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Neu-Hohenschönhausen
Ortsteil im Bezirk Lichtenberg · Runde 4 von 74
Neu-Hohenschönhausen im Norden von Lichtenberg ist eine Großsiedlung aus den 1980er Jahren, gebaut auf den Feldern zwischen Malchow, Hohenschönhausen und Wartenberg. Am 11. Juli 2021 bin ich 13,4 Kilometer durch den Ortsteil gelaufen, vom Wohngebiet an der Randowstraße durch das Mecklenburgische Viertel bis ins Ostseeviertel, an Pfuhlen, Quartiersparks und vielen Skulpturen vorbei.
Kurz gesagt
- Neu-Hohenschönhausen wurde von 1982 bis 1989 gebaut, mit rund 28.500 Wohnungen in Plattenbauweise.
- Viele Straßen sind nach Orten im Norden benannt. Sie erinnern an die Bauleute aus Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Frankfurt (Oder).
- Kunst zwischen den Häusern war von Anfang an eingeplant, viele Skulpturen stehen direkt an der Runde.
- Zwischen 1995 und 2007 verlor der Ortsteil rund ein Viertel seiner Bewohner*innen. Auf den Flächen abgerissener Schulen und Kitas sind Quartiersparks entstanden.
Geschichte
Das Land gehörte zu den Feldmarken von Malchow, Hohenschönhausen und Wartenberg. Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier Rieselfelder angelegt, die Gegend galt als „Gemüsegarten Berlins“.
Bebaut wurden die Felder erst in den 1980er Jahren. 1982 begann der Bau im Mühlengrundviertel, am 9. Februar 1984 wurde der Grundstein für das „Neubaugebiet Berlin-Hohenschönhausen“ gelegt. Bis 1985 waren 8.600 Wohnungen fertig, vor allem für junge Familien aus Berlin. Als 1989 das Mecklenburgische Viertel fertig war, standen hier rund 28.500 Wohnungen.
Gebaut haben nicht nur Berliner Betriebe. Baukollektive aus Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Frankfurt (Oder) waren dabei, daran erinnern Straßennamen wie Zingster, Ribnitzer oder Warnitzer Straße. Es ging schnell. An einem Tag wurden 60 Platten gesetzt und im Schnitt 20 Wohnungen an die neuen Mieter*innen übergeben.
Im September 1985 wurde der neue Stadtbezirk Hohenschönhausen gebildet, der zehnte in Ost-Berlin. Sein Rat zog in die Matenzeile 28. Im Dezember 1985 fuhr die erste S-Bahn von Wartenberg zum Bahnhof Lichtenberg.
Ab Mitte der 1990er Jahre wurden die Wohnungen saniert. Zugleich zogen viele weg. Zwischen 1995 und 2007 sank die Zahl der Bewohner*innen um rund 19.100, etwa ein Viertel. Schulen und Kitas standen leer, Plätze und Grünanlagen verwahrlosten. Seit 2002 ist Neu-Hohenschönhausen Stadtumbaugebiet. Zwölf Kitas und acht Schulen wurden abgerissen, auf vielen Flächen entstanden Quartiersparks. Seit etwa 2010 wächst der Ortsteil wieder, auch weil junge Familien zuziehen.
Was Neu-Hohenschönhausen ausmacht
Die S-Bahn und die Falkenberger Chaussee teilen die Siedlung in vier Viertel, den Mühlengrund, das Ostseeviertel, das Uckermärkische und das Mecklenburgische Viertel. Der Bezirk spricht vom „Kleeblatt“. Die meisten Häuser haben fünf, sechs oder elf Geschosse und stehen um Innenhöfe herum. An der Zingster Straße und der Falkenberger Chaussee kommen Punkthochhäuser mit bis zu 22 Geschossen dazu. In der Mitte liegt der Prerower Platz mit dem Linden-Center.
Kunst zwischen den Häusern war schon bei der Planung des Neubaugebiets vorgesehen. Auffällig viele Werke haben Natur zum Thema. Sie heißen etwa „Naturelement Wind“, „Naturelement Wasser“, „Schneekristall“ oder „Gräser im Wind“.
Im Süden grenzt das Landschaftsschutzgebiet Falkenberger Krugwiesen an, 42 Hektar groß. Im Norden liegen der Landschaftsraum Malchow und die Wartenberger Feldmark. Dazwischen gibt es mehrere Pfuhle, etwa den Krummen Pfuhl, den Pfuhl am Warnitzer Bogen und den Dekrapfuhl.
Orte, die sich lohnen
Birken aus Birkenau
Im kleinen Park an der Straße Zu den Krugwiesen wachsen Birken aus der Umgebung von Auschwitz-Birkenau. Sie gehören zum Kunstprojekt „Berlin-Birkenau“ von Łukasz Surowiec für die 7. Berlin Biennale 2012. Im November 2011 wurden rund 320 junge Birken nach Berlin gebracht und bis zum Frühjahr 2012 an 24 Orten gepflanzt. An jedem Ort steht eine Tafel. Als Ziel nennen die Tafeln, „gegen das Vergessen“ zu arbeiten.
Rund um die Randowstraße
Den Spielplatz an der Passower Straße gibt es seit Mitte der 1990er Jahre. 2026 hat der Bezirk ihn für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren umgebaut, mit Ballspielfeld und Liegenetzen.
In einer Grünanlage an der Biesenbrower Straße, auf Höhe der Wartiner Straße, steht „Mann und Frau“ von Berndt Wilde, eine Bronze von 1990 auf einem gemauerten Klinkersockel.
An der Randowstraße standen früher zwei Schulgebäude. Nach dem Abriss wurde dort von 2005 bis 2007 der Quartierspark Randowstraße angelegt. Ein Wäldchen blieb stehen, dazu kamen der Spielplatz „Waldexpedition“ und ein „Platz der vereinten Generationen“. Ab 2006 gab es für Bäume im Park Patenschaften.
Am Stadtplatz an der Randow- und Welsestraße steht „Erde, fruchtbringend“ von Stephan J. Möller, aus Bronze und Pflasterstein. Möller hat 1983 damit angefangen, aufgestellt wurde die Arbeit 1990. Vor dem Einkaufszentrum an der Randowstraße 24 steht das „Windspiel“ von Werner Richter, eine bewegliche Plastik aus Stahl und Kupfer von 1988. Der Bezirk nennt sie „Naturelement Wind“.

„Schreiender Hengst“ und Warnitzer Bogen
Am Warnitzer Bogen steht der „Schreiende Hengst“ von Jo Jastram. Die Bronze entstand 1986, aufgestellt wurde sie erst 1992. Ein sehr ähnliches Pferd von 1981 steht seit 2014 in Rostock. Für Jastram war es ein „Sinnbild für jede geschundene Kreatur“.
Gleich daneben liegt der Quartierspark Warnitzer Bogen. Eigentlich sollte die Fläche nur vorübergehend grün sein. 2009 und 2010 wurde sie neu gestaltet, gebaut haben 18 befristet beschäftigte Arbeitslose und Auszubildende. Geplant wurde mehr als zehn Jahre lang zusammen mit den Anwohner*innen. Ein Pfuhl entlang der Häuserzeile nimmt das Regenwasser von den Dächern der Läden auf, in der Mitte führt ein Steg darüber.
Quartierspark Neubrandenburger Straße
Im Mecklenburgischen Viertel standen an der Neubrandenburger Straße zwei Schulen. Auf ihrer Fläche wurde von 2007 bis 2009 der Quartierspark Neubrandenburger Straße angelegt, 32.000 Quadratmeter groß. Durch den Park führt der „Loop“, ein 1,5 Kilometer langer Rundweg aus Asphalt ohne Fugen. Ein Teil des alten Belags vom Schulsportplatz wurde weiterverwendet. Dazu gibt es eine Elefantenrutsche, eine Boulderwand und eine Graffitiwand.
Krummer Pfuhl
Im September 1988 wurde vor dem Hochhaus Woldegker Straße 2 die „Mecklenburgische Bäuerin“ von Reinhard Dietrich aufgestellt, eine barfüßige Bronzefigur, gut zwei Meter hoch. Sie war ein Geschenk des Rates des Bezirks Rostock zum Erntedankfest. Eigene Erntefeste feierte das Neubaugebiet seit 1986. Am Krummen Pfuhl steht außerdem das „Naturelement Wasser“ von Roland Rother, aus Muschelkalk, von 1989.
Die Grünanlage am Pfuhl haben Auszubildende des Bezirks von 2020 bis 2022 neu gestaltet. Im Juli 2021 wurde hier noch gebaut. Eröffnet wurde die Anlage im Februar 2023. Der Spielplatz ist größer geworden, die Holzspielgeräte gehen auf Ideen von Kindern zurück. Die Kunstwerke, die vorher in der Anlage verteilt waren, stehen jetzt als „Kunstpfad“ an der Westseite.
S-Bahnhof Wartenberg
Über den Schweriner Ring bin ich am Rand der Wartenberger Feldmark entlang zum S-Bahnhof gelaufen. Nördlich grenzt der Landschaftspark Wartenberger Feldmark an, mit Hochlandrindern.

Der S-Bahnhof heißt Wartenberg, liegt aber in Neu-Hohenschönhausen. Der Vorplatz wurde von 2004 bis 2008 neu gestaltet. Ein Tunnel unter den Gleisen verbindet das Viertel an der Egon-Erwin-Kisch-Straße mit dem Viertel Am Berl, die Treppen können auch als Bühne dienen. Die Platanenallee der Ribnitzer Straße wurde bis zum Bahnhof verlängert.

Gemeindezentrum „Heinrich Grüber“
Auf der anderen Seite der Gleise, Am Berl 17, eröffnete am 3. Juli 1988 das evangelische Gemeindezentrum „Heinrich Grüber“. Heinrich Grüber half ab 1937 mit seiner Hilfsstelle mehr als 2.000 Verfolgten jüdischer Herkunft bei der Emigration. Er war in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau inhaftiert. Von 1949 bis 1958 war er Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Regierung der DDR, ab 1961 durfte er nicht mehr nach Ost-Berlin einreisen. Im selben Jahr sagte er im Eichmann-Prozess aus, als einziger deutscher Zeuge.
Barther Straße
Auf der Kuppe des Barther Hügels stehen Stühle aus Beton, sechs Kuben im Kreis um einen Tisch. Drei haben bis zu 2,7 Meter hohe Lehnen, jede anders geformt. An einem Kubus ist nur noch der Sockel einer Lehne übrig, die wohl abmontiert wurde. Die Stühle stammen von Robert Rehfeldt, Hans-Detlev Hennig und Hanfried Schulz, vermutlich von 1988.
An der Barther Straße 3 wurde 1984 der Grundstein der Siedlung gelegt. In der Grünanlage dort steht seit 1990 ein Sofa aus Sandstein von Gerdreiner Büttner, 1,9 Meter hoch, mit einer gewellten Lehne aus fünf Teilen und einem Kissen aus Stein. Hinten führen drei Stufen hinauf.
Zingster Straße
In der Zingster Straße stehen vier Arbeiten von Achim Kühn, „Regenbogen“, „Regentropfen“, „Gräser im Wind“ und der „Schneekristall“.


Der „Schneekristall“ ist aus Stahl und von 1996. Er steht an der Zingster Straße 25, ein Stück abseits der Runde.
Prerower Platz
Am Prerower Platz sollte das Rathaus des neuen Stadtbezirks stehen. Gebaut wurde es nie. Im September 1985 eröffnete hier ein Handelshaus mit zwei Geschossen nach Plänen von Wolf-Rüdiger Eisentraut, im Januar 1986 kam die Anna-Seghers-Bibliothek dazu. Ab April 1994 wurden Handelshaus, Post und Bibliothek abgerissen. Im Oktober 1995 eröffnete an ihrer Stelle das Linden-Center, die Bibliothek zog mit ein. Heute hat sie auch einen Makerspace.

Zwischen dem Linden-Center und dem S-Bahnhof Hohenschönhausen soll ein Urbanes Zentrum entstehen, mit einem Kultur- und Bildungszentrum, zwei Schulen, Wohnungen und Gewerbe. Den städtebaulichen Wettbewerb gab es 2021, inzwischen liegt ein Masterplan vor.

Meine Runde
Meine Runde ist 13,4 Kilometer lang, ich war gut zweieinhalb Stunden unterwegs. Sie führt durch das Wohngebiet an Welse- und Randowstraße nach Norden, über die Falkenberger Chaussee und ein Stück durch das alte Dorf Wartenberg, das ein eigener Ortsteil ist. Danach bin ich durch das Mecklenburgische Viertel und am Rand der Feldmark zum S-Bahnhof Wartenberg gelaufen. Zurück geht es über Am Berl, nicht weit vom Malchower See, der schon zu Malchow gehört, und durch das Ostseeviertel. Mit Gehrenseestraße, Hohenschönhausen und Wartenberg liegen drei S-Bahnhöfe an der Runde, du kannst also an mehreren Stellen einsteigen.
Am Wegesrand
Lesung am 9. November 1989. An dem Abend, an dem die Mauer fiel, sollte Stefan Heym in der Anna-Seghers-Bibliothek am Prerower Platz aus „Ahasver“ lesen. Daraus wurde eine Diskussion über die aktuelle Politik.
Von Correns zu van Gogh. 1992 verschwanden zwei Straßennamen aus der DDR-Zeit. Die Erich-Correns-Straße heißt seitdem Vincent-van-Gogh-Straße, die Fritz-Große-Straße Ernst-Barlach-Straße. Über beide bin ich auf der Runde gelaufen.
Ein Brunnen für Schwerin. Rund hundert Meter abseits der Runde, an der Wartenberger Straße Ecke Wustrower Straße, steht der „Brunnen der Jugend“ von Senta Baldamus. Acht nackte Jünglinge stehen im Kreis, einer bläst ein Horn, darüber steht eine junge Frau im weiten Gewand. Gedacht war der Brunnen ursprünglich für Schwerin, aufgestellt wurde er im Oktober 2002.
Ein Teich aus der Weiterbildung. Den Dekrapfuhl an der Zingster Straße hat die DEKRA 1998 bei einer Qualifizierungsmaßnahme angelegt. 2016 wurde er als Feuchtbiotop wiederhergestellt.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die S75 hält an den S-Bahnhöfen Gehrenseestraße, Hohenschönhausen und Wartenberg, alle drei liegen an der Runde. In Wartenberg endet die Linie.
Mehr auf dieser Seite: Der Grüne Hauptweg 6, der Lindenberger Korridor, führt am Rand des Ortsteils durch die Falkenberger Krugwiesen und die Wartenberger Feldmark.
Von Neu-Hohenschönhausen aus weiter
6 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.