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Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 5: Von Groß Köris nach Märkisch Buchholz

Wehr mit Stufen und ruhigem Kanal dahinter

Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 5 von 7 · Zum Gesamtbericht

Die fünfte Etappe ist die einsamste: 17 Kilometer durch Wald, vorbei an einem stillgelegten Militärflugplatz und Bunkerresten, am Forsthaus Hammer und ein Stück an der Dahme entlang bis in die kleinste Stadt Brandenburgs. Der Weg führt hier fast durchgehend durch unbesiedelte Natur, am Ende steht ein Wehr, das als höchster Wasserfall des Landes gilt.

Ich bin am Mittwoch, dem 31. März 2021, gegen halb neun am Bahnhof Groß Köris losgegangen. Einen belegten Bezug zu Paul Gerhardt kenne ich auf dieser Etappe nicht. Dafür gibt es Militärgeschichte, Wasserbau und eine ungewöhnliche Stadtgeschichte, und mit Franz Fühmann einen zweiten Schriftsteller am Weg.

Inhalt dieser Etappe

Strecke

16,8 km

Gehzeit

3:11 h

Schwierigkeit

leicht

Start

Bahnhof Groß Köris

Ziel

Märkisch Buchholz, Überfallwehr

Gelaufen am

31. März 2021

Karte: Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 5Etappe 5 von Groß Köris nach Märkisch Buchholz, 16,8 km. Die übrigen Etappen sind blass dargestellt.Start: Groß KörisZiel: Märkisch Buchholz2 km
Etappe 5 von Groß Köris nach Märkisch Buchholz, 16,8 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die übrigen Etappen des Paul-Gerhardt-Wegs sind blass dargestellt.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Durch den Naturpark nach Löpten, vorbei am verlassenen Flugplatz
  • Am Ende Märkisch Buchholz, die kleinste Stadt Brandenburgs

Anreise

Der Bahnhof Groß Köris liegt an der Strecke zwischen Berlin und Lübben, hier halten Regionalzüge in beide Richtungen. Welche Linien und Takte aktuell gelten, steht in der VBB-Auskunft. In Märkisch Buchholz gibt es keinen Bahnhof. Dort fährt laut VBB täglich ganzjährig die Buslinie 725 (Teupitz, Halbe, Märkisch Buchholz, Münchehofe) mit Anschlüssen in Königs Wusterhausen, Groß Köris und Halbe. Eine durchgehende Verbindung bis Lübben konnte ich nicht belegen. Bei dieser Etappe empfiehlt es sich, zuerst die Rückfahrt festzulegen und dann die Wanderung zu planen. Fahrplan und Umstiege vorher prüfen.

Die Route

Durch den Naturpark nach Löpten

Hinter dem Rastplatz am Löptener Dreieck taucht der Weg in den Wald des Naturparks Dahme-Heideseen ein. Etwa sechs Kilometer nach dem Start liegen im Wald Reste von Bunkeranlagen. Nutzer*innen auf Komoot nennen sie „Kommandobunker Groß Köris“ und ordnen sie der Nationalen Volksarmee zu. Einen eigenen Beleg dafür kenne ich nicht. Die Anlagen liegen im Schutzgebiet und sind nicht zum Besichtigen gedacht.

Der verlassene Flugplatz

Bei Löpten, nach Angaben anderer Quellen auch Kleinköris genannt, liegt ein stillgelegter Militärflugplatz. Er wurde 1968 und 1969 gebaut, einzelne Bauten reichen in die 1940er Jahre zurück. Drei parallele Graspisten von je 2350 Metern Länge und 50 Metern Breite, an den Enden insgesamt rund 500 Meter befestigt, ein einfacher Kontrollturm, Abstellflächen und ein Treibstofflager gehörten dazu. Genutzt wurde der Platz überwiegend als Ausweichflugplatz des Jagdgeschwaders 7 „Drewitz“ der Luftstreitkräfte der NVA, etwa vier- bis fünfmal pro Jahr bei Übungen. Auch die Volkspolizei trainierte hier mit Hubschraubern.

Nach 1990 wurde der Platz geschlossen und diente als Depot für überschüssiges NVA-Gerät. Die letzte fliegerische Nutzung war 2007, als der Platz Kulisse für Dreharbeiten war, unter anderem mit einer Ju 52. Nach Angaben auf Komoot entstanden hier Szenen des Films „Operation Walküre“ mit Tom Cruise. Die Start- und Landebahn ist inzwischen mit Bäumen bepflanzt, damit niemand sie missbraucht, so ein Hinweis auf Komoot, das Rollfeld gilt als gut begehbar. Den aktuellen Zustand habe ich nicht prüfen können, meine Quelle beschreibt den Stand von 2011.

Hammer und die Dahme

Die Landeswaldoberförsterei Hammer wurde 1737 eingerichtet. Friedrich Wilhelm I. hatte 1717 die Schenkenländer Güter Teupitz und Buchholz erworben. Das heutige Gebäude stammt von 1897 und gehört zur bewirtschafteten Waldlandschaft, es ist kein aufgegebenes Kulissengebäude. Im 19. Jahrhundert besuchte der spätere Kaiser Wilhelm II. die Gegend häufig zur Jagd. Heute gibt es dort eine Wildkammer mit Hofladen. Der Naturpark beschreibt außerdem die „Lesefährte Waldweisen“, die Wald und Literatur verbindet. Waldfest, Waldweihnacht und einzelne Kulturveranstaltungen ergänzen den Ort, sind aber kein täglich verfügbares Programm.

Infotafel des Paul-Gerhardt-Wegs mit dem Titel „An der Försterei“
Infotafel des Paul-Gerhardt-Wegs mit dem Titel „An der Försterei“

Danach begleitet die Dahme den Weg mehrere Kilometer durch Wald und Wiesen. Die Tourismusseite beschreibt diesen Abschnitt als unbesiedelt, einige Teilstücke werden mit Radverkehr geteilt. Man kommt an keinem Dorf vorbei, bis die Dorfkirche von Märkisch Buchholz auftaucht.

Märkisch Buchholz: kleinste Stadt Brandenburgs

Märkisch Buchholz wird am 13. August 1301 als „castrum et oppidum“ erstmals erwähnt, ist also seit mehr als 700 Jahren eine Stadt, und hat dennoch nur 849 Einwohner*innen (Ende 2024). Das macht sie zur kleinsten Stadt Brandenburgs und zur achtkleinsten Deutschlands. Der Name wechselte: Buchholz hieß der Ort bis 1888, danach Wendisch Buchholz, bis die Nationalsozialisten ihn 1937 in Märkisch Buchholz umbenannten. Das war kein belangloser Verwaltungswechsel, sondern nach heutiger Lesart ein Stück Verdrängung slawischer Ortsbezüge. Im Dreißigjährigen Krieg starben mehr als 65 Prozent der Bevölkerung. 1752 zerstörte ein Stadtbrand große Teile.

Die Dorfkirche wird 1346 erwähnt. Ein Fachwerkbau von 1751 brannte beim Stadtbrand, der massive Neubau entstand um 1752 und 1753 auf Kosten von August Wilhelm von Preußen, dem Bruder Friedrichs II. Seine Initialen „AW“ und eine goldene Krone zieren die Wetterfahne. 1945 brannte die Kirche aus, in den 1950er und 1960er Jahren wurde sie wieder aufgebaut. Zur 700-Jahr-Feier 2001 bekam sie einen gelben Anstrich.

Das Überfallwehr der Dahme wurde von 1908 bis 1910 gebaut und überwindet je nach Angabe etwa 5,5 bis mehr als 6 Meter Höhenunterschied. Es wird gern als höchster Wasserfall Brandenburgs bezeichnet, ist aber ein künstliches Bauwerk des Dahme-Umflutkanals. Dieser leitet Wasser aus dem Spreegebiet in das Dahmesystem ab. Das Wehr steht unter Denkmalschutz, besitzt eine Aalleiter und einen elektrischen Bootsaufzug, der Naturpark erklärt auch die Bootsschleppe. Ein Blick auf das Bauwerk macht die Wasserverbindungen der ganzen Wanderregion anschaulich. Die Mühle, die hier stand, stammte von etwa 1716. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört, ein Getreidesilo von 1935 blieb erhalten. Am Wehr erinnert ein Mühlstein von 90 Zentimetern Durchmesser an sie.

Wehr mit Stufen und ruhigem Kanal dahinter

Auch die Stadt litt am Ende des Krieges im Kessel von Halbe: In der letzten Kriegswoche wurden mehr als 70 Prozent der Gebäude zerstört. Der Schriftsteller Franz Fühmann (1922 bis 1984) lebte von 1959 bis 1984 zeitweise in Märkisch Buchholz und pendelte zwischen Berlin und dem Ort. Ein Gedenkstein, ein Literaturzentrum und ein kommunal beschriebener Fühmann-Rundweg erinnern an ihn, seine Grabstätte ist ein weiterer möglicher Bezugspunkt. Der Rundweg ist eine Ergänzung und nicht Teil des Paul-Gerhardt-Tracks.

Gut zu wissen

  • Die offizielle Einteilung nennt diese Strecke Etappe 7 und rechnet mit 15 Kilometern (rund vier Stunden). Etwa 60 Prozent sind Naturwege.
  • Weder Komoot noch die Tourismusseite nennen auf der Strecke eine Einkehr. Verpflegung und Wasser vorher besorgen.
  • Die Bunkeranlagen und der Flugplatz liegen im Schutzgebiet beziehungsweise auf ehemaligem Militärgelände. Auf den Wegen bleiben.
  • In Märkisch Buchholz fährt kein Zug. Den Bus 725 und den Anschluss vorher in der VBB-Auskunft prüfen.

Fazit

Ein kurzer, ruhiger Wandertag, an dem vor allem Wald und Wasser bleiben, dazu ein paar Spuren der DDR-Militärgeschichte, die man nicht erwartet. Märkisch Buchholz ist ein guter Ort, um die Etappe ausklingen zu lassen: klein, aber mit mehr Geschichte, als man von 849 Einwohner*innen erwartet.