Tour im Oderbruch · Alle Touren und Wege
Zwei Schiffshebewerke, eine Schleuse mit Handbetrieb, zwei Schöpfwerke und ein Fluss, der seit 1753 woanders fließt: Auf dieser Tour dreht sich fast alles ums Wasser. Sie führt vom Bahnhof Niederfinow durchs Niederoderbruch nach Bralitz und über die Dörfer der Neuenhagener Insel nach Bad Freienwalde. Gut 28 Kilometer von Bahn zu Bahn im Nordosten Brandenburgs, flach, aber lang.
Ich bin die Strecke am 4. Juni 2022 gegangen, an einem Frühsommertag. Über dem Kanal stand blauer Himmel mit hellen Wolken, später zog es sich über dem Bruch zu. Wiesen und Schilf standen hoch, und die Gräben waren voller Seerosenblätter.
Inhalt dieser Tour
- Steckbrief
- Darum lohnt sich die Tour
- Anreise
- Die Route
- Niederfinow: Vom Bahnhof zum Finowkanal
- Zwei Hebewerke nebeneinander
- An der Lieper Schleuse
- Durchs Niederoderbruch zum Schöpfwerk
- Bralitz: Alte Oder und ein hoher Kirchturm
- Auf Kopfsteinpflaster nach Neuenhagen
- Altglietzen: Ziegelei und Kirche
- Am Hang entlang nach Schiffmühle
- Über Wendtshof nach Bad Freienwalde
- Am Wegesrand
- Gut zu wissen
- Fazit
Steckbrief
Strecke
28,4 km
Gehzeit
5:30 h
Schwierigkeit
mittel
Art
Streckentour, einfach
Start
Bahnhof Niederfinow
Ziel
Bahnhof Bad Freienwalde (Oder)
ÖPNV
RB 60 zum Start und ab dem Ziel
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Streckenband
- Kilometer 0Bahnhof NiederfinowStart · RB 60
- Kilometer 0,61Dorfkirche Niederfinow
- Kilometer 2,52SchiffshebewerkeImbisse und Gaststätten
- Kilometer 3,63Lieper Schleuse
- Kilometer 6,54Schöpfwerk Liepe
- Kilometer 9,75BralitzBushaltestelle im Dorf
- Kilometer 146Schloss Neuenhagen
- Kilometer 167Ziegelei Altglietzen
- Kilometer 228Fontanehaus Schiffmühle
- Kilometer 23,69Eisenbahnbrücke
- Kilometer 28,4Bahnhof Bad Freienwalde (Oder)Ziel · RB 60
Darum lohnt sich die Tour
- Nach zweieinhalb Kilometern stehst du vor zwei Schiffshebewerken: dem alten von 1934 und dem Neubau gleich daneben.
- Zwischen Liepe und Bralitz läufst du durch das Niederoderbruch, ein Naturschutzgebiet mit Wiesen, Gräben und Weidetieren. Mittendrin steht ein Schöpfwerk aus Backstein im Wasser.
- Auf der Neuenhagener Insel reiht sich ein Dorf ans nächste, jedes mit eigenem Stoff: ein Festes Haus aus dem 16. Jahrhundert, ein Ringofen, das letzte Wohnhaus von Fontanes Vater.
- Fast alles am Weg hat mit Wasser zu tun: Finowkanal, Schleuse, Schöpfwerke und zweimal die Wriezener Alte Oder, die bis 1753 der Hauptstrom war.
- Start und Ziel sind Halte der RB 60. Du brauchst kein Auto.
Anreise
Start und Ziel liegen an der RB 60, die zwischen Eberswalde und Frankfurt (Oder) fährt, laut VBB täglich im Stundentakt. Aus Berlin nimmst du einen Regionalzug bis Eberswalde Hbf, zum Beispiel den RE 3, und steigst dort um. Niederfinow ist der erste Halt hinter Eberswalde. Das Deutschlandticket gilt auf der ganzen Strecke. Verbindungen suchst du am besten in der Fahrinfo des VBB oder über die Reiseauskunft der Deutschen Bahn.
Zurück geht es vom Bahnhof Bad Freienwalde mit derselben Linie nach Eberswalde. Auf der Rückfahrt kommst du noch einmal durch Niederfinow.
Die Route
Die Tour hat drei Teile. Am Anfang stehen Niederfinow, der Finowkanal und die beiden Hebewerke. Dann folgen gut fünf stille Kilometer durch das Niederoderbruch bis Bralitz. Die zweite Hälfte gehört der Neuenhagener Insel: Neuenhagen, Altglietzen, Gabow, Neutornow und Schiffmühle, immer am Rand der Höhe entlang, bis hinter der Alten Oder Bad Freienwalde kommt.
Niederfinow: Vom Bahnhof zum Finowkanal
Ich starte am Bahnhof Niederfinow. Genau genommen steht er gar nicht in Niederfinow, sondern auf dem Gebiet des Nachbarorts Hohenfinow. Über die Hohenfinower Straße und einen Fußweg komme ich ins Dorf und nach wenigen hundert Metern an den Finowkanal. Die Brücke hier ist eine Klappbrücke, die Straße heißt passend An der Zugbrücke.

Der Finowkanal gilt als älteste künstliche Wasserstraße Deutschlands, die noch in Betrieb ist. Ein erster Kanal entstand zwischen 1605 und 1620 und verfiel im Dreißigjährigen Krieg. Ab 1743 wurde neu gebaut, im Juni 1746 fuhren wieder Schiffe. Zwölf Schleusen gleichen den Höhenunterschied zwischen Havel und Oder aus. Was heute ruhig und grün aussieht, war jahrhundertelang ein Transportweg für das Gewerbe im Finowtal. Heute sind hier vor allem Sportboote und Paddler*innen unterwegs.
Hinter der Brücke steht die Dorfkirche. Der Feldsteinbau stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, nach einem Brand 1731 wurde er wiederhergestellt. Auffällig ist der Turm: ein Aufsatz aus Holzfachwerk mit Laterne und Haube, der über die Dächer schaut.

Zwei Hebewerke nebeneinander
Vom Dorf sind es knapp zwei Kilometer bis zum Hebewerk, die meiste Zeit auf einem gepflasterten Weg neben der Hebewerkstraße. Dann steht es da, und daneben gleich noch eins. Das alte Schiffshebewerk ging am 21. März 1934 in Betrieb und ist das älteste noch arbeitende in Deutschland. Es hebt Schiffe in einem 85 Meter langen Trog um 36 Meter. Trog und Wasser wiegen zusammen rund 4.300 Tonnen, sie hängen an 256 Stahlseilen und werden von 192 Gegengewichten aus Beton ausgeglichen. Die reine Fahrt dauert fünf Minuten. Vorher brauchten die Schiffe für denselben Höhenunterschied eine Treppe aus vier Schleusen und rund anderthalb Stunden.
Der Neubau daneben ist für größere Schiffe gedacht. Sein Trog hat eine Nutzlänge von 115 Metern, das ganze Bauwerk ist 133 Meter lang und knapp 55 Meter hoch. Eingeweiht wurde es am 4. Oktober 2022. Als ich im Juni davor hier war, standen also schon zwei Generationen Wasserbau nebeneinander: Das alte Hebewerk arbeitete wie seit 1934, das neue wartete auf seine Eröffnung vier Monate später.
Den besten Blick auf beide zusammen habe ich nicht direkt davor, sondern ein Stück weiter östlich, vom Ufer des unteren Vorhafens. Wenn du dir die Anlage genauer ansehen willst: Es gibt ein Informationszentrum, eine Besuchergalerie und Führungen. Zeiten und Preise stehen auf der Seite der Schiffshebewerke Niederfinow.
Unterhalb der Hebewerke beginnt die sogenannte Oderhaltung. Von hier bis zur Schleuse Hohensaaten liegt der Kanal auf einer Höhe. Er wurde 1914 als Hohenzollernkanal eröffnet und heißt heute Havel-Oder-Wasserstraße, viele sagen weiter Oder-Havel-Kanal.

An der Lieper Schleuse
Die kleine Straße am Vorhafen heißt Lieper Schleuse und führt genau dorthin. Hier endet der Finowkanal. Die Schleuse Liepe ist die letzte seiner zwölf Schleusen, kurz dahinter mündet er in den großen Kanal. Eine erste Schleuse wurde hier 1767 gebaut, ihre heutige Form hat sie seit 1874. Sie überwindet 2,40 Meter und wird bis heute von Hand bedient. Nach dem Hebewerk mit seinen Tausenden Tonnen ist das ein schöner Gegensatz, und beide liegen keinen Kilometer auseinander.

Ich gehe über die Schleuse auf die andere Seite. Dahinter wird aus der Straße ein schmaler Pfad auf einem Damm, links und rechts Wasser, darüber Weiden und Erlen.

Am Ende des Pfads steht eine überdachte Bank, daneben ein Wegweiser: Oderberg 12,4 Kilometer, Liepe 2,5. Ab hier ist es ein Wiesenweg, und mit einem Schlag ist es still.

Durchs Niederoderbruch zum Schöpfwerk
Die nächsten Kilometer führen durch das Niederoderbruch. So heißt der nördlichste Teil des Oderbruchs, ein Niedermoor im Urstromtal zwischen Liepe, Oderberg und Bralitz. Seit 1990 stehen 863 Hektar unter Naturschutz. Das Land liegt stellenweise nur zwei bis drei Meter über dem Meeresspiegel. Liepe selbst bleibt links liegen, der Weg läuft südlich am Dorf vorbei über die Wiesen.

Nach gut fünf Kilometern wird aus dem Wiesenweg ein schmales Asphaltband. Es bringt mich zur Alten Finow, einem Graben, der vor rund 250 Jahren beim Kanalbau entstand und heute das Wasser aus dem Bruch sammelt. Im Juni ist er fast zugewachsen mit Seerosenblättern. Mittendrin steht das Schöpfwerk Liepe, ein Backsteinhaus direkt über dem Wasser. Mehr dazu unten bei Am Wegesrand.


Hinter dem Schöpfwerk geht es weiter nach Südosten. Unter einer Reihe alter Weiden liegt eine Herde rotbrauner Rinder mit ihren Kälbern. Das passt zum Gebiet: Im Niederoderbruch wird heute vor allem extensiv beweidet. Im Frühjahr und Herbst rasten hier Gänse, Kraniche und Singschwäne. Mit etwas Glück siehst du einen Seeadler, und an den Gräben leben Biber und Fischotter.

Bralitz: Alte Oder und ein hoher Kirchturm
Nach knapp neun Kilometern erreiche ich Bralitz. Am Ortseingang führt eine Brücke über die Wriezener Alte Oder. Bis 1753 war das der Hauptstrom der Oder. Dann ließ Friedrich II. das Bruch umbauen: Der Wasserbauer Simon Leonhard von Haerlem plante ab 1747 einen neuen, geraden Lauf weiter östlich, der Mathematiker Leonhard Euler begutachtete die Pläne. Am 2. Juli 1753 wurde der Neue Oderkanal geöffnet. Er kürzte den Weg des Flusses um rund 25 Kilometer ab, und der alte Lauf wurde zum Sammler für das Wasser aus dem ganzen Bruch. Zwischen Bralitz und Oderberg ist er bis heute Bundeswasserstraße.
Bralitz wird 1337 zum ersten Mal erwähnt und war lange ein Fischerdorf. 1877 kam die Eisenbahn, und aus dem Dorf wurde ein Industrieort, der vom Ton lebte. Um 1900 gab es drei Ziegeleien. Die größte gehörte Anton Dornbusch und brannte in ihren besten Jahren bis zu 20 Millionen Ziegel im Jahr. Der Dornbuschsee am Ortsrand ist eine vollgelaufene Tongrube und heute Badestelle. Ich drehe eine kleine Schleife über die Straße Am Dornbuschsee und mache dort Pause.
Über dem Dorf steht die Dorfkirche, und sie ist größer, als man es hier erwartet: eine neugotische Hallenkirche aus rotem Backstein mit einem 51 Meter hohen Turm. Die Pläne zeichnete 1889 Ernst Milde, im Mai desselben Jahres wurde der Grundstein gelegt. Die Ziegel dürften es nicht weit gehabt haben.


Auf Kopfsteinpflaster nach Neuenhagen
Aus Bralitz hinaus nehme ich die Alte Bahnhofstraße. Sie kreuzt die Trasse der früheren Bahn von Angermünde nach Bad Freienwalde, der Bahnhof Oderberg-Bralitz lag ein Stück weiter nördlich zwischen den beiden Orten. Danach folgen gut zwei Kilometer altes Kopfsteinpflaster, fast schnurgerade nach Osten. Schön anzusehen, aber anstrengend für die Füße.
Mit Bralitz habe ich die Neuenhagener Insel betreten. Eine richtige Insel ist sie erst seit 1753: Als der neue Oderkanal geöffnet wurde, lag die frühere Halbinsel plötzlich zwischen altem und neuem Strom. Sie ist etwa 25 Quadratkilometer groß und ragt bis zu 90 Meter über das flache Bruch.
In Neuenhagen steht an der Freienwalder Straße ein hohes weißes Haus mit steilem Dach und kräftigen Stützpfeilern an den Ecken. Das Feste Haus ließen um 1575 die Herren von Uchtenhagen bauen. Nachdem die Familie 1604 ausgestorben war, wurde es Amtshaus einer Domäne. Es gilt als ältestes erhaltenes weltliches Bauwerk im nördlichen Oderbruch. Fontane fand es 1867 „verhältnismäßig wohl erhalten“. Heute ist Schloss Neuenhagen ein Hotel, in dem auch geheiratet wird.

Schräg gegenüber steht die Dorfkirche, ein Backsteinbau mit Uhrturm, eingeweiht im Oktober 1902.

Altglietzen: Ziegelei und Kirche
Hinter Neuenhagen verlasse ich die Straße und laufe auf einem Feldweg weiter nach Osten. Er folgt ein Stück weit der Trasse der Kleinbahn von Freienwalde nach Zehden. Die Bahn wurde erst 1930 eröffnet und führte über die Oder in die Neumark. 1945 wurde die Oderbrücke gesprengt, und die neue Grenze schnitt die Strecke durch. Danach fuhren die Züge nur noch bis Hohenwutzen. 1965 endete der Personenverkehr, zwei Jahre später war die Strecke stillgelegt.
Am Ortsrand von Altglietzen steht nach 16 Kilometern eine alte Ziegelei mit langem Trockenschuppen und Schornstein. Ihre Geschichte steht unten bei Am Wegesrand.
Mitten im Dorf steht die Kirche, ein Bau aus gelbem Backstein mit kantigem Turm. Sie wurde 1855 errichtet, weil die Vorgängerin baufällig war, und im Januar 1856 eingeweiht. Hier mache ich die zweite, längere Pause.

Am Hang entlang nach Schiffmühle
Von Altglietzen aus dreht die Route nach Südwesten. Gut einen Kilometer läuft ein gepflasterter Weg am Fuß des Hangs entlang. Rechts steigt die Insel an, links liegt das Bruch, flach bis zum Horizont. Die Gabower Hangkante mit ihren Trockenrasen ist als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen.

Dann folgen drei Dörfer, die fast ineinander übergehen. Gabow wird wie seine Nachbarn 1337 zum ersten Mal erwähnt und war einmal ein slawischer Rundling, bis ein Brand 1810 die alte Dorfform zerstörte. Neutornow ist jünger, ein Kolonistendorf aus den Jahren nach der Trockenlegung, gegründet zwischen 1755 und 1760. Am Dorfrand arbeitet seit 1895 ein Schöpfwerk, das den Polder dahinter trocken hält.
Oberhalb von Neutornow steht die Kolonistenkirche von 1770. Auf ihrem Friedhof liegt Louis Henri Fontane begraben, der Vater des Dichters. Der Track bleibt unten auf der Dorfstraße. Wenn du das Grab sehen willst, musst du den Hang hinauf.
Schiffmühle zieht sich als Straßendorf über fast vier Kilometer. Der Name kommt von einer Mühle, die bis 1770 auf einem Schiff in der Oder verankert war und sich von der Strömung antreiben ließ. Die Strömung ist weg, der Name ist geblieben. Fast am Ende des Dorfes steht ein niedriges Fachwerkhaus mit grünen Fensterläden: das Fontanehaus. Gleich dahinter überquere ich zum zweiten Mal die Wriezener Alte Oder.

Über Wendtshof nach Bad Freienwalde
Auf der anderen Seite, in Neukietz, biege ich in die Straße An der Alten Oder und folge einem Wirtschaftsweg nach Westen. Nach knapp 24 Kilometern steht links im Gebüsch eine rostige Eisenbahnbrücke über dem Fluss. Eine Bahn ohne Schienen über einem Fluss, der nicht mehr der Hauptfluss ist. Ich bin kurz hinübergegangen und gleich wieder umgekehrt, weiter wollte ich dort nicht. Die Route bleibt ohnehin auf dieser Seite des Flusses. Mehr dazu bei Am Wegesrand.
Der direkte Weg zum Bahnhof wäre jetzt kurz. Der Track macht aber noch einen Bogen nach Nordwesten bis zum Wohnplatz Wendtshof und kommt dann auf einer ruhigen Asphaltstraße von Norden in die Stadt. Das sind die zähesten Kilometer der Tour: flach, gerade und mit schon 25 Kilometern in den Beinen.
Über den Wendtshofer Weg erreiche ich den Bahnhof Bad Freienwalde, einen Backsteinbau aus der Zeit um 1900 mit einem Wasserturm von 1904. Die Stadt dahinter ist eine andere Welt als das Bruch. 1683 wurde hier eine Heilquelle beschrieben, ein Jahr später kam der Große Kurfürst wegen seiner Gicht. Seitdem ist Freienwalde Kurort, der älteste in Brandenburg, und heißt seit 1925 offiziell Bad. Das Kurviertel liegt auf der anderen Seite der Stadt in den Hügeln. Nach 28,4 Kilometern steige ich am Bahnhof in die RB 60.
Am Wegesrand
Vier Orte am Weg, zu denen es mehr zu erzählen gibt.
Das Schöpfwerk Liepe
Das Backsteinhaus an der Alten Finow stammt aus der Mitte der 1890er Jahre. Damals bekamen die tiefsten Teile des Oderbruchs eigene kleine Polder mit eigenen Pumpen. Das Schöpfwerk bei Liepe hält seither den Finower Sonderpolder trocken, knapp 1.400 Hektar Land. Es pumpt das Wasser aus der Alten Finow ab und regelt so den Wasserstand im westlichen Niederoderbruch. Die Technik wurde mehrfach erneuert, zuletzt 2006.

Ohne solche Pumpen sähe das Oderbruch anders aus. Trocken im eigentlichen Sinn ist es nie geworden: Es ist eine Niederung voller Gräben und Altarme, in der das Wasser bis heute gelenkt und gehoben wird. Auf dieser Tour kommst du gleich an zwei Schöpfwerken vorbei, das andere steht in Neutornow und stammt aus derselben Zeit.
Der Ringofen von Altglietzen
Die Ziegelei am Rand von Altglietzen wurde 1871 gegründet, 1878 bekam sie einen Hoffmannschen Ringofen. In so einem Ofen wandert das Feuer im Kreis von Kammer zu Kammer, gebrannt wird ohne Unterbrechung. 1929 wurde der Ofen umgebaut und erweitert.

Mitte der 1980er Jahre endete die Ziegelproduktion, die Tonvorkommen waren erschöpft. Seit 2006 kümmert sich ein Förderverein um den Ofen, 2012 war die Restaurierung abgeschlossen. Auf dem Gelände arbeitet heute eine Manufaktur für Baukeramik. Den Ringofen mit seiner kleinen Ausstellung kannst du nach Vereinbarung besichtigen.
Das Fontanehaus in Schiffmühle
Das kleine Fachwerkhaus kaufte Louis Henri Fontane 1855 und lebte darin bis zu seinem Tod 1867. Der Apotheker hatte sich von seiner Frau getrennt und sich ins Oderbruch zurückgezogen. Sein Sohn Theodor besuchte ihn hier zum letzten Mal im Sommer 1867 und hat diesen Besuch später in „Meine Kinderjahre“ beschrieben.

Das Haus stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist seit 1995 Museum. In der Saison von April bis Oktober ist es an den Wochenenden geöffnet, die genauen Zeiten stehen auf der Seite der Stadt Bad Freienwalde. Auf dem Grabstein des Vaters oben in Neutornow steht der Vorname übrigens falsch geschrieben: Hanri.
Die Eisenbahnbrücke über die Alte Oder
Bei Bad Freienwalde lagen einmal zwei Bahnstrecken nebeneinander. Die ältere, die Bahn nach Angermünde, wurde am 1. Januar 1877 eröffnet. Die jüngere war die Kleinbahn nach Zehden von 1930, der du schon hinter Neuenhagen begegnet bist. Beide querten die Alte Oder auf eigenen Brücken. Die Stahlbrücke, die heute noch steht, wurde laut Brückenweb in den 1930er Jahren gebaut.

1945 wurden die Brücken gesprengt. Wiederhergestellt wurde um 1950 nur eine Querung, über die danach die Züge beider Richtungen fuhren. Am 28. Mai 1995 fuhr der letzte Personenzug nach Angermünde, Ende 1997 wurde die Strecke stillgelegt, später verschwanden die Gleise. Die Brücke blieb stehen und ist ein Denkmal. Den Bahndamm hat inzwischen zu großen Teilen die NABU-Stiftung gekauft, als grünes Band für Tiere und Pflanzen.
Gut zu wissen
- Die Strecke ist eine eigene Komoot-Route und nicht durchgehend als Wanderweg markiert. Geh am besten mit dem Track.
- 28,4 Kilometer sind viel für einen Tag, aber durchgehend flach. Schwierige Stellen gibt es nicht, die Einstufung „mittel“ kommt allein von der Länge.
- Untergrund: etwa die Hälfte Asphalt, dazu Pflaster, Schotter und einige Wiesen- und Feldwege. Zwischen Bralitz und Neuenhagen läufst du gut zwei Kilometer auf Kopfsteinpflaster.
- Im Niederoderbruch und auf den Feldern der Insel gibt es kaum Schatten.
- Einkehr: Am Schiffshebewerk gibt es Imbisse und Gaststätten, danach wird es dünn. Nimm genug Proviant und Wasser mit. In Bad Freienwalde findest du Cafés und Restaurants in der Innenstadt, etwa einen Kilometer vom Bahnhof.
- Abkürzen: In Bralitz, Neuenhagen und Schiffmühle halten Busse der Linie zwischen Oderberg und Bad Freienwalde. Ob und wann sie fahren, prüfst du vorher in der VBB-Fahrinfo, am Wochenende ist das Angebot klein.
- Die alte Eisenbahnbrücke ist kein Weg und nicht gesichert, zwischen den Blechen klaffen Lücken. Die Route führt nicht hinüber.
- Mehr Ausflugsziele in der Gegend findest du beim Seenland Oder-Spree, bei Kulturerbe Oderbruch und für den Anfang der Tour beim Barnimer Land.
Fazit
Diese Tour ist lang, und das merkst du am Ende. Dafür läufst du einen Tag lang durch eine Landschaft, die gemacht wurde. Fast alles am Weg hat mit Wasser zu tun, das gelenkt, gehoben oder abgepumpt wird: das Hebewerk, die Schleuse, die Schöpfwerke, der alte Strom. Dazu kommen die Dörfer der Neuenhagener Insel mit Ziegeleien, alten Bahntrassen und dem Haus von Fontanes Vater. Am besten gefallen hat mir das stille Stück zwischen der Lieper Schleuse und dem Schöpfwerk. Wenn dir 28 Kilometer zu viel sind, kannst du die Tour in Bralitz oder Neuenhagen mit dem Bus beenden. Oder du gehst sie in zwei Etappen.
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