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Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 6: Von Märkisch Buchholz nach Schlepzig

Waldsee mit Spiegelung und kahlen Bäumen

Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 6 von 7 · Zum Gesamtbericht

Die sechste Etappe führt in den Spreewald: 27 Kilometer von Märkisch Buchholz an den Köthener Heideseen vorbei, am Dahme-Umflutkanal entlang und über das Wehr in Leibsch nach Schlepzig, einem der ältesten Spreewalddörfer. Nach der offiziellen Zählung ist es die längste Etappe des Weges.

Ich bin am Donnerstag, dem 1. April 2021, gegen halb zehn in Märkisch Buchholz losgegangen. Auch hier gilt: Ein belegter Bezug zu Paul Gerhardt fehlt. Der Weg gehört zu den Verbindungsstücken zwischen Mittenwalde und Lübben, und er ist vor allem Landschaft und Wasserbau. Die offiziellen 24 Kilometer werden in der digitalen Tourensammlung der Region anders vermessen (dort sind es rund 27,1), meine Aufzeichnung kommt auf 26,7.

Inhalt dieser Etappe

Strecke

26,7 km

Gehzeit

5:06 h

Schwierigkeit

leicht

Start

Märkisch Buchholz, Überfallwehr

Ziel

Schlepzig, Dorfkirche

Gelaufen am

1. April 2021

Karte: Paul-Gerhardt-Weg, Etappe 6Etappe 6 von Märkisch Buchholz nach Schlepzig, 26,7 km. Die übrigen Etappen sind blass dargestellt.Start: Märkisch BuchholzZiel: Schlepzig2 km
Etappe 6 von Märkisch Buchholz nach Schlepzig, 26,7 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die übrigen Etappen des Paul-Gerhardt-Wegs sind blass dargestellt.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Der Weg wird einsamer: Köthener Heideseen und Dahme-Umflutkanal
  • Am Nordrand des Spreewalds, mit Nadelwehr bei Leibsch
  • Das Hutten-Denkmal am Wussegk als Wegmarke
  • Ankunft in Schlepzig mitten im Spreewald

Anreise

Nach Märkisch Buchholz fährt täglich ganzjährig der Bus 725 (Teupitz, Halbe, Märkisch Buchholz, Münchehofe), mit Anschlüssen in Königs Wusterhausen, Groß Köris und Halbe. Vom Ziel nach Lübben fährt laut VBB-Ausflugsseite der Bus 506, der Lübben mit Schlepzig und Alt Schadow verbindet. Der frühere Bahnhalt Börnichen-Schlepzig ist seit 2008 für den Personenverkehr geschlossen. Zeiten und Umstiege vorher in der VBB-Auskunft prüfen, am Wochenende gelten eigene Fahrpläne. Auch hier gilt: erst die Rückfahrt festlegen, dann die Wanderung planen.

Die Route

Die Köthener Heideseen

Hinter Märkisch Buchholz folgen die Wehre der Dahme, danach kommt man in die Gegend der Köthener Heideseen. Das Gebiet ist 470 Hektar groß, zu 84 Prozent Naturschutzgebiet, und liegt vollständig im UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald. Zu ihm gehören der Köthener See, der Pichersee, der Schwanensee, der Mittelsee, der Triftsee, der Schibingsee und die beiden Wehrigseen. 64 Prozent des Gebietes sind Forst, überwiegend Kiefernforste, dazu kommen Standgewässer, kleine Moore und Feuchtwiesen.

Der Köthener See ist 148 Hektar groß und gut zwei Kilometer lang. Er liegt in einer Rinne aus der Elster-Eiszeit, die die Weichsel-Eiszeit vor rund 20.000 Jahren geformt hat. Seine tiefste Stelle liegt heute bei etwa fünf Metern, früher soll er deutlich tiefer gewesen sein, bis zu 18 Meter nach einer Schätzung. Heute fließt der Dahme-Umflutkanal durch ihn. Im Osten sind seine Moorflächen als Naturschutzgebiet „Verlandungszone Köthener See“ geschützt. Das Dorf Köthen wird 1421 als „Kothin“ erwähnt, der Name leitet sich wohl vom mittelniederdeutschen „köten“ ab, einer Siedlung kleiner Häuser. 1576 lebten dort vier Bauern und acht Kossäten, seit 1951 gibt es eine Jugendherberge. Ein alter Fastnachtsbrauch ist das „Zampern“.

Wer Zeit hat, kann den Rundweg um Pichersee, Mittelsee und Schwanensee gehen, rund 13 Kilometer, mit dem Aussichtsturm auf dem Wehlaberg. Der Berg ist etwa 144 Meter hoch und erhebt sich deutlich über die Seenlandschaft, der Turm ist 28 Meter hoch. Gerade weil man sich Brandenburg gern vollkommen flach vorstellt, ist der Blick interessant. Der Turm ist ein Abstecher und gehört nicht zur Grundetappe, seine Zusatzdistanz darf man nicht übersehen.

Thermobecher und Brötchen am Seeufer

Der Dahme-Umflutkanal

Der Dahme-Umflutkanal wurde von 1907 bis 1911 gebaut, auf Grundlage des Hochwasserschutzgesetzes vom 4. August 1904. Er soll Hochwasser der oberen Spree um die mittlere Spree herum direkt in den Unterlauf leiten und verbessert zugleich die Schiffbarkeit der Dahme. Er ist rund 9,5 Kilometer lang, beginnt bei Leibsch an einer Doppelschleuse und endet bei Märkisch Buchholz in der Dahme. Etwa in der Mitte quert er den Köthener See. Die Wehre haben Bootsschleppen, über die Kanu- und Ruderboote umgetragen werden. Der Kanal ist Teil der etwa 200 Kilometer langen Märkischen Umfahrt.

Kanal mit kahlen Bäumen und Spiegelung

Am Nordrand des Spreewalds

Hinter dem Köthener See führt der Weg über einen Deich am Nordrand des Spreewalds und durch die Spreewiesen. Wasserarme, feuchte Wiesen und Wald treten enger zusammen, und hier verändert sich das Lesen der Landschaft: Der Spreewald ist ein UNESCO-Biosphärenreservat, seine heutige Form beruht auf natürlichen Prozessen ebenso wie auf menschlicher Nutzung. Das Biosphärenreservat wurde am 11. April 1991 von der UNESCO anerkannt. Es ist 474,85 Quadratkilometer groß, etwa 3 Prozent davon sind Kernzone, 19 Prozent Pflegezone und rund 80 Prozent Entwicklungszone. Ein Netz aus 1575 Kilometern natürlicher und künstlicher Wasserläufe durchzieht es. Wasserbau und Kulturlandschaft gehören zum Naturerlebnis.

Leibsch und das Nadelwehr

In Leibsch beginnt der Umflutkanal. Der Ort wird 1004 erstmals erwähnt, als König Heinrich II. „Liubsi“ dem Kloster Nienburg schenkte. Der niedersorbische Name ist Lubuš. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts war der Ort rein sorbisch geprägt. Die Holzbrücke über die Spree von 1879 wurde ab 1925 durch eine Stahlbetonbrücke ersetzt. Beim Bau des Kanals entstanden nördlich des Ortes Kanalbrücken, Nadel- und Schützenwehre.

Stillgelegte Stauanlage mit rostigem Aufbau und Graffiti

Komoot führt den Punkt als „Leipscher Nadelschleuse und Bootsgasse“ als technisches Denkmal, in allen Quellen, die ich gefunden habe, heißt der Ort Leibsch. Ein Nadelwehr wird mit einzelnen senkrechten Balken, den Nadeln, verschlossen, die man bei Hochwasser herausnimmt. Die Tourismusseite des Weges nennt es ein „Museumswehr“ mit Infotafeln. Zwei Anleger für Spreewaldkähne gibt es auch, eine Kriegsgräberstätte erinnert an 155 Soldaten, von denen 73 namentlich bekannt sind.

Der Wussegk und das Hutten-Denkmal

Im Naturschutzgebiet „Innerer Unterspreewald“ liegt der Wussegk, ein Wald- und Wiesengebiet mit einer besonderen Geschichte. Ein Denkmal erinnert dort an Johann Georg Hutten, nicht an Ulrich von Hutten. Ein historischer Beitrag beschreibt Gottesdienste für Kriegsflüchtlinge im Wussegk während des Dreißigjährigen Krieges, also in der Zeit, aus der auch Gerhardts Lebenswelt stammt. Derselbe Beitrag weist auf schwierige Erreichbarkeit und eine nötige Genehmigung für den Zugang im Schutzgebiet hin. Ich nehme das Denkmal deshalb als Hintergrundgeschichte auf und nicht als Umweg, der sich spontan ansteuern lässt.

Wichtig bei selbst zusammengestellten Abstechern: Die Gemeinde Schlepzig veröffentlicht eine Allgemeinverfügung mit Karte für zeitweise gesperrte Wege im Naturschutzgebiet „Innerer Unterspreewald“. Die bezeichneten Abschnitte dürfen jährlich vom 1. Februar bis 30. Juni nicht betreten oder befahren werden. Die Regel betrifft kartierte Wege, nicht pauschal den ganzen Paul-Gerhardt-Weg. Rundtouren mit Sommerdamm und Kranichfließ sollte man gegen die Karte prüfen.

Infotafel des Paul-Gerhardt-Wegs mit dem Titel „Auf dem Weg“
Infotafel des Paul-Gerhardt-Wegs mit dem Titel „Auf dem Weg“

Ankunft in Schlepzig

Von Leibsch bis Schlepzig sind es noch acht Kilometer. Die Gemeinde hat 602 Einwohner*innen (Ende 2025) und nennt sich das touristische Zentrum des Unterspreewalds. Zum ersten Mal wird sie am 8. August 1004 erwähnt, als Heinrich II. sie dem Kloster Nienburg schenkte, damals als „Zloupisti“. Der Name wird wendisch gedeutet, als Siedlung auf feuchtem, lehmigem Boden. Heute heißt der Ort niedersorbisch Slopišća. Die Bevölkerung sprach bis Ende des 18. Jahrhunderts Niedersorbisch. 2004 feierte Schlepzig sein 1000-jähriges Bestehen, ein Gedenkstein erinnert daran. Die Dorfkirche, das Bauernmuseum und der Weidendom folgen auf der letzten Etappe.

Gut zu wissen

  • Die offizielle Einteilung nennt diese Strecke Etappe 8: 24 Kilometer, etwa sechs Stunden, rund 75 Prozent Naturwege. Die digitale Sammlung kommt auf rund 27 Kilometer. Für einen Tag mit Abstechern und längeren Pausen reichlich Zeit einplanen.
  • Auf den letzten acht Kilometern ab Leibsch gibt es keinen Ort. Wasser und Verpflegung mitnehmen. Einen größeren Supermarkt in Schlepzig kenne ich nicht, deshalb vor dem Aufbruch möglichst vollständig versorgen.
  • Die Dorfkirche in Schlepzig ist nach Angaben der Tourismusseite täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, das Bauernmuseum nur zu bestimmten Zeiten. Öffnungszeiten vorher prüfen.
  • Der Rundweg um die Köthener Heideseen mit dem Wehlaberg-Turm ist ein lohnender Abstecher, wenn man den Weg teilt. Das Hutten-Denkmal liegt im Schutzgebiet und ist nur mit Genehmigung zugänglich. Die Wegesperrung vom 1. Februar bis 30. Juni betrifft kartierte Wege im Inneren Unterspreewald.

Fazit

Die Etappe ist lang, aber unspektakulär im besten Sinn: viel Wasser, viel Wald und am Ende ein Dorf, das sich auf den Spreewald besinnt. Wer sie teilen will, kann in Köthen oder Leibsch eine Pause einlegen.