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Berliner Mauerweg, Etappe 6: Vom Griebnitzsee zum Wannsee

Blick über die leere Fahrbahn auf die grünen Stahlbögen der Glienicker Brücke, links und rechts Laternen und Sandsteinfiguren

Berliner Mauerweg, Etappe 6 von 9 · Zum Gesamtbericht

Wenn ich jemandem eine einzige Etappe des Mauerwegs empfehlen sollte, wäre es diese. Sie ist kurz, führt fast nur durch Parks und am Wasser entlang und ist vollgestopft mit Geschichte: die Villen von Truman, Churchill und Stalin, ein Dorf, das die DDR wie einen Blinddarm in den Westen ragen ließ, die Agentenbrücke und zum Schluss ein russisches Blockhaus über der Havel.

Strecke

16,9 km

Gehzeit

3:21 h

Schwierigkeit

leicht

Start

S-Bahnhof Griebnitzsee

Ziel

S-Bahnhof Wannsee

Gelaufen am

11. März 2021

Anreise

Nach Griebnitzsee fährt die S7, außerdem halten Regionalbahnen. Am Ziel Wannsee fahren S1 und S7 sowie Regionalzüge in die Stadt. Unterwegs gibt es Busse an der Glienicker Brücke und an der Pfaueninselchaussee, falls die Beine nicht mehr wollen.

Die Route

Drei Villen am Griebnitzsee

Der Weg beginnt in der Villenkolonie Neubabelsberg. Im Sommer 1945 wohnten hier die drei Herren, die im Schloss Cecilienhof über Deutschland verhandelten. Harry Truman zog für 17 Tage in die Villa des Verlegers Müller-Grote, die seitdem Little White House heißt. Von hier aus soll er den Befehl zum Abwurf der Atombomben gegeben haben. Gegenüber liegt deshalb der Hiroshima-Nagasaki-Platz mit einem Gedenkstein, in den Steine aus beiden Städten eingelassen sind.

Backsteinfassade des Bahnhofs mit grünem S-Bahn-Zeichen, Schriftzug „Griebnitzsee“, Uhr und grünen Türen
Start der Etappe: der S-Bahnhof Griebnitzsee

Ein paar Häuser weiter steht die Villa Urbig, ein frühes Werk von Mies van der Rohe aus den Jahren 1915 bis 1917. Hier wohnte Winston Churchill, bis er mitten in der Konferenz die Wahl verlor und Clement Attlee einzog. Stalins Quartier, die Villa Herpich, liegt in derselben Straße. Später lief die Mauer direkt am Seeufer hinter den Gärten entlang.

Weiß verputzte Villa mit braunem Fachwerk, rotem Ziegeldach und einem Rundbogenportal mit grünem Gitter
Eine der Villen in Neubabelsberg

Um dieses Ufer wird seit Jahren gestritten. Nach 1989 entstand auf dem Grenzstreifen ein öffentlicher Weg, seit 2009 haben Anlieger*innen ihn an mehreren Stellen gesperrt. Die Stadt Potsdam ist mit zwei Bebauungsplänen vor Gericht gescheitert. Durchgehend am Wasser entlanggehen kann man deshalb nicht.

Klein Glienicke

Hinter dem Park Babelsberg überquert man den Teltowkanal und steht in Klein Glienicke. Der Ort gehörte zur DDR, ragte aber wie ein Wurmfortsatz nach West-Berlin hinein und war fast vollständig von der Mauer umgeben. Hinein kam man nur über eine Brücke und nur mit Passierschein. Rund 500 Menschen lebten in dieser Sondersicherheitszone. Leitern durften nicht unbeaufsichtigt herumstehen.

An der engsten Stelle lagen zwischen den beiden Mauern nur wenige Meter. Gerade hier gelang im Juli 1973 die wohl letzte Tunnelflucht: Zwei Brüder gruben mit ihren Familien vom Keller aus 19 Meter weit, mit einer Kinderschaufel und einem Spaten ohne Stiel. Weil es wochenlang heiß gewesen war, stand das Grundwasser tief genug. Neun Menschen krochen in einer Nacht hinüber. Der Ausstieg lag 80 Zentimeter hinter der Mauer.

Nicht alle hatten Glück. Eine Stele erinnert an Norbert Wolscht, der 1964 mit einem selbst gebauten Tauchgerät durch die Havel wollte und ertrank. Die neugotische Kapelle von 1881 verfiel in der Grenzzeit und wurde in den 1990er Jahren restauriert. Von den zehn Schweizerhäusern, die Prinz Carl im 19. Jahrhundert bauen ließ, stehen noch vier. Sechs wurden für die Grenze abgerissen.

Schloss und Park Glienicke

Der Park Glienicke gehört zum Welterbe und ist das Werk von drei Leuten: Prinz Carl von Preußen, der 1824 das Gut kaufte, Karl Friedrich Schinkel, der das Schloss umbaute, und Peter Joseph Lenné, der den Garten anlegte. Der Prinz hatte aus Italien antike Fundstücke mitgebracht und ließ sie einfach in die Fassaden einmauern. Am Löwenbrunnen vor dem Schloss kommt man direkt vorbei.

Von der Großen Neugierde, einem runden Pavillon an der Straße, schaut man auf die Glienicker Brücke. Die Grenze lief genau über ihre Mitte. Dreimal wurden hier Agent*innen ausgetauscht, zuerst im Februar 1962 der sowjetische Spion Rudolf Abel gegen den amerikanischen Piloten Gary Powers. Wer genau hinsieht, erkennt zwei verschiedene Grüntöne am Geländer. Ost und West haben ihre Hälften getrennt gestrichen.

Runder Pavillon mit Säulenkranz, vergoldetem Geländer und kleinem Aufsatz auf einem Rasenhügel
Die Große Neugierde

Am Havelufer nach Nikolskoe

Hinter dem Schlosspark läuft der Weg am Ufer der Havel entlang. Vom Krughorn sieht man hinüber zur Heilandskirche von Sacrow, die mit ihrem Glockenturm aussieht wie aus Italien hergetragen. Sie stand bis 1989 mitten im Grenzstreifen. Auf der nächsten Etappe steht man direkt davor.

In der Bucht von Moorlake steht seit 1840 ein Forsthaus, das seit 1896 Gaststätte ist. Danach steigt der Weg an, zum ersten Mal seit Hermsdorf spürbar, hinauf nach Nikolskoe. Das Blockhaus dort ließ Friedrich Wilhelm III. 1819 für seine Tochter Charlotte und ihren Mann bauen, den späteren Zaren Nikolaus. Der erste Aufseher, ein Russe namens Iwan Bockow, schenkte verbotenerweise an Ausflügler aus. So wurde aus dem Geschenk ein Lokal. Die Kirche St. Peter und Paul nebenan hat einen Zwiebelturm und ein Glockenspiel, das man schon von unten hört.

Unterhalb liegt die Pfaueninsel mit ihrem weißen Schlösschen. Die Fähre braucht nur ein paar Minuten, Hunde und Fahrräder müssen aber drüben bleiben. Aus der königlichen Menagerie der Insel ging 1842 der Grundstock des Berliner Zoos hervor.

Nach Wannsee

Die letzten Kilometer führen durch den Düppeler Forst und durch den Ortskern von Wannsee, vorbei an Friedhof und Kirche, hinunter zum Großen Wannsee und zum Bahnhof. Vom Anleger direkt daneben geht die nächste Etappe los, und zwar mit dem Schiff.

Weg aus Betonplatten führt in leichtem Bogen durch einen kahlen Laubwald
Plattenweg durch den Wald

Gut zu wissen

  • Einkehr gibt es auf dieser Etappe reichlich: Moorlake, Nikolskoe und das Wirtshaus an der Pfaueninsel liegen direkt am Weg.
  • Im Schlosspark und am Havelufer geht man auf Parkwegen und Waldboden. Nach Regen kann es am Ufer matschig sein.
  • An sonnigen Wochenenden ist es zwischen Glienicker Brücke und Pfaueninsel sehr voll. Unter der Woche hat man das Ufer fast für sich.
  • Offiziell misst die Etappe zwölf Kilometer. Mit den Schleifen durch Klein Glienicke und den Schlosspark kommen knapp 17 zusammen. Sie lohnen sich.

Fazit

Die schönste Etappe des Mauerwegs und die mit den meisten Geschichten pro Kilometer. Dass hier einmal eine Grenze verlief, kann man sich zwischen Schinkel, Lenné und Havel kaum vorstellen. In Klein Glienicke merkt man es dann doch: an der Enge, an den fehlenden Häusern und an den Stelen.


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