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Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 7: Von Schlepzig nach Lübben

Teich mit Insel und Wiese unter blauem Himmel

Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 7 von 7 · Zum Gesamtbericht

Die letzte Etappe führt von Schlepzig durch die Teichlandschaft des Unterspreewalds nach Lübben: 18,9 Kilometer, die an der Kirche vorbeiführen, in der Paul Gerhardt nach seinem Tod am 27. Mai 1676 beigesetzt wurde. Nach der offiziellen Zählung ist es Etappe 9 von 9.

Ich bin am Karsamstag, dem 3. April 2021, kurz nach zehn Uhr an der Dorfkirche in Schlepzig losgegangen. Die Route hat zwei Hälften: erst ruhiges Land mit Fischteichen, dann die Stadt Lübben mit Kirche, Schloss und Schlossinsel. Der Weg ist flach, Komoot nennt 80 Meter Anstieg auf 18,9 Kilometern. Die offizielle Beschreibung weist darauf hin, dass die Vegetation den Blick auf die Spree oft verdeckt, ein durchgehender Uferpanoramaweg ist also nicht zu erwarten.

Inhalt dieser Etappe

Strecke

18,9 km

Gehzeit

3:46 h

Schwierigkeit

leicht

Start

Schlepzig, Dorfkirche

Ziel

Lübben (Spreewald)

Gelaufen am

3. April 2021

Karte: Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 7Etappe 7 von Schlepzig nach Lübben, 18,9 km. Die übrigen Etappen sind blass dargestellt.Start: SchlepzigZiel: Lübben5 km
Etappe 7 von Schlepzig nach Lübben, 18,9 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die übrigen Etappen des Paul-Gerhardt-Wegs sind blass dargestellt.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Ein würdiger Schluss: die Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben
  • Zuvor Teichlandschaft, Weidendom und Kirche in Schlepzig
  • Die Altstadt von Lübben mit Schloss und Schlossinsel
  • Postmeilensäule und Ehrenfriedhof als letzte Stationen

Anreise

Nach Schlepzig fährt laut VBB ganzjährig täglich die Buslinie 506 ab Lübben. Takt und Fahrzeiten habe ich nicht geprüft, sie sollten vor der Tour nachgesehen werden, denn auf dem Land entscheidet ein verpasster Bus über den halben Tag. Aus Berlin kommend, nimmt man den Regionalexpress nach Lübben (dort halten RE 2, RE 7 und RE 20) und steigt in den Bus um. Die Rückreise ist einfacher: Laut Regeltafel fährt der RE 7 etwa stündlich ab Lübben Richtung Berlin, die Fahrt dauert rund eine Stunde. Auch hier gilt: Fahrplan am Reisetag prüfen. Die Strecke zum Bahnhof kommt zur Wanderstrecke noch hinzu.

Die Route

Schlepzig: Kirche, Museum und Weidendom

Schlepzigs Dorfkirche lohnt einen Blick nach oben. Nach dem großen Dorfbrand von 1769 wurde die Kirche 1782 wiederaufgebaut, die bemalte Decke mit Wolkenhimmel ist eine besondere Innenraumwirkung, die die Stiftung KiBa in ihrem Bericht über Kirche und Restaurierung schildert. Schlepzig wird 1004 erstmals erwähnt, in einer Schenkungsurkunde Heinrichs II. für das Kloster Nienburg, als „Zloupisti“. Daran erinnert 200 Meter hinter der Kirche der 1000-Jahr-Gedenkstein, auf dem Komoot auch den sorbischen Ortsnamen Slopišca nennt.

Gelbe Kirche mit Dachreiter hinter einem Sandplatz mit Bänken

Das Bauernmuseum geht auf einen 1818 errichteten Hof zurück. Wohnräume, Ställe und Wirtschaftsbereiche vermitteln bäuerlichen Alltag, nicht nur eine Sammlung von Einzelobjekten, ein guter Gegenpol zu den technischen Geschichten in Wildau und Königs Wusterhausen. Nach gut 600 Metern steht der Weidendom, bei Komoot als „Arena Salix“ geführt. Er besteht aus lebenden Weiden und ist ein Anlass, gebaute und gewachsene Landschaft zusammen zu betrachten. Der Schweizer Architekt Marcel Kalberer hat ihn gemeinsam mit Fachleuten für Weidenbau und mehr als 30 Schüler*innen aus der Region geschaffen. Zu Maßen und Baujahr gehen die Angaben in den Quellen auseinander, deshalb nenne ich sie nicht.

Innerhalb des ersten Kilometers folgen der Kahnhafen, von dem in der Saison Kahnfahrten starten, die Alte Brauerei und die Alte Mühle. Die Brauerei firmiert nach einem Bericht von Reiseland Brandenburg als Spreewälder Privatbrauerei 1788: Das Braurecht reicht bis 1788 zurück, der Betrieb wurde 1998 in einer umgebauten Scheune neu belebt. Die Mühle steht dort, wo die Querspree in die Spree mündet. Nach den Angaben einer Wanderseite war sie im 14. Jahrhundert zunächst ein Eisenhammer, später eine Getreidemühle. Heute ist sie Museum und Hofladen und zugleich eine Informationsstelle des Biosphärenreservats Spreewald, seit Sommer 1998 mit freiem Eintritt. Zu den Ausstellungen über Wasser und Wald des Unterspreewalds gehört der Ochsenfrosch „Bully“ als Figur für Kinder. Schlepzig besitzt außerdem eine Whiskey-Brennerei, die Spreewood Distillers 2016 übernommen haben, ein Hofladen oder eine Besichtigung kann eine Ergänzung sein, hängt aber vom aktuellen Angebot ab.

Eine Sage gehört ausdrücklich als Sage erzählt: Die Gemeinde berichtet vom Wendenfürsten Wussilo, dessen Burg am Standort des heutigen Resorts Seinerzeit gelegen haben soll. Sie weist selbst darauf hin, dass der zugehörige Erdwall nicht archäologisch untersucht wurde. Es ist örtliche Überlieferung, kein gesicherter Burgnachweis.

Durch die Teichlandschaft

Kurz hinter dem Ort verlässt die Route die Siedlung. Bei 1,7 Kilometern steht ein Unterstand mit Blick auf den Inselteich, einen künstlich angelegten Fischteich mit Insel und Wehr, der aus der Spree gespeist wird. Hier findet das Fischerfest statt, bei dem der Teich abgefischt wird, den Termin kenne ich nicht. Danach reiht sich Teich an Teich: Sommerteich, Spreeteich, Moorteich, Kranichteich, Birkenteich und Schäferteich heißen die Stationen, die Komoot zwischen Kilometer 4 und 8 auflistet. Gezüchtet wird hier Karpfen, das nennt auch die offizielle Etappenbeschreibung. Die Gegend gehört zum Biosphärenreservat, zu dem unter anderem die Naturschutzgebiete Innerer Unterspreewald und Börnichen gehören (Verordnung des Landes Brandenburg).

Wer Zeit hat, kann den Inselteich auch auf einem eigenen Rundweg von gut 6,6 Kilometern umrunden. Auf der Etappe selbst ist es vor allem eines: weit, ruhig und ohne Anstieg. Bei Kilometer 12,6 quert eine Fuß- und Radwegbrücke die Spree und ihre Niederung, ab dort rückt Lübben näher.

Paul-Gerhardt-Kirche

Bei Kilometer 15,4 steht die Kirche, auf die der ganze Weg zuläuft. Sie hieß ursprünglich St. Nikolai, wie die Kirche, an der der Weg in Berlin begann, und wurde 1931 nach Gerhardt benannt (andere Quellen nennen 1930). Es ist eine spätgotische Hallenkirche aus Backstein, gebaut zwischen 1494 und 1550. Der Turm ist der älteste Teil, er stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und diente zunächst als Wehr- und Wachturm.

Gerhardt wurde nach seiner Amtsenthebung in Berlin 1668 nach Lübben berufen und trat 1669 sein Amt als Archidiakon an. Lübben lag damals im sächsischen Herrschaftsbereich, der Umzug führte ihn also aus Brandenburg heraus, ein Zusammenhang, den der Blick auf heutige Landesgrenzen leicht verdeckt. Er starb am 27. Mai 1676 und wurde am 7. Juni im Chorraum nahe dem Altar beigesetzt. Die genaue Grabstelle ist heute unbekannt, man sollte also nicht mit der Erwartung eines zweifelsfrei lokalisierten Grabmals anreisen. Vor der Kirche steht sein Denkmal von Friedrich Pfannschmidt, 1907 zum 300. Geburtstag errichtet, in Lauchhammer gegossen und nach einer Restaurierung 1998 neu geweiht. In der Kirche erinnern eine Gedenktafel und ein Gedenkbild an ihn, auch ein historisches Porträt befindet sich dort.

Aus dem Alltag in Lübben erzählt der Paul-Gerhardt-Verein: Es gab Streit mit dem Magistrat. Gerhardts Wohnung war zunächst unzureichend und wurde nur langsam instandgesetzt, die Stadt störte sich daran, dass er bei Amtshandlungen eine Perücke statt des üblichen Priesterkäppis trug, und er wollte Bier aus Torgau beziehen, was dem lokalen Brauprivileg widersprach. Auch über ausgefallene Mittwochspredigten vor Feiertagen gab es Beschwerden. Das macht aus der Denkmalfigur einen älteren Menschen mit Vorlieben, Konflikten und einem wenig reibungslosen Berufsalltag.

Infotafel des Paul-Gerhardt-Wegs mit dem Titel „Zur Ruhe kommen in Lübben“
Infotafel des Paul-Gerhardt-Wegs mit dem Titel „Zur Ruhe kommen in Lübben“

Lübben führt seit 2005 offiziell den Titel Paul-Gerhardt-Stadt. Das Paul-Gerhardt-Zentrum liegt nach dem Imageflyer der Stadt am Kleinen Hain 43 und ist von April bis Oktober montags bis samstags vormittags geöffnet. Reiseland Brandenburg nennt die wichtigsten Angaben zur Kirche.

Schloss, Schlossinsel und Altstadt

Ein paar Schritte weiter beginnt das Lübbener Zentrum. Lübben war ab dem 15. Jahrhundert die Hauptstadt der Niederlausitz, das Ständische Landhaus erinnert daran: Hier tagten die Niederlausitzer Stände. Das Schloss geht auf eine Wasserburg des 12. Jahrhunderts zurück. Seine heutige Gestalt hat es im Kern unter dem Landvogt Bohuslav Felix von Lobkowitz und Hassenstein (1517 bis 1570) erhalten, es wurde 1679 bis auf das Mauerwerk abgerissen, 1682 neu gebaut und zwischen 1899 und 1915 umgebaut. Im April 1945 wurde es beschädigt. Seit dem 1. Juni 2001 ist es das Stadt- und Regionalmuseum. Zum Schloss gehören ein mittelalterlicher Wehrturm und ein barocker Wappensaal.

Rund um das Schloss liegt die Schlossinsel, die als Park mit Kahnabfahrt und Wasserspielplatz mit Kanälen, Flößen und Rutschen angelegt ist. Bei Kilometer 16,5 folgt die Gurken-Paule, ein Gastronomiebetrieb am Ernst-von-Houwald-Damm, der laut Reiseland von Mittwoch bis Sonntag mittags öffnet. Die Öffnungszeiten habe ich nicht geprüft.

Postmeilensäule und Ehrenfriedhof

Auf den letzten Kilometern geht es an der Postmeilensäule vorbei, die zu den kursächsischen Postmeilensäulen gehört. Die Säule an der Ecke Geschwister-Scholl-Straße und Breite Straße, am Ort des früheren Luckauer Tors, stammt ursprünglich von 1736. Sie wurde 1966 rekonstruiert und nach einem Unfallschaden 1999 restauriert, ist also teils historisch und teils jünger. Danach folgt bei Kilometer 17,3 der Stadtgraben, und bei 18,6 Kilometern der Sowjetische Ehrenfriedhof am Rand der Lübbener Haine. Hier liegen gut 200 sowjetische Soldaten und Offiziere, der Friedhof erinnert an die Befreiung Lübbens 1945. Er wurde 1976 eingeweiht und hat ein Mahnmal aus zwei Betonstelen. 300 Meter später ist die Tour zu Ende.

Gut zu wissen

  • Die offizielle Einteilung nennt diese Strecke Etappe 9 von 9: etwa 16 Kilometer, rund vier Stunden, 60 Prozent teilbefestigt, 40 Prozent fester Belag. Meine 18,9 Kilometer sind länger, vermutlich weil die Tour erst hinter dem Ehrenfriedhof endet.
  • Komoot nennt bei Kilometer 15,1 eine St.-Trinitatis-Kirche. Dazu habe ich keinen Beleg gefunden und beschreibe deshalb nur die Paul-Gerhardt-Kirche.
  • Die Kirche gehört zur Initiative „Offene Kirche“. Aktuelle Öffnungszeiten vorher prüfen, ebenso die Zeiten der Alten Mühle (laut Reiseland von April bis Oktober dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr).
  • Eine Einkehr zwischen Schlepzig und Lübben habe ich nicht belegt gefunden. Proviant und Wasser besser in Schlepzig einplanen, in Lübben gibt es Supermärkte.

Fazit

Die siebte Etappe ist ein ruhiger Abschluss. Erst weites, leeres Land mit Teichen, dann eine kleine Stadt, in der man in wenigen Minuten vom Kirchplatz zum Schloss kommt. Wer den Weg wegen Paul Gerhardt geht, steht kurz vor dem Ziel dort, wo er die letzten sieben Jahre seines Lebens verbracht hat und beigesetzt wurde. Für mich war das der passende Schlusspunkt nach sieben Etappen.