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Falkenberg
Ortsteil im Bezirk Lichtenberg · Runde 15 von 74
Am 8. August 2021 bin ich durch Malchow, Wartenberg und Falkenberg gelaufen, die drei alten Dörfer im Norden von Lichtenberg. In Falkenberg waren es 8,4 Kilometer, von der Dorfstraße mit der Gruft der Humboldts hinaus zum Gehrensee und an den Rand der früheren Rieselfelder.
Kurz gesagt
- Falkenberg ist ein Straßendorf aus dem 13. Jahrhundert. Seit 1920 gehört es zu Berlin.
- Ab 1791 gehörte das Gut Marie Elisabeth von Humboldt. Die Eltern von Wilhelm und Alexander von Humboldt sind in Falkenberg begraben.
- Die Stadt Berlin machte die Felder des Guts zu Rieselfeldern. Ein Teil davon ist heute Naturschutzgebiet, auf dem Rinder weiden.
- Auf der alten Dorfschule sitzt ein Storchennest. Auch im Nachbardorf Malchow brüten Störche.
Geschichte
Deutsche Bauernsiedler*innen legten Falkenberg im 13. Jahrhundert als Straßendorf auf dem Barnim an. In einer Urkunde des Markgrafen Otto des Faulen wird es am 26. Juni 1370 zum ersten Mal erwähnt. Das Landbuch Karls IV. zählt 1375 für die Feldmark 52 Hufen. Zehn davon gehörten abgabenfrei Tyle von Beeren, er gilt als erster bekannter Besitzer des Ritterguts.
1791 kaufte Marie Elisabeth von Humboldt, die Mutter von Wilhelm und Alexander von Humboldt, das Rittergut. Sie ließ den hölzernen Turm der Dorfkirche durch einen massiven Turm ersetzen und richtete in seinem unteren Teil das Begräbnis der Familie ein.
1875 kaufte die Stadt Berlin das Gut, um Rieselfelder anzulegen. Ab 1884 floss Berliner Abwasser auf die Falkenberger Felder, sie gehörten zum System von James Hobrecht. Der Schlamm machte den sandigen Boden fruchtbar, und auf den Feldern wuchs Gemüse. Bei der Eingemeindung am 1. Oktober 1920 kam Falkenberg zum Berliner Bezirk Weißensee. 1939 legte Prälat Lichtenberg den Grundstein für die katholische Kirche St. Konrad von Parzham.
Am 21. April 1945 wurde die Dorfkirche gesprengt. In der DDR entstand 1960 die LPG Falkenberg. 1968 ging die Kläranlage Falkenberg in Betrieb, danach wurden große Teile der Rieselfelder eingeebnet, und mit dem Gemüseanbau war Schluss. 1975 schloss sich die LPG mit der LPG „1. Mai“ in Wartenberg zusammen.
Was Falkenberg ausmacht
Der alte Kern ist bis heute ein Straßendorf an der Dorfstraße, mit Kate, Friedhof, Kirchenruine und Gutspark. Ringsum liegen frühere Rieselfelder und Wiesen mit Gräben und Pfuhlen. Auch Obst wurde hier angebaut. In der Altobstanlage Falkenberg steht noch eine Birnenallee aus der Rieselfeldzeit. Seit Mai 2023 gehören der Gehrensee und die Felder ringsum zum Landschaftsschutzgebiet „Wartenberger und Falkenberger Feldflur“.

Falkenberg wächst aber auch. 2017 übernahmen Gewobag, Gesobau und HOWOGE das Neubauprojekt „Mein Falkenberg“ zwischen Ahrensfelder Chaussee und Gehrensee. 2023 rechnete der Senat mit rund 1.740 Wohnungen. Im September 2023 ruhte der zweite Bauabschnitt, weil Fragen zum Artenschutz offen waren.
Orte, die sich lohnen
Alte Dorfschule
Das Schulhaus in der Dorfstraße 13a ist von 1887. Heute ist darin ein Kindergarten, und auf dem Haus sitzt ein Storchennest. Die Störche aus Falkenberg und Malchow suchen ihr Futter regelmäßig auf den Rieselfeldern.
Dorfkate
Die Kate in der Dorfstraße 4 ließ Graf von Arnim 1856 für die Gutsarbeiter*innen bauen. Sie ist aus gebrannten Ziegeln und Lehm und gilt als einzige erhaltene Lehmkate Berlins. Im Erdgeschoss wohnten acht Familien, sie teilten sich zwei Rauchküchen ohne Rauchabzug. Unterm Dach wohnten die Ledigen.
Seit 1978 steht die Kate unter Denkmalschutz, von 1997 bis 2003 wurde sie saniert. Heute ist darin das Informationszentrum „Barnimer Feldmark“, dort gibt es auch Wanderkarten.
Friedhof und Kirchenruine
Auf dem Friedhof an der Dorfstraße stehen die Reste der mittelalterlichen Dorfkirche. Seit Dezember 2008 erinnern Gedenktafeln an die Kirchen in Falkenberg und Malchow, die 1945 von der Wehrmacht zerstört wurden. Die kleine Friedhofskapelle ist um 1895 gebaut worden und steht mit dem Friedhof unter Denkmalschutz.


Die Humboldt-Gruft
In Falkenberg liegen die Eltern von Wilhelm und Alexander von Humboldt. Ihre Särge stehen in der Gruft der Familie, die heute auf dem Friedhof liegt. Seit Oktober 2013 erinnert eine Gedenktafel an Marie Elisabeth von Humboldt.

Gutspark mit Gutsteich
Neben dem Friedhof liegt der Gutspark, das Eingangstor zum Regionalpark Barnimer Feldmark. Weil das Gut oft den Besitzer wechselte, wurde auch der Park mehrmals umgestaltet. Der Gutsteich war vermutlich zuerst ein Torfstich, danach ein Fischteich, der auch für Wassergeflügel genutzt wurde. In kalten Wintern friert er fast bis auf den Grund zu.
Tierheim Berlin
Der Tierschutzverein für Berlin wurde 1841 gegründet. 2001 zog er in den Neubau am Hausvaterweg 39. Der Architekt war Dietrich Bangert. Zum Tierheim gehört ein Tierfriedhof, er war schon im Jahr 2000 fertig.

Gehrensee
Anfang der 1930er Jahre entstand am Gehrensee eine Siedlung. Vom Tierheim bin ich durch die Feldmark und das neue Wohngebiet am Dörferweg zum See gelaufen. Am See gibt es einen Aussichtspunkt.

Falkenberger Rieselfelder
Rund 88 Hektar der alten Rieselfelder sind seit 1995 Naturschutzgebiet. Die Rieselbecken und Gräben sind noch zu erkennen, im Norden führt die Runde am Rand entlang. Nachgewiesen sind 9 der 12 Amphibienarten Berlins, darunter Kammmolch und Rotbauchunke, und über 30 Brutvogelarten wie Feldlerche und Kiebitz. Seit 1996 halten Rinder die Flächen offen, Schottische Hochlandrinder und Shorthorns. Am Rand stehen Infotafeln, und es gibt Aussichtspunkte.

Wartenberger und Falkenberger Luch
Auf dem letzten Stück bin ich an Pfuhlen und am Hechtgraben entlanggelaufen, vorbei am Naturschutzgebiet Wartenberger und Falkenberger Luch. Im eingezäunten Kern liegt eine alte Viehtränke, an der schon lange keine Tiere mehr trinken. Dort brüten Vögel und sonnen sich Ringelnattern. Im Sommer kommen oft Kraniche.
Das frühere Gutsgelände
Das Gutshaus stand in der Dorfstraße 36, ein Stück abseits der Runde. Es wurde im Krieg ausgebombt und 1961 abgerissen. An seiner Stelle baute das Volkseigene Gut ein Verwaltungsgebäude, 1977 kam das Agrochemische Zentrum auf das Gelände. Seit 1991 sitzt dort die Infrastrukturelle Netzwerk Umweltschutz gGmbH.
Meine Runde
Gut anderthalb Stunden war ich auf den 8,4 Kilometern unterwegs. Die Runde führt über die Dorfstraße durch den alten Ortskern und am Gutspark vorbei, dann über den Hausvaterweg am Tierheim entlang in die Feldmark. Durch das Neubaugebiet geht es zum Gehrensee, danach nach Norden über Heine- und Schillerstraße an den Rand der Rieselfelder. Zurück bin ich am Tierfriedhof und am Luch vorbeigelaufen.

Am Wegesrand
Vier Särge im Turm. Als Theodor Fontane die Turmhalle der Falkenberger Kirche beschrieb, standen dort vier Särge. Darin lagen Marie Elisabeth von Humboldt, ihr erster Mann Friedrich Ernst von Hollwede, eine Tochter aus dieser Ehe und ihr zweiter Mann George von Humboldt, der Vater von Wilhelm und Alexander. Auf ihrem Sarg stand „Es ist, in einem höhren Leben, für große Tugend großer Lohn.“
Science-Fiction am Hausvaterweg. Den Filmleuten von „Æon Flux“ kam das Tierheim so futuristisch vor, dass sie dort mehrere Szenen drehten, auch die Schießerei am Schluss.
Affen aus der Charité. Seit 2009 lebt im Tierheim eine Gruppe Affen. Die meisten sind Nachkommen früherer Versuchstiere der Charité.
Shorthorns aus England. Die Shorthorns auf den Rieselfeldern stammen aus England. Laut Senatsverwaltung sind sie die älteste Zuchtrasse der Welt, in Deutschland gibt es nur noch wenige hundert Tiere.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: An der Runde liegt kein Bahnhof. Vom S-Bahnhof Ahrensfelde (S7) bist du in wenigen Minuten im Gehrenseepark, der an der Runde liegt.
Mehr auf dieser Seite: Der Grüne Hauptweg 6, der Lindenberger Korridor, kommt an den Falkenberger Krugwiesen vorbei. Der Wuhletalweg, der Grüne Hauptweg 14, führt am Klärwerk Falkenberg vorbei.
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