Unterwegs zu Fuß

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Von Rheinsberg nach Fürstenberg (Havel): Kernkraftwerk, Stechlinsee und Neuglobsow

Schloss Rheinsberg mit Spiegelung im Grienericksee unter bewölktem Himmel

Tour in Brandenburg · Alle Touren und Wege

Von Rheinsberg nach Fürstenberg (Havel) sind es 29,2 Kilometer durch das Ruppiner Seenland im Norden Brandenburgs. Die Tour führt vom Schloss Rheinsberg durch Kiefern- und Buchenwald am ehemaligen Kernkraftwerk und am Stechlinsee vorbei nach Neuglobsow und weiter zur Röblinsee-Siedlung und nach Fürstenberg. Start und Ziel sind Bahnhöfe, zurück nach Berlin fährst du mit der RE 5.

Ich bin die Strecke am 16. Oktober 2021 gegangen, an einem Samstag.

Inhalt dieser Tour

Strecke

29,2 km

Gehzeit

5:34 h

Art

Streckentour, einfach

Start

Bahnhof Rheinsberg (Mark)

Ziel

Bahnhof Fürstenberg (Havel)

ÖPNV

RB 54 zum Start, RE 5 ab dem Ziel

  • Mit der Bahn erreichbar
  • Einkehr am Weg
  • Abkürzbar

Gelaufen am 16. Oktober 2021

Karte: Wanderung von Rheinsberg am Stechlinsee vorbei nach Fürstenberg (Havel)Streckenwanderung vom Bahnhof Rheinsberg (Mark) am Schloss vorbei durch den Wald nach Feldgrieben, am ehemaligen Kernkraftwerk und am Stechlinsee entlang nach Neuglobsow und über den Augustablick und die Röblinsee-Siedlung zum Bahnhof Fürstenberg (Havel), 29,2 km, mit acht nummerierten Orten. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung.12345678Start: RheinsbergZiel: Fürstenberg (Havel)5 km
Vom Bahnhof Rheinsberg (Mark) zum Bahnhof Fürstenberg (Havel), 29,2 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die Nummern stehen im Streckenband.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Streckenband

  1. Kilometer 0Bahnhof Rheinsberg (Mark)Start · RB 54
  2. Kilometer 1,31Schloss Rheinsberg
  3. Kilometer 8,32Feldgrieben
  4. Kilometer 133Ehemaliges Kernkraftwerk
  5. Kilometer 15,54Stechlinsee
  6. Kilometer 195NeuglobsowEinkehr
  7. Kilometer 22,76Augustablick
  8. Kilometer 26,37Röblinsee-Siedlung
  9. Kilometer 27,78Fürstenberg (Havel)Stadtkirche und Ehrenmal
  10. Kilometer 29,2Bahnhof Fürstenberg (Havel)Ziel · RE 5
Kilometer gerundet.

Darum lohnt sich die Tour

  • Zu Beginn warten Schloss Rheinsberg und der Schlosspark mit der Grabpyramide für Prinz Heinrich.
  • Du läufst fast durchgehend durch Wald und an Seen entlang, am längsten am Stechlinsee, der bis zu 69,5 Meter tief ist.
  • Der Weg führt in einigen hundert Metern Abstand am ehemaligen Kernkraftwerk Rheinsberg vorbei, dem ersten wirtschaftlich genutzten Kernkraftwerk auf deutschem Boden.
  • Neuglobsow erzählt eine Geschichte aus der Wendezeit: 1989 lehnten die Einwohner zunächst den Wahlvorschlag der Nationalen Front ab.

Anreise

Hin

Regionalbahn RB 12 ab Berlin Ostkreuz nach Löwenberg (Mark), dort weiter mit der RB 54 nach Rheinsberg (Mark) (VBB)

Zurück

RE 5 ab Fürstenberg (Havel) Richtung Berlin (VBB)

Takt

RB 54 alle zwei Stunden, RE 5 im Stundentakt zwischen Neustrelitz und Berlin

Abkürzen

Bus 839 ab Neuglobsow nach Fürstenberg (Havel), laut VBB alle zwei Stunden, auch am Wochenende (VBB)

Start und Ziel liegen an verschiedenen Strecken. Die Hinfahrt bestimmt den Tag: Die RB 54 fährt nur alle zwei Stunden, ein verpasster Anschluss in Löwenberg bedeutet also eine lange Wartezeit. Verbindungen suchst du am besten in der Fahrinfo des VBB oder über die Reiseauskunft der Deutschen Bahn.

Die Route

Die Tour hat drei Teile. Die ersten anderthalb Kilometer gehören Rheinsberg mit Park und Schloss. Danach läufst du rund 17 Kilometer durch Wald und an Seen entlang, vorbei am ehemaligen Kernkraftwerk und am Stechlinsee, bis Neuglobsow. Von dort geht es über Dagow und die Röblinsee-Siedlung nach Fürstenberg.

Rheinsberg: Bahnhof, Park und Schloss

Der Bahnhof Rheinsberg (Mark) liegt am Stadtrand, bis zum Schloss sind es knapp eineinhalb Kilometer. Ich bin von dort durch den Schlosspark gelaufen, in dem die Grabpyramide für Prinz Heinrich steht. Sie wurde 1800 und 1801 gebaut und nach der Restaurierung 2002 neu geweiht (SPSG). Heinrich war der jüngere Bruder Friedrichs des Großen und hat das Schloss ab 1744 bis zu seinem Tod 1802 geprägt.

Das Schloss selbst hat eine kurze, dichte Geschichte: 1734 kaufte König Friedrich Wilhelm I. das Anwesen für seinen Sohn, 1736 zog der Kronprinz mit Elisabeth Christine ein und baute hier bis 1740 einen Musenhof auf. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gestaltete Schloss und Garten um. 1744 schenkte Friedrich, inzwischen König, das Schloss seinem Bruder (SPSG, Reiseland Brandenburg).

Im Schloss sitzt außerdem das Kurt Tucholsky Literaturmuseum, benannt nach dem Autor der Novelle „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ von 1912 (taz). Rheinsberg ist zudem eine Töpferstadt: Das Keramikmuseum im ehemaligen Spritzenhaus erzählt über 260 Jahre Keramikgeschichte, und am zweiten Oktoberwochenende findet jedes Jahr der Töpfermarkt statt (Reiseland Brandenburg).

Durch den Wald nach Feldgrieben

Hinter Rheinsberg verschwinden Straßen und Häuser schnell. Nach etwa dreieinhalb Kilometern geht der Weg auf einen Spurplattenweg über, zwei Betonspuren mitten im Kiefernwald. Danach bleibt es beim Wald, vorbei an dem Weiler Paulshorst und an mehreren kleinen Seen links und rechts des Wegs.

Bei Feldgrieben, nach gut acht Kilometern, liegt in der Nähe der Wittwesee. Er gehört zum Naturschutzgebiet Stechlin und seit 2004 der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Sichttiefen bis zu sechs Meter machen ihn zu einem der klarsten Seen der Region, auf dem Seegrund wachsen Armleuchteralgen. Laut NABU rasten im Herbst Kraniche und Gänse in den flachen Buchten (NABU).

Am ehemaligen Kernkraftwerk

Zwischen Nehmitzsee und Stechlinsee liegt das ehemalige Kernkraftwerk Rheinsberg. Der Weg führt in einigen hundert Metern Abstand am Gelände vorbei. Das Werk ging am 9. Mai 1966 in Betrieb, mit einem sowjetischen Druckwasserreaktor von 70 Megawatt, und war das erste wirtschaftlich genutzte Kernkraftwerk auf deutschem Boden. Am 1. Juni 1990 wurde es abgeschaltet, 1995 begann der Rückbau, der bis heute läuft (EWN).

Zum Betrieb wurde Wasser aus dem Nehmitzsee entnommen, um etwa zehn Grad erwärmt und in den Stechlinsee geleitet, rund 300 Millionen Liter am Tag. Die Oberflächentemperatur des Stechlinsees stieg dadurch um etwa anderthalb Grad (Leibniz-Institut für Gewässerökologie). Besichtigungen im Betriebsteil Rheinsberg nennt die EWN auf ihrer Website.

Am Stechlinsee

Ab etwa Kilometer 15 läufst du am Stechlinsee. Er ist 4,25 Quadratkilometer groß und bis zu 69,5 Meter tief, gilt als Klarwassersee und steht seit 1938 unter Schutz. Im See lebt die Fontane-Maräne, ein Fisch, der nur hier vorkommt (Leibniz-Institut für Gewässerökologie). Der Weg führt durch Buchenwald, am Ufer wächst Schilf, und auf einem Baumstumpf am Weg saßen Pilze, die ich nicht bestimmt habe.

Um den See kreisen Geschichten. Die Sage vom Roten Hahn erzählt, dass aus der Tiefe ein roter, zorniger Hahn aufsteigt, wenn jemand dort fischt, wo er es nicht will. Der Fischer Minack kappt im Sturm das Seil und wird in die Tiefe gezogen. Theodor Fontane hörte die Sagen rund zwanzig Jahre vor seinem Roman und ließ den See in „Der Stechlin“ bei fernen Weltereignissen aufwallen. Das Dorf und das Schloss Stechlin hat er erfunden, den See gibt es wirklich (Deutsches Ärzteblatt).

Neuglobsow

Neuglobsow liegt zwischen Stechlinsee und Dagowsee. Das Dorf ist aus einer Glashüttensiedlung entstanden, die Fachwerkhäuser der Glasmacherfamilien stehen unter Denkmalschutz, ein Museum erzählt vom Handwerk (Reiseland Brandenburg). Die Adventskirche wurde 1951 und 1952 aus Feldstein auf dem Gelände des früheren Gutshauses der Glashüttenfamilie gebaut (Reiseland Brandenburg).

Neuglobsow ist nach den Kartendaten auch die einzige Stelle mit Einkehr zwischen Rheinsberg und Fürstenberg: Die Seite von Reiseland Brandenburg nennt das Restaurant Luisenhof, das Restaurant Fontanehaus, das Café Glasklar und einen Fischimbiss der Fischerei am Stechlinsee.

Die Wahl von 1989

Vor der Kommunalwahl am 7. Mai 1989 lehnten die Einwohner von Neuglobsow den Wahlvorschlag der Nationalen Front zunächst ab. Erst im zweiten Anlauf stimmten sie zu, nachdem drei Kandidaten, darunter der SED-Bürgermeister, ausgetauscht worden waren. Bei der Wahl selbst strichen viele Wähler einzelne Namen: Von 337 Wähler*innen stimmten nur 158 uneingeschränkt mit Ja, offiziell wurden 334 Ja-Stimmen gegen 4 Nein gezählt (Tagesspiegel). Die Berliner Zeitung nennt Neuglobsow die einzige Gemeinde in der Geschichte der DDR, die eine Liste der Nationalen Front ablehnte (Berliner Zeitung).

Dagow und Augustablick

Hinter Neuglobsow folgt der Weg dem Dagowsee. Dort sieht ein Baumstumpf aus wie ein Waldschrat: Jemand hat ihm ein Gesicht mit langem Bart ins Holz geschnitzt. Rund um den Dagowsee führt ein Skulpturen-Rundweg mit elf Holzskulpturen (Reiseland Brandenburg). Ob der Stumpf dazugehört, habe ich nicht herausgefunden.

In Dagow liegt in der Nähe des Wegs der Dorffriedhof mit „Metas Ruh“, einem Grab, das Fontane erwähnt (Reiseland Brandenburg). Bei Kilometer 22,7 kommt direkt am Weg der Aussichtspunkt Augustablick.

Röblinsee-Siedlung und Fürstenberg

Ab Kilometer 26 ändert sich die Gegend. Die Röblinsee-Siedlung entstand ab 1900 als Villenkolonie am Südufer des Sees (Chronik der Villa Liselotte). 1945 nahm die Rote Armee Fürstenberg ein und riegelte die Siedlung ab, später saß hier der Generalstab der 2. Garde-Panzerarmee. In der Kleinstadt waren einmal 25.000 sowjetische Soldaten stationiert, bis 1994 zogen sie ab. Vor dem früheren Generalstabssitz stand laut Tagesspiegel eine Lenin-Statue (Tagesspiegel), in den Kartendaten ist sie nahe dem Weg verzeichnet. Die frühere Militärfläche ist nach der Stadtführung der Tourist-Information heute unbewohnt, die Natur holt sie sich zurück, am Treffpunkt der Führungen steht ein Kriegsgräberdenkmal (Reiseland Brandenburg).

Fürstenberg liegt zwischen Seen und an der Havel. Der Altstadtrundgang der Stadt hat 21 Stationen, darunter das Barockschloss, das von 1741 bis 1752 als Witwensitz gebaut wurde, und die Stadtkirche (Stadt Fürstenberg/Havel). Die Kirche entstand von 1844 bis 1848 nach Plänen von Friedrich Wilhelm Buttel, einem Schinkel-Schüler, nachdem die Vorgängerkirche 1807 abgebrannt war. Der Turm aus hellem Backstein ragt weit über die Dächer (Reiseland Brandenburg).

Im Park am Bahnhof steht ein sowjetisches Ehrenmal, ein schmaler Turm mit Spitze und Gedenktafel. Der Park wurde von 2012 bis 2014 saniert (Stadt Fürstenberg/Havel). Der Bahnhof am Ende der Tour ist ein roter Bau mit Uhr über dem Eingang.

Nicht mehr Teil der Tour, aber ganz in der Nähe: 1939 ließ die SS im Dorf Ravensbrück bei Fürstenberg das größte Frauen-KZ auf deutschem Gebiet errichten. Zwischen 1939 und 1945 wurden dort etwa 120.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.200 Jugendliche registriert (Stadt Fürstenberg/Havel). Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück erinnert daran.

Gut zu wissen

  • Ich bin mit dem Track auf Komoot gelaufen. Orientiere dich am besten daran.
  • Die Tour ist mit 29,2 Kilometern lang. Einkehr gibt es in Rheinsberg, in Neuglobsow bei Kilometer 19 und in Fürstenberg. Dazwischen liegen soweit ich sehe rund 16 und rund 8 Kilometer ohne Anlaufpunkt, nimm Proviant und Wasser mit.
  • Wenn dir die Strecke zu lang ist, fährst du ab Neuglobsow mit dem Bus 839 nach Fürstenberg. Laut VBB fährt er alle zwei Stunden, auch am Wochenende, die Meldung stammt von 2023, prüfe die Verbindung vorher (VBB).
  • Die Stadtkirche Fürstenberg ist laut Reiseland Brandenburg von Mai bis Oktober ganztägig geöffnet, die Adventskirche in Neuglobsow von Mai bis September. Öffnungszeiten und Eintritt für das Schloss Rheinsberg erfragst du bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.
  • Zum ehemaligen Kernkraftwerk bietet die EWN kostenlose Führungen nach Anmeldung an, laut Reiseland mittwochs, ab 14 Jahren und mit Ausweis, Stand 2023 (Reiseland Brandenburg, EWN). Zur Röblinsee-Siedlung bietet die Tourist-Information Fürstenberg Führungen an (Reiseland Brandenburg).

Fazit

Die Tour verbindet zwei Schlossstädte durch das Seengebiet rund um den Stechlinsee. Unterwegs liegen das Schloss Rheinsberg, das ehemalige Kernkraftwerk, der See aus Fontanes Roman, eine Geschichte aus der Wendezeit und ein früherer Standort der sowjetischen Armee. Zwischen Rheinsberg und Neuglobsow gibt es rund 16 Kilometer ohne Einkehr, vor Fürstenberg noch einmal rund 8. Wer kürzen will, nimmt ab Neuglobsow den Bus 839.

Mehr Touren aus der Region findest du unter Ruppiner Seenland, alle Brandenburger Touren stehen auf der Seite Wandern in Brandenburg.

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