Berliner Ortsteile / Pankow / Niederschönhausen
Niederschönhausen
Ortsteil im Bezirk Pankow · Runde 59 von 74
Niederschönhausen liegt neben dem Pankower Ortskern, hier steht das Schloss Schönhausen. Am 8. Januar 2023 bin ich hier 14,7 Kilometer gelaufen, vorbei am Friedhof Pankow III, durch die Schönholzer Heide, vorbei an zwei Kirchen und dem Brosepark bis zum Schlosspark.
Kurz gesagt
- Das Schloss Schönhausen war Sommerresidenz einer preußischen Königin, Amtssitz des ersten DDR-Präsidenten und Gästehaus der DDR-Regierung. Heute ist es ein Museum.
- In der Schönholzer Heide lag im Zweiten Weltkrieg ein Zwangsarbeitslager. Heute stehen dort ein Volkspark und ein großes sowjetisches Ehrenmal.
- Der alte Dorfkern liegt um die Dietzgenstraße, mit Friedenskirche und Brosepark.
- 1375 erstmals erwähnt, seit 1920 Teil von Berlin. Heute ist der Ortsteil grün: Schlosspark, Brosepark und Heide prägen ihn.
Geschichte
Erstmals erwähnt wurde Niederschönhausen 1375 als Dorf. Bis 1920 war es eine selbstständige Gemeinde im Landkreis Niederbarnim, dann kam es zu Groß-Berlin.
Die Geschichte des Ortes ist vor allem die des Schlosses. Die Grafen zu Dohna ließen 1664 ein erstes Schloss bauen. Zwischen 1685 und 1690 entstand für General Joachim von Grumbkow der Bau, der im Kern bis heute steht. Danach kaufte ihn der brandenburgische Kurfürst, und Johann Friedrich Eosander von Göthe baute ihn bis 1709 aus. Von 1740 bis 1797 nutzte Königin Elisabeth Christine, die Frau Friedrichs des Großen, das Schloss als Sommerresidenz. 1763 und 1764 gestaltete Johann Boumann der Ältere es im Rokoko um.
Im 19. Jahrhundert gehörte zum Dorf auch ein bürgerlicher Landsitz: Der Bankier Wilhelm Brose erwarb ein Anwesen, aus dem ein Park wurde. Die Gemeinde kaufte es 1919. Die Friedenskirche ersetzte 1869 bis 1871 die baufällige Dorfkirche. In der Schönholzer Heide gab es seit dem späten 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsgebiet. Von 1940 bis 1945 stand dort das Luna-Lager, das zweitgrößte Zwangsarbeitslager Berlins.
Nach 1945 kam die sowjetische Seite ins Spiel: Von 1947 bis 1949 baute sie in der Heide das Ehrenmal. Das Schloss wurde 1949 Amtssitz von Wilhelm Pieck, dem ersten Präsidenten der DDR, und von 1960 bis 1964 Sitz des Staatsrats. Danach diente es bis 1990 als Gästehaus der DDR-Regierung. In den Villen am Majakowskiring wohnten führende DDR-Politiker, später zogen Botschaften ein. Das Schloss ist seit 2009 Museum.
Was Niederschönhausen ausmacht
Niederschönhausen besteht aus mehreren Schichten, die dicht beieinanderliegen: ein Landsitz mit Schlosspark, ein bürgerlicher Landsitz des 19. Jahrhunderts, Kirchen, ein Friedhof und die Orte, die mit der DDR-Führung zu tun haben. Zum Ortsteil gehören die Ortslagen Schönholz, Majakowskiring und Nordend. Die Bebauung stammt überwiegend aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Viel Fläche gehört den Grünanlagen. Die Panke fließt durch den Schlosspark, die Schönholzer Heide ist ein leicht hügeliger Waldpark mit Sportstätten, Spielplätzen und einem Naturlehrpfad.
In der Heide liegen das Ehrenmal und der Luna-Bunker. Der eine Ort erinnert an die sowjetischen Toten des Krieges, der andere an die Zwangsarbeiter*innen des Luna-Lagers. Neben Schloss und Schlosspark ist das der zweite Teil der Ortsgeschichte, der heute noch zu sehen ist.
Orte, die sich lohnen
Friedhof Pankow III
Am Anfang der Runde liegt der Friedhof Pankow III am Bürgerpark des Nachbarortsteils Pankow. Die Gemeinde Pankow kaufte das Gelände 1903, 1905 gab es die ersten Bestattungen. Die Kapelle aus rotem Backstein baute um 1905 der Baumeister Carl Lubig. Dazu kommen ein Verwaltungsgebäude von etwa 1905 und eine Wartehalle von etwa 1925. Ehrengräber des Landes Berlin haben hier unter anderem Ernst Busch, Fritz Cremer, Paul Nipkow und Anton Saefkow.

Luna-Bunker
Von dort führt die Runde in die Schönholzer Heide zum Luna-Bunker. Er ist das letzte erhaltene Bauwerk des Luna-Lagers, in dem von 1940 bis 1945 Zwangsarbeiter*innen untergebracht waren. Die Baracken standen anfangs zwischen Autoscootern und Karussells des früheren Vergnügungsparks. Seit 2024 hängt dort eine Informationstafel des Museums Pankow.
Schönholzer Heide
Die Heide war seit dem späten 19. Jahrhundert ein Ausflugsgebiet. Heute ist sie ein leicht hügeliger Volkspark mit Wald, Spielplätzen und Sportflächen. Ich bin vom Luna-Bunker durch den Park weiter zum Ehrenmal gelaufen.
Sowjetisches Ehrenmal
Das Ehrenmal liegt an der Germanenstraße 43. Eine Allee führt zur Anlage. Gebaut wurde sie von Mai 1947 bis November 1949, eingeweiht am 7. November 1949.
Zur Zahl der Bestatteten gibt es unterschiedliche Angaben: Die Senatsverwaltung nennt mehr als 13.000 Angehörige der Roten Armee, darunter 120 Frauen. Der Volksbund spricht von etwa 13.200 Toten, darunter sowjetische Kriegsgefangene, das Landesdenkmalamt von 1.182 Bestatteten in 16 Grabkammern. Nur etwa ein Viertel der Toten ist namentlich bekannt. Ein 33,5 Meter hoher Obelisk überragt die Anlage, davor steht die Skulptur einer Frau, die um ihren gefallenen Sohn trauert. Zwischen 2010 und 2013 wurde das Ehrenmal saniert.
St. Maria Magdalena
Aus der Heide geht es in die Wohnstraßen und zur katholischen Kirche St. Maria Magdalena in der Platanenstraße. Der Architekt Felix Sturm baute sie von 1929 bis 1930. Der Backsteinturm hat drei Schallarkaden und trägt drei Kreuze. Über dem Portal hängt ein Relief, darunter steht „Soli Deo Honor“.

Brosepark
Der Brosepark an der Dietzgenstraße 42 war ein privater Sommersitz. Wilhelm Brose erwarb das Anwesen an der damaligen Dorfstraße. Die Gärtner Bennickenstein und Kratzenstein halfen bei der Anlage des Parks im Stil Lennés. Zu den Gästen zählten Künstler, darunter Schinkel, die Bildhauer Rauch, Tieck und Kiß und der Maler Franz Krüger.
Die Gemeinde kaufte das Anwesen 1919, 1920 wurde der Park öffentlich. Das kleine Brosehaus hatte 1764 der Küster Johann Gottfried Palm als Altersruhesitz bauen lassen. Nach der Rekonstruktion 1993/94 sitzt dort der Freundeskreis der Chronik Pankow.
Schlosspark
Vom Brosepark führt die Runde einmal durch den Ortsteil zum Schlosspark. Die Panke fließt hindurch. Der äußere Park wurde ab 1769 unter dem Hofgärtner Johann Joseph Nietner zum Landschaftspark. Den inneren Park gestaltete ab 1950 Reinhold Lingner. Zum denkmalgeschützten Park gehören außerdem ein Teich und ein Pavillon an der Panke. Der innere Park gehört seit 2006 zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, der äußere ist öffentlich.
Auch der Pankeweg führt durch den Park.
Schloss Schönhausen
Der Schlosspark gehört zum Ensemble aus Schloss, Park, Orangerie und Gästehaus. Zum Denkmal gehören unter anderem die Gartenfassade von Eosander, Stuckdecken, der 1763/64 von Boumann gestaltete Festsaal, das Treppenhaus und die Zedernholzgalerie.

Im Schloss ist heute ein Museum. Zu sehen sind die Räume der Königin Elisabeth Christine, das Amtszimmer von Wilhelm Pieck, ein Kaminzimmer mit der Einrichtung von 1978, das Staatsgästeappartement im Stil der 1960er Jahre und eine Dauerausstellung zur NS-Aktion „Entartete Kunst“.
Friedenskirche
Vom Schloss ist es nicht weit zur Friedenskirche am Ossietzkyplatz im alten Dorfkern. Sie entstand 1869 bis 1871 im neuromanischen Stil und bekam ihren Namen, weil sie zum Ende des Deutsch-Französischen Krieges fertig wurde. Über der Vierung steht ein achteckiger Turm. Zum Komplex gehört ein Gemeindehaus von 1901/02.

Bürgerpark Pankow
Das Ende der Runde liegt schon im Nachbarortsteil Pankow. Der Bürgerpark war ein Privatgarten des Verlegers Hermann Killisch von Horn und wurde 1907 öffentlicher Park.
Meine Runde
Die Runde ist 14,7 Kilometer lang, ich habe knapp drei Stunden gebraucht. Sie beginnt am Friedhof Pankow III, führt durch die Schönholzer Heide zum Ehrenmal und danach durch die Wohnstraßen zur katholischen Kirche und zum Brosepark. Von dort geht es durch den Ortsteil zum Schlosspark, zur Friedenskirche und weiter zum Bürgerpark in Pankow.@komoot
Am Wegesrand
Kartoffelbunker. Nach 1945 lagerten im Luna-Bunker Lebensmittel, daher der zweite Name. In der DDR scheiterte dort ein Versuch mit Champignonzucht, Reste einer Heizungsanlage sind erhalten.
Friedensplatz. Der Platz neben der Friedenskirche hieß nach dem Deutsch-Französischen Krieg Friedensplatz. Heute heißt er Ossietzkyplatz.
Der kleine Turm. Die Friedenskirche sollte einen dreistufigen Turm bekommen. Wegen des schlechten Baugrunds ist er nur 25 Meter hoch. Mit überschüssigem Bauschutt wurde laut der Kirchengemeinde der Dorfteich neben der Kirche zugeschüttet.
Das Brosehaus. Im Brosepark steht das einzige Gebäude des Anwesens, das Krieg und Nachkriegszeit überstand. Es war zuletzt Dienstwohnung des Gartenbauamts und wurde 1988 gesperrt.
Schlossdepot. In der NS-Zeit wurden in den Rückräumen des Schlosses Schönhausen Kunstwerke verkauft, die als „entartet“ galten.
Gut zu wissen
Schloss: Das Museum im Schloss Schönhausen liegt in der Tschaikowskistraße 1. Zu Öffnungszeiten und Eintritt informiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten auf der Seite des Schlosses.
Mehr auf dieser Seite: Der Pankeweg folgt der Panke von Bernau bis zum Nordhafen und führt durch den Schlosspark Schönhausen. Das Ende der Runde liegt im Ortsteil Pankow, auf dessen Seite du mehr zum Bürgerpark findest.
Von Niederschönhausen aus weiter
5 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.