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Von Peenemünde nach Zinnowitz: Kraftwerk, Sperrgebiet und Ostseestrand

Breiter Sandstrand zwischen Karlshagen und Trassenheide, flache Wellen laufen auf den Sand

Tour auf Usedom · Alle Touren und Wege

Am Bahnhof Peenemünde endet die Bäderbahn, und hier beginnt diese Tour: am Kraftwerk der früheren Versuchsanstalten vorbei, über den Flughafenring durch altes Sperrgebiet, durch Kiefernwald an die Ostsee und dann lange am Strand entlang bis Zinnowitz. Es sind 22 Kilometer mit zwei sehr verschiedenen Hälften.

Der Norden Usedoms war von 1936 bis zum Ende der DDR militärisches Sperrgebiet. Am Weg stehen Infotafeln, Ruinen und der Ort eines KZ-Außenlagers. Ab dem Strand ist es eine Ostseewanderung durch die Seebäder Karlshagen, Trassenheide und Zinnowitz. Dem Kraftwerk und der Geschichte der Versuchsanstalten habe ich einen eigenen Beitrag gewidmet.

Inhalt dieser Tour

Strecke

22,1 km

Gehzeit

4:49 h

Schwierigkeit

mittel

Art

Streckentour, einfach

Start

Bahnhof Peenemünde

Ziel

Bahnhof Zinnowitz

ÖPNV

RB 24 (Usedomer Bäderbahn) bis Peenemünde, zurück ab Zinnowitz mit RB 23 oder RB 24

Karte: Wanderung von Peenemünde über Karlshagen und Trassenheide nach ZinnowitzStreckenwanderung im Norden der Insel Usedom vom Bahnhof Peenemünde am Kraftwerk vorbei, über den Flughafenring zur Ostsee, am Strand und durch Karlshagen und Trassenheide zum Bahnhof Zinnowitz, 22,1 km, mit zehn nummerierten Orten. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung.12345678910Start: PeenemündeZiel: Zinnowitz1 km
Vom Bahnhof Peenemünde zum Bahnhof Zinnowitz, 22,1 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die Nummern stehen im Streckenband. Gestrichelt: die Strecken der Usedomer Bäderbahn.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Streckenband

  1. Kilometer 0Bahnhof PeenemündeStart · RB 24
  2. Kilometer 1,11Kraftwerk PeenemündeMuseum, davor die Kapelle
  3. Kilometer 4,12Flugplatz PeenemündeFlughafenring
  4. Kilometer 5,83KZ-Arbeitslager Karlshagen IFundamentreste und Infotafel
  5. Kilometer 6,84Hauptwache der VersuchsanstaltRuine im Wald
  6. Kilometer 7,65Peenemünder HakenNaturschutzgebiet seit 1925
  7. Kilometer 9,56Strandrund 2,5 km am Wasser entlang
  8. Kilometer 11,17Karlshagen, Strandpromenade
  9. Kilometer 12,38Bahnhof Karlshagenrund 100 m neben der Route
  10. Kilometer 17,59Trassenheide, Stranddavor rund 3 km am Strand
  11. Kilometer 20,910Zinnowitz, Seebrücke
  12. Kilometer 22,1Bahnhof ZinnowitzZiel · RB 23 und RB 24
Kilometer gerundet, aus dem Track abgeleitet.

Darum lohnt sich die Tour

  • Start am Kraftwerk der früheren Versuchsanstalten, Ziel im Seebad: Der Gegensatz zwischen beiden Hälften macht diese Tour aus.
  • Der Flughafenring führt durch altes Sperrgebiet. Mehrere Stationen der Denkmal-Landschaft Peenemünde liegen direkt am Weg.
  • Gut fünf Kilometer läufst du direkt am Ostseestrand.
  • Start und Ziel sind Bahnhöfe, dazwischen liegt der Bahnhof Karlshagen an der Route: Du kannst die Tour teilen oder abkürzen.

Anreise

Start und Ziel liegen an der Usedomer Bäderbahn. Die RB 24 fährt von Zinnowitz über Trassenmoor und Karlshagen nach Peenemünde, dort ist Endstation. Nach Zinnowitz kommst du mit der RB 23, aus Berlin mit dem RE 3 Richtung Stralsund bis Züssow und von dort mit der Bäderbahn.

Die Tour endet am Bahnhof Zinnowitz, wo RB 23 und RB 24 halten. Unterwegs liegt der Bahnhof Karlshagen direkt an der Route.

Die Route

Vom Bahnhof geht es erst nach Westen zum Kraftwerk, dann im weiten Bogen nach Norden und Osten um den Flugplatz herum und schließlich an der Küste entlang nach Südosten. Bis Kilometer 7 laufe ich auf Asphalt, danach auf Sandwegen durch den Wald. Zweimal geht es für zweieinhalb bis drei Kilometer direkt an den Strand, dazwischen und danach über Promenaden und Waldwege durch die drei Seebäder.

Peenemünde: Bahnhof, Kapelle und Kraftwerk

Vom Bahnhof laufe ich die Bahnhofstraße hinunter. Nach 250 Metern steht eine kleine Fachwerkkapelle am Weg, daneben ein Gedenkstein für den Schwedenkönig Gustav II. Adolf. Zu beiden steht unten bei Am Wegesrand mehr.

Über die Museumstraße komme ich zum Kraftwerk. Der Backsteinbau mit den drei Schornsteinen ist das einzige große Gebäude, das von den Peenemünder Versuchsanstalten vollständig erhalten blieb. Von 1936 bis 1945 wurden hier die Rakete Aggregat 4 und die Flugbombe Fi 103 entwickelt, bekannter als V2 und V1. Heute ist das Kraftwerk Sitz des Historisch-Technischen Museums.

Ich habe mir das Freigelände, das Kesselhaus und den Blick vom Dach angesehen. Was es dort zu sehen gibt und was in Peenemünde geschah, steht im Beitrag Peenemünde: Das Kraftwerk und das Gelände der Versuchsanstalten.

Hinter dem Kraftwerk komme ich an der Bunkerwarte vorbei, in der 1991 das erste Informationszentrum eröffnete, dann an der Phänomenta und am Spielzeugmuseum. Danach liegt der Ort hinter mir.

Über den Flughafenring

Der Flughafenring ist eine schmale Asphaltstraße. Sie führt im weiten Bogen um den Flugplatz herum, erst nach Norden, dann nach Osten. Gut vier Kilometer bleibe ich darauf.

Das Gelände gehört zur Denkmal-Landschaft Peenemünde. Seit 2007 führt sie zu 23 Stationen der früheren Versuchsanstalten, mehrere davon liegen direkt an dieser Straße. Große Teile der Flächen ringsum sind bis heute mit Munition belastet. Die Wege zu verlassen ist deshalb keine gute Idee.

Bei Kilometer 4 liegt der Flugplatz Peenemünde neben der Straße. Er ging im April 1938 als Teil der Erprobungsstelle der Luftwaffe in Betrieb. Nach dem Krieg wurde er gesprengt, später wieder hergerichtet und bis 1990 von Jagdfliegern der NVA genutzt. Heute starten hier Rundflüge und Bustouren über das frühere Militärgelände. Am Rand stehen zwei ausgemusterte Militärflugzeuge, eines davon ist eine MiG-21.

Lager, Haltepunkt und Hauptwache

Bei Kilometer 5,8 erreiche ich den Ort des KZ-Außenlagers Karlshagen I. Es gehörte zum KZ Ravensbrück. Nach heutigem Forschungsstand wurden ab 1943 rund 2.000 Häftlinge hierher gebracht und im Sperrgebiet der Luftwaffe zur Arbeit gezwungen. Mindestens 253 von ihnen wurden bis Kriegsende getötet.

Am 8. Februar 1945 gelang zehn sowjetischen Häftlingen des Lagers die Flucht in einem deutschen Bomber, am Steuer saß der Pilot Michail Dewjatajew. Seit dem 8. Mai 2026 erinnert an dieser Stelle eine Gedenkstätte mit fünf Text- und Bildtafeln an das Lager. Sie nennt auch die Namen der Häftlinge.

Ein Stück weiter folgen zwei weitere Stationen: der Bahnsteig des Haltepunkts Werk Ost, an dem die Werkbahn aus Zinnowitz hielt, und die Reste der Hauptwache der Heeresversuchsanstalt. Hinter der Hauptwache endet der Asphalt.

Im Wald steht gleich danach ein verfallener Flachbau mit Schornstein, offen und besprüht. Wozu er einmal diente, habe ich nicht herausgefunden.

Durch den Wald an die Ostsee

Der Weg ist jetzt ein breiter Sandweg durch lichten Kiefernwald. Eine Infotafel erklärt den Peenemünder Haken, die Nordspitze Usedoms, die seit 1925 unter Naturschutz steht. Auch dazu steht unten bei Am Wegesrand mehr.

Nach anderthalb Kilometern wird der Wald höher und der Weg schmaler. Dann kommen die ersten Dünen, und zwischen den Kiefern liegt die Ostsee.

Am Strand nach Karlshagen

Bei Kilometer 8,6 stehe ich am Wasser. Die nächsten zweieinhalb Kilometer laufe ich direkt am Strand nach Südosten. Vor dem Ufer liegen Sandbänke, auf denen Möwen sitzen, hinter dem Strand steht der Küstenwald.

Am leichtesten läuft es sich auf dem nassen, festen Sand am Spülsaum. Trotzdem geht Strandwandern in die Beine, und Schatten gibt es keinen.

Karlshagen

An der Strandpromenade von Karlshagen gehe ich vom Strand hoch in den Ort. Karlshagen wurde 1829 als Fischerkolonie gegründet und war ab 1885 Seebad. 1936 endete der Badebetrieb: Für die Beschäftigten der Versuchsanstalten entstand hier eine große Wohnsiedlung, die Strandkolonie wurde beschlagnahmt. Beim Luftangriff in der Nacht zum 18. August 1943 wurde ein großer Teil des Ortes zerstört. Staatlich anerkanntes Seebad ist Karlshagen erst seit 2001 wieder.

Mein Weg führt über die Hugo-Elsner-Straße, die Straße der Freundschaft und die Straße Am Maiglöckchenberg zur Strandstraße. Hier liegt der Bahnhof Karlshagen nur rund 100 Meter neben der Route. Wer abkürzen will, steigt hier in die RB 24.

Abseits der Route liegt am Friedhof die Mahn- und Gedenkstätte Karlshagen. Sie erinnert an die Zwangsarbeiter*innen und KZ-Häftlinge der Versuchsanstalten und an die Opfer der Luftangriffe.

Über die Strandstraße komme ich zurück an die Küste. Die Promenade läuft hier noch gut einen Kilometer hinter der Düne entlang, am Dünencamp vorbei.

Am Strand nach Trassenheide

Am Ende der Promenade führt ein Sandweg zwischen den Kiefern hindurch wieder an den Strand.

Bis Trassenheide sind es knapp drei Kilometer am Wasser. Hier stehen die ersten Strandkörbe.

Trassenheide hieß bis 1908 Hammelstall. Die Kolonie wurde 1823 für Heringsfischer gegründet, auf Land der Domäne Mölschow, wo vorher ein Unterstand für Schafe stand. Im Zweiten Weltkrieg lag hier ein Lager für die Zwangsarbeiter*innen der Versuchsanstalten. Beim Luftangriff im August 1943 starben dort rund 700 Menschen, weil eine Zielmarkierung falsch gesetzt war.

An der Kurmuschel verlasse ich den Strand und gehe über die Strandstraße und die Zeltplatzstraße am Campingplatz vorbei. Der nächste Halt der RB 24 ist Trassenmoor, gut 600 Meter abseits.

Zinnowitz

Hinter dem Campingplatz führt ein fester Waldweg unter Kiefern nach Zinnowitz.

Ab Kilometer 20 laufe ich auf der Strandpromenade, an der Bernsteintherme vorbei zur Seebrücke. Zinnowitz wird 1309 als Tzys zum ersten Mal erwähnt. Im Juni 1851 genehmigte der Swinemünder Landrat den Badebetrieb. 1953 wurden in der „Aktion Rose“ zahlreiche Hotels, Villen und Ferienhäuser enteignet, Zinnowitz wurde zum Ferienort für die Beschäftigten des Uranbergbaus der Wismut.

Am Kurpark mit der Konzertmuschel biege ich vom Wasser ab und laufe durch den Ort zum Bahnhof. Bis Zinnowitz fuhr von 1943 bis 1946 auch die Werkbahn der Versuchsanstalten.

Am Wegesrand

Zwei Dinge am Weg, die einen zweiten Blick lohnen.

Die Kapelle von Peenemünde

Der achteckige Fachwerkbau steht am Eingang zum Friedhof, 250 Meter hinter dem Bahnhof. Baumeister Friedrich Kräger errichtete ihn 1876 als Friedhofskapelle. Beim Luftangriff 1943 wurde die Kapelle fast vollständig zerstört. 1993 beschloss die Kirchengemeinde den Wiederaufbau, der ein kompletter Neubau nach historischem Vorbild wurde. Heute ist sie Gedenkstätte für die Opfer der NS-Zeit. Auf dem Vorhof hängt eine gestiftete Glocke mit der Inschrift „Selig sind die Friedfertigen“.

Nahe der Friedhofsmauer wurde 1968 ein Massengrab mit den Überresten von 56 Zwangsarbeitern gefunden. Neben der Kapelle steht außerdem ein Gedenkstein für Gustav II. Adolf: Der schwedische König landete 1630 bei Peenemünde und griff von hier aus in den Dreißigjährigen Krieg ein. Der Stein wurde 1930 zum 300. Jahrestag gesetzt.

Der Peenemünder Haken

Die Nordspitze Usedoms ist flach, nass und kaum bewohnt. Seit 1925 steht sie unter Naturschutz, heute als Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden. Es ist knapp 8.000 Hektar groß, der größte Teil davon ist Wasser. 120 Brutvogelarten und 250 Zug- und Gastvogelarten wurden hier nachgewiesen.

Dass das Gebiet so ungestört blieb, hat auch mit seiner Geschichte zu tun: Jahrzehntelang war die Halbinsel militärisches Sperrgebiet. Betreten darfst du das Schutzgebiet nur auf den markierten Wegen, Hunde dürfen nicht frei laufen.

Gut zu wissen

  • Die Tour ist flach, aber mit 22 Kilometern lang. Gut fünf Kilometer davon läufst du im Strandsand.
  • Zwischen dem Ortsausgang von Peenemünde und Karlshagen liegen rund neun Kilometer ohne Ort. Nimm genug Wasser mit.
  • Abkürzen kannst du in Karlshagen: Der Bahnhof liegt nach gut zwölf Kilometern direkt neben der Route.
  • Im Norden gilt: auf den Wegen bleiben. Große Flächen sind mit Munition belastet, im Naturschutzgebiet darfst du die markierten Wege nicht verlassen.
  • Für das Historisch-Technische Museum brauchst du zusätzliche Zeit. Öffnungszeiten und Preise stehen auf der Besuchsseite des Museums.
  • Am Strand gibt es keinen Schatten. Denk an Sonnenschutz.

Fazit

Diese Tour hat zwei Hälften, die kaum zusammenzupassen scheinen. Der Norden ist ein Gang durch ein Gelände, auf dem Waffen entwickelt wurden und Menschen unter Zwang arbeiteten und starben. Danach kommen Wald, Strand und drei Seebäder. Gerade dieser Wechsel bleibt hängen. Wer nur den Strand will, kann in Karlshagen einsteigen. Ich würde das Kraftwerk und den Flughafenring nicht auslassen.

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