/

Gebäude D der Gubener Wolle: Tuchfabrik an der Alten Poststraße

Leerstehender sechsgeschossiger Fabrikbau in Guben mit gelber Fassade und großen Fenstern, davor wild wachsendes Grün

Blick vom Gubiner Ufer über die Neiße auf den Fabrikbau.

Guben war einmal für Hüte und Tuche bekannt. Von den vielen Fabriken ist dieser gelbe Sechsgeschosser am Neißeufer eine der auffälligsten: ein Eisenbetonbau mit großen Sprossenfenstern und Treppenturm, gebaut Anfang des 20. Jahrhunderts für die Tuchfabrik C. Lehmann’s Witwe & Sohn.

Von Lehmann zur Gubener Wolle

Die Familie Lehmann machte in Guben über Generationen Tuch. Ihre Fabrik an der Alten Poststraße geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, bekannt war sie für feine schwarze Tuche. In ihrer besten Zeit hatte die Firma rund 1.200 Beschäftigte. 1938 übernahm sie im Zuge der sogenannten Arisierung die Tuchfabrik Reißner, Wohl & Co., in der NS-Zeit wurden Uniformstoffe gewebt.

1948 wurden mehrere Gubener Tuchfabriken zum VEB Gubener Wolle zusammengelegt, das Lehmann-Werk war sein Werk I. Aus dieser Zeit stammt der Name Gebäude D. Hergestellt wurden Wollstoffe, ab den 1960er Jahren auch Steppwatte und Heimtextilien. 1990 wurde der Betrieb eine GmbH, 1992 ging er in Konkurs.

Leerstand und Pläne

Seitdem steht das Haus leer und ist nicht zugänglich. Es gehört den Städtischen Werken Guben, steht unter Denkmalschutz und wurde 2014 gesichert. Die Stadt hat ein deutsch-polnisches Kooperationszentrum mit Büros und Gastronomie ins Gespräch gebracht, 2023 suchte die BTU Cottbus in einem Workshop nach Ideen.

Am besten sieht man den Bau von der anderen Seite der Neiße, vom Ufer in Gubin. Nicht verwechseln: Das Plastinarium ein Stück weiter sitzt in einer anderen früheren Tuchfabrik, Lehmann & Richter. Ich bin hier auf meiner Rundtour durch Guben und Gubin vorbeigekommen.

Ort

Alte Poststraße 10, Guben

Früher

Tuchfabrik, später VEB Gubener Wolle

Zustand

leerstehend, kein Zutritt

Nächster Bahnhof

Guben, gut 1 km zu Fuß