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Friedrichstadt in Nordfriesland ist eine Planstadt: Herzog Friedrich III. ließ sie 1621 mit niederländischen Siedlern gründen. Der Rundweg von 3,9 km führt vom Bahnhof an die Treene und durch die Altstadt mit Binnenhafen, ehemaliger Synagoge, Kirchen und Markt.
Ich bin die Strecke am 7. September 2022 gelaufen.
Inhalt dieser Tour
Steckbrief
Strecke
3,9 km
Gehzeit
0:50 h
Art
Rundweg
Start
Bahnhof Friedrichstadt
Ziel
Nähe Bahnhof Friedrichstadt
ÖPNV
RB 62 ab Heide oder Husum bis Friedrichstadt
- Mit der Bahn erreichbar
Gelaufen am 7. September 2022
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Die Altstadt ist planmäßig mit Grachten und rechtwinkligem Straßennetz angelegt, nach niederländischem Vorbild.
- Eine ehemalige Synagoge und Kirchen mehrerer Konfessionen liegen auf wenigen Straßen beieinander.
- Rund um den Markt stehen Giebelhäuser im niederländischen Stil.
- Start und Ziel liegen in Bahnhofsnähe, die Tour kommt ohne Auto aus.
Anreise
Hin
RB 62 von Heide oder Husum bis Friedrichstadt
Zurück
RB 62 ab Friedrichstadt nach Heide oder Husum
Die RB 62 fährt zwischen Heide und Husum und hält in Friedrichstadt. Der RE 6 fährt dieselbe Strecke, hält aber nicht in jedem Zug dort.
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Die Route
Der Rundweg beginnt am Bahnhof und führt zuerst nach Norden an die Treene. Danach geht es durch den Binnenhafen und die Altstadt, über den Markt und im Süden am Fürstenburgwall entlang zurück.
Vom Bahnhof an die Treene
Friedrichstadt liegt am Zusammenfluss von Eider und Treene. Vom Bahnhof geht es zuerst nach Norden an die Treene, ein Stück am Ufer entlang und dann nach Osten in die Altstadt.
Gegründet wurde die Stadt 1621 von Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf. Er warb niederländische Remonstranten an, die in ihrer Heimat verfolgt wurden. Die Stadt sollte vom Handel leben, auch mit Spanien. Dabei beriet ihn der niederländische Kaufmann Willem van den Hove. Spanische Auflagen erschwerten den Handel, der erhoffte Aufschwung blieb aus. Der spätere französische König Louis Philippe lebte einige Monate als „Herr de Fries“ in der Stadt und arbeitete als Tanzlehrer.


Binnenhafen und Synagoge
Am Binnenhafen und an den Grachten ist das niederländische Vorbild zu sehen. Die Stadt wurde auf dem Reißbrett geplant und rechtwinklig angelegt, Kanäle erschließen sie. Am 24. September 1621 wurde an der Ecke von Fürstenburgwall und Binnenhafen der Grundstein für das erste Haus gelegt. Eine Tafel erinnert mit den Worten „Haltet stand in der Freiheit“ daran.

Am Binnenhafen 17 steht die ehemalige Synagoge. Sie wurde 1847 eingeweiht, damals hatte die Gemeinde mehr als 400 Mitglieder. Am 10. November 1938 wurde ihr Innenraum verwüstet, ein gelegtes Feuer wurde gelöscht. Noch während des Krieges wurde sie zum Wohnhaus umgebaut. Seit die Stadt das Gebäude 1985 erwarb, ist es eine Kultur- und Gedenkstätte.
Am Mittelburgwall liegt das Museum Alte Münze zur Geschichte der Stadt. Das Haus wurde 1626 für den Statthalter Adolph van Wael gebaut. Eine Münze gab es dort nie. Die Mennoniten, die an der Stadtgründung beteiligt waren, haben ihre Kirche im Hinterhaus der Alten Münze.
Mittelburgwall und Christophoruskirche
Über vielen Haustüren in Friedrichstadt hängt eine Hausmarke, ein farbiges Relief, das auf frühere Erbauer oder Bewohner verweist. Am Laman-Trip-Haus in der Prinzeßstraße 26 sind es drei Holzschuhe und das Wappen der Amsterdamer Handelsfamilie Trip.

Die evangelisch-lutherische Christophoruskirche wurde in den 1640er-Jahren gebaut. Im Innenraum hängt ein Altarbild von Jürgen Ovens, der in Friedrichstadt lebte und 1678 hier starb.
Weiter nördlich liegt am Treenefeld der alte jüdische Friedhof, der in den 1670er-Jahren angelegt wurde. 2024 und 2025 wurde er saniert, also nach meiner Wanderung.
Vom Treenefeld zum Markt
Im Osten der Altstadt wird der geplante Stadtgrundriss deutlich: Die Straßen kreuzen sich rechtwinklig, dazwischen liegen Grachten.


Am Markt stehen Giebelhäuser mit Staffelgiebeln, das ganze Ensemble steht unter Denkmalschutz. Die Marktpumpe stammt von 1879. Auf dem Markt steht keine Kirche, damit keine Religion Vorrang bekommt.

Prinzenstraße und Remonstrantenkirche
In der Prinzenstraße 28 steht das Paludanushaus, ein Bürgerhaus unter Denkmalschutz.

Die Remonstranten gehörten zu den ersten Siedlern der Stadt. Ihre Kirche in der Prinzeßstraße brannte 1850 ab, in dem Jahr, in dem schleswig-holsteinische Truppen die Stadt beschossen. Sechs Tage dauerte der Beschuss, 137 Häuser brannten nieder und 285 wurden beschädigt. Die heutige Kirche wurde 1852 bis 1854 gebaut. Sie gilt als einzige Remonstrantenkirche außerhalb der Niederlande und hat keinen Altar. Neben den Remonstranten lebten bald auch Lutheraner, Mennoniten und Katholiken in der Stadt, später kamen Quäker und Juden dazu. Zusammen mit Glückstadt war Friedrichstadt die einzige „Toleranzstadt“ in den Herzogtümern.

Fürstenburgwall und St. Knud
Am Fürstenburgwall steht die katholische Kirche St. Knud. Sie wurde nach der Zerstörung von 1850 in den 1850er-Jahren neu gebaut. 2003 wurde sie profaniert, nach einer Sanierung 2018/19 gibt es dort wieder Gottesdienste.

Von hier geht es nach Westen zurück in die Nähe des Bahnhofs. Das Ziel liegt gut hundert Meter vom Start entfernt.
Gut zu wissen
- Das Museum Alte Münze hat dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
- In der ehemaligen Synagoge gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Friedrichstädter Juden. Wann sie zugänglich ist, steht bei der Gedenkstätte.
Fazit
Die Altstadt ist klein, der Rundweg mit 3,9 Kilometern in knapp einer Stunde gelaufen. Zu sehen ist vor allem, wie planmäßig die Stadt angelegt wurde und wie viele Konfessionen hier eigene Gebäude hatten.
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