Gutshaus Mahlsdorf am Hultschiner Damm, gebaut um 1780.
Das Gutshaus steht am Hultschiner Damm im alten Dorfkern von Mahlsdorf. Nach der Dorfkirche ist es das zweitälteste erhaltene Gebäude des Ortes. Seit 1960 gibt es darin das Gründerzeitmuseum, das Charlotte von Mahlsdorf aufgebaut hat. Besichtigen kannst du es nur bei einer Führung.
Vom Gutshaus zum Museum
Das Gutshaus entstand um 1780. 1869 ließ der Kaufmann Hermann Lachmann es umbauen. 1958 drohte dem Haus der Abriss. Charlotte von Mahlsdorf, 1928 als Lothar Berfelde in Mahlsdorf geboren, übernahm es und stellte es in etwa so wieder her, wie es um 1780 aussah, mit einigen Veränderungen von 1869. 1972 kam das Haus auf die Denkmalliste der DDR.
Sie hatte früh angefangen zu sammeln. Bis 1946 waren es fünf komplette Zimmereinrichtungen. Das Museum öffnete am 1. August 1960 zunächst in zwei Räumen. Auf dem Höhepunkt zeigte die Sammlung 23 Zimmereinrichtungen, dazu Musikmaschinen, Uhren, Kostüme, Nähmaschinen, Spiegel und Öfen.
Die Kneipe im Keller
Im Souterrain liegt die Mulackritze, eine Berliner Kneipe aus dem Scheunenviertel. Charlotte von Mahlsdorf rettete sie 1963 beim Abriss des Hauses und baute sie im Keller originalgetreu wieder auf. Zu ihr gehört auch ein Vereinszimmer. In den 1970er Jahren traf sich im Museum die Homosexuelle Interessengemeinschaft Berlin, 1978 wurden solche Treffen dort verboten.
Streit und Neuanfang
1974 wollte der Staat das Museum übernehmen. Charlotte von Mahlsdorf verschenkte Teile der Sammlung an Besucher*innen, um sie zu retten. 1976 halfen ihr die Schauspielerin Annekathrin Bürger und der Rechtsanwalt Friedrich Karl Kaul, die Aktion zu stoppen.
1991 griffen Neonazis ein Frühlingsfest im Gutshaus an. Zusammen mit finanziellen Belastungen brachte sie das zum Wegzug. 1992 bekam sie das Bundesverdienstkreuz, 1995 wurde das Museum geschlossen, im Frühjahr 1997 zog sie nach Porla Brunn in Mittelschweden. Die Stadt Berlin erwarb die Bestände, die im Haus geblieben waren, und der 1997 gegründete Förderverein Gutshaus Mahlsdorf eröffnete das Museum im Juni 1997 wieder.
Charlotte von Mahlsdorf starb am 30. April 2002 bei einem Besuch in Berlin. Zum ersten Todestag stellte der Förderverein im Gutspark einen Gedenkstein aus rotem Sandstein auf.
Der Besuch
Im Museum sind 17 Räume vollständig eingerichtet, mit Möbeln, Uhren, Lampen, Musikautomaten und Grammophonen. Der frühere Gartensaal ist ein Festsaal mit hohen Spiegeln und Kronleuchtern. Die Führung dauert etwa 60 Minuten und enthält eine Vorführung der mechanischen Musikmaschinen. Hinter dem Haus liegt der Gutspark, dessen geschwungene Wege wiederhergestellt wurden.
Steckbrief
Ort
Hultschiner Damm 333, Mahlsdorf
Gebaut
um 1780, umgebaut 1869
Zustand
erhalten, Museum
Zugang
Mittwoch und Sonntag, nur mit Führung
Nächste Haltestelle
Tram Alt-Mahlsdorf (62), ca. 300 m; S Mahlsdorf (S5), ca. 1,1 km
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch Mahlsdorf vorbeigekommen: Mahlsdorf zu Fuß.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Orte in Marzahn-Hellersdorf: Schloss Biesdorf und der Parkfriedhof Marzahn. Alle fünf Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Marzahn-Hellersdorf zu Fuß.
