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Karow
Ortsteil im Bezirk Pankow · Ortsteil 75 von 97
Karow liegt im Norden Berlins im Bezirk Pankow. Am 17. Oktober 2026 bin ich hier 11,8 Kilometer gelaufen, vom S-Bahnhof durch das Neubauviertel Karow-Nord und den alten Dorfkern bis in die Felder im Süden. Der Himmel war grau und trüb.
Kurz gesagt
- Karow wird 1375 im kaiserlichen Landbuch erstmals genannt, die Dorfkirche ist deutlich älter und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Seit 1920 gehört Karow zu Berlin.
- Der Dorfkern Alt-Karow steht als Ensemble unter Denkmalschutz, die Dreiseitenhöfe sind einzelne Baudenkmäler.
- Ab 1990 entstand mit Karow-Nord ein Neubauviertel mit rund 5.100 Wohnungen. Es liegt neben dem Dorf und sieht ganz anders aus.
- Die Runde beginnt und endet am S-Bahnhof Karow (S2) und führt im letzten Drittel durch Felder und Wiesen.
Geschichte
Karow ist ein Straßendorf. Im Jahr 1375 steht es zum ersten Mal im kaiserlichen Landbuch, wie eine Tafel an der früheren Dorfschmiede berichtet. Auch der Tagesspiegel nennt 1375 als Jahr der ersten Urkunde und weist darauf hin, dass die Dorfkirche älter ist. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und bildet mit den Bauernhäusern des 19. Jahrhunderts den Kern von Alt-Karow. Laut Senatsverwaltung steht die gesamte Dorfanlage als Ensemble unter Denkmalschutz.
Ende des 19. Jahrhunderts bekam Karow einen Bahnanschluss, der die Siedlungsentwicklung förderte. Bis in die 1950er Jahre entstanden zwischen Bahnhof und Dorfkern vor allem Einfamilienhäuser in offener Bauweise, so die Senatsverwaltung. 1920 kam Karow mit Groß-Berlin zum Bezirk Weißensee. Seit der Bezirksreform von 2001 gehört der Ortsteil zu Pankow.
Der größte Einschnitt kam nach 1990. Die Senatsverwaltung schreibt: „Ab 1990 entstand die Neubausiedlung Karow-Nord“, als Geschosswohnungsbau östlich und westlich der Bucher Chaussee. Den Masterplan entwarf das kalifornische Büro Moore Ruble Yudell, 1991 war die Grundsteinlegung. Bis 1999 entstanden rund 5.100 Wohnungen für etwa 15.000 Bewohner*innen, so das Museum Pankow. Das Viertel heißt auch Neu-Karow. Ebenfalls in den 1990er Jahren entstand südlich von Karow-Nord der Stadtrandpark Neue Wiesen, der seit Herbst 1998 öffentlich zugänglich ist.
Was Karow ausmacht
Karow besteht aus zwei Orten, die nebeneinanderliegen. Im Dorf stehen Kirche, Höfe und Häuser mit Zierformen aus dem 19. Jahrhundert. In Karow-Nord stehen Wohnblöcke der 1990er Jahre, die um Plätze mit Geschäften gruppiert sind. Zwischen Bahnhof und Dorfkern liegen Einfamilienhäuser.
Dazu kommt die Lage am Stadtrand. Im Westen zieht sich ein Grünzug an der Panke entlang, im Süden und Osten gehen die Wege in Felder und Wiesen über. In Karow leben 20.140 Menschen auf 6,61 Quadratkilometern. Zu den Nachbarortsteilen gehören Buch, Französisch Buchholz und die Stadtrandsiedlung Malchow. Die Karower Teiche, ein Naturschutzgebiet, liegen abseits meiner Runde, die Seite zu Französisch Buchholz führt an ihnen vorbei.
Orte, die sich lohnen
S-Bahnhof Karow
Die Runde beginnt am S-Bahnhof Karow. Hier hält die S2, außerdem fährt die Regionalbahn RB 27 von Karow nach Basdorf und Groß Schönebeck. Am Bahnhof führt ein Durchgang unter den Gleisen hindurch.

Grünzug im Westen und Wegweiser
Zuerst geht es nach Westen und Norden in den Grünzug. Die Wege am Rand führen kurz über die Grenze nach Französisch Buchholz und Buch. Nach gut zwei Kilometern steht an einem Wegweiser eine ganze Reihe von Zielen. Darauf stehen der Nord-Süd-Weg und der Barnimer Dörferweg, zwei der Grünen Hauptwege Berlins, außerdem die Karower Teiche. Der Barnimer Dörferweg führt von Ahrensfelde über Karow, Blankenfelde und Lübars bis nach Alt-Tegel. Auch der Pankeweg kommt an Karow vorbei, der S-Bahnhof liegt dort rund 500 Meter abseits.

Betondurchlass mit Graffiti
Bei knapp drei Kilometern führt der Weg durch einen Betondurchlass, durch den ein Graben fließt. Die Wände sind von oben bis unten bemalt.

Karow-Nord
Dann beginnt Karow-Nord. Die Siedlung wirkt wie eine Kleinstadt: Platzanlagen mit Steinquadern, Häuserzeilen, die sich in Bögen um die Plätze legen, Läden im Erdgeschoss. Der Fachbeitrag von Moderne Regional beschreibt den Masterplan mit vier Haustypen: durchbrochene Blockrandbebauung, „Karower Hof“, Agrarhäuser und Stadtvillen. Der Plan enthält verschieden geformte Plätze, einen zentralen Einkaufsbereich und die Hauptstraßen Bucher Chaussee und Achillesstraße. Auf mich wirkte Karow-Nord bei diesem Wetter eher trist. Gut hundert Meter abseits der Runde liegt der Ballonplatz, mehr dazu unter Am Wegesrand.

Alt-Karow
Von Karow-Nord geht es in den Dorfkern, der sich entlang der Straße Alt-Karow zieht. Hier stehen die Höfe, die den Ortsteil seit dem 19. Jahrhundert prägen. Die ortstypischen Dreiseitenhöfe sind als einzelne Baudenkmäler geschützt. Zwischen ihnen stehen Häuser mit aufwendigen Fassaden. An einem Backsteingiebel stehen die Buchstaben C B und die Jahreszahl 1893.


Dreimädelhaus
An der Ecke Alt-Karow 52 und Frundsbergstraße steht das Dreimädelhaus, am hellen Giebel stehen die Frakturbuchstaben des Namens. Das ursprüngliche Gebäude gibt es nicht mehr: Der Heimatforscher Marcel Chartron suchte nach Bildern und Zeichnungen des früheren Hauses, um die Alt-Karower Chronik fortzuschreiben, wie die Pankower Allgemeine Zeitung meldet. Zur Geschichte nennt der Blog Berlin typisch Folgendes: Ein Haus an dieser Stelle entstand 1891/92, ab 1904 gab es dort eine beliebte Gaststätte, und der Name geht auf die drei Töchter des Wirts zurück. In den 1960er Jahren wurde das Gebäude abgerissen, 2016 entstand ein Neubau nach historischem Vorbild. Diese Angaben stammen nur aus dieser einen Quelle, ich konnte sie nicht an einer zweiten prüfen.

Dorfschmiede
Bei Alt-Karow 4 führt die Runde an den Resten der Dorfschmiede vorbei. Die Tafel vor Ort berichtet, dass die ältere Schmiede neben der Kirche 1899 abbrannte. Das heutige Gebäude war um 1842 als Stall oder Lager entstanden und wurde 1899/1900 zur Schmiede umgebaut. Weil es sehr schlecht erhalten war, entschied das Bezirksamt Pankow 2014, es nicht ganz abzureißen, sondern bis auf die Kernmauern zurückzubauen. Es entstanden Sitzgelegenheiten und eine Infotafel zur Ortsgeschichte, am 9. September 2015 wurde die Anlage eingeweiht.
Dorfkirche
Die Dorfkirche steht an der Straße Alt-Karow. Die Senatsverwaltung datiert sie in das 13. Jahrhundert, die Kirchengemeinde nennt als wahrscheinliche Bauzeit 1220 bis 1230, das Denkmalverzeichnis 1200 bis 1250. Kirche und Kirchhof stehen unter Denkmalschutz. Der Backsteinturm mit der Uhr ist deutlich jünger. Er entstand von 1845 bis 1847, das Denkmalverzeichnis verzeichnet für diese Jahre einen Umbau. Zur Ausstattung gehört nach Angaben der Kirchengemeinde die Karower Bilderbibel, 33 Gemälde mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Ich wollte die Kirche gern von innen sehen, sie war aber verschlossen. Gesehen habe ich sie nur von außen.

Felder und Neue Wiesen
Hinter dem Dorf wird es offen. Die Runde führt auf Feldwegen durch das Land im Süden von Karow, an Baumreihen und Gräben entlang. Am Horizont stehen Windräder und Strommasten. Zur Landschaft gehört der Stadtrandpark Neue Wiesen, der südlich von Karow-Nord liegt. Er ist 86 Hektar groß, entstand Mitte der 1990er Jahre und wurde im Herbst 1998 für die Öffentlichkeit übergeben. Der Entwurf von Andrea Schirmer und Martina Kernbach erhielt 1999 den Deutschen Landschaftsarchitekturpreis. Am Rand dieser Felder beginnt die Stadtrandsiedlung Malchow.



Die Felder und Wiesen im Süden haben mich auf dieser Runde am meisten beeindruckt. Am Wegesrand steht alter Baumbestand. Ein knorriger Baum überspannt den Pfad, ein Holzpoller markiert die Abzweigung. Am Ende der Felder liegt ein kleiner Teich mit Schilf und überhängenden Bäumen.


Meine Runde
Die Runde ist 11,8 Kilometer lang, Komoot gibt 2:38 Stunden an. Sie beginnt und endet am S-Bahnhof Karow. Zuerst führt sie nach Westen und Norden durch den Grünzug, dann durch Karow-Nord und Alt-Karow mit Dorfschmiede und Dorfkirche, im Süden durch Felder und Wiesen und am Ende zurück zum Bahnhof.
Am Wegesrand
Eine Ballonlandung bei Karow. Am 27. September 1788 stieg der französische Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard im Tiergarten auf. Er landete bei Karow. Der Tagesspiegel nennt den heutigen Ballonplatz als Landestelle, laut Kauperts war es freies Feld zwischen Buch und Karow, wo heute Karow-Nord liegt. Der Platz trägt seinen Namen seit 1996.
Alte Höfe als Vorbild. Beim Entwurf von Karow-Nord orientierte sich die Planung an der Struktur des alten Ortskerns. Das berichtet das Museum Pankow, und der Haustyp „Karower Hof“ greift die alten Höfe mit zwei L-förmigen Baukörpern und einem quadratischen Gebäude auf, wie Moderne Regional schreibt.
Die Laake. Durch den Stadtrandpark Neue Wiesen fließt die Laake. Der Name kommt aus dem Niederdeutschen und bezeichnet stehendes oder langsam fließendes Wasser. Beim Umbau des Parks bekam der Bach ein natürliches Bett, nach 4,3 Kilometern mündet er in die Panke. Dazu kommt der Karower Feldgraben, der teils von Pappeln gesäumt durch den Park fließt, so das Bezirksamt.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: In Karow hält die S2 von Blankenfelde durch die Innenstadt und über Pankow nach Bernau. Die RB 27 fährt von Karow über Basdorf nach Groß Schönebeck und Wensickendorf. Der Bahnhof liegt an der Runde, sie beginnt und endet dort.
Dorfkirche: Außerhalb von Gottesdiensten und Veranstaltungen kannst du im Gemeindebüro nachfragen, ob die Kirche zu besichtigen ist.
Mehr auf dieser Seite: Der Pankeweg von Bernau nach Wedding berührt Karow auf dem Abschnitt „Von Karow nach Pankow“. Die Grünen Hauptwege Barnimer Dörferweg und Nord-Süd-Weg sind auf dem Wegweiser zu lesen. Die Nachbarortsteile Buch, Französisch Buchholz und Stadtrandsiedlung Malchow haben eigene Seiten.
Von Karow aus weiter
4 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.