Ruine der Klosterkirche von St. Johannis in Stralsund.
Das Johanniskloster liegt im Norden der Altstadt, direkt an der Stadtmauer und neben dem Kniepertor. Franziskaner gründeten es 1254 auf einem Grundstück, das Fürst Jaromar II. von Rügen gestiftet hatte.
Beim Stralsunder Kirchenbrechen 1525 wurde das Kloster geplündert. Danach gehörte es der Stadt, die darin ein Armenhaus einrichtete. 1624 brannte die gotische Hallenkirche ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Aus dem Chor wurde später die kleine Johanniskirche, die 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Von der Kirche steht heute nur die Ruine.
Bei Arbeiten an der Stadtmauer kamen im Keller des Nordflügels fast 600 Münzen zutage. Über 60 Doppelschillinge gelten als Spargeld von Pfründner*innen, die sich ins Armenhaus eingekauft hatten. Ein Schatz aus 110 Silbermünzen wurde vermutlich 1525 beim Kirchenbrechen versteckt und stürzte beim Brand rund hundert Jahre später in den Keller.
Ab 1963 wurden die Klostergebäude wieder aufgebaut, seitdem nutzt sie das Stadtarchiv. Es betreut auch die alte Ratsbibliothek mit rund 120.000 Bänden. Im Kapitelsaal mit seinen gotischen Wandmalereien finden Konzerte und Vorträge statt.
Selten ist der Räucherboden im Obergeschoss des Westflügels, er stammt aus dem 17. Jahrhundert. Seine Schornsteine enden unter dem Dach, der Rauch zog in den Raum.
In der Ruine der Kirche steht eine Nachbildung der Pietà von Ernst Barlach. Auf dem Klosterhof erinnert eine Stele an die Vertreibung und Ermordung der Stralsunder Jüd*innen in der NS-Zeit.
Steckbrief
Ort
Schillstraße 27/28, Stralsund
Zustand
Kirche als Ruine, Klostergebäude saniert, Sitz des Stadtarchivs
Nächste Haltestelle
Stralsund Hauptbahnhof, knapp zwei Kilometer zu Fuß
Am Weg
Liegt an der Tour Stralsund zu Fuß: Altstadt, Hafeninsel, Sundpromenade und Stadtteiche, bei Kilometer 7.
