Tour im Seenland Oder-Spree · Alle Touren und Wege
Philadelphia liegt in Brandenburg, ein paar Kilometer westlich von Storkow, und du kannst zu Fuß hingehen. Die Tour beginnt am Bahnhof von Bad Saarow, führt ein Stück am Scharmützelsee entlang, am Hof Marienhöhe vorbei und zwischen den Kolpiner Seen hindurch zur Binnendüne Waltersberge. Hinter Storkow folgen Salzwiesen, das Dorf mit dem amerikanischen Namen und der alte Treidelweg am Storkower Kanal. Knapp 21 Kilometer, fast ohne Steigung, für alle, die gern lange gehen und unterwegs auf Geschichten stoßen wollen.
Ich bin die Strecke am 23. Juni 2024 gegangen, in Komoot heißt sie bei mir „It’s always sunny in Philadelphia“. Start und Ziel sind Bahnhöfe, und nach knapp 15 Kilometern kommst du am Bahnhof von Storkow vorbei. Wer nicht die ganze Strecke gehen will, kann die Tour dort beenden. Die Burg Storkow und der jüdische Friedhof liegen nicht direkt am Weg, aber nah genug für einen Abstecher.
Inhalt dieser Tour
- Steckbrief
- Darum lohnt sich die Tour
- Anreise
- Die Route
- Bad Saarow: Bahnhof, Gorki-Haus und altes Moorbad
- Am Scharmützelsee: Kurpark und Kurfürstensteg
- Hof Marienhöhe
- Neu Reichenwalde und die Kolpiner Seen
- Hirschluch und die Binnendüne Waltersberge
- Storkow: See, jüdischer Friedhof und Markt
- Durch die Luchwiesen nach Philadelphia
- Auf dem Treidelweg nach Kummersdorf
- Am Wegesrand
- Gut zu wissen
- Fazit
Steckbrief
Strecke
20,8 km
Gehzeit
4:05 h
Schwierigkeit
mittel
Art
Streckentour, einfach
Start
Bahnhof Bad Saarow
Ziel
Bahnhof Kummersdorf (bei Storkow)
ÖPNV
RE 1 bis Fürstenwalde (Spree), dann RB 35 bis Bad Saarow, zurück ab Kummersdorf mit der RB 36
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Streckenband
- Kilometer 0Bahnhof Bad SaarowStart · RB 35
- Kilometer 1,21Kurpark am ScharmützelseeKurfürstensteg und Uferpromenade
- Kilometer 42Hof Marienhöhebiologisch-dynamisch seit 1928
- Kilometer 6,73Kleiner Kolpiner See
- Kilometer 7,44Kolpin
- Kilometer 10,45HirschluchJugendbildungsstätte im Wald
- Kilometer 11,26Binnendüne WaltersbergeDüne über dem Storkower See
- Kilometer 12,77Storkower SeeStrandbad und Steg
- Kilometer 13,98Storkow, MarktBurg rund 300 m abseits
- Kilometer 16,19LuchwiesenSalzwiesen im Binnenland
- Kilometer 16,710Philadelphiafrüher Hammelstall
- Kilometer 18,311Treidelweg am Storkower Kanalrund 2,5 km am Wasser entlang
- Kilometer 19,612Schleuse KummersdorfSelbstbedienungsschleuse
- Kilometer 20,8Bahnhof KummersdorfZiel · RB 36
Darum lohnt sich die Tour
- Eine Düne ohne Meer: Die Binnendüne Waltersberge liegt mitten im Kiefernwald über dem Storkower See.
- Salzwiesen im Binnenland: In den Luchwiesen wachsen Pflanzen, die sonst an der Küste stehen.
- Viel Geschichte auf einer Strecke: ein geplanter Kurort, ein Demeter-Hof von 1928, ein Kolonistendorf namens Philadelphia und ein Kanal aus der Zeit Friedrichs II.
- Start und Ziel liegen am Bahnsteig, und in Storkow kannst du abkürzen.
Anreise
Von Berlin fährst du mit dem RE 1 bis Fürstenwalde (Spree) und steigst dort in die RB 35 um, die im Stundentakt nach Bad Saarow fährt. Die Tour beginnt direkt vor dem Bahnhofsgebäude.
Zurück geht es vom Haltepunkt Kummersdorf (bei Storkow) mit der RB 36 nach Königs Wusterhausen, dort hast du Anschluss nach Berlin. Auch diese Linie fährt stündlich. Dieselbe Bahn hält in Storkow, falls du die Tour dort beendest.
Die Route
Die Wanderung hat vier Teile: den Kurort am See, den Wald mit den Kolpiner Seen und der Düne, die Stadt Storkow und zum Schluss die Wiesen und den Kanal bei Philadelphia. Eine durchgehende Markierung gibt es nicht. Auf einigen Abschnitten begleitet dich der blaue Punkt des 66-Seen-Wanderwegs, hinter Storkow der Salzweg. Am einfachsten gehst du mit dem Track aus Komoot.
Bad Saarow: Bahnhof, Gorki-Haus und altes Moorbad
Die Tour beginnt an einem Bahnhof, der selbst schon eine Sehenswürdigkeit ist. Das Gebäude mit dem Fachwerkturm und den langen Kolonnaden entstand 1911 im Heimatstil, entworfen vom Architekten Emil Kopp. Im selben Jahr bekam der Ort seine Bahnverbindung nach Fürstenwalde und Berlin. Heute sitzen im Bahnhof die Tourist-Information und im Obergeschoss eine Ausstellung zur Ortsgeschichte.

Dass ein so kleiner Ort einen so großen Bahnhof hat, liegt an seiner Entstehung. Bad Saarow ist kein gewachsenes Dorf, sondern ein Projekt. 1905/06 kaufte die Berliner Landbank AG die Güter Saarow und Pieskow und beauftragte den Gartenarchitekten Ludwig Lesser, daraus eine Landhaussiedlung zu machen. 1906 stand das erste Holzhaus, 1908 folgten Wasserturm und Elektrizitätswerk. 1912 wurde in den Wiesen Heilmoor gefunden, 1914 ging das Moorbad in Betrieb, und 1923 kam die amtliche Anerkennung als Kurbad. Seitdem heißt der Ort Bad Saarow.
Vom Bahnhof gehe ich durch die Ulmenstraße und die Seestraße Richtung See. Gleich am Anfang steht zwischen Kiefern ein schwarzes Blockhaus mit roten Zierleisten und grünen Fensterläden. Es ist das sogenannte Gorki-Haus, mehr dazu unten unter Am Wegesrand. Ein paar Schritte weiter folgt ein weißer Bau mit rundem Mittelteil und Säulengängen: das frühere Moorbad. Heute heißt es SaarowCentrum, drinnen sind Bibliothek, Büros, Ausstellungen und das Trauzimmer des Standesamts. Gegenüber steht das frühere Wasser- und Elektrizitätswerk mit seinem Wasserturm.


Am Scharmützelsee: Kurpark und Kurfürstensteg
Nach knapp einem Kilometer stehe ich am Wasser. Der Scharmützelsee ist rund zehn Kilometer lang und nach dem Schwielochsee der zweitgrößte natürliche See Brandenburgs. Den Beinamen Märkisches Meer führt die Gemeinde auf Theodor Fontane zurück, der 1881 hier war, als es am Ufer noch keinen Kurort gab.
Der Uferweg heißt nach dem Planer des Ortes Ludwig-Lesser-Promenade. Lesser hat 1910 auch den Kurpark entworfen, in dem die Promenade beginnt. Fast ein halbes Jahrhundert lang war hier allerdings kein Durchkommen: Nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 wurde das Gelände zur Sperrzone, erst 1994 räumten die Truppen den Kurpark.


Ein Holzsteg führt durchs Schilf ein Stück auf den See hinaus, in der Karte heißt er Kurfürstensteg. Dahinter kommt das Seebad mit seiner langen Reihe weißer Kabinentüren. Dann biegt die Route vom Ufer ab und verlässt den Ort über die Lindenstraße und die Kolpiner Straße.

Hof Marienhöhe
Die Kolpiner Straße führt aus dem Ort hinaus, und nach vier Kilometern stehe ich vor dem Hof Marienhöhe. Der Hof wird seit 1928 nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet: Ackerbau, Milchvieh, Schweine, Gartenbau, dazu eine Käserei und eine Bäckerei.
Am 1. Januar 1928 übernahm der Landwirt Erhard Bartsch das frühere Vorwerk, um hier die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise vorzuführen. Bis zum Kriegsende war Marienhöhe ein wichtiges Zentrum der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, im selben Jahr 1928 wurde auch das Demeter-Warenzeichen eingeführt. Der älteste Hof dieser Art ist Marienhöhe nicht, aber einer der ältesten, die bis heute so arbeiten.
Erstaunlich ist, dass der Hof die DDR überstanden hat. Bartsch hatte die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen und war 1950 nach Österreich gezogen. Als österreichischer Besitz wurde Marienhöhe nicht enteignet. Der Hof war nach Darstellung des Bundesportals Ökolandbau wahrscheinlich der einzige privat geführte Bio-Betrieb der DDR. Mineraldünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel kamen auch in dieser Zeit nicht aufs Feld. 1991 schenkten Bartschs Erb*innen den Hof einem Verein, heute bewirtschaftet ihn eine Hofgemeinschaft. Die größte Schwierigkeit ist geblieben: die sehr leichten Sandböden.
Im Hofladen gibt es unter anderem Brot, Käse, Wurst, Gemüse und Honig. Für eine erste Pause liegt er günstig, ein Fünftel der Strecke ist hier geschafft.
Neu Reichenwalde und die Kolpiner Seen
Hinter Marienhöhe wird die Straße zum Marienhöher Weg und führt nach Neu Reichenwalde. Unterwegs hängt an einer Kiefer ein ganzer Stapel Wegweiser: Kolpin, Bad Saarow, Neu Reichenwalde, Rauen, Petersdorf und die Markgrafensteine mit ihrem Aussichtsturm. Der blaue Punkt darüber gehört zum 66-Seen-Wanderweg, dem ich auf dieser Tour immer wieder begegne. Die Markgrafensteine, nach Angaben des Tourismusverbands die größten Findlinge Brandenburgs, liegen in den Rauener Bergen abseits dieser Route.

Dann geht es zwischen dem Großen und dem Kleinen Kolpiner See hindurch. Der Kleine liegt direkt am Weg, der Große knapp 200 Meter nördlich. In Kolpin endet der Asphalt. Ab hier laufe ich auf Sand- und Schotterwegen durch Felder und Wald Richtung Storkow.

Hirschluch und die Binnendüne Waltersberge
Nach gut zehn Kilometern taucht im Wald Hirschluch auf, eine evangelische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte mit Gästehäusern, Kapelle und Weiher auf einem parkartigen Gelände. Ab hier ist der blaue Punkt wieder da.
Kurz dahinter wird der Weg sandig, und dann stehe ich auf einer Düne. Die Binnendüne Waltersberge ist eine offene Sandfläche mitten im Kiefernwald. Sie erhebt sich bis zu 32 Meter über den Storkower See, das Naturschutzgebiet drumherum ist 14 Hektar groß. Manche Tourismusseiten nennen 36 Meter, ich halte mich an den Naturpark.

Sand, Trockenrasen und lichte Kiefern prägen das Gebiet, in einem Naturschutzprojekt wurden die offenen Flächen erweitert. Vom höchsten Punkt geht der Blick zwischen den Kiefern hinunter auf den Storkower See. Ich habe hier Pause gemacht.
Storkow: See, jüdischer Friedhof und Markt
Von der Düne geht es hinunter zur Reichenwalder Straße und auf ihr nach Storkow hinein. Rund 60 Meter abseits, auf einer leichten Anhöhe, liegt der jüdische Friedhof. Hinter einem schmiedeeisernen Tor mit Davidstern und Menora sind etwas mehr als 90 Grabsteine erhalten, die meisten umgestürzt. Der älteste erinnert an den Kaufmann Liepmann Lewin, gestorben 1836, der jüngste erhaltene an Hermann Groß, gestorben 1928.
Die jüdische Gemeinde von Storkow war nie groß. Um 1860 zählte sie 82 Personen, 1938 lebten noch neun Jüdinnen und Juden in der Stadt. Wer nicht fliehen konnte, wurde deportiert und ermordet. 1942 gab es in Storkow keine jüdischen Einwohner*innen mehr.
Am Ende der Straße liegt der Große Storkower See mit dem Strandbad, das es seit 1891 gibt. Ein Holzsteg führt durchs Schilf aufs Wasser, fast ein Zwilling des Stegs vom Anfang der Tour.

Über die Seestraße und die Friedrich-Engels-Straße komme ich in die Altstadt. Über den Storkower Kanal führt eine hölzerne Klappbrücke nach holländischem Vorbild. Die erste wurde 1746 gebaut, die heutige ist eine Rekonstruktion. Wer mit dem Boot durch will, öffnet sie von Hand. Gleich dahinter steht die Stadtkirche. Eine Kirche ist hier seit 1346 belegt, mehrfach wurde sie bei Stadtbränden zerstört. Der heutige neugotische Ziegelbau entstand zwischen 1859 und 1864 auf einem Sockel aus Feldstein, der Turm kam 1895/96 dazu. Er war einmal 54 Meter hoch, seit dem Umbau nach dem Zweiten Weltkrieg sind es 36.

In der Kirchstraße hatte die jüdische Gemeinde seit 1850 ihre Synagoge, im Erdgeschoss eines Hauses. Am Markt liegt ein Stolperstein für den Kaufmann Felix Todtenkopf, dessen Textilgeschäft am 9. November 1938 verwüstet wurde. Der Familie gelang 1940 die Flucht über Shanghai in die USA. Zwei weitere Steine erinnern am Markt 16 an Else Groß und Erna Kaplan, die deportiert und ermordet wurden.
Die Burg Storkow liegt rund 300 Meter abseits der Route. Die Anlage brannte 1978 aus, wurde ab 1998 wieder aufgebaut und beherbergt heute unter anderem die Tourist-Information und das Besucherzentrum des Naturparks Dahme-Heideseen. Ich bin am Markt weitergegangen, über die Rudolf-Breitscheid-Straße und die Ernst-Thälmann-Straße am Bahnhof vorbei. Wer genug hat, steigt hier in die RB 36.
Durch die Luchwiesen nach Philadelphia
Hinter dem Bahnhof endet die Stadt schnell. Über die Lebuser Straße erreiche ich den Luchweg, einen Grasweg, der knapp zwei Kilometer durch die Niederung führt. Er gehört zum Salzweg, einem 8,5 Kilometer langen Rundweg des Naturparks, dessen erste Infotafel am Bahnhof Storkow steht.
Links und rechts liegen die Luchwiesen, ein Naturschutzgebiet, das mehr zu bieten hat, als man ihm ansieht. Mehr dazu steht unten unter Am Wegesrand.
Am Ende der Wiesen stehen die ersten Häuser von Philadelphia. Der Ort ist ein Straßendorf mit rund 250 Einwohner*innen. Woher der Name kommt, steht ebenfalls weiter unten. Über die Hauptstraße und die Kanalstraße komme ich an den Storkower Kanal.
Auf dem Treidelweg nach Kummersdorf
Der Storkower Kanal ist rund neun Kilometer lang und wurde 1745/46 unter Friedrich II. gebaut. Er schuf eine Wasserverbindung über die Dahme nach Berlin, für die Holzflößerei und den Warentransport. An der Kanalstraße liegen heute Bootswerften und ein Anleger, direkt am Wasser steht ein zugewachsener Altbau mit zwei Türmen.

Ab hier laufe ich auf dem Treidelweg. Rund drei Kilometer führt er am Wasser entlang nach Kummersdorf, erst gepflastert, dann als Pfad. Der Name erinnert an die Zeit, als Lastkähne vom Ufer aus gezogen wurden, von Menschen oder Zugtieren. Fracht auf dem Wasser zu bewegen war bequemer als über die sandigen Landwege.

Kurz vor dem Ziel kommt die Schleuse Kummersdorf. Sie stammt aus den 1860er Jahren. Die Kammer ist 34,25 Meter lang und 5,31 Meter breit, der Höhenunterschied beträgt gut einen Meter. Gebaut wurde sie für Holztransporte, heute schleusen sich hier vor allem Sportboote selbst. In Kummersdorf gibt es außerdem ein denkmalgeschütztes Schleusenwärterhäuschen aus Backstein und einen geschützten Maulbeerbaum, der an die frühere Seidenraupenzucht erinnert.
Kummersdorf selbst wurde 1442 erstmals erwähnt, als Dorf mit einer Mühle. Um 1900 entdeckten Berliner*innen den Ort als Ausflugsziel und bauten sich Villen. Über die Straße der Jugend und die Bahnhofstraße ist es noch gut ein Kilometer bis zum Haltepunkt, an dem die Tour endet.
Am Wegesrand
Drei Dinge am Weg, die einen zweiten Blick lohnen.
Das Gorki-Haus, in dem Gorki nie war
Das schwarze Blockhaus mit den roten Zierleisten steht an der Ulmenstraße, ein paar Minuten vom Bahnhof Bad Saarow. Der jüdische Bankier Kurt Landsberg ließ es nach dem Ersten Weltkrieg aus skandinavischen Holzelementen bauen und nannte es Villa Putti, nach dem Kosenamen seiner Tochter.
Bekannt wurde es unter einem anderen Namen. Am 19. Dezember 1972 wurde hier eine Gedenkstätte für den Schriftsteller Maxim Gorki eröffnet, der 1922/23 in Saarow gewesen war. In diesem Haus war er allerdings nie.
1997 wurde die Gedenkstätte geschlossen, nachdem die Erbengemeinschaft der Familie das Haus zurückgefordert hatte. Heute ist es in Privatbesitz und heißt wieder Villa Putti.

Salz ohne Meer: die Luchwiesen
Die Wiesen zwischen Storkow und Philadelphia sehen aus wie viele andere in Brandenburg. Unter ihnen steht aber salzhaltiges Grundwasser, und deshalb wachsen hier Pflanzen, die sonst an der Küste zu Hause sind. Der Naturpark nennt als Beispiel die Strand-Aster, die in den Luchwiesen ein Inselvorkommen hat.
Das Schutzgebiet ist gut 100 Hektar groß. Zusammen mit den Marstallwiesen und den Niederungen um die Groß Schauener Seen bildet es einen besonders wertvollen, großräumigen Komplex von Binnensalzstellen. Für Wat- und Wasservögel ist es außerdem Brut- und Rastgebiet.

Hammelstall heißt jetzt Philadelphia
1713 wird der Ort zum ersten Mal erwähnt, unter dem Namen Hammelstall. 1775 werden eine Schäferei, einige Kolonistenhäuser und neun Büdner genannt, 1792 heißt die Siedlung dann Philadelphia. Die Stadt Storkow hält sie für eine Kolonistensiedlung aus der Zeit Friedrichs II.
Warum ausgerechnet Philadelphia, erklärt die Stadt nicht. Die regionale Überlieferung erzählt es so: Um Auswanderungswillige zum Bleiben zu bewegen, wies man ihnen Land zu, und die neuen Dörfer bekamen amerikanische Namen. Nach einer anderen Fassung wollte Friedrich II. mit dem Namen die neue Welt in sein Land holen. In der Nähe gibt es tatsächlich auch ein Neu Boston. Sicher belegt sind nur die Jahreszahlen.
Die Freiwillige Feuerwehr hat den Namen in geschwungener Schrift an ihr Gerätehaus geschrieben, darunter das Gründungsjahr 1934.

Gut zu wissen
- Die Strecke ist fast eben. Bis Kolpin läufst du fast durchgehend auf Asphalt und Pflaster, danach auf Sand-, Schotter- und Waldwegen bis zur Düne. In Storkow folgt wieder Pflaster, durch die Luchwiesen ein Grasweg, am Kanal Pflaster, Schotter und Erde.
- Eine durchgehende Markierung gibt es nicht. Am einfachsten gehst du mit dem Track aus Komoot.
- Du kannst abkürzen: Der Bahnhof Storkow (Mark) liegt nach knapp 15 Kilometern rund 150 Meter neben der Route, die RB 36 hält dort ebenfalls.
- Einkehren und einkaufen kannst du im Hofladen auf Marienhöhe, in Bad Saarow und in der Storkower Altstadt. Auf den Waldabschnitten gibt es nichts, nimm genug Wasser mit.
- Eine öffentliche Toilette gibt es am Bahnhof Bad Saarow.
- Baden kannst du unterwegs zweimal: am Seebad in Bad Saarow und am Strandbad in Storkow, beide liegen direkt am Weg.
- Binnendüne und Luchwiesen sind Naturschutzgebiete. Bleib dort auf den Wegen.
- Der jüdische Friedhof liegt rund 60 Meter neben der Route an der Reichenwalder Straße, die Burg Storkow rund 300 Meter abseits in der Altstadt.
Fazit
Die Tour hat kein einzelnes großes Ziel, dafür alle paar Kilometer eine Überraschung: einen Kurort vom Reißbrett, einen Hof, der die DDR als Biobetrieb überstanden hat, eine Düne im Wald, Salzwiesen ohne Meer und ein Dorf, das Philadelphia heißt. Die Landschaft wechselt vom Seeufer über Kiefernwald zu offenen Wiesen und endet am Wasser. Mir hat gerade diese Mischung gefallen. Wer weniger gehen will, steigt in Storkow in den Zug und hebt sich Philadelphia für ein anderes Mal auf.
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