Unterwegs zu Fuß

Amtsgericht Wedding: Spätgotik, Treppenhalle und Brunnenplatz

Spätgotisch gestaltete Fassade des Amtsgerichts Wedding mit Portalvorbau und Treppengiebel am Brunnenplatz

Das Amtsgericht Wedding am Brunnenplatz, 1901 bis 1906.

Das Amtsgericht Wedding steht am Brunnenplatz in Gesundbrunnen, trotz seines Namens also nicht im Ortsteil Wedding. Den rechteckigen Platz hat die Stadt nach dem Bebauungsplan von 1862 als Hauptplatz des Gesundbrunnens angelegt. Auf einer Seite begrenzt ihn die Panke zwischen Uferstraße und Orthstraße.

Spätgotik an der Panke

Gebaut wurde das Gericht von 1901 bis 1906 nach Plänen von Rudolf Mönnich und Paul Thoemer, Bauherr war der preußische Justizfiskus. Die beiden haben sich an der sächsischen und süddeutschen Spätgotik orientiert, die Fenster und Gewölbe erinnern an die Albrechtsburg in Meißen. Der Boden an der Panke ist sumpfig, deshalb steht das Haus auf Pfählen aus Eisenbeton, die damals neu waren.

Der Bau hat einen breiten Mitteltrakt und kurze Seitenflügel. In der Mitte sitzt der Portalvorbau in einem riesigen Bogen, darüber ein großes Maßwerkfenster und ein Treppengiebel mit Balkonen und Ecktürmchen. An den Seitenflügeln stehen runde Treppentürme mit geschweiften Hauben.

Rechtsbücher und Wappen

Am Portal verweisen Reliefs und Spruchbänder auf alte Rechtsbücher, den Sachsenspiegel, den Schwabenspiegel und das Kirchenrecht. Die Wappen zeigen, für welches Gebiet das Gericht zuständig war, den Berliner Norden und die damaligen Landgemeinden Tegel, Wittenau, Reinickendorf, Heiligensee, Lübars und Hermsdorf. Die Justitia über dem Eingang trägt laut August-Bebel-Institut keine Augenbinde und keine Waage, sie hält den Leuten das Gesetz entgegen. Im obersten Giebel steht ein Roland als Zeichen der Gerichtsbarkeit.

Die Treppenhalle

Hinter dem Eingang liegt eine Treppenhalle, die über vier Geschosse reicht. Achtseitige Pfeiler tragen ein dichtes Netzgewölbe mit einem herabhängenden Schlussstein, Galerien und Treppen staffeln sich nach oben. An den seitlichen Treppen stehen lebensgroße Figuren der Güte und der Wahrheit. Das gebrochene Licht sollte nach der Idee der Gerichtsbauten dieser Zeit den Sieg des Rechts über das Unrecht zeigen. Drinnen war ich auf meiner Runde nicht.

1957 und 1958 kam hinter dem rechten Seitenflügel ein Anbau von Bruno Grimmek dazu, 1984 bis 1987 einer hinter dem linken. Der Flügel an der Orthstraße, der hinten geplant war, wurde nie gebaut.

Architekt*in

Rudolf Mönnich und Paul Thoemer

Ort

Brunnenplatz 1, Gesundbrunnen

Gebaut

1901 bis 1906, Anbauten 1957/58 und 1984 bis 1987

Zustand

Baudenkmal, Sitz des Amtsgerichts Wedding

Zugang

Außenbau vom Brunnenplatz aus frei zu sehen

Nächste Haltestelle

Brunnenplatz (ca. 150 m), Uferstraße (ca. 250 m), Pankstraße (ca. 300 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Gesundbrunnen vorbeigekommen: Gesundbrunnen.

HBrunnenplatzHUferstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Ein weiterer Ort im Bezirk Mitte: das AEG-Beamtentor in Gesundbrunnen. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich