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Schmargendorf
Ortsteil im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf · Ortsteil 69 von 97
Schmargendorf liegt am Rand des Grunewalds und ist im Kern ein Dorf geblieben, auch wenn die Breite Straße heute sechs Spuren hat. Ich bin den Ortsteil am 20. April 2025 auf einer Tour von 9,7 Kilometern gelaufen. Sie führt von der Dorfkirche über das Rathaus und den Kolberger Platz zu den Kirchen am Hohenzollerndamm und zum Stadion Wilmersdorf.

Kurz gesagt
- Ein Ortsteil mit eigenem Zentrum und kleinstädtischem Charakter.
- Feldsteinkirche, Rathaus und Kirchen aus Backstein stehen dicht beieinander und lassen sich zu Fuß gut verbinden.
- Am Ende liegt eine große Sportanlage mit Stadion, Eisstadion und Sommerbad.
Was Schmargendorf ausmacht
Schmargendorf hat einen „eigenständigen, eher kleinstädtischen Charakter“ mit einem Zentrum an der Breiten Straße und der Berkaer Straße. Zwischen Geschäften und Mietshäusern steht eine mittelalterliche Dorfkirche, ein paar Straßen weiter ein Rathaus, das für einen Ort mit wenigen tausend Einwohner*innen gebaut wurde.
Die Straßennamen erzählen, wie der Ort sich verkaufte. Viele sind nach Kur- und Seebädern benannt, Kolberger Platz ist nur ein Beispiel. Im Süden dagegen erinnern Miquel-, Pückler- und Rheinbabenallee an preußische Minister: Johannes von Miquel war von 1890 bis 1901 Finanzminister, Georg von Rheinbaben Innenminister und später Finanzminister. Sie heißen so, weil das Land dort früher zu einem Staatsgut gehörte, das das Finanzministerium verwaltete.
Am Roseneck trifft Schmargendorf auf die Villenkolonie Grunewald. Weiter östlich folgen Kirchen der 1920er- und 1930er-Jahre, eine Reichsbanksiedlung und das Sportgelände.
Geschichte
Als Dorf wird Schmargendorf 1354 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich von Margrevendorf ab, Markgrafendorf. Schon im 15. Jahrhundert besaßen die von Wilmersdorff Güter im Ort.
Ende des 19. Jahrhunderts kamen Sommerfrischler in den Ort, angelockt von der Nähe zum Grunewald. Ab 1888 fuhren Straßenbahnen, Bauern vermieteten Remisen an Gäste, und Ackerland wurde zu Bauland. 1899 wurde Schmargendorf ein eigener Amtsbezirk mit rund 2.000 Einwohner*innen. Der Hohenzollerndamm wurde zwischen 1899 und 1901 ausgebaut, und aus den Steuern auf die Landverkäufe für diese Straße bezahlte die Gemeinde ihr Rathaus.
1920 kam Schmargendorf mit der Bildung Groß-Berlins zum Bezirk Wilmersdorf. In den 1920er-Jahren entstanden die Reichsbanksiedlung und die Kreuzkirche, 1938 baute Hans Scharoun hier ein Landhaus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Ort Neubauten: das Stadion aus Trümmerschutt und das Wohnhochhaus am Roseneck. Um 1960 verlor die Dorfkirche mit dem Dorfanger ihre ursprüngliche Umgebung, in den 1960er-Jahren wurde die Breite Straße zur sechsspurigen Verkehrsader ausgebaut. Auf der Südseite stehen seither flache Ladenpavillons.
Orte, die sich lohnen
Dorfkirche und Breite Straße
Die Tour beginnt am Bahnhof Heidelberger Platz und geht zuerst zur Dorfkirche. Sie ist eine frühgotische Saalkirche aus Feldstein mit steilem Satteldach und einer Empore im Westen, das Denkmalverzeichnis datiert sie auf um 1400. Der Fachwerkturm kam 1831 dazu und wurde 1957 mit Brettern verkleidet. Innen ist Platz für etwa 80 Besucher*innen, die Kirche gilt als die kleinste Dorfkirche Berlins. Im Turm hängen zwei Glocken aus dem Mittelalter. 1895 wurden die Fenster vergrößert, 1936 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen, und bis 1938 wurde sie nach historischem Vorbild wiederhergestellt.

Der Friedhof umgibt die Kirche, was heute selten geworden ist, und liegt auf Terrassen. Dort liegen die Maler und Bildhauer Max Pechstein und Richard Scheibe sowie die Flugpionierin Melli Beese, alle drei als Ehrengräber des Landes Berlin.
Neben der Kirche läuft die Breite Straße. Sie hieß früher Dorfstraße, um 1890 Hauptstraße und dann Breite Straße. Gründerzeitbauten ersetzten nach und nach die Bauernhäuser, und sie wurde zur wichtigsten Geschäftsstraße des Ortes.

Platz am Wilden Eber und Haus Scharf
Von der Breiten Straße geht es in die Villenstraßen. Die Straßen rund um den Platz am Wilden Eber sind mit Villen und Landhäusern überwiegend aus den 1920er- und 1930er-Jahren bebaut. In der Miquelstraße 42 steht das Landhaus des Schriftstellers Bruno E. Werner, 1934 von Hans Köhler gebaut und denkmalgeschützt. Die Pücklerstraße trägt seit 1905 den Namen von Erdmann Graf von Pückler, preußischer Landwirtschaftsminister von 1858 bis 1862, nicht den des Gartenkünstlers Pückler-Muskau.

In der Miquelstraße steht das Haus Scharf. Hans Scharoun baute es 1938 für Margarete Scharf, die Tochter des Versicherungsmanagers Otto Gerstenberg. Es liegt im rückwärtigen Teil des Parks der Villa Gerstenberg in der Hammersteinstraße, die 1903 und 1904 für Otto Gerstenberg entstand. Das Haus Scharf ist ein zweigeschossiges Landhaus mit Steildach, das die Baubehörde in der NS-Zeit so vorschrieb. Den Garten gestaltete der Landschaftsarchitekt Hermann Mattern, der mit Geländemodellierung Räume bildete.

Roseneck und Wohnhochhaus
Danach kommt das Roseneck. Um 1900 war der Platz die Endhaltestelle mehrerer Straßenbahnlinien und wurde mit Rosen bepflanzt, daher der Name. Das Wohnhochhaus am Hohenzollerndamm entstand 1954 und 1955 nach Plänen von Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller. Der Grundriss ist Y-förmig, damit jede Wohnung mindestens ein Zimmer nach Süden hat. Die Außenhaut besteht aus Ziegelsplitt, der aus Trümmerschutt gewonnen wurde, und aus Gasbetonplatten. Die meisten Wohnungen haben einen Wintergarten, in den größeren lässt sich die Küche mit Schiebetüren zum Wohnraum öffnen. Das Haus gehört zu Schmargendorf, der Platz davor reicht teilweise in den Nachbarortsteil.
Rathaus Schmargendorf
Vom Roseneck geht es zum Berkaer Platz. Das Rathaus entstand von 1900 bis 1902 nach einem Entwurf von Otto Kerwien. Es ist ein Backsteinbau im Stil der märkischen Backsteingotik mit Jugendstilelementen, mit steilen Giebeln, einem Rundturm mit Zinnenkranz und Wappenmosaiken an der Südfassade. Nach 1920 zog das Standesamt des Bezirks Wilmersdorf ein, der frühere Ratssaal wurde zum Trausaal. Über dem Kamin hängt ein Relief mit einer Szene aus Wagners „Walküre“. Im Haus sind außerdem die Volkshochschule, die Musikschule City West und seit 2019 im Ratskeller eine Bibliothek untergebracht.
Kolberger Platz
Gleich dahinter liegt der Kolberger Platz. Er heißt seit 1908 nach dem pommerschen Ostseebad Kolberg, dem heutigen Kołobrzeg, und ist seit 1913 Marktplatz.
Reichsbanksiedlung und Salvatorkirche
Hinter dem Kolberger Platz liegt die Reichsbanksiedlung rund um den Kissinger Platz. Ihre Freiflächen und Plätze entwarf Heinrich Friedrich Wiepking-Jürgensmann in den Jahren 1925 und 1926 für die Reichsbank, sie stehen als Gartendenkmal unter Schutz.
In der Tölzer Straße steht die katholische Salvatorkirche, eine zweischiffige Langhauskirche mit Anklängen an die Neue Sachlichkeit.

Kreuzkirche
Am Hohenzollerndamm steht die evangelische Kreuzkirche, 1928 und 1929 von den Architekten Paulus und Paulus gebaut, Vater Ernst und Sohn Günther. Sie ist ein oktogonaler Klinkerbau in Blauviolett mit pagodenähnlichem Portal, das mit blauer Majolika verkleidet ist. Die Bildhauerarbeiten stammen von Felix Kupsch, im Altarraum steht ein hohes weißes Porzellankreuz. Eingeweiht wurde die Kirche am 15. Dezember 1929. Der Wettbewerb für eine zusätzliche Kirche fand schon 1910 statt, dann bremsten Erster Weltkrieg und Inflation den Bau. Der Turm hat drei Spitzen.

Stadion Wilmersdorf
Zum Schluss kommt das Sportgelände. Das Stadion Wilmersdorf heißt nach dem Nachbarortsteil Wilmersdorf, liegt aber genau genommen in Schmargendorf. Es wurde von 1948 bis 1951 gebaut, nach der Inschrift eines Findlings auf dem südlichen Rundweg aus einer Million Kubikmeter Trümmerschutt. Der Findling erinnert an Bezirksstadtrat Heinrich Evert, unter dessen Leitung die Anlage entstand. Daneben liegt das Horst-Dohm-Eisstadion, das 1974 nach Plänen von Werner Deyle eröffnet wurde und eine 400 Meter lange Eisschnelllaufbahn hat. Es trägt seit 2000 den Namen des Wilmersdorfer Bezirksbürgermeisters Horst Dohm. Dazu kommt das Sommerbad Wilmersdorf, im Volksmund Lochowbad, mit einem 50-Meter-Becken und großen Liegewiesen. Das Bad wurde 1956 auf dem Gelände eines früheren Gaswerks angelegt.

Im Stadion steht außerdem ein Gedenkstein für ein Fußballspiel von 1903. Im Viertelfinale der ersten deutschen Meisterschaft verlor der Berliner Verein Britannia 1892 mit 1:3 gegen den VfB Leipzig. Gespielt wurde damals auf dem Sportplatz in Friedenau, nicht hier. Der Verein hieß später BSV 1892 und ist im Stadion Wilmersdorf zu Hause. Mehr zu Friedenau steht auf der Seite des Ortsteils.
Meine Tour
Ich bin 9,7 Kilometer in gut zwei Stunden gelaufen, vom Bahnhof Heidelberger Platz zur Dorfkirche und dann durch die Villenstraßen zum Roseneck. Von dort ging es zum Rathaus, über den Kolberger Platz zu den Kirchen am Hohenzollerndamm und zum Stadion. Zurück bin ich zum Bahnhof Heidelberger Platz gelaufen. Die Tour ist ein Rundweg.
Am Wegesrand
Ein Bahnhof mit anderem Namen. Der Bahnhof Heidelberger Platz hieß bis 1993 Schmargendorf, auch wenn er weit vom Ortskern liegt.
Gebeine in der Kirchengruft. Als die Dorfkirche in den 1930er-Jahren instand gesetzt wurde, wurden in einer Gruft die Gebeine von Hans von Wilmersdorf und seiner Frau Eva gefunden. Er war Gesandter unter mehreren Kurfürsten, die Familie besaß schon im 15. Jahrhundert Güter im Ort.
Ein Eber ohne Original. Die Bronzeplastik am Platz am Wilden Eber stammt aus den 1920er-Jahren, wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen und 1961 als Nachguss ersetzt.
Ein Weinberg im Stadion. Auf den Tribünen der Nordkurve wachsen seit 1984 Riesling und Ehrenfelser, ein Geschenk des Partnerlandkreises Rheingau-Taunus. Der Heimatverein Wilmersdorf pflegt die Reben, der Wein heißt heute „Wilmers“.
Ein Boulevard, der keiner wurde. Der Hohenzollerndamm sollte nach dem Vorbild des Kurfürstendamms ein Boulevard werden. Das gelang nicht.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Start und Ziel ist der Bahnhof Heidelberger Platz, an dem die Ringbahn (S41, S42) und die U3 halten. Dieses Stück der Ringbahn gehört zu Teil 2 des S-Bahn-Rings.
Markt: Am Kolberger Platz ist samstags und oft auch mittwochs Wochenmarkt.
Mehr auf dieser Seite: Die Tour Jüdisches Berlin von Lichterfelde nach Friedenau führt durch Schmargendorf, unter anderem an der Berkaer Straße entlang. Der Nachbarortsteil Wilmersdorf hat eine eigene Seite.
Von Schmargendorf aus weiter
4 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.