Unterwegs zu Fuß

Schloss Reckahn: Rochow-Museum, Schulhaus und der Park an der Plane

Schloss Reckahn mit Freitreppe und Dachgauben

Reckahn ist ein Dorf an der Plane, südlich von Brandenburg an der Havel, und es hat ein Ensemble, das anderswo selten so beieinander steht: Schloss, Kirche und Schulhaus aus dem 18. Jahrhundert, dazu ein Park. Im Schloss sitzt das Rochow-Museum. Es erzählt, wie der Gutsherr Friedrich Eberhard von Rochow hier ab 1773 Landschulen aufbaute, Jahrzehnte vor den preußischen Reformen. Der Burgenwanderweg führt offiziell nicht durch Reckahn, meine fünfte Etappe endete trotzdem hier, und die sechste begann am nächsten Morgen.

Steckbrief

Ort

Reckahner Dorfstraße 27, Reckahn (Kloster Lehnin), Potsdam-Mittelmark

Nächste Haltestelle

Reckahn/Dorf, Bus 551 und 524

Zugang

Park frei zugänglich, Museum und Schulmuseum Dienstag bis Sonntag, Kirche nach Vereinbarung

Zustand

Schloss und Schulhaus als Museum, Park gepflegt

Gelaufen am

17. und 18. April 2022

Am Weg

Ziel von Etappe 5 und Start von Etappe 6 meines Burgenwanderwegs. Der offizielle Weg läuft weiter westlich über Groß Briesen, Reckahn ist meine Abweichung.

Ein Gutsherr baut Schulen

Reckahn war der Stammsitz der Familie von Rochow. Das Schloss wurde bis 1729 gebaut, die Kirche ließ Friedrich Wilhelm von Rochow 1739 errichten, 1741 war sie fertig. Im selben Jahr lagerte das preußische Heer in der Gegend und richtete auf den Gütern große Schäden an, daran erinnert bis heute eine Steinpyramide im Park (laut Tourismusverband).

Der Sohn, Friedrich Eberhard von Rochow (1734 bis 1805), ist der Grund, warum Reckahn in Schulbüchern steht. Ab 1773 richtete er auf seinen Gütern Reckahn, Göttin und Krahne Modellschulen ein, in Reckahn konnte das neue Schulhaus 1774 bezogen werden. Unterrichtet hat dort Heinrich Julius Bruns (1746 bis 1794), vorher Lehrer und Schreiber in Rochows Haus. Nach dem Tod des Schulmeisters ließ Rochow ihm 1794 ein Denkmal im Park setzen, das einzige bekannte Denkmal für einen Volksschullehrer in Deutschland.

Rochows Lesebuch „Der Kinderfreund“ (1776 und 1779) gilt als erstes deutsches Volksschullesebuch, bis in die 1870er Jahre wurde es europaweit rund eine Million Mal nachgedruckt. Der Berliner Minister Zedlitz würdigte Rochows Schulen schon 1773, der König gab Geld, um die Landschulen nach Rochows Plan zu ordnen. So weit, so bekannt. Weniger bekannt: Den Park gestaltete Rochow nach 1760 zum englischen Landschaftsgarten um, dafür ließ er das Flussbett der Plane vertiefen und die Ufer erhöhen. Er gilt als einer der ältesten Landschaftsparks in Brandenburg.

Das Rochow-Museum im Schloss wurde im August 2001 eröffnet, die Dauerausstellung heißt „Vernunft fürs Volk. Friedrich Eberhard von Rochow im Aufbruch Preußens“. Bis 2021 kamen fast 200.000 Besucher*innen, darunter 50.000 Schüler*innen. Die Universität Potsdam ist an der Arbeit beteiligt.

Rundgang

Schloss und Museum

Das Schloss steht an der Dorfstraße, ein barocker Bau mit Freitreppe und Dachgauben, mehr Herrenhaus als Schloss. Drinnen sitzt das Rochow-Museum. Es zeigt Rochows Leben und seine Schulreform, dazu die Zeit um 1800 in Preußen. Hinter dem Haus beginnt gleich der Park.

Das Schulhaus von 1773

Ein paar Schritte weiter steht das weiße Schulhaus mit der Inschrift über der Tür. Hier unterrichtete Bruns nach Rochows Grundsätzen, hier entstand die Vorlage für die preußischen Landschulen. Heute ist es das Schulmuseum mit einem historischen Klassenzimmer, eingerichtet wie um 1900.

Die Kirche

Eine Kirche in Reckahn wird 1230 zum ersten Mal erwähnt. Der Fachwerkvorgänger war 1731 baufällig und wurde abgerissen, die heutige Dorf- und Schlosskirche ist zurückhaltender Barock mit Westturm und Zwiebelhaube. Über dem Portal stehen die Wappen der Familien von Rochow und von Görne. Innen hat sich seit dem 18. Jahrhundert kaum etwas verändert, der Marmoraltar stammt aus Italien. Zu sehen ist das nur nach Vereinbarung, die Nummern stehen beim Schlossmuseum.

Park, Plane und die Pyramide

Der Park ist 21 Hektar groß und frei zugänglich. Die Plane läuft hindurch, ein Grabensystem mit Fischteichen reichte einmal bis an den Gutshof, am Haus lag der Lustgarten mit Obst und Gemüse. Im Park stehen das Bruns-Denkmal und die Steinpyramide. Vom Park aus geht der Rochow-Wanderweg weiter, ein Rundweg von knapp zehn Kilometern über Meßdunk und Krahne. Die Reckahner Teiche dahinter sind ein Rastplatz für Zugvögel, mehr dazu steht in der fünften Etappe.

Gut zu wissen

  • Rochow-Museum und Schulmuseum sind von März bis Mitte Dezember geöffnet, Dienstag bis Sonntag, montags geschlossen. Die genauen Zeiten und Preise stehen bei Reiseland Brandenburg und beim Museum, es gibt ein Kombiticket für beide Häuser.
  • Der Park ist jederzeit offen, die Kirche nur nach Vereinbarung.
  • Reckahn hat keinen Bahnhof. Die Busse 551 und 524 halten an Reckahn/Dorf, Abfahrten im VBB-Fahrplan prüfen.
  • Übernachtet habe ich im Gästehaus Reckahn, zwischen Etappe 5 und Etappe 6.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich