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Malchow

Ortsteil im Bezirk Lichtenberg · Runde 17 von 74

Malchow im Norden von Lichtenberg ist ein altes Straßendorf, gleich neben der Großsiedlung Hohenschönhausen. Mit mehr als 600 Einwohner*innen ist es der kleinste Ortsteil des Bezirks. Am 8. August 2021 bin ich hier eine kurze Runde von 3,7 Kilometern gelaufen, durch die Malchower Aue, über die Dorfstraße und an den Weiden am Hechtgraben entlang.

Länge der Runde3,7 km
Gehzeit0:45 h
Gelaufen am8. August 2021
Einwohner*innen612
Fläche1,52 km²
Bahnhöfekeiner

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Kurz gesagt

  • Malchow wird 1344 zum ersten Mal erwähnt. Die Dorfstraße mit ihren Gehöften steht als Ganzes unter Denkmalschutz.
  • Von 1684 bis 1704 gehörte das Gut Paul von Fuchs, einem Minister des ersten preußischen Königs. Das Herrenhaus von 1690 steht noch.
  • Die Dorfkirche wurde im April 1945 von der Wehrmacht gesprengt, erhalten ist eine Ruine.
  • Seit 1971 brüten in Malchow wieder Störche, und östlich des Dorfes liegt das Naturschutzgebiet Malchower Aue.

Geschichte

Am 8. Februar 1344 taucht in einer Schenkungsurkunde ein Pfarrer auf, „Johannes, plebanus in malchowe“. Das ist die erste Erwähnung des Dorfes. 1494 bestätigte ein Lehnbrief der Familie von Barfuß zwei Rittergüter, sie blieb bis 1684 Gutsherrin. Danach ging das Gut an Paul von Fuchs, Geheimsekretär des Großen Kurfürsten und später Minister Friedrichs I. Er ließ ein Herrenhaus und ein Brauhaus bauen und empfing hier das erste preußische Königspaar. 1705 kaufte der König das Gut selbst, als Sommersitz.

1882 übernahm Berlin rund 500 Hektar Gutsland für Rieselfelder. Entlang der Dorfstraße bauten die Stadtgüter danach Häuser für ihre Landarbeiter*innen. 1920 kam Malchow zu Berlin.

Kurz vor Kriegsende, am 20. April 1945, sprengten Soldaten der Wehrmacht die Dorfkirche. Die Rote Armee sollte keine erhöhten Punkte zur Orientierung finden.

1949 wurde aus dem Stadtgut ein Volkseigenes Gut, 1951 zog eine Außenstelle der Humboldt-Universität ins Herrenhaus. Am 20. April 1960 schlossen sich hier die „wohl letzten Einzelbauern Ost-Berlins“ zur LPG „Florian Geyer“ zusammen. 1985 wurde Malchow Ortsteil des neuen Bezirks Hohenschönhausen, heute gehört es zu Lichtenberg.

Nach der Wende begann 1991 die Naturschutzstation am Wartenberger Weg ihre Arbeit, 1995 wurde die Malchower Aue Naturschutzgebiet. Seit Mai 2023 liegen der Malchower See und die Felder bis Wartenberg und Falkenberg in einem Landschaftsschutzgebiet von rund 640 Hektar.

Was Malchow ausmacht

Durch Malchow führt die Bundesstraße B2, im Dorf heißt sie Dorfstraße. An ihr liegen alte Drei-Seiten-Höfe, und die ganze Straße ist als Ensemble „Dorfstraße Malchow“ denkmalgeschützt. Die meisten Höfe, Scheunen und Ställe stammen aus der Zeit um 1870 bis 1900.

Östlich des Dorfes liegt die Malchower Aue, südlich der See, dazu kommen Felder und Weiden bis nach Wartenberg. Mitten im Dorf ist der Naturhof, und jedes Jahr gibt es ein Storchenfest.

Orte, die sich lohnen

Malchower Aue

Die Aue ist eine Niederung, die vor etwa 10.000 Jahren entstand, als Schmelzwasser am Ende der Eiszeit eine Rinne in den Barnim grub. Heute ist es ein Niedermoor mit Feuchtwiesen, Erlenbruch und Gräben. Von 1979 an wurde hier etwa fünf Jahre lang Torf gestochen. Einige Torfstiche blieben als Teiche, in ihnen laichen heute Frösche und Kröten.

Das Schutzgebiet ist 22,2 Hektar groß. Ein Rundweg führt hindurch, Infotafeln stehen an beiden Zugängen. Meine Runde geht ein Stück durch die Aue, an einem Torfstich und an einem Aussichtspunkt vorbei.

Entlang der Dorfstraße

Die Landarbeiterhäuser der Stadtgüter prägen die Dorfstraße bis heute. Eines davon ist das Wohnhaus Dorfstraße 40 von etwa 1890. In der Nummer 37 steht die Dorfschule von 1891, seit 1958 ist darin ein Kindergarten. Das Pfarrhaus in der Nummer 38 ist von etwa 1865.

Storchennest und Naturhof

1971 brüteten in Malchow zum ersten Mal seit dem Krieg wieder Störche, auf dem Schornstein einer früheren Gärtnerei in der Dorfstraße 36. 2002 baute die BEWAG den Störchen einen neuen Nistplatz, weiter weg von den Stromleitungen. Weniger Unfälle gab es aber erst, als die Leitungen Markierungen bekamen.

Ein paar Schritte abseits liegt der Naturhof Malchow. Auf dem Gelände reparierte früher die Staatssicherheit ihre Autos. 1991 übergab die Treuhand dem Bezirk eine betonierte Fläche mit asbestbelasteten Garagen. Heute gibt es auf rund einem Hektar ein Aquarium mit Fischen aus dem Malchower See, ein Bienenhaus, ein Schmetterlingshaus und einen Sinnesgarten. Im Jahr kommen bis zu 30.000 Besucher*innen.

Kirchenruine und Kirchhof

Von der mittelalterlichen Feldsteinkirche stehen nach der Sprengung 1945 nur noch die Grundmauern des Chors, gebaut 1683 bis 1694. Darin sind drei Grabsteine der Pfarrerfamilie Neander aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Auch die Kirche im Nachbardorf Falkenberg wurde 1945 gesprengt, an beide erinnern seit 2008 Gedenktafeln.

Auf dem Kirchhof steht ein Denkmal von 1918 für 19 Männer aus Malchow, die im Ersten Weltkrieg starben. Auf der Tafel steht unter anderem „Ihren gefallenen Söhnen / die dankbare Gemeinde / Malchow“. Die Friedhofskapelle ist von etwa 1880.

Gut Malchow

Das Herrenhaus in der Dorfstraße 9 wurde 1690 fertig, wohl für Paul von Fuchs. 1865 und 1866 wurde es umgebaut. Dazu gehört der Gutshof mit der früheren Schnapsbrennerei, mit Stall und Scheune. Westlich lag einmal ein Lustgarten mit Orangerie, nach Osten reichten Obst- und Weingärten bis an den See. Bis 2004 nutzte die Humboldt-Universität das Gut, heute ist hier eine Selbsthilfeorganisation für Suchtkranke.

Max- und Herta-Naujocks-Weg

Herta und Max Naujocks, ein Arbeiterehepaar aus der Kolonie Wiesenweg, versteckten 1943 und 1944 die jüdische Familie Weiß in ihrer Laube. Nach ihnen ist der Weg benannt. Seit 2011 erinnert eine Gedenktafel am Wartenberger Weg, an der Einfahrt zur Kleingartenanlage Wiesenhöhe, an die beiden. Bei der Enthüllung sprach Ellen Perry, geborene Weiß, die als Kind bei ihnen Zuflucht gefunden hatte. Im Dorf half damals auch der Ortspolizist Wilhelm Behr, er warnte Familien, die jüdische Nachbar*innen versteckten, vor Hausdurchsuchungen.

Am Hechtgraben

Am Hechtgraben entlang reichen die Wiesen bis nach Wartenberg. Dort stehen das ganze Jahr über Schottische Hochlandrinder auf der Weide.

Malchower See

Der See ist ein Toteissee aus der letzten Eiszeit. Ab 1889 wurden am See Fischteiche angelegt, manche dienten bis Mitte der 1960er Jahre als Karpfenteiche. Die Nordseite ist naturbelassen, die Südseite gestaltet. Zwischen etwa 1990 und 2002 entstand am See ein Volkspark für die neue Siedlung Hohenschönhausen-Nord. Der See liegt ein Stück abseits der Runde.

Im früheren Gutspark steht ein Findling für den Kunstflieger Günther Fries. Er stürzte am 16. April 1934 mit 20 Jahren bei Loopingübungen über dem See ab. Seine Tafel wurde in den 1960er Jahren und noch einmal nach 1989 entfernt, 1995 ließ die Bezirksverordnetenversammlung eine neue anbringen.

Meine Runde

Die Runde ist kurz, 3,7 Kilometer, ich war eine Dreiviertelstunde unterwegs. Sie führt zuerst durch die Malchower Aue östlich des Dorfes, dann über die Dorfstraße an Storchennest, Kirchenruine und Gut vorbei. Über den Max- und Herta-Naujocks-Weg und die Malchower Chaussee geht es danach an den Weiden am Hechtgraben entlang in Richtung See. Am selben Tag bin ich auch durch Wartenberg und Falkenberg gelaufen.

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Am Wegesrand

Eine Distel nur für Malchow. Auf den Feuchtwiesen der Aue wächst die Graue Kratzdistel, ihr einziges Vorkommen in Berlin. Die Wiesen werden deshalb erst gemäht, wenn die Pflanze ihre Wachstumszeit hinter sich hat.

Plattenbau-Aushub als Balzplatz. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde im Südosten der Aue Erde vom Wohnungsbau in Hohenschönhausen abgekippt und 1992 mit Mulch abgedeckt. Auf solchen Hügeln balzen heute die Männchen des Schwalbenschwanzes.

Fontane in Malchow. Im Dezember 1878 machte Theodor Fontane eine „Weihnachtswanderung“ nach Malchow, ihn interessierte die Grabstätte von Paul von Fuchs. In den Kirchenbüchern las er, dass die Malchower*innen gern in den Dienst gingen, als Beamte oder als Dienstpersonal. Sein Kommentar: „Kluge Leute schon damals“.

Ein Kelch aus der Ritterzeit. Die Kirchengemeinde bewahrt bis heute einen silbernen Abendmahlskelch auf. Er stammt aus der Zeit vor 1684, als die Familie von Barfuß die Gutsherrschaft hatte.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: An der Runde liegt kein Bahnhof.

Naturhof Malchow: Dorfstraße 35. Das Storchennest ist von März bis August per Kamera im Kappensaal zu sehen.

Von Malchow aus weiter

3 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

Wartenberg2,1 km im OstenNeu-Hohenschönhausen2,1 km im Südosten
Stadtrandsiedlung Malchow0,9 km im Nordwesten · Beitrag folgt

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