. Der Hauptbahnhof liegt südlich der Neustadt, die Tour beginnt direkt am Ausgang.

Die Route

Die Runde folgt der Geschichte der Stadt nicht streng, aber sie nimmt alle drei alten Kerne mit. Erst geht es durch die Neustadt an die Havel, dann über den Mühlendamm auf die Dominsel und weiter in die Altstadt. Danach folgt ein langer Bogen durch den Stadtteil Nord zum Marienberg. Über den Altstädtischen Markt, das Salzhofufer und den Nicolaiplatz geht es am Stadtkanal entlang zurück zum Bahnhof.

Vom Hauptbahnhof in die Neustadt

Vom Bahnhof gehe ich nach Norden und komme nach wenigen Minuten an die Geschwister-Scholl-Straße. Hier liegt hinter einer Mauer der alte jüdische Friedhof, über den du unten bei Am Wegesrand mehr liest. Gleich daneben stehen große Fabrikbauten aus rotem Backstein. Sie gehörten zu den Brennabor-Werken. Die Brüder Reichstein gründeten die Firma 1871 und bauten erst Kinderwagen, dann Fahrräder und ab 1903 Autos. Mitte der 1920er Jahre war Brennabor der größte Autohersteller Deutschlands. 1945 wurde das Werk demontiert. In einem Teil der Gebäude sitzt heute eine Kunsthalle.

Über die Sankt-Annen-Straße komme ich in die Neustadt. Sie wurde Ende des 12. Jahrhunderts planmäßig angelegt und war bis 1715 eine eigene Stadt mit eigenem Rat, eigener Mauer und eigener Pfarrkirche. Die steht mittendrin: St. Katharinen, 73 Meter lang, mit einem Turm von gut 72 Metern.

Gebaut hat sie ab 1381 der Stettiner Baumeister Hinrich Brunsberg. Sein Meisterstück ist die Nordkapelle von 1434. Ihr Giebel ist eine Wand aus Maßwerk, Rosetten und kleinen Giebelchen, gemauert aus roten und dunkel glasierten Ziegeln. Man kann lange davorstehen und findet immer noch etwas. Der Turm ist jünger: Der alte stürzte im März 1582 ein, der neue bekam eine barocke Haube.

In der Hauptstraße steht ein Brunnen für Fritze Bollmann. Den Barbier gab es wirklich. Dass er beim Angeln in den Beetzsee fiel, erzählt das Spottlied, das die Brandenburger Kinder auf ihn sangen und das ihn weit über die Stadt hinaus bekannt gemacht hat. Der Brunnen stammt von 1924, die Strophen stehen am Beckenrand.

An der Havel zum Packhof

An der Grabenpromenade komme ich an einer Bronzefrau vorbei, die barfuß Steine zerschlägt, neben sich ein kleines Kind. Die „Steinschlägerin“ von Karl Janssen entstand 1902. Hier steht seit 2007 eine Replik, das Original ist in Berlin. Zwischen Bürgerhäusern und Kirchen erinnert sie daran, wer die Steine dafür geklopft hat. Kurz darauf bin ich am Heinrich-Heine-Ufer und stehe an der Havel. Links überspannt die Jahrtausendbrücke den Fluss. Sie verbindet Neustadt und Altstadt und heißt so, weil ihr Vorgänger 1929 zur Tausendjahrfeier der Stadt gebaut wurde. Am anderen Ufer steht die Johanniskirche, an der ich später noch vorbeikomme.

Der Uferweg führt zum Packhof, einer Landspitze zwischen zwei Havelarmen. Früher wurden hier Waren umgeschlagen, zur Bundesgartenschau 2015 wurde das Gelände zum Park. Vorn auf der Spitze kniet eine Frau aus Bronze, die Undine. Daneben liegt der Historische Hafen. Ein Verein bewahrt hier alte Binnenschiffe, im Becken vor der früheren Wiemann-Werft, auf der viele von ihnen gebaut wurden. Im Spätsommer ist das Wasser grün von Wasserlinsen.

Mühlentorturm und Mühlendamm

Über eine schmale Brücke quere ich die Näthewinde, einen Nebenarm der Havel, und stehe vor dem Neustädtischen Mühlentorturm. Er ist achteckig, knapp 29 Meter hoch und hat eine Inschrift, die Baujahr und Baumeister nennt: 1411, Nikolaus Kraft aus Stettin. Von den Stadttoren Brandenburgs sind vier Türme erhalten, auf dieser Runde kommst du an allen vorbei.

Hinter dem Turm beginnt der Mühlendamm. Er staut die Havel seit dem Mittelalter auf und trennt die Ober- von der Unterhavel. Schon 1323 und 1324 werden hier vier Mühlen genannt, gemahlen wurde bis 1993. Erst trieb das Wasser die Mühlen an, später Dampf und Strom. In den großen Backsteinbauten sind heute Wohnungen. Die Burgmühle brannte Ende 2002 aus und wurde ab 2010 als Wohnhaus wieder aufgebaut. Am Damm steht auch ein kleines Pegelhäuschen aus dem frühen 20. Jahrhundert, an dem der Wasserstand der Havel gemessen wurde.

Auf der Dominsel

Am Ende des Damms liegt die Dominsel, und hier fing alles an. Auf der Insel stand die slawische Brandenburg, die König Heinrich I. im Winter 929 eroberte. 948 wurde das Bistum gegründet. Von hier hat das Land seinen Namen, deshalb nennt sich die Stadt gern die Wiege der Mark.

Der Dom St. Peter und Paul wurde ab 1165 gebaut, der Grundstein wurde am 11. Oktober gelegt. Sein Kern ist romanisch, im 15. Jahrhundert wurde er gotisch umgebaut. Von außen wirkt er streng. Innen überrascht er: weiße Wände, rote Gewölberippen und ein Chor, der hoch über einer Krypta liegt und zu dem eine breite Treppe hinaufführt. Im Dommuseum hängt ein Hungertuch aus der Zeit um 1290. Der Eintritt in den Dom ist frei, Zeiten und Führungen stehen auf der Website des Doms.

Die Dominsel war nicht nur Kirche. In den Klausurgebäuden am Dom nahm 1706 die Ritterakademie den Unterricht auf, eine Schule für die Söhne des märkischen Adels, die es bis 1937 gab. Gleich neben dem Dom steht die kleine Petrikapelle, die vermutlich auf den Fundamenten der Burgkapelle steht. Auf der Dominsel wurde 1777 auch Friedrich de la Motte Fouqué geboren, der Dichter der „Undine“.

Altstadt und ein Bogen durch Nord

Über den Grillendamm, links und rechts Wasser, komme ich in die Altstadt. Sie ist die ältere der beiden Bürgerstädte und wirkt bis heute stiller als die Neustadt. Ihre Pfarrkirche ist St. Gotthardt. Der untere Teil des Turms besteht aus Granitquadern und stammt aus dem 12. Jahrhundert, er gehört zu den ältesten Bauwerken der Stadt. Die Halle dahinter ist spätgotisch, die Haube barock. Ende 1923 wurde hier ein Kind getauft, das später als Loriot bekannt wurde.

An einem der Portale lohnt der Blick nach oben. Über der Tür breitet eine Christusfigur die Arme aus, darum läuft ein Vers aus dem Matthäusevangelium: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“

Ein paar Schritte weiter steht der Rathenower Torturm, das älteste erhaltene Stadttor. Dahinter verlasse ich die Altstadt und laufe einen großen Bogen nach Nordwesten: über Parkwege, die Werner-Seelenbinder-Straße und die Magdeburger Landstraße. Das ist der Stadtteil Nord, ab 1959 als Neubaugebiet angelegt, mit Wohnblöcken, Schulen, kleinen Ladenzentren und viel Grün dazwischen. Sehenswürdigkeiten im üblichen Sinn gibt es auf diesen Kilometern keine. Ich mag solche Strecken trotzdem, weil sie zeigen, wo die meisten Leute einer Stadt tatsächlich wohnen.

Auf dem Marienberg

Über die Robert-Koch-Straße und den Triglafweg komme ich von Norden auf den Marienberg. Er ist knapp 70 Meter hoch und liegt rund 35 Meter über der Stadt. Der Straßenname erinnert an Triglaw, einen Gott der Slawen, der hier oben verehrt worden sein soll. Später stand auf dem Berg eine Marienkirche, zu der gepilgert wurde. 1722 und 1723 wurde sie abgetragen, ihre Steine stecken heute unter anderem im Frey-Haus in der Altstadt. Im 19. Jahrhundert stand hier oben eine Station des optischen Telegrafen, der Nachrichten mit beweglichen Signalarmen von Berlin an den Rhein weitergab. Gleich am Nordaufgang steht ein Mahnmal, an dem man nicht vorbeigehen sollte.

Auf der Kuppe steht die Friedenswarte, ein schlanker Aussichtsturm aus Stahlbeton, 32,5 Meter hoch, eingeweiht am 7. Oktober 1974 zum 25. Jahrestag der DDR. Zwei Wendeltreppen mit je 180 Stufen trennen Aufstieg und Abstieg. Ihr Vorgänger war ein Bismarckturm von 1908, der 1958 in Friedenswarte umbenannt und 1974 gesprengt wurde. Der neue Turm hat den Namen vom alten geerbt. Am Hang darunter liegt eine Freilichtbühne, die von 1955 bis 1957 mit freiwilligen Arbeitseinsätzen und Spenden gebaut wurde.

Am Südhang unterhalb des Turms liegt die Muschelgrotte, eine Terrassenanlage mit Brunnennische, die 1908 zusammen mit einem Rosengarten angelegt wurde. Ihren Namen hat sie von rund 600 Muscheln und 200 Schneckenhäusern, die 1976 und 1977 in die Wände eingearbeitet wurden. 2007 wurde die Anlage saniert.

Zur Bundesgartenschau 2015 wurde der Park auf dem Berg neu gestaltet. An der Südseite führt eine breite Treppe in gerader Linie auf den Turm zu.

Altstädtischer Markt: Rathaus und Roland

Vom Marienberg geht es hinunter in die Altstadt, am runden Plauer Torturm vorbei zum Altstädtischen Markt. Die auffällige Bekrönung des Turms ist übrigens nicht mittelalterlich, sie wurde 1928 und 1929 im Stil des Expressionismus ergänzt. Das Altstädtische Rathaus stammt aus der Zeit um 1468 und ist ein Schulbeispiel für Backsteingotik: ein Staffelgiebel mit Blenden und Maßwerk, darüber ein kleiner Uhrturm. Hier sitzt heute der Oberbürgermeister.

Vor dem Rathaus steht der Roland, gut fünf Meter Sandstein aus dem Jahr 1474. Er stand ursprünglich in der Neustadt, wurde 1941 zum Schutz eingelagert und kam erst nach dem Krieg hierher. Auf seinem Kopf wächst ein Büschel Donnerbart. Die Pflanze soll ihn, so heißt es, vor Blitzschlag schützen. Neben dem Rathaus sitzt noch jemand: ein kleiner Mann aus Holz mit sehr großer Nase. Zu ihm mehr bei Am Wegesrand.

Am Salzhofufer

Durch die Bäckerstraße geht es weiter. An der Ecke zur Schusterstraße steht das Quitzowhaus. Zur Bäckerstraße ist es verputzt, aber um die Ecke zeigt es Schmuckfachwerk aus der Renaissance. Ob es wirklich etwas mit dem Adelsgeschlecht der Quitzows zu tun hat, ist nicht belegt. Über die Wassertorpromenade und die schmale Gasse mit dem Namen Kommunikation komme ich wieder an die Havel, diesmal auf der Altstadtseite. Am Salzhofufer steht St. Johannis, die Kirche der Franziskaner, die sich um 1250 hier niederließen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Westjoch zerstört, in den 1980er Jahren stürzte das Dach über dem Chor ein. Lange war die Kirche eine Ruine. Zur Bundesgartenschau 2015 bekam sie wieder ein Dach und an der Westseite eine Wand aus Stahl und Glas. Man sieht also genau, was alt ist und was ergänzt wurde.

Im Humboldthain gleich dahinter sitzen die Waldmöpse im Gras, kleine Bronzehunde mit Elchgeweih. Auch sie gehören zu Loriot.

Nicolaiplatz, Stadtkanal und Steintor

Am Nicolaiplatz wird die Tour ernst. Im alten Zuchthaus der Stadt richteten die Nationalsozialisten 1940 eine Gaskammer ein. Von Januar bis Oktober wurden hier über 9.000 kranke und behinderte Menschen ermordet. Seit 2012 erinnert am Ort eine Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung an sie. Der Eintritt ist frei.

Wenige Schritte weiter steht St. Nikolai, eine romanische Backsteinbasilika, 1173 zum ersten Mal erwähnt. Sie gehörte zur Siedlung Luckenberg, die später in der Altstadt aufging. Der Ort ist verschwunden, die Kirche ist geblieben. Über die Luckenberger Brücke quere ich die Havel und laufe durch die Straßen südlich der Neustadt, vorbei an der Alten Feuerwache, in der heute ein Wassersportzentrum mit Kanuverleih und Campingplatz sitzt. An der Jacobstraße steht die kleine Jakobskapelle von etwa 1320. Die Brandenburger nennen sie die „Verrückte Kapelle“: 1892 stand sie der Straße im Weg und wurde als Ganzes um elf Meter zur Seite geschoben. Laut Stadt brauchten sechs Männer dafür drei Tage, eine Holzkonstruktion, Druckschrauben und Schmierseife. Gleich daneben steht die Wredowsche Zeichenschule, eine Kunstschule, die auf den Brandenburger Bildhauer August Wredow zurückgeht und deren Stiftung sich auch um die Kapelle kümmert.

An der Steintorbrücke steht über der Ufermauer ein zehn Meter hoher Obelisk mit Bronzefiguren. Das sowjetische Ehrenmal wurde 1945 errichtet, 255 Soldaten sind hier begraben.

Dahinter steht der Steintorturm, der vierte und mächtigste der Tortürme, elf Meter im Durchmesser. Drinnen zeigt das Stadtmuseum eine Ausstellung zur Havelschifffahrt.

Paulikloster und Neustädtischer Friedhof

Die letzten zwei Kilometer führen über die Sankt-Annen-Promenade am alten Stadtgraben entlang. Ein paar Schritte abseits liegt das Paulikloster. Dominikaner gründeten es 1286. Im April 1945 wurde es zerstört und stand jahrzehntelang als Ruine, seit 2008 ist hier das Archäologische Landesmuseum Brandenburg zu Hause. Der kurze Abstecher lohnt sich schon wegen des Kreuzgangs.

Der Weg zum Bahnhof führt danach über den Neustädtischen Friedhof. Er wurde 1740 vor den Toren der Stadt angelegt, als die Kirchhöfe an St. Katharinen und St. Pauli zu eng wurden. Später wuchs die Bahnhofsvorstadt um ihn herum. An seiner Ostseite stehen wieder die Fabrikbauten von Brennabor, an denen die Runde begonnen hat. Über die Kirchhofstraße und die Große Gartenstraße komme ich zurück zum Hauptbahnhof. Nach 20,1 Kilometern steige ich in den RE 1.

Am Wegesrand

Vier Orte am Weg und einer am Abstecher zum Stadion, zu denen es mehr zu erzählen gibt.

Der alte jüdische Friedhof

Die jüdische Gemeinde legte den Friedhof 1747 an und erweiterte ihn um 1860. 1938 wurden Friedhof und Trauerhalle verwüstet. Im Januar 1945 wurde das Gelände an die benachbarten Brennabor-Werke verkauft, die dort einen Sportplatz planten.

Dazu kam es nicht mehr. 1948 wurden die erhaltenen Grabsteine zu einer Gedenkwand zusammengefügt, 1951 wurde sie übergeben. Sie trägt die Namen von Brandenburger Jüdinnen und Juden, die deportiert wurden. Hinter der Wand ragt bis heute die alte Fabrik auf.

Undine am Packhof

Die Bronzefigur auf der Landspitze am Packhof stammt von Heike Adner und Knuth Seim und steht seit 2015 hier. Undine ist ein Wassergeist. In der einen Hand hält sie einen Fisch, in der anderen eine geschlossene Muschel.

Der Ort ist gut gewählt, denn das bekannteste Märchen über eine Undine schrieb ein Brandenburger. Friedrich de la Motte Fouqué kam 1777 auf der Dominsel zur Welt, nur ein paar hundert Meter flussaufwärts. Die Stadtbibliothek trägt seinen Namen.

Das Mahnmal am Marienberg

Vor einer hohen Klinkerwand steht ein Mann mit gefesselten Händen. Auf der Wand steht: „Zum Tode geführt und siehe wir leben“. Das Ehrenmal wurde 1947 errichtet und 1975 umgestaltet. Die Wand steht für die Gefängnismauer, die Bronzefigur schuf der Bildhauer Andreas Threyne.

Es erinnert an die Menschen, die während der NS-Zeit im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet wurden. Viele von ihnen wurden im Krematorium gleich nebenan eingeäschert, einem Bau von 1925 und 1926. Das Zuchthaus selbst liegt in einem anderen Stadtteil und hat eine eigene Gedenkstätte. Nach einer Darstellung des Historikers Helmut Caspar waren es 2.743, davon 1.789 aus politischen Gründen. Vor dem Mahnmal sind Urnen von Hingerichteten beigesetzt. Zu den Opfern des Zuchthauses gehörte auch der Ringer Werner Seelenbinder, der im Oktober 1944 hingerichtet wurde. Nach ihm ist die Straße benannt, über die diese Tour kurz zuvor führt.

Loriot und die Knollennase

Vicco von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren. Die Stadt erinnert an ihn so, wie es zu ihm passt: ohne Sockel.

Am Altstädtischen Markt sitzt ein Knollennasenmännchen aus Holz auf einer Bank neben dem Rathaus und wartet, dass sich jemand dazusetzt. Im Humboldthain am Salzhofufer leben seit 2015 die Waldmöpse, Bronzefiguren der Künstlerin Clara Walter nach Loriots Erfindung vom wilden Mops mit Elchgeweih. Die ersten wurden zur Bundesgartenschau 2015 „ausgewildert“, inzwischen sind es über zwei Dutzend, verteilt über die alten Stadtkerne. Auf dieser Runde begegnen sie dir am Heinrich-Heine-Ufer, auf der Dominsel, an der Johanniskirche und am Steintorturm. Auf dem Platz an der Johanniskirche erinnert außerdem ein Denkmal mit seinen Fußabdrücken an ihn. Wer mit Kindern unterwegs ist, hat damit eine Aufgabe für die ganze Tour.

Vier Pioniere am Schulgiebel

Dieses Fundstück liegt nicht an der Runde, sondern in der Walzwerksiedlung am Weg zum Stadion am Quenz. Am Giebel der Georg-Klingenberg-Schule in der Klingenbergstraße laufen vier Schulkinder in rotbraunen Linien über den Putz. Das älteste Mädchen schwenkt einen Pionierwimpel, ein Junge hält ein Heft in die Höhe.

Das Sgraffito ist rund 25 Quadratmeter groß. Werner Bauerfeind schuf es 1951, Modell standen ihm seine vier Geschwister. Der Bau der Schule begann 1949, eingeweiht wurde sie im Dezember 1952. Gebäude und Wandbild stehen unter Denkmalschutz.

Gut zu wissen

  • Die Strecke ist eine eigene Komoot-Route und nicht markiert. Geh am besten mit dem Track.
  • 20,1 Kilometer sind für einen Stadtrundgang viel. Die Gehzeit oben ist die reine Laufzeit. Mit Fotostopps und ein, zwei Besichtigungen wird ein ganzer Tag daraus. Die Strecke ist bis auf den Marienberg flach, die Einstufung „mittel“ kommt allein von der Länge.
  • Untergrund: fast durchgehend Gehwege, Pflaster und Asphalt, dazu einige Parkwege. In der Alt- und Neustadt liegt viel Kopfsteinpflaster.
  • Abkürzen: Wenn du den Bogen durch den Stadtteil Nord weglässt und vom Rathenower Torturm direkt zum Marienberg gehst, wird die Runde deutlich kürzer. Die Verbindung musst du dir dann selbst suchen. Vom Altstädtischen Markt und vom Nicolaiplatz fahren Straßenbahnen zum Hauptbahnhof.
  • Einkehr: In der Neustadt rund um Hauptstraße und Steinstraße, am Salzhofufer und auf der Dominsel gibt es Cafés und Restaurants. Zwischen St. Gotthardt und Marienberg solltest du dich nicht darauf verlassen.
  • Dom, Paulikloster und die Gedenkstätte am Nicolaiplatz haben eigene Öffnungszeiten. Wenn du hineinwillst, plan dafür Zeit ein. Ein Überblick steht bei Erlebnis Brandenburg, der Tourismusseite der Stadt.
  • Fußball: Das Stadion am Quenz, die Heimat von Stahl Brandenburg, liegt nicht an dieser Runde, sondern gut zwei Kilometer weiter westlich. Ich habe ihm einen eigenen Beitrag gewidmet. Am Weg dorthin liegt die Georg-Klingenberg-Schule mit ihrem Pionier-Sgraffito, mehr dazu bei Am Wegesrand.

Fazit

Brandenburg an der Havel wird gern unterschätzt, vielleicht weil man auf dem Weg nach Magdeburg nur durchfährt. Dabei gibt es im Land kaum eine Stadt, in der so viel Mittelalter erhalten ist und so viel Wasser dazwischen liegt. Die Runde ist lang, aber sie wird nicht langweilig: Hinter jeder zweiten Ecke steht ein Turm, eine Kirche oder ein Hund mit Geweih. Am besten gefallen hat mir das Stück vom Heinrich-Heine-Ufer über den Mühlendamm zum Dom. Wenn du weniger Zeit hast, geh dieses Stück und häng den Altstädtischen Markt an.

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